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Depression, die bösartige Traurigkeit

von Dr. Eckart von Hirschhausen

geschrieben am 29. Juni 2009

Liebe jameda-Community,
eigentlich soll es ja in dieser Kolumne um Glück gehen. Daher mag es überraschen, wenn dieses Mal viel von Depression die Rede ist. Aber glücklicher wird man nicht nur durch mehr “Ausschläge” auf der Stimmungsskala nach oben, sondern auch, wenn man die “Niederschläge” nach unten besser versteht, den freien Fall abdämpft und die Märsche auf der Talsohle der Seele verkürzt. Und ich rede nicht über Sie, lieber Leser, aber über ihren Nachbarn, Freund oder Verwandten. Denn bei 4 Millionen Deutschen, die unter der großen Spaßbremse Depression leiden, kennt jeder jemanden, oder zumindest jemand, der jemanden kennt…

Depression, die bösartige Traurigkeit

“Das Leben ist voller Elend, Einsamkeit und Leiden – und dann ist es auch noch viel zu schnell vorbei.”
Woody Allen

Was ist das Gegenteil von Glück? Unglück?
Nein. Wer unglücklich ist, fühlt ja noch etwas. Das Gegenteil von Glück ist für mich die Depression, das Gefühl der Gefühllosigkeit. Alles ist sinnlos, hoffnungslos, emotionslos. Wer unter Depressionen leidet ist schlaflos, antriebslos und wäre am liebsten sich selber ganz los. Die Depression ist die häufigste seelische Störung überhaupt, und auch die teuerste. Sie kostet viele Menschen das Leben durch Suizid, sie kostet viele Jahre Lebensqualität, in denen sich Patienten nur quälen und sie kostet die Gesellschaft Milliarden, weil Depressive lange ausfallen als Eltern, Lehrer, Partner oder Steuerzahler. 5 Millionen sollen in Deutschland depressiv sein, wobei strittig ist, wie stark die Krankheit zugenommen hat oder die Aufmerksamkeit für die Diagnose.

Der Begriff „Depression“ bezeichnet in Medizin, Psychologie und Alltag häufig ganz unterschiedliche Phänomene: von einer leichten Verstimmung bis hin zu einer schweren psychischen Störung. Betroffene und Therapeuten haben es daher schwer, sich darauf zu einigen, wovon wer gerade spricht. Der Biologe Lewis Wolpert, emeritierter Professor vom University College London, erfuhr am eigenen Leib, welches Stigma der Depression bis heute anhaftet. Eindringlich schildert er in seinem Buch „Anatomie der Schwermut“ seine Scham und die seiner Angehörigen sowie die Hoffnung, dass die Erkrankung biologisch bedingt sei und er sie somit nicht selbst verschuldet haben könnte. Wolpert meint, wer dieses schlimme Leiden mit Worten beschreiben könne, habe es nicht selbst durchlebt. Es sei die schmerzlichste Erfahrung seines Lebens.

Die Neurologen und Psychiater unterteilen die Depression in Schweregrade, je nach dem wie stark die Symptome sind und wie lange sie schon anhalten. Eine Diagnose bei sich selber stellen zu wollen, macht wenig Sinn. Die eine Art der Depressiven neigt zur permanenten Selbstbeobachtung und zieht sich damit herunter, andere ignorieren dagegen jede seelische Komponente und rennen manchmal jahrelang wegen Herz, Rücken oder Verdauungsproblemen zum Arzt, bis einer die richtige Diagnose stellt. Ob es „DIE“ Depression gibt, oder ob es nicht verschiedene Erkrankungen sind, die sich erst in der Erschöpfung am Ende täuschend ähnlich sind, wird in der Wissenschaft heißt diskutiert.

Was passiert bei einer Depression im Gehirn? Die komplizierten Gleichgewichte der verschiedenen Signalstoffe sind gestört. Maßgeblich fehlen Serotonin und Noradrenalin, das erste signalisiert normalerweise Freude, das zweite Antrieb. Beides fehlt dem Depressiven. Zudem fehlt es an Nervenwachstum, genau so wie sich der Depressive von seiner Außenwelt zurückzieht, so haben auch die Nervenzellen im Hirn keine Lust mehr sich groß anzustrengen und neue Kontakte herzustellen. Was zuerst kommt, der äußere oder der innere Rückzug ist wie bei Henne und Ei schwer zu klären. Aber das fehlende „Netzwerken“ im Kopf erklärt sehr gut, warum eine Behandlung mit Medikamenten nie sofort anschlägt. Denn bis sich die Synapsen wieder berappelt haben und neugierig auf andere zugehen, vergehen gerne mal zwei bis vier Wochen. Ein sehr häufiger Fehler von Ärzten und Patienten ist, aber genau in dieser Zeit das Präparat abzusetzen oder auf ein anderes zu wechseln, noch ehe man wirklich wissen kann, ob das erste wirksam ist.

Welchen „Sinn“ macht eine Krankheit der Sinnlosigkeit? Am ehesten den einer Notbremse. Permanenter Stress und Überforderung führen zum Rückzug aus dem aktiven Leben, der Betroffene spart Energie und bringt andere dazu, ihn zu unterstützen. Wer einmal mit schwer Depressiven zu tun hatte, weiß, dass es ein Stadium gibt, wo alle gut gemeinten Ratschläge wie „raff dich doch einfach auf“ oder „reiß dich zusammen“ nichts nützen und nur alle Beteiligten noch hilfloser machen, und bisweilen auch wütend. Depression ist eine Krankheit, kein Versagen. Aber ein Teil unserer Hilflosigkeit ist hausgemacht. Denn auch wenn es klar eine genetische Veranlagung zur Schwermut gibt: Depression kommt meist nicht aus heiterem Himmel, sondern aus trüben Gedanken.

Martin Seligman kam über die Depressionsforschung zur positiven Psychologie. Seine bahnbrechende Entdeckung war die „gelernte Hilflosigkeit“. Hunde, die ohne Grund Stromstöße bekommen, und der „Strafe“ in ihrem Käfig nicht ausweichen können, ergeben sich ganz schnell in ihr Schicksal. Sie legen sich apathisch hin und machen keine Versuche, sich der unangenehmen Situation zu erwehren. Selbst wenn dann die Klappe des Käfigs geöffnet wird, bleiben sie im Käfig liegen. Sie haben so sehr gelernt, hilflos zu sein, dass sie keinen Schritt mehr in die eigene Freiheit unternehmen.

Depressive Menschen erschaffen sich ihren Käfig in Gedanken, und kommen dann auch nicht mehr aus ihren Denkgittern und Endlosschleifen heraus: „Ich bin wertlos, meine Welt ist düster, meine Zukunft ist hoffnungslos“. Der Therapeut Aaron Beck entdeckte, dass man diese Gedankenmuster unterbrechen kann und entwickelte daraus die „Kognitive Verhaltenstherapie“. Und wenn dann das „ich bin ein schrecklicher Mensch“ das nächste Mal auftaucht, kann ich lernen, diesen Gedanken einzufangen, zu hinterfragen, abzuklopfen, was da wirklich dran ist, und das selbstzerstörerische Potential dahinter zu entkräften. Das wirkt! Kognitive Verhaltenstherapie ist eine der wissenschaftlich wirksamsten Methoden, Depressionen zu behandeln.

Eine aus meiner Sicht sehr spannende Methode ist die Kombination mit Entspannungs- und Meditationstechniken. Bei der Muskelentspannung lernt der Depressive den Stress, der die Depression mit ausgelöst hat, körperlich zu lockern. Und bei der Achtsamkeits-Meditation sich von seinen negativen Gedanken zu distanzieren und sie vorbeiziehen zu lassen, in heiterer Gelassenheit.

Ergänzt werden die Erfolge der oben genannten Methoden noch neuerdings durch die „Interpersonelle Therapie IPT“ die weniger den Umgang mit den eigenen Gedankenschleifen übt, sondern vielmehr den Umgang mit anderen Menschen. Weil andere Menschen einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben, lohnt es sich zu trainieren, wie man mit anderen gut auskommt und auch deren Gefühle zu verstehen, nicht nur die eigenen.

Wenn gar nichts mehr geht und Depressive sich selber gefährden, muss stationär behandelt werden. Dass früher alles besser war, gilt weder im Leben noch in der Psychiatrie. Viele der Vorurteile gegen stationäre Aufenthalte sind 40 Jahre alt und so überholt wie der Film „Einer flog übers Kuckucksnest“. Ich kann mir auch Schöneres vorstellen als dort zu sein, aber wer ernsthaft psychisch krank ist, erlebt es oft als eine Erleichterung einen Ort zu haben, wo sich Profis, Pflegekräfte und Mitpatienten mit dem auskennen, was ihn gerade überfordert. Und auch wissen, dass man aus dem Loch und aus der Klinik wieder rauskommt.

Und welche Rolle spielen Medikamente?
Bei leichter Depression braucht man sie nicht. Da helfen drei Dinge, die auch jedem Gesunden gut tun. Bewegung, sozialer Kontakt und Zuwendung von Freunden oder eben einem Therapeuten. Bei schwerer Depression ist oft ein Gespräch gar nicht möglich, und da können Medikamente sehr helfen, eine psychotherapeutische Situation überhaupt erst herzustellen.

Momentan gibt es einen bitteren Streit unter den Fachleuten, welche Medikamente wie wirksam sind, und welchen Anteil die Placebowirkung hat. Könnte man nicht allen Placebos geben? Nein, denn sobald „auffliegt“, dass es sich um Scheinmedikamente handelt, ist ihre Wirkung dahin. Echte Antidepressiva dagegen wirken davon unberührt weiter. Und auch in der Verhinderung eines Rückfalls sind Medikamente mit Wirkstoff besser als Medikamente ohne Wirkstoff und besser als nichts gegen den Rückfall zu nehmen.
 
 In Amerika gehört es zum Lifestyle „Prozac“ zu nehmen, in Deutschland gehört es zum Lifestyle „Psychopharmaka“ in Bausch und Bogen zu verdammen. Beides ist meiner Ansicht nach wenig hilfreich. Zum einen hellen stimmungsaufhellende Medikamente nur die auf, die auch düster in die Zukunft schauen. Wer nicht depressiv ist, hat wenig Vorteile von Antidepressiva.

Wer aber schwer depressiv ist, tut sich keinen Gefallen, keine Medikamente zu nehmen. Sie haben zwar ein paar Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder auch Erektionsstörungen, aber verglichen mit der „Nebenwirkung“ der Depression, sich an nichts zu erfreuen und sich umzubringen, sind sie eindeutig das kleinere Übel. Machen Antidepressiva süchtig?
Nein. Und das müssen Sie mir nicht glauben, davon können Sie sich selbst überzeugen.
Für alles, was Süchtig macht, gibt es einen Schwarzmarkt. Im Entzug sind Abhängige bereit, alles für ihren Stoff zu geben, und deshalb gibt es auch immer Dealer, die genau diese Stoffe anbieten und daran verdienen. Es gibt in jeder größeren deutschen Stadt einen regen Handel mit Pillen uns Drogen: von Ecstasy und Kokain über Beruhigungsmittel wie Rohypnol bis zum Heroin, was direkt über die Vene ihr Belohnungszentrum erreicht. Aber fragen Sie mal einen Dealer oder einen Junkie, ob er ein Antidepressivum dabei hat. Er wird die Frage nicht verstehen. Aber er hat die Antwort für Sie: Antidepressiva machen nicht süchtig. Sie machen keinen Kick, weil sie mehrere Wochen brauchen um zu wirken, und sie machen keinen körperlichen Entzug, wenn man sie nicht mehr nimmt.

Selbst im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das Klischee über die deutsche Psychiatrie „die setzen doch alle unter Medikamente“ schlichtweg falsch. Schaut man sich an, wer wie viel verordnet und schluckt, sind Deutsche und Niederländer am sparsamsten. Italien, Belgien, Spanien, überall wird mehr Stimmungsdoping betrieben als bei uns. Franzosen nehmen von manchen Pillen sogar dreimal so viel wie wir. Von wegen „laissez-faire“, unsere Nachbarn kämen mit ihrer massiv nachgeholfenen Lässigkeit nie durch eine Dopingkontrolle.

Nach allem was wir heute über die Ursachen, den Verlauf und die Behandlungsoptionen bei Depression wissen können, lehne ich mich jetzt weit aus dem Fenster, und ich bekomme auch kein Geld dafür, aber:
Dass sich jemand mit einer angeborenen Neigung zur Kurzsichtigkeit eine Brille verschreiben lässt, regt niemanden auf. Wenn sich jemand mit einer angeborenen Neigung zur Schwarzsichtigkeit und Freudlosigkeit ein Medikament verschreibt, das seine Hirnchemie korrigiert, kommt uns das immer noch wie ein Frevel vor. Warum eigentlich? Weil wir meinen, nur ein schlechtes Gewissen ist ein gutes Gewissen?  Weil wir das „wahre“ leidende Selbst wichtiger finden als ein glückliches Leben?  Das beste Mittel gegen das Unglück bleibt Glück.
Aber wer bei einem Patient mit einer gesicherten Diagnose, nach allen vergeblichen Versuchen mit Gesprächen, kognitiver Verhaltenstherapie, Meditation und Kitzeln immer noch vehement gegen den gezielten Einsatz von Medikamenten ist, kommt mir kurzsichtig vor.

Die letzten Beiträge von Dr. Eckart von Hirschhausen



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14 Reaktionen zu “Depression, die bösartige Traurigkeit”

  1. Linus Pusteblume

    Sehr geehrter Herr Dr. Hirschhausen,

    ihr Artikel ist beindruckend, substanzhaltig, aufreizend und packend zugleich, jedoch für einen Arzt auch normal. Nur finde ich es immer wieder schade, dass Menschen mit breit ausgelegtem und realitätsnahen Allgemeinwissen und nüchternem Humor - was sicherlich auch eine gewisse Lebensschwere mitsichzieht, jedoch keine Depression ist - viele Menschen denken, man müsste im Leben allzuviel Lachen, Glücklich, Humorvoll etc. sein, was ja so nicht stimmt. Derjenige, der auch noch der Werbung und des Lifestyle ausgeliefert ist, und daran glaubt, ja der glaubt anhand seiner subjektiven Lebensschwere an eine Depression, geht zum Arzt der ihm das bestätigt, und lässt sich mit Medikamenten therapieren. Hätte dieser sich vorher ernsthaft mit seiner selbst beschäftigt, evtl. bei Zweifel einen Psychoanalytiker aufgesucht, hätte dieser unter Umständen ein glücklicheres Leben führen können, als eines mit Antidepressiva. Denn auf biegen und brechen, und mit solchen Substanzen eine gewisse Masse der Menschen auf Spur zu bringen, halte ich und zahlreiche andere Gruppierungen, schlichtweg für Unfug - Pharmakogene Depression. Den doch sehr anderen interessanten Teil Ihres Beitrags: Kosten und Nutzen des Gesundheitssystem, Ländervergleiche etc. sind im Zusammenhang wertelos, und streckt lediglich den Text im Beitrag. Zudem darf ich Sie auf ähnliche Symptomerscheinungen hinweisen, dessen Ursprung einer äusserlichen Exposition herrührt. Über einen schlechten Witz, werde ich auch in Zukunft nicht Lachen.

    In diesem Sinne, lachen bis der Arzt kommt.

  2. Eine Depressive

    Hallo,
    mir wurde auch versprochen, dass ich keine Entzugserscheinungen nach dem absetzen der Antidepressiva (Saroten) bekommen würde. Leider war dem nicht so und mich plagten noch wochenlang nach dem Ausschleichen Übelkeit und Schwindel. In Internetforen habe ich dann lesen können, dass es nicht nur mir so ergangen ist, sondern vielen anderen Patienten auch.
    Der Versuch mit Prozac schlug bei mir fehl, da ich unter diesem Medikament innerhalb von 3 Wochen über 10% meines sowieso schon geringen Gewichtes abgenommen habe. Prozac ist in den USA bestimmt so beliebt, weil es ganz nebenbei ein super Appetitzügler ist. Damit bleibt man superschlank ohne zu hungern.
    So einfach ist das leider nicht mit den Depressionen… “Pille rein und alles wird gut” funktioniert eben nicht so einfach.

  3. Janine Weiß

    Hallo lieber Eckart!

    Diesen Artikel von Ihnen finde ich toll; vor allem Ihre Einstellung, was die Einnahme von Antidepressiva betrifft, die teile ich vollkommen.
    Diese paßt nämlich genau auf mich als Fallbeispiel:

    Ich bin 31 Jahre und wurde wegen meiner nicht medikamentös behandelbaren Epilepsie 2001 an meinem “Gefühlszentrum” im Gehirn operiert (Hippocampus). Wegen dieser OP hatte ich net nur eine Hemiparese rechts (HATTE, denn sie HAT sich wieder gut zurückgebildet), sondern litt immer dann, wenn ich keine Antidepressiva mehr genommen habe, an extremen depressiven Episoden; und ich machte auch deswegen zusätzlich kognitive Verhaltenstherapie.
    Anfang diesen Jahres wurden die Antidepressiva, weil es mir wieder anhaltend gut ging, wieder abgesetzt und diesmal war meine Depression so arg, dass ich freiwillig in die Psychiatrie nach Heppenheim bin.
    Die Ärzte haben sich kurzgeschlossen mit dem Epilepsiezentrum in Freiburg und es kam am Ende heraus, dass bei mir keine Psychotherapie helfen kann, sondern durch die OP mein Gehirn es einfach net alleine schaffst, den Stoffwechsel von Serotonin und Noradrenalin allein zu managen.
    Und das kam nach neun Jahren und 5 oder 6 depressiven Episoden, Kuraufenthalt etc. raus!
    Auch der Umgang mit dem Fakt, dass ich das Antidepressivum mein ganzes Leben lang nehmen muß, wurde mir erleichtert; denn ich bin von Natur aus ein sehr witziger und lebensbe-JA-ender Mensch.
    Hier ein Zitat von der Psychiaterin: “Mensch Janine, ich weiß, dass du lieber ohne Medikamente auskommen würdest aber seh es doch mal so: Die einen müssen Medikamente gegen Bluthochdruck nehmen, die anderen wegen Diabetes und du eben wegen deiner OP. Des is doch nix Schlimmes!”

    Eckart, da hat´s bei mir “KLICK” gemacht und seitdem hab ich keine Probleme mehr, das Antidepressivum zu nehmen (Trevilor), ich stehe dazu
    und bin unendlich dankbar, das es das “Zeusch” gibt.

    Übrigens bin ich Physiotherapeutin und setze schon Zeit meines Lebens die Frage, ob durch Massage oder Lachen der Muskeltonus besser wird; denn manchmal wirkt bei Patienten, wenn ich denen nen Witz erzähl, das Ganze viel besser als die Sache, die ihnen wirklich auf dem Rezept verordnet wurde -und mir selbst geht´s danach auch besser. hi! hi!

    Lieber Eckart, dass ich deine bisherigen Bücher “gehört” habe (bin Hörbuch-Fan), brauch ich dir hofentlich nicht zu sagen.
    Auch unterstütze ich deine Organisation “Lachen hilft Heilen”.

    Ich hätte mal echt Bock, mit dir zusammen zu arbeiten oder mit dir mal aufzutreten, denn unser Humor ist sehr ähnlich (ich liebe Wortspiele).

    Mein Pigui grüßt deinen Pinguin,
    alles Liebe Eckart

    Deine Janine

  4. Aprilhexe

    …ich denke, dass manche Ärzte gar nicht wissen, was es heißt, eine Depression zu haben…!!!!

    Leider werden meist nur allzu oft ausschließlich Medikamente verabreicht, wo bleibt die geeignete Therapie und welche Therapieform bietet sich an? Leider scheiden sich auch hier die Geister, während einige auf die Pschoanalyse schwören, gibt es Verfechter der RET.

  5. Ewu

    sehr geehrter Herr von Hirschhausen
    vorweg: ich finde den Beitrag grundsaetzlich gut, aber ein bisschen schade, dass Sie nichts Neues schreiben; denn der Text ist Wort fuer Wort aus Ihrem Buch “Glueck kommt selten allein” entnommen. Was mich zu der Frage fuehrt, ob Sie ueberhaupt selber schreiben, oder nicht etwa schon schreiben lassen.
    ich bin Apothekerin und habe deshalb tiefen Einblick (mehr als mir lieb ist) in vielerlei Patientengeschichten und muss mich deshalb dem Komentar “einer Depressiven” vom 1.Juli anschliessen, was die Entzugserscheinungen angeht. es gibt sie fast bei jedem. denn auch wenn Psychopharmaka keinen schnellen Kick geben, gewoehnt sich der Koerper, insbesondere das Hirn an sie; denn das ist ja schliesslich ihr Wirkmechanismus. wenn auch nicht immer nur biochemisch sondern oft in groesserem Masse psychologisch verursacht, sind diese Entzugserscheinungen doch real und koennen eben auch wieder direkt in die Depression zurueckfuehren (getreu dem Motto: Hilfe, jetzt muss ich das mein Leben lang nehmen).
    Depressionen entstehen mitunter auch aus erlernten Aengsten, wenn man diese nicht als solche wahrnimmt. hat man die Angst aber erkannt, kann man geziehlt dagegen arbeiten. und sie durch positive Erfahrungen wieder verlernen. Leider bringen die wenigsten aus eigenem Verstand und Willenskraft das fertig. auch da der Psychotherapie bei uns immer noch das Image des Versagers anhaftet. Oft wird gerade bei jungen Menschen das Problem von Seiten der Familie nicht ernst genommen. sondern der Betroffene auch noch regelrecht ausgebuut, wenn er versucht die Sache beim Namen zu nennen. Zitat meiner Mutter: “Studenten haben keine echten Probleme!” ich schaetze, wenn sie wuesste, dass ich mal in Therapie war (kognitive Verhaltenstherapie) haette sie mich laengst enterbt.
    Deshalb die Bitte: bemuehen Sie sich weiter die Depression salonfaehig zu machen. das groeste Problem ist in meinen Augen, dass die Betroffenen erst zum Doktor gehen, wenn das Haus schon abgebrannt ist und nicht bei den ersten Rauchzeichen, aus Angst vor dem gesellschaftlichen und/oder familieaeren Urteil.
    dabei gilt doch bei der Depression, wie beim Krebs: Frueherkennung ist lebensrettend.

    hochachtungsvoll
    Ewu
    ps. lesen Sie das ueberhaupt persoenlich?

  6. Sarah Kamissek, HERBERT Management

    Liebe Jameda-Community,

    als Pressebeauftragte von Eckart von Hirschhausen möchte ich mich nun gerne einmal in diesen Blog und diese Diskussion einbringen.

    Da im letzten Kommentar die Frage aufgekommen ist, ob Herr von Hirschhausen diese Kommentare überhaupt persönlich liest, möchte ich Ihnen gerne folgendes sagen: Herr von Hirschhausen bekommt sehr viel Post, so dass er einiges zwar mitunter mit Verzögerung liest, aber er nimmt alle an ihn gerichteten Biefe und Kommentare wahr. Auch die Kommentare auf diesem Blog leite ich ihm stets weiter.

    Ihre Kommentare, Fragen und Anregungen sind für die Arbeit von Herrn von Hirschhausen von unschätzbaren Wert. Sie fließen in seine Arbeit, seine Bücher und seine Bühnenabende ein, lassen ihn in auch einmal in andere Richtungen denken und Neues entdecken. An dieser Stelle also im Namen von Herrn von Hirschhausen ein herzliches Dankeschön für alles, was Sie uns an Ideen und Anregungen zukommen lassen! Wir hoffen auch in Zukungt auf ein so reges Interesse und freuen uns auf Ihre Bemerkungen, nicht nur unter diesem Blog, sondern gerne auch direkt an folgende Adressse: zuschauer@hirschhausen.com

    Herzliche Grüße,
    Sarah Kamissek

  7. Ed Berend

    Sehr geehrter Herr Dr. von Hirschhausen, ich kenne Sie selbstverständlich aus dem Fernsehen; seit Sie ihr Buch über das Glück auf den Markt gebracht haben, geht Ihnen Humor verloren. Daß Sie mit dem Wort “Glück” ein riesenhaftes Potential an Wünschen in jedem Menschen ansprechen, ist ja klar. Sie wissen es selbst: mit den Artikel über Depression wird es auch klar: es gibt kein Glück ohne Unglück; und Glück ist niemals ein Dauerzustand, der ungefährdet stabil bliebe bis zur Todesstunde. Die Einseitigkeit, mit der Sie Glück betonen, führt in die Irrre. Von Ihrem Artikel über Depressionen bin ich, seit acht Jahren lebe ich mit dieser Diagnose, enttäuscht. Ihre Kurzanalyse, bei allen notwendigen Grobmaschigkeiten, erscheint mir ein alter Hut zu sein. Ursachen der Depressionen sind so vielfältig wie die Zahl der Depressiven.
    Natürlich gäbe es ein paar Kernpunkte, aber da reicht es nicht von Genen, Überanstrengung, Streß und dem Mangel von Serotinin zu reden, wie Sie es hier machen. Ob eine Interpersonelle Therapie helfen könnte, weiß ich nicht, die kenne ich nicht. Aus meiner Erfahrung kann ich Ihnen folgendes erzählen: Ich habe eine Reihe von Antidepresiva (z.B.Trevilor retard 75 g, bis zu 4 Stück am Tag) gefressen - sie machten mich in meinem Körper bleischwer, fast empfindungslos und halfen, was Energie, Lust, gezielte Aktivität angeht, nicht die Bohne.
    Fast alle Therapie, die ich versucht habe, Verhaltensth., Gesprächstherapie usw. brachten nichts. Inzwischen bin ich auf Hartz-iV und das kriminelle Gesundheitssystem angewiesen. Beide Systeme dienen dazu, den Einzelnen durch Entwürdigung, Entzug von allem, was die Kultur ausmacht (BÜcher, Konzerte, Theater) täglich massiv zu schädigen. Ich habe in den letzten acht Jahren nur einen einzigen Arzt kennengelernt, der wirklich ein ernsthaftes Interesse an meiner Gesundheit hatte, Dr. Fricke vom Waldhaus. Alle anderen haben mich als funktionalen Faktor nur benutzt, um mit meinen Erkrankungen Geld abzuziehen. Verständnis, Fürsorge, Vertrauensgespräch - wo gibts denn das noch? -
    In Wirklichkeit ist es meiner Meinung nach so: Leute wie ich sollen auf schleichende Weise tiefer in die Krankheit und schließlich in den Tod getrieben werden. Das spart Geld für den Staat, die Banken dieser und der nächsten Finanzkrise. Es soll möglichst so aussehen, zum Ende hin, daß der einzelne wegen seiner Erkrankung selbst schuld ist.
    Diese Gesellschaft ist auf die massenhafte Vernichtung von Menschen aus, nicht nach dem Auschwitz-Prinzip, sondern auf schleichende Weise: durch Armut, in die man sie getrieben hat, durch Krankheit, in die man sie gestoßen hat, durch Alter, das als Mittel zur weiteren Schwächung gegen sie genutzt wird. So ergeht es mir. Ich habe jahrelang um Hilfe und Unterstützung gekämpft ( ich bin Sportler von Natur aus), aber die kalten Systeme hier in Deutschland sind inzwischen noch zynischer als die Hitlers.
    Nebenbei: ich bin an der FU Berlin als Wissenschaftler in verschiedenen Fächern ausgebildet; es ging auch noch differenzierter, aber zunächst diese Form. Ich bin bereit, auf jede Frage zu antworten. Zum Beispiel, warum ich bis heute überlebt habe, mit und ohne Glück. Aber ich hoffe, daß Sie den Mut haben, diesen Kommentar zu veröffentlichen.
    Beste Grüße vom DAO
    Ed Berend

  8. G. Schulze

    „Depression, die bösartige Traurigkeit“, ein Artikel von Dr. v. Hirschhausen, der traurig macht. In locker, flockiger Art vergeht er sich an einem Thema, das sehr wahrscheinlich in der Liste der „Rätsel um den funktionieren Menschen“ ziemlich weit oben angesiedelt ist. Nicht nur von ihm, auch von seinen Götter-Kollegen in weiß-nicht werden dem Leser Halbwahrheiten um die Ohren gehauen, die von einer zielgerichteten Hilfe Lichtjahre entfernt sind.
    Ja, hier schreibt ein Betroffener. Ach so, ein Betroffener, dann ist ja klar, daß er die so herzlich angebotene Hilfe als sinnlos erklärt. Schließlich kann man die Depressiven ja gerade daran erkennen, daß sie alles, einschließlich ihrer selbst, für sinn- und perspektivlos empfinden. Solange dieses Denkschema grassiert, wird den Depressiven keine Hilfe werden! Instinktiv scheinen das auch die „Glücklichen“ (laut Dr. v. Hirschhausen eine legitime Bezeichnung für Nicht-Depressive) zu spüren: Ein Krankheitsbild nur anhand einer negativen Sichtweise zu definieren hat ein wenig den Ruch von Unwissenschaftlichkeit. Also müssen auf neuronaler Ebene Botenstoffe, Konzentrationsmengen und gehemmte Übertragungskanäle herbeizitiert werden, denn nur was meßbar ist, ist wissenschaftlich und also wahr. Aber genau auf der Suche nach der vermeintlichen Quantifizierbarkeit einer Krankheit geschieht, bei den Nicht-Depressiven(!) wohlgemerkt, der mentale Kurzschluß: Angenommen, eine vom Durchschnitt abweichende Konzentration von irgendetwas ist eine Krankheit, wie können Entspannungsübungen die biochemischen Fehlfunktionen heilen? Oder angenommen, die mentale Einstellung korrigiert wirklich biochemische Fehlfunktionen, ist dann die Abweichung irgendwelcher Konzentrationsmengen wirklich eine Krankheit? Oder handelt es sich nicht vielmehr um einen Fall natürlicher Variationen? Nicht alle Menschen sind 1.72 cm hoch. Sind diejenigen krank, die es nur auf 1.53 cm bringen? Oder die, die Lactose schlecht verdauen können? In derartigen Fällen fällt es relativ leicht, natürliche Variationen zu akzeptieren. Das ist gänzlich anders bei der Depression.

    Insgesamt weiß man recht wenig über den Menschen als solchen, noch weniger über die Depression. Freilich gibt es ein paar Untersuchungen. Aber allein, daß sich je nach dem Durchsetzungswillen (sprich: Geldgier) der jeweiligen Lobby völlig entgegengesetzte Therapiekonzepte ausgebreitet haben (Psychopharmaka bzw. Entspannungstherapien), läßt vermuten, daß die tatsächlichen Wirkmechanismen noch weitgehend unbekannt und unvestanden sind.
    Ich empfinde mich nicht als krank. Ich leide nicht darunter, daß Serotonin und Noradrenalin nicht wissen, welche Konzentration man ihnen als gesund-seiend andichtet. Ich leide darunter, daß es Mitmenschen gibt, die die leisen Signale nicht wahrnehmen (können). Die mit Pauken und Trompeten über Äcker trampeln, die mit Sorgfalt und Bedacht kultiviert wurden, aber eben nicht marktschreierisch und laut kläffend verteidigt werden. Es stimmt wirklich: meine biochemische Ausstattung hat mich eher zu einem bedächtigen, sorgfältig abwägenden, ja, auch introvertierten Menschen werden lassen. Aber deshalb bin ich aber doch kein minderwertiges Mitglied der Gesellschaft! Aber als solches fühle ich mich, wenn immer und immer wieder meine Leistungen, meine Ansichten und gesellschaftlichen Beiträge ignoriert und durch Lösungen dritter Wahl ersetzt werden, nur weil sie lauter in die Runde krakeelt wurden.

    Der Rest geschieht dann automatisch: Wenn man immer und immer wieder eine Abfuhr erhält von Leuten, die aufgrund ihrer biochemischen Ausstattung praktisch nicht in der Lage sind, über das ego-stärkende Maß hinaus Empathie zu empfinden, zieht man sich zum einen von dieser grobschlächtigen Meute zurück und sucht zum anderen die Ursachen für die Disharmonie bei sich selbst, was die Rückzugstendenz nur noch weiter verstärkt.
    Während nun die Psychotherapie beim letztgenannten Teufelskreis ansetzt (man trainiert Gelassenheit gegenüber der permanenten Erniedrigung), setzen Psychopharmaka ein paar Schritte früher an (die chemische Keule soll die Fähigkeit erhöhen, mit der Meute zu kläffen). Und so gesehen ist das von Dr. v. Hirschhausen bemühte Zitat gar nicht so schlecht: wer nicht in das Gesellschaftskonzept paßt, wird notfalls mit Gewalt angepaßt (bei ‚Einer flog über das Kuckucksnest‘ war’s halt eine Lobothomie).

  9. resi

    Mitunter komme ich mir in meiner Traurigkeit, die mich ab und an einzuholen versucht einfach nicht klar.Ich bin dann einfach nur traurig, nicht depessiv und nur bedingt melancholisch, versuche poitiv zu denken, lache über meinen schmerz und gerate dann oft in eine verzweiflung weil ich mir so hilflos, undankbar und leer vorkomme. ich habe freunde, eine familie die ich über alles liebe einen tollen freund an meiner seite und auch finanziel geht es anderen bestimmt schlechter als mir. warum also bin ich traurig?wieso holt mich das immer mal wieder, wie aus allen wolken fallend ein? ich bin dann so unzufrieden, obwohl es mir an überhaupt nichts fehlt. das macht mich fast schon wütend, eine wut über mich selbst!ich weine dann gerne im stillen, ganz allein damit ich niemanden mit meinen unsagbar bescheurten problemen bequatsche, denn ich weiss mir geht es gut.
    ich sehe mir dann bilder im internet, der zeitung im fernseher an und kann es nicht glauben weshalb ich an einer traurigkeit zu arbeiten habe die vollkommen unangebracht ist.
    ich frage mich ob dem vielleicht nur so ist weil mich rückenschmerzen plagen, die mich tatsächlich mit meinen jungen jahren einschränken. ich sehe alte menschen auf der strasse die mir bestimmt mehr über das leben, ihre Trauer und ihren schmerz erzählen könnten. schmerzen und trauer die in keinem vergleich zu den meinen liegen und das macht mich wütend und traurig zugleich.
    ich kompensiere diese gefühlszustände dann in der meditation, aber sie kommen wieder und da gibt es nichts was ich dagegen tun kann. es gibt tage ja sogar wochen und monate wo mich all das nicht einholt, wo ich dankbar für jeden tag bin.
    vielleicht ist es aber auch nur der ausgleich der mir fehlt. sicher ich könnte noch viel mehr machen, als ich es tue. die schauspielerei, welche ich mir als beruf zu gelegt habe könnte rosiger sein. die aufträge und die chancen durch zu starten sind wahrscheinlich in andern berufen leichter. aber ich habe einen traum und ich arbeite mit aller kraft daran ihn real werden zu lassen ab und an öffnet sich ein türchen und dann steh ich nach der freude diese tür geöffnet zu haben am ende wieder traurig da, weils einfach nicht weiter geht. aber warum sollte es auch einfach gehn wenns komplziert auch geht. ich würde mir gerne weniger sorgen machen und wenn ich genau darüber nachdenke muss ich auch feststellen das ich keine sorgen habe, zumindest nicht im hier und jetzt. ich habe aufgehört mir über die zukunft gedanken zu machen denn an der kann ich eh nichts änder. was allerdings nicht heissen soll ich träume so in den tag hinein. ich arbeite mit kleinen schritten. so wie der strassenfeger beppo aus dem roman momo. ich fege diese strasse und ab und an blicke ich zurück und denke mir wow du hadt echt schon einiges geschafft, und darauf kannst du stolz sein. das bin ich auch aber momnetan fühlt es sich so an als ob ich mich im kreis drehe.
    wenn doch nur diese rückenschmerzen nicht wären. ich denke genau das ist mein problem, ich würde gerne mehr machen kann aber nicht so wie ich will da ich körperlich eingeschränkt bin.fuck!
    was kann da nur dagegen tun? heute gehe ich aus, werde mir mein rückenkorsett umschnallen und feiern, denn ich weiss ablenkung ist die beste methode.

  10. Anonymous

    ich bin ein jugendliches mädchen und ich fürchte ich leide an manischer depression… ich habe das mit meiner mutter noch nicht besprochen aber mich schon in vielen foren und im allgemeinen im internet darüber erkundigt.
    meine frage wäre, ob man sich eigentlich selbst heilen kann, oder das wirklich nur mit medikamenten und therapie nachhaltig funktioniert?

    lg

  11. MickeyMouse

    Ich gebe Linus Pusteblume Recht. Auch ich frage mich hin und wieder, wer eigenlich den Standard einer Lebenseinstellung festlegt. Und genau das ist dann auch das Problem mit den Ärzten. Alles was nicht in Schema F passt ist krank.
    Genauso wie übergewichtigen Menschen unterstellt wird nicht glücklich sein zu können bevor sie abgenommen haben.
    Ich lebe mit meiner selbst diagnostizierten Depri schon 30 Jahre. Ich kenne es nicht anders und mir macht es nichts aus, aber mein Umfeld will ständig das ich aktiver bin, nicht so negativ oder will mich zu irgendwas überreden - und DAS ist anstrengend. Ich sag den anderen ja auch nicht, das sie gefälligst trauriger sein sollen, damit ICH besser mit IHNEN klar komme.
    Und dann gibt es da noch diverse fragwürdige Hilfsangebote von Gläubigen oder Spirituellen, die lediglich mit dem Leid Kohle scheffeln wollen.

  12. waldfeeraven

    Sehr geehrter Dr. von Hirschhausen!

    Mit viel Freude las und hörte ich bisher von Ihren Aussagen, bis ich über Ihre Ausführungen zum Thema “Depression” stolperte. Dort schreiben Sie unter anderem:
    “Machen Antidepressiva süchtig?
    Nein. Und das müssen Sie mir nicht glauben, davon können Sie sich selbst überzeugen.
    Für alles, was Süchtig macht, gibt es einen Schwarzmarkt. Im Entzug sind Abhängige bereit, alles für ihren Stoff zu geben, und deshalb gibt es auch immer Dealer, die genau diese Stoffe anbieten und daran verdienen. Es gibt in jeder größeren deutschen Stadt einen regen Handel mit Pillen uns Drogen: von Ecstasy und Kokain über Beruhigungsmittel wie Rohypnol bis zum Heroin, was direkt über die Vene ihr Belohnungszentrum erreicht.”

    Das ist gut und schön bis auf eines: Noch lange nicht für alles, was süchtig macht, gibt es einen Schwarzmarkt. Hier muß ich Ihnen als Betroffene widersprechen. Tatsächlich kann der Mensch von erstaunlich vielen Dingen süchtig werden, gemeinsam ist ihnen unterm Strich nur noch eines: er konsumiert sie in Massen und im Unverstand(Zwangshandlung). Das kann ebenso Alkohol (wir leben immerhin nicht mehr zu Zeiten der Prohibition, damals gab es tatsächlich auch dafür einen Schwarzmarkt), wie exzessives Shoppen (wo wäre unsere Wirtschaft, gäbe es die vielen kaufsüchtigen Frauen nicht, und wer würde in Zukunft all diese Schuhe kaufen…), ebenso auch Internet- und Spielsucht (beobachte ich seit längerem mit viel Kummer bei meinen 2 Söhnen im Teenageralter, das wird noch sehr weite Kreise mitnehmen und sehr teuer in der Therapie werden), Animal-Hording (das zwanghafte Ansammeln viel zu vieler Tiere in einem Haushalt bis zur Gefährdung der Tiere und der eigenen Gesundheit sowie der Gesundheit der Umgebung, was meist sehr unhygienisch mit einem Besuch des Tierschutzvereins beendet wird), sowie viele andere Dinge sein. Ich selbst bin seit der Scheidung meiner Eltern (als ich 16 war) latent schokoladensüchtig und trotz aller Versuche alle etwa 10 Jahre rückfällig wonach ich jedes mal bis zu 40 Kilo abnehmen muß. Wenn Sie es eines Tages hinbekommen sollten, daß es einen Schwarzmarkt für Schokolade geben würde wäre ich Ihnen unendlich dankbar, aus den Augen aus dem Sinn, und ich wäre sehr glücklich bis ans Ende meiner Tage!

  13. puugsi

    Sehr geehrter Herr Dr. Hirschhausen,

    was für ein schöner Text. Ernst genug für das Thema und trotzdem heiter. Danke! Als Betroffener kann ich sagen: Hätte ich mir schon vor 15 Jahren Hilfe geholt, hätte ich mir Jahre des Trübsinns und der Suizidgedanken sparen können. Seit einem Jahr in Therapie, die Ursache der Depression entdeckt (Komorbidität von ADHS) geht es mir unendlich viel besser - nicht zuletzt dank meiner “Medis”.
    Ach - und das mit der Schokolade, das kenne ich auch. Da wird sich auch nichts ändern! Aber wer kann schon einer wunderbaren Mischung aus schwarzer Schokolade mit Zimt oder leichtem Pfefferaroma widerstehen?? Oder eine selbstgemachte Praline?? Aber ich höre jetzt ganz schnell auf….
    Guten Appetit auch weiterhin!

  14. puugsi

    Oh ich muss mich korrigieren! Das mit der Schokolade geht an Waldfeeraven!

    Und resi, hole Dir Hilfe! So ging es mir auch jahrelang, alles in meinem Leben war eigentlich gut und lief klasse, und ich habe nur geheult, und mich darob noch beschimpft. Dann wollte ich mehrfach meinem Leben ein Ende setzen und war wirklich kurz davor. Mein Parallelgehirn wurde dann wirklich sauer und deshalb lebe ich noch! Vielleicht brauchst Du ja keine Medis und nur einen kompetenten Coach. Aber tu was! Viel Glück!!!!


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