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Das jameda-Interview: Augenarzt Dr. med. ...

Das jameda-Interview: Augenarzt Dr. med. Gerold Fiedler

Dr. Fiedler

von
verfasst am 04.10.2009



jameda: Herr Dr. Fiedler, die Behandlung der Fehlsichtigkeit mit dem Laser ist ja inzwischen millionenfach durchgeführt worden und nichts Neues mehr. Aber bisher wurde man durch den Eingriff "normalsichtig" und musste dann ab Mitte 40 so wie jeder andere eine Lesebrille tragen. Ihre Patientin, Frau Roethe lebt ohne Lesebrille. Wie funktioniert das?


Dr. Gerold Fiedler: Auch ich lebe ohne Lesebrille. Ähnlich wie Goethe habe ich ein normalsichtiges Auge, das mir ein scharfes Bild in der Ferne liefert und ein etwas kurzsichtiges Auge, das mir als „Leseauge“ ein scharfes Bild in der Nähe liefert.

jameda: Das hört sich eher kompliziert an. Wie kommt man damit zurecht?

Dr. Gerold Fiedler: Selbst das modernste Bildverarbeitungsprogramm sieht alt aus gegen das, was unser Gehirn auf diesem Gebiet leistet. Niemand nimmt z.B. auf jedem Auge einen etwa 10° großen blinden Fleck wahr, obwohl die Optik des Auges für diesen Bereich kein Bild liefern kann (der Eintritt des Sehnerven). Auch wenn Sie mit beiden Augen auf Ihren Fingern schauen, sehen Sie dahinter keine Doppelbilder, obwohl sich Ihre Blicklinien ja kreuzen. Der Bildeindruck, den unser Gehirn uns liefert, erfolgt immer erst nach exzellenter Bildbearbeitung. Allerdings reagiert hier jeder Mensch sehr verschieden, so dass man dies unbedingt in einem Kontaktlinsentrageversuch vorher abklären muss. Hier wird der Bildeindruck, der nach der OP bestehen soll, vorab simuliert.

jameda: Wie lange dauert denn die Umstellung auf diesen neuen Bildeindruck?

Dr. Gerold Fiedler: Auch das ist sehr unterschiedlich, manche Menschen sagen schon kurz nach dem Einsetzen der Probelinsen „so geht’s prima“ und haben somit sofort grünes Licht für Goethe-Augen. Bei den meisten dauert die Umstellung allerdings einige Tage.

jameda: Heißt das, man kann wieder so sehen wie als Normalsichtiger mit 30?

Dr. Gerold Fiedler: Nein, auf keinen Fall. Es ist natürlich immer ein Kompromiss, denn „zwei Augen sehen mehr“, so dass die Fernsicht möglicherweise unter dem maximal erreichbaren Niveau bleibt und auch für Tätigkeiten, die extrem gutes Nahsehen voraussetzen (z.B. Faden einfädeln etc.) in späteren Jahren eine zusätzliche Lesebrille nötig sein wird.

jameda: Das hört sich an, als sei dies eine Ideallösung für alle?

Dr. Gerold Fiedler: Nein, natürlich nicht. Monovision bedeutet, dass Sie die meisten Dinge des Lebens ohne Brille erledigen können und nur evtl. bei hohen Anforderungen auf eine Sehhilfe zurückgreifen müssen.

jameda: Wem würden Sie denn zur Monovision raten?

Dr. Gerold Fiedler: Wenn Sie mit der Lesebrille keine Probleme haben, so bleiben Sie dabei. Monovision ist eine Option für alle, deren Hauptmotiv Brillenfreiheit auch beim Lesen über 50 ist  – aber nur nach individueller Beratung und Kontaktlinsentrageversuch.

jameda: Wie viel Erfahrung besteht denn mit dieser Monovision?

Dr. Gerold Fiedler: Wie Sie aus dem Interview mit Frau Roethe wissen, habe ich meine erste Patientin 1993 damit versorgt und seitdem tausende von Patienten operiert. In den USA wird diese Methode inzwischen millionenfach erfolgreich angewandt. Ich selbst genieße meine Goethe-Augen jeden Tag mehr.

jameda: Herr Dr. Fiedler, wir bedanken uns herzlich für das informative Gespräch.

 
Der Münchner Augenarzt Dr. med. Gerold Fiedler hat 1993 die erste Augenlaserbehandung der Fehlsichtigkeit in München durchgeführt und in seinem letzten Beitrag darüber geschrieben.

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Kommentare zum Artikel (15)


05.05.2011 - 14:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fiedler, vielen Dank für...

von maria

... die schnelle Antwort. Tatsächlich spiele ich mit dem Gedanken, meine Augen lasern zu lassen, da ich leider Kontaktlinsen nicht gut vertrage. Wie groß darf bei einer Monovision sinnvollerweise der Unterschied zwischen den beiden Augen höchstens betragen? Ich habe gelesen, dass eine Differenz von - 1,25 am günstigsten für das Sehen ist? Da ich natürlich am liebsten so lange wie möglich - ggf. mit einer leichten Fern- bzw. Lesebrille bei Bedarf - im Alltag ohne Brille auskommen möchte, habe ich Angst, einen Fehler bei der Einstellung der Augen zu machen (zu kleine Differenz?) Gibt es hier allgemeine Erfahrungswerte? Ich habe vor, zumindest täglich stundenweise über einen gewissen Zeitraum einen entsprechenden Test mit Kontaktlinsen zu machen. Worauf sollte ich dann besonders achten? Reicht es, wenn ich selbst meine, ich komme zurecht oder gibt es noch andere Kriterien, die zu beachten sind? Da es wichtig für mich ist, erstmal selbst gut vorbereitet zu sein, bevor ich schließlich das Lasern in Angriff nehme, bin ich für eine Antwort dankbar. Mit freundlichen Grüßen

04.05.2011 - 17:02 Uhr

Sehr geehrte Maria X., Sie schreiben leider...

von Dr. Gerold Fiedler

... nicht, ob Sie vor haben, Monovision durch eine Augenlaserbehandlung herzustellen oder durch Kontaktlinsen. Im Ersteren Falle ist -1,5D völlig ausreichend (vorher ausprobieren mit Kontaktlinsen). Falls sie langfristig Kontaktlinsen tragen wollen, so können sie sowieso beliebig wechseln bzw. ausprobieren. Mit freundlichen Grüßen Dr. Gerold Fiedler

04.05.2011 - 10:48 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fiedler, ich bin 52 Jahre...

von maria

... alt und interessiere mich für Monovision. Meine Augenwerte: R - 3,75/+ 2,00, L -4,00/+2,00. Wo liege ich auf der sicheren Seite, um langfristig einigermaßen lesen zu können? Reicht es, wenn mein Leseauge, das linke, auf - 1,50 eingestellt wird? Oder sollte man einen möglichst hohen Minuswert wählen, sofern man damit zurechtkommt? Mit freundlichen Grüßen

21.02.2011 - 22:29 Uhr

Sehr geehrter Michael, zunächst meinen...

von Dr. Gerold Fiedler

... ausdrücklichen Glückwunsch, dass sie ihre Implantierten Linsen (AcriLisa) so gut vertragen. Leider ist das nicht immer so! Das wäre traumhaft, denn dann könnten alle Patienten mit einem Altersstar (Catact) damit versorgt werden. Trotz langjähriger Entwicklung der Linsen, erleben wir in der Praxis noch so viele Nachteile, dass der Marktanteil der Multifokalen (Mehrstärken) Linsen seit Jahren nicht über 3-5 % kommt. Das ist sehr ähnlich im Kontaktlinsensektor, wie ihnen jeder erfahrene Anpasser auf Nachfrage bestätigen kann. Kontaktlinsen lassen sich allerdings bei Bedarf sehr einfach entsorgen. Eine im Auge implantiert der Linse, zum Beispiel bei den häufigen auftreten einer altersbedingten Maculadeneration, leider nicht mehr. Selbstverständlich ist eine Monovision aus Sicht der Linsen-Industrie immer überholt! Allerdings hören Sie auf jedem augenärztlichen Fachkongress die Berichte über die Unfälle auf der Überholspur. Mit freundlichen Grüßen Dr. Gerold Fiedler

21.02.2011 - 22:14 Uhr

Hoch verehrte Kath, Ihr "Entsetzen" kann ich...

von Dr. Gerold Fiedler

... etwas relativieren. Selbstverständlich ist das Binokulare (beidäugige) Sehen sehr viel Wert und bleibt auch erhalten. Lassen Sie mich das erklären: ich selbst habe eine Monovision und mein Stereosehen ist noch so gut, dass ich ohne Brille Tränenwege spülen kann - das entspricht etwa dem Einfädeln einer Nadel. Benötige ich ein optimales Stereosehen, nicht im Alltag aber zum Beispiel im OP, so nehme ich einfach eine OP Brille oder ein Mikroskop zu Hilfe. Ein gleichaltriger Kollege ohne Monovision kann ohne Brille nicht mal seine Uhr ablesen. Claro? Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Gerold Fiedler

21.02.2011 - 22:01 Uhr

Sehr geehrte Familie Strehloh, sicher ist in...

von Dr. Gerold Fiedler

... Ihrem Fall eine sehr gute kosmetische Korrektur möglich; entweder mit einer bemalten Haftschale oder mit einem Kunstauge, dass täuschend ähnlich nach dem Modell des anderen Auges hergestellt wird. Was für Sie infrage kommt, entscheidet Ihr Augenarzt oder die Augenklinik in Ihrer Nähe, die ihnen auch die entsprechenden Kontakte vermitteln kann.

20.02.2011 - 18:58 Uhr

sehr geehrte Ärzte Wir sind verzweifelt und...

von Strehlow

... suchen eine Fachkundige Auskunft / Beratung Seit vielen Jahren eine Netzhautablösung am rechtem Auge. -Das Auge ist Erblindet -Die Pupille rutscht nach innen Währe eine Korrektur möglich,oder kosmetische Stabelesierung? -hat viel mit Kunden zu tun -Selbstwertgefühl ist nicht gegeben. -jede Antwort hilft uns -jeder Ratschlag.l

13.10.2010 - 06:45 Uhr

Guten Morgen, Ich habe einige...

von ein Mensch

... Augenuntersuchungen vor mir, u. A. "Schirmer-Proben". Wenn ich diese noch richtig in Erinnerung habe, werden dabei, ich sage mal, "Kartonstäbchen" in den "Tränensackbereich" des Auges getan, um die Tränenflüssigkeitsmenge abzulesen, meine ich. Jedenfalls, ist das hierfür eine zeitgemäße Methode (glaube ich eher nicht), oder machen mittlerweile andere Untersuchungen diese Art der Tränenflüssigkeitsmengenbestimmung unnötig/ersetzen sie/sind in vielerlei Hinsicht besser?

09.10.2010 - 08:37 Uhr

Schon zum Zeitpunkt des Interviews (10/2009) war...

von Michael

... diese Art von Monovision völlig überholt. Da dieses eine Behandlung gegen Altersweitsichtigkeit ist, beträgt das minimale Patientenalter ca. 50 Jahre und in den nächsten Jahren muss daher mit einer nahezu kompletten Unfähigkeit der Augen auf unterschiedliche Entfernungen noch fokussieren zu können gerechnet werden. Zusätzlich vergilben die eigenen Augenlinsen mit zunehmendem Alter immer weiter. Sollten zudem noch Anzeichen einer erwartbaren Alters-Linsentrübung hinzukommen, ist eine Linsenentfernung und der Einsatz einer Hinterkammerlinse angezeigt, sonst kann eine zusätzliche Vorderkammerlinse das Mittel der Wahl sein. Beide gibt es seit etwa 2 Jahren mit perfekter bifokaler Optik. Damit bleiben in Nähe und Ferne das stereoskopische Sehen erhalten. Ich selbst habe seit 09/2009 derartige Linsen (AcriLisa 466TD) und bin seitdem ohne jede Sehhilfe in Nähe und Ferne auf über 100% Sehschärfe. Lediglich der Zwischenbereich (70-130 cm) hat eine leichte (70%) astigmatische Unschärfe mit der ich jedoch sehr gut leben kann. Lesen und Bildschirmarbeit sind perfekt und das Sehen in die Ferne empfinde ich seitdem, egal ob Nacht oder selbst in hellem Sonnenschein, als einen Genuss ohne jede Blendung wie es eine Hasselblad nicht besser abbilden könnte. Und all das ohne eine Schädigung der wertvollen Hornhaut.

22.05.2010 - 10:09 Uhr

Hochverehrter Herr Dr. Fiedler, ist denn das...

von Kath

... binokulare Sehen nichts mehr Wert? Ich bin entsetzt!

11.12.2009 - 20:15 Uhr

Sehr geehrte Frau Hoff, "Das Problem ist nur, die...

von Dr. Gerold Fiedler

... richtige Dosierung für den individuellen Patienten zu finden. Dies kann nur im Kontaktlinsentrage-Versuch bestimmt werden."....damit hatte ich eigentlich weiter oben Ihre Frage schon beabtwortet. "Individuell" vor allem deshalb, weil der (vor allem altersbedigte) Verlust an Akkomodationsfähigkeit abgewogen werden muss gegen die Suppressionstoleranz betr. des nicht benötigten Bildeindrucks des zweiten Auges. Einige Jahre Erfahrung ist hierbei hilfreich! (...wie beim Klavierstimmen) mfG Dr. Gerold Fiedler

11.12.2009 - 18:03 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fiedler, ich hätte noch...

von Sibylle Hoff

... eine Frage. Wenn ich die Monovision mit Kontaktlinsen simulieren möchte, welche Stärke sollte ich nehmen? Vielen vielen Dank, Sibylle Hoff

11.12.2009 - 17:54 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fiedler, die Monovision...

von Sibylle Hoff

... hört sich wirklich gut an und ich habe auch schon ein wenig im Internet recherchiert. Ich habe auf einem Auge -4,5 und auf dem anderen -4 Dioptrin. Nehmen wir mal an das mit -4 Dioptrien wäre das "Leseauge". Auf welche Stärke müsste dies gelasert werden, um eine gute Monovision zu erreichen? Vielen Dank schon mal und mit freundlichen Grüßen Sibylle Hoff

11.10.2009 - 15:12 Uhr

Jeder erfahrene Augenlaser-Chirurg kann diese...

von Dr. Gerold Fiedler

... Behandlung durchführen. Das Problem ist nur, die richtige Dosierung für den individuellen Patienten zu finden. Dies kann nur im Kontaktlinsentrage-Versuch bestimmt werden. Damit kann man vor der Behandlung das angestrebte Ergebnis simulieren. Kommt der Patient in seinem Alltag mit diesem Seh-Eindruck gut zurecht, so steht den Goethe Augen nichts mehr im Wege. mfg Dr. Gerold Fiedler

05.10.2009 - 13:24 Uhr

Das ist mir völlig neu, ich habe über Augenlaser...

von salutfrance

... Op´s schon viel gelesen, aber die Schilderungen von Hr. Fiedler klingen ja wirklich sehr interessant, können diese Art der Behandlung auch Ärzte in NRW durchführen oder ist das noch zu selten und "unbekannt"? Danke, MFG


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