Interview mit Augenarzt Dr. med. Gerold Fiedler aus München

jameda: Herr Dr. Fiedler, die Behandlung der Fehlsichtigkeit mit dem Laser ist ja inzwischen millionenfach durchgeführt worden und nichts Neues mehr. Aber bisher wurde man durch den Eingriff “normalsichtig” und musste dann ab Mitte 40 so wie jeder andere eine Lesebrille tragen. Ihre Patientin, Frau Roethe lebt ohne Lesebrille. Wie funktioniert das?
Dr. Gerold Fiedler: Auch ich lebe ohne Lesebrille. Ähnlich wie Goethe habe ich ein normalsichtiges Auge, das mir ein scharfes Bild in der Ferne liefert und ein etwas kurzsichtiges Auge, das mir als „Leseauge“ ein scharfes Bild in der Nähe liefert.
jameda: Das hört sich eher kompliziert an. Wie kommt man damit zurecht?
Dr. Gerold Fiedler: Selbst das modernste Bildverarbeitungsprogramm sieht alt aus gegen das, was unser Gehirn auf diesem Gebiet leistet. Niemand nimmt z.B. auf jedem Auge einen etwa 10° großen blinden Fleck wahr, obwohl die Optik des Auges für diesen Bereich kein Bild liefern kann (der Eintritt des Sehnerven). Auch wenn Sie mit beiden Augen auf Ihren Fingern schauen, sehen Sie dahinter keine Doppelbilder, obwohl sich Ihre Blicklinien ja kreuzen. Der Bildeindruck, den unser Gehirn uns liefert, erfolgt immer erst nach exzellenter Bildbearbeitung. Allerdings reagiert hier jeder Mensch sehr verschieden, so dass man dies unbedingt in einem Kontaktlinsentrageversuch vorher abklären muss. Hier wird der Bildeindruck, der nach der OP bestehen soll, vorab simuliert.
jameda: Wie lange dauert denn die Umstellung auf diesen neuen Bildeindruck?
Dr. Gerold Fiedler: Auch das ist sehr unterschiedlich, manche Menschen sagen schon kurz nach dem Einsetzen der Probelinsen „so geht’s prima“ und haben somit sofort grünes Licht für Goethe-Augen. Bei den meisten dauert die Umstellung allerdings einige Tage.
jameda: Heißt das, man kann wieder so sehen wie als Normalsichtiger mit 30?
Dr. Gerold Fiedler: Nein, auf keinen Fall. Es ist natürlich immer ein Kompromiss, denn „zwei Augen sehen mehr“, so dass die Fernsicht möglicherweise unter dem maximal erreichbaren Niveau bleibt und auch für Tätigkeiten, die extrem gutes Nahsehen voraussetzen (z.B. Faden einfädeln etc.) in späteren Jahren eine zusätzliche Lesebrille nötig sein wird.
jameda: Das hört sich an, als sei dies eine Ideallösung für alle?
Dr. Gerold Fiedler: Nein, natürlich nicht. Monovision bedeutet, dass Sie die meisten Dinge des Lebens ohne Brille erledigen können und nur evtl. bei hohen Anforderungen auf eine Sehhilfe zurückgreifen müssen.
jameda: Wem würden Sie denn zur Monovision raten?
Dr. Gerold Fiedler: Wenn Sie mit der Lesebrille keine Probleme haben, so bleiben Sie dabei. Monovision ist eine Option für alle, deren Hauptmotiv Brillenfreiheit auch beim Lesen über 50 ist – aber nur nach individueller Beratung und Kontaktlinsentrageversuch.
jameda: Wie viel Erfahrung besteht denn mit dieser Monovision?
Dr. Gerold Fiedler: Wie Sie aus dem Interview mit Frau Roethe wissen, habe ich meine erste Patientin 1993 damit versorgt und seitdem tausende von Patienten operiert. In den USA wird diese Methode inzwischen millionenfach erfolgreich angewandt. Ich selbst genieße meine Goethe-Augen jeden Tag mehr.
jameda: Herr Dr. Fiedler, wir bedanken uns herzlich für das informative Gespräch.
Der Münchner Augenarzt Dr. med. Gerold Fiedler (www.augenlaser-muenchen.de) hat 1993 die erste Augenlaserbehandung der Fehlsichtigkeit in München durchgeführt und in seinem letzten Beitrag darüber geschrieben.
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Am 5. Oktober 2009 um 13:24 Uhr
Das ist mir völlig neu, ich habe über Augenlaser Op´s schon viel gelesen, aber die Schilderungen von Hr. Fiedler klingen ja wirklich sehr interessant, können diese Art der Behandlung auch Ärzte in NRW durchführen oder ist das noch zu selten und “unbekannt”? Danke, MFG
Am 11. Oktober 2009 um 15:12 Uhr
Jeder erfahrene Augenlaser-Chirurg kann diese Behandlung durchführen. Das Problem ist nur, die richtige Dosierung für den individuellen Patienten zu finden. Dies kann nur im Kontaktlinsentrage-Versuch bestimmt werden. Damit kann man vor der Behandlung das angestrebte Ergebnis simulieren. Kommt der Patient in seinem Alltag mit diesem Seh-Eindruck gut zurecht, so steht den Goethe Augen nichts mehr im Wege. mfg Dr. Gerold Fiedler
Am 11. Dezember 2009 um 17:54 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Fiedler,
die Monovision hört sich wirklich gut an und ich habe auch schon ein wenig im Internet recherchiert. Ich habe auf einem Auge -4,5 und auf dem anderen -4 Dioptrin. Nehmen wir mal an das mit -4 Dioptrien wäre das “Leseauge”. Auf welche Stärke müsste dies gelasert werden, um eine gute Monovision zu erreichen?
Vielen Dank schon mal und
mit freundlichen Grüßen
Sibylle Hoff
Am 11. Dezember 2009 um 18:03 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Fiedler,
ich hätte noch eine Frage. Wenn ich die Monovision mit Kontaktlinsen simulieren möchte, welche Stärke sollte ich nehmen?
Vielen vielen Dank,
Sibylle Hoff
Am 11. Dezember 2009 um 20:15 Uhr
Sehr geehrte Frau Hoff,
“Das Problem ist nur, die richtige Dosierung für den individuellen Patienten zu finden. Dies kann nur im Kontaktlinsentrage-Versuch bestimmt werden.”….damit hatte ich eigentlich weiter oben Ihre Frage schon beabtwortet. “Individuell” vor allem deshalb, weil der (vor allem altersbedigte) Verlust an Akkomodationsfähigkeit abgewogen werden muss gegen die Suppressionstoleranz betr. des nicht benötigten Bildeindrucks des zweiten Auges. Einige Jahre Erfahrung ist hierbei hilfreich! (…wie beim Klavierstimmen)
mfG Dr. Gerold Fiedler