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Weihnachten, das Fest der Liebe naht - und damit die klassischen Dialoge in den Wohnzimmern

von Dr. Eckart von Hirschhausen

geschrieben am 3. Dezember 2009

ER: Was wünscht du dir zu Weihnachten.
SIE: Wenn ich ehrlich bin - die Scheidung
ER: Wenn ich ehrlich bin: soviel wollte ich nicht ausgeben!

Es gibt zwei Katastrophen im Leben. Wenn sich Wünsche nicht erfüllen, und - wenn sie sich erfüllen.

Liebe - ein Thema, so unerschöpflich, wie ein Teller Brühe - für jemanden, der nur eine Gabel hat. Und haben wir nicht alle bei dem Thema nur eine Gabel?

Mein neues Programm Liebebeweise betrachtet die Liebe aus der Sicht des Romantikers und des Realisten, der Mann und der Mediziner. Die Romantiker sagen, es gibt für jeden einen richtigen auf der Welt. Und der Realist denkt: da muss ja nur einer den falschen nehmen, dann geht es für alle nicht mehr auf.

Glück kommt selten allein, wir brauchen andere Menschen. Unsere Freunde und unsere Familie sind aber für das Glück wichtiger als eine Partnerschaft. Biologisch betrachtet ist die wichtigste Liebe im Leben nicht die zu unserem Partner, sondern zu unser Mutter. Besser gesagt: von unserer Mutter - denn die ist lebensentscheidend. Deshalb ist Weihnachten ja auch das Fest der Kinder und der Geburt! Im Hirn gibt es einen Botenstoff, ein Hormon für Nähe, für Vertrauen für die Nächstenliebe. Das Oxytocin. Das wird unter der Geburt massiv ausgeschüttet – und das ist gut so, geliebt wird, was da kommt. Es ist ja nicht alles schön bei einer Geburt, es ist auch nicht alles Kind, was dabei herauskommt – aber Oxytocin sorgt dafür: Mama hat dich lieb.

Und diese bedingungslose Liebe, nach der wir uns alle sehnen, dieses Paradies – das hatten wir im günstigsten Fall schon einmal im Leben, in den ersten Monaten. Und so gut wird es nie wieder, gerade für uns Männer. Du konntest total beknackt aussehen – dicker Bauch, Glatze, immer nur am Pennen – alle Frauen fanden dich süß! Nichts wurde von uns erwartet. Ein Rülpser – alle freuten sich: Bäuerchen. Machst du das unterm Weihnachtsbaum heißt es: Du Bauer! Du pupst in die Windel. “Oh – er verdaut schon alleine”. Was würden wir heute für einen Bruchteil dieser Anerkennung geben!
Und in den ersten Lebensmonaten war es politisch korrekt, dich für pralle Brüste zu interessieren…

Oxytocin wird beim Stillen frei, und deshalb heißt es ja auch Stillen, danach ist das Baby still, satt und schläft selig ein. Die Liebe zwischen Mann und Frau beruht auch auf Oxytocin. Und große Überraschung: es wird beim Sex freigesetzt. Deshalb schläft der Mann still, satt und selig danach ein. Frauen mögen das nicht. Es ist ein Zeichen von Vertrauen! Viel Schlimmer ist doch, wenn die Frau vor dem Mann einschläft…

Das Kuschelhormon wird übrigens auch schon aktiv, wenn man sich nur umarmt, massiert, streichelt. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir wollen nicht nur begehrt werden. Viel wichtiger ist langfristig, dass wir berührt werden. Das ist das größte Geschenk: Nähe, Dasein, zeigen, dass man an jemanden gedacht hat.

Wo kommt man sich denn in Deutschland richtig nah? Doch nur mit 180 auf der Autobahn. Nähe muss man dosieren, und zulassen können. Ich hab mal ein altes Ehepaar gefragt, wie habt ihr das geschafft, 40 Jahre miteinander verheiratet zu sein und sie sagten: „Wir pflegen so kleine kommunikative Rituale. Wir gehen regelmäßig in das Restaurant, wo wir uns kennen gelernt haben. Kerzenlicht, Pianomusik, gutes Essen. Er geht immer Dienstag, ich geh Donnerstag…“

Als Kinder lernen wir etwas Doofes. Wenn eine Sternschnuppe fällt, darf man sich etwas wünschen, aber niemandem sagen, was man sich wünscht. Sonst geht der Wunsch nicht in Erfüllung. Dabei gehen Wünschen definitiv eher in Erfüllung, wenn die anderen wissen, was wir uns wünschen.

Eine Mutter schenkt ihrem Sohn zwei Krawatten. Als er um ihr eine Freude zu machen, sich gleich eine von beiden umbindet, fragt die Mutter beleidigt: „Ach, die andere gefällt dir nicht?“ 
Schenken ist eine Kunst, die Joachim Ringelnatz wunderbar beschreibt:

Schenke groß oder klein, aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
sei Dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei. Schenke dabei,
was in Dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List. Sei eingedenk, daß Dein Geschenk Du selber bist.

Jeder Mensch ist ein Liebesbeweis - denn wenn wir nicht zuerst geliebt worden wären, gäbe es uns erst gar nicht.

In diesem Sinne – für uns alle – ein frohes Fest!

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