Warum sind Omega-3-Fettsäuren so gesund?
Omega-3-Fettsäuren können, wie alle essentiellen Fettsäuren, vom Menschen nicht selbst produziert werden und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Sie sind unabdingbar für unseren Zellstoffwechsel, für das Herz, das Hirn, die Sehkraft, die Regulierung des Gewichts und Studien zufolge auch für Fruchtbarkeit und Psyche. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass sich die Gabe von Omega-3 bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder aber bei Menschen mit ADS positiv auf das allgemeine Wohlbefinden ausgewirkt hat. Ein echtes Allround-Talent! Einer der Gesundmacher heißt „Alpha-Linolensäure“ (ALA) und ist vor allem in Lein-, Raps-, Walnuss- und insbesondere in Perillaöl zu finden, welches oft und gerne in der japanischen Küche verwendet wird. Japaner schätzen die Blätter und Samen der Perilla-Pflanze sehr, essen sie zu zahlreichen Gerichten und sind somit bestens mit Omega-3 versorgt. Vielleicht ist diese Tatsache ein Grund dafür, warum die Japaner im Schnitt um Jahre länger leben als wir Europäer?
Schließlich tut sich hierzulande eine echte Kluft auf, wenn man Experten glauben darf. Diese empfehlen nämlich ein 1:1-Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Die Ernährungsgewohnheiten der Industrieländer führen jedoch zu einem ganz anderen Verhältnis – manche sprechen von 15:1. Das ist enorm! Wie können wir also dafür sorgen, besser mit den Gesundmachern versorgt zu sein?
Etwa 300-500 Milligramm der gesunden Fettsäuren sind für Erwachsene täglich notwendig. Einen hohen Anteil liefern fette Meeresfische. Regelmäßige Fischmahlzeiten können solche Mengen allerdings kaum liefern: So enthält eine Portion Fische „nur“ etwa 250 mg Omega-3-Fettsäuren – was ca. der halben empfohlenen Tagesdosis entspricht. Weitere „Omega-Lieferanten“ sind Leinöl, Rapsöl, Hanföl sowie Fleisch, Milch und Eier von Tieren, die mit Grünfutter gefüttert wurden.
Ob die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren in Pillenform denselben Effekt hat, ist umstritten. Selbst kochen ist also angesagt, und zwar leckeren Fisch wie Hering, Makrele, Lachs, Sardine, Sardelle und Thunfisch. Oder aber man gibt nach dem Kochen etwas Leinöl über das Essen. Studien belegen übrigens, dass Bio-Milchprodukte und -Fleisch viel mehr Omega-3-Fettsäuren enthalten als konventionelle Nahrungsmittel.
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Am 9. April 2009 um 23:22 Uhr
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Omega-3-Fettsäure in Pillen-Form genauso gesund sein kann, wie die natürlich vorkommende Variante. Es geht nichts über eine gesunde und ausgewogene Ernährung, am besten mit Bionahrungsmittel, denn mit konventionell erzeugten Lebensmittel, konsumiert man auch jede Menge unerwünschte Pestizidrückstände, deren Grenzwerte von den verantwortlichen Behörden immer weiter nach oben geschraubt werden.
Auf alle Fälle greife ich nicht zu Pillen, als Ersatz für gesunde Lebensmittel. Man kann nicht alles synthetisch erzeugen und annehmen, dass dies gesund für unseren Organismus ist.
Am 6. Juli 2009 um 12:19 Uhr
Omega-3-Fettsäuren ohne Wirkung
Die Behandlung mit Omega-3-Fettsäuren nach einem Herzinfarkt bringt keinen messbaren Nutzen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie von Prof. Dr. Jochen Senges (Ludwigshafen) zum Thema “Fischöl und die Prognose nach einem Herzinfarkt”, die auf der 75. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vorgestellt wurde.
Im Verlauf der Doppelblind-Studie wurden 3827 Herzinfarktpatienten aus 104 Zentren in Deutschland untersucht. Die Studienteilnehmer erhielten eine Leitlinien-gerechte Infarkttherapie, eine Gruppe wurde zusätzlich mit hochgereinigten Omega-3-Fettsäuren behandelt. Fazit: Bezüglich plötzlichem Herztod (primärer Endpunkt), Gesamtsterblichkeit, nicht-tödlichem neuerlichem Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmus-Störungen und Bypass oder Katheter-Intervention (sekundäre Endpunkte) ließ sich kein signifikanter Einfluss der Omega-3-Fettsäuren
feststellen.
Die Ergebnisse lassen erneut Zweifel an der angeblichen Gesundheitswirkung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Fischöl aufkommen, die in der Werbung und Laienmedien angepriesen werden.
Am 6. Juli 2009 um 12:20 Uhr
Verzögerte Wundheilung durch Omega-3-Fettsäuren
Fischölkapseln mit sogenannten mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren werden mit allerlei Anpreisungen über die Medien zu angeblichen Gesundheitseffekten an das zahlungskräftige Publikum gebracht. Hierbei werden die Verkäufer nicht selten von „Gesundheitsexperten“ und “Verbraucherschützern” unterstützt, die diese Werbeaussagen mehr oder weniger unkritisch und ungeprüft übernehmen.
Prof. Jodi McDaniel von der Ohio State University mahnt jetzt im Fachjournal „Wound Repair and Regeneration” (1), während einer akuten Wundheilung auf Omega – 3 – Pillen zu verzichten, da diese Fettsäuren offensichtlich die Wundheilung stören können.
Ein Forscherteam um Prof. McDaniel untersuchte die Heilung von künstlich erzeugten Blasen am Oberarm von 30 Probanden. Die Hälfte der Teilnehmer nahm über vier Wochen täglich 1,6g Eicosapentaensäure (EPA) und 1,1g Docosahexaensäure (DHA) zu sich. Die andere Hälfte schluckte ein Placebo. In der Placebogruppe nahm die Wundheilung 9,8 Tage in Anspruch. In der Omega – 3 - Gruppe waren es durchschnittlich 10,7 Tage. Dieser Unterschied konnte aber nicht statistisch als signifikant abgesichert werden.
Viel aufschlussreicher war die Untersuchung der Wundflüssigkeiten. Bei den Personen, die die Fettsäuren erhalten hatten, fanden die Forscher höhere Konzentration an pro-inflammatorischen (entzündungsfördernden) Zytokinen: Interleukin-1 beta (IL-1b), Interleukin-6 (IL-6) und Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNFa). Allerdings waren auch nur die Unterschiede zwischen den IL-1b-Werten statistisch signifikant. Zudem wiesen Männer höhere IL-1b-Werte auf als Frauen.
Untersuchungen sollen nur klären, unter welchen Umständen die Omega-3-Fettsäuren zu - oder abträglich sind.
Zuvor hatte eine Vielzahl von Wissenschaftler auf die Unwirksamkeit von Omega-3-Fettäuren bei der Prophylaxe von Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Asthma und Allergien hingewiesen.
(1) Jodi C. McDaniel, Martha Belury, Karen Ahijevych, Wendy Blakely
Omega-3 fatty acids effect on wound healing
Wound Repair and Regeneration
2008, Volume 16, Issue 3 , p. 337 - 345
Am 6. Juli 2009 um 12:21 Uhr
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Fette und gesättigte Fettsäuren entlastet
Der Autor dieser jüngsten Übersichtsarbeit zum Thema Fettsäuren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist nicht irgendwer, sondern der Chef der Ernährungsforschung des Louis-Pasteur-Instituts in Lille, Frankreich. Jean-Michel Lecerf hat erstaunlich unprätentiös und seriös die Erkenntnisse der letzen Jahre zusammengestellt. In seiner Zusammenfassung schreibt er sinngemäß:
1. Die Gleichung Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Arteriosklerose - gesättigte Fettsäuren - Blutcholesterinspiegel ist irreführend, weil zu sehr vereinfachend.
2. Zwar geht eine westliche Ernährungs- und Lebensweise bei exzessivem Verzehr von gesättigten Fetten mit erhöhten Cholesterinwerten und einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko einher. Eine Verringerung des Verzehrs von Fett und gesättigten Fettsäuren erbringt bei inaktiven Menschen mit Fettstoffwechselstörungen, Herzkranzgefäßleiden, Insulinrresistenz, Metabolischem Syndrom oder Übergewicht jedoch keine Vorteile (und kann sogar schädlich sein). Zudem sollte die Zufuhr an Omega-6-ungesättigten Fettsäuren bei Patienten mit Koronaren Herzerkrankungen nicht zu hoch sein, weil sie die Ablagerungen in den Gefäßen (Plaques) instabil machen können.
3. Bei körperlich aktiven Gesunden kann die Ernährung fett- oder kohlenhydratreich sein bei Betonung der einfach ungesättigten Fettsäuren und ohne die gesättigten Fette besonders zu reduzieren.
4. Bei inaktiven Übergewichtigen ist es besser, die Menge der Kohlenhydrate zu reduzieren und eine ausgewogene Fettzufuhr zu erhalten, mit einfach und mehrfach ungesättigten aber auch gesättigten Fettsäuren, die nicht zu drastisch gesenkt werden sollten.
5. Bei Koronarpatienten sollte die Zufuhr von Omega-6-Fettsäuren begrenzt, einfach ungesättigte Fette bevorzugt und die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren erhöht werden, vor allem nach bereits erlittenem Infarkt.
6. Verschiedene Fettsäuren treten miteinander in Wechselwirkung … es ist nicht angemessen, einzelne Nährstoffe oder Nahrungsmittel zu stigmatisieren. Schließlich ist es wichtig, nicht zu sehr zu vereinfachen: Die Fettsäuren müssen einzeln bewertet und Ernährungsempfehlungen müssen individualisiert werden.
Ist die Fetthypothese jetzt endlich tot? Sie ist es - aber nur wenige Ernährungsberater haben es bislang bemerkt. Die wissenschaftliche Evidenz ist mittlerweile jedoch so erdrückend, dass die “offiziellen” Organisationen wie die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) und die DAG (Deutsche Adipositas Gesellschaft) jetzt endlich ihre Beratungsstandards aktualisieren und ihre Ernährungsberater entsprechend informieren und schulen müssen.
Anderenfalls müsste der § 20 Sozialgesetzbuch geändert werden, wonach die Krankenkassen nur Ernährungsberatungen nach den Grundsätzen der DGE anerkennen. Diese sind in Sachen Makronährstoffe (schon lange) nicht mehr up to date. Patienten haben ein Recht darauf, dies zu erfahren und nach der besten Evidenz behandelt zu werden.
Und Gesunde haben ein Recht darauf, dass ihnen nicht unnötige und potenziell schädliche Einschränkungen bei der Ernährung auferlegt werden.
Quelle: Lecerf JM. Fatty acids and cardiovascular disease. Nutr Rev 2009; 67 (5): 273-283.
Am 15. Juli 2009 um 16:05 Uhr
Großartig, wie man eine Sichtweise formulieren kann.