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Gebärmutterentfernungen - in vielen Fällen ...

Gebärmutterentfernungen - in vielen Fällen vermeidbar

Prof. Dr. Kleine-Gunk

von
verfasst am 31.07.2012

© Dash - Fotolia.com
In Deutschland werden jedes Jahr etwa 100.000 Gebärmutterentfernungen vorgenommen. Etwa zehn bis 15 Prozent dieser Eingriffe erfolgen aufgrund bösartiger Tumore (Gebärmutterhals- oder Gebärmutterkörperkrebs). In diesen Fällen gibt es zur Operation in der Tat keine Alternative und der Eingriff sollte so schnell wie möglich vorgenommen werden, um die Prognose nicht zu verschlechtern.

Etwa 85 Prozent aller Gebärmutterentfernungen erfolgen allerdings aufgrund gutartiger Erkrankungen und sind damit zumindest prinzipiell vermeidbar. Hier lohnt es sich durchaus, auch einmal eine "Zweitmeinung" einzuholen. Inzwischen gibt es nämlich viele Möglichkeiten, eine Gebärmutterentfernung zu vermeiden.

Häufigster Grund für die sogenannte Totaloperation sind Myome, die zu Blutungsstörungen führen können oder gelegentlich auch durch ihre schiere Größe Beschwerden verursachen.
Allerdings muss in diesen Fällen durchaus nicht immer die gesamte Gebärmutter entfernt werden, sondern es besteht auch die Möglichkeit, die einzelnen Myome auszuschälen (Enukleation). Dies kann per Bauchschnitt, in vielen Fällen auch per Bauchspiegelung (Laparoskopie) beziehungsweise per Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) erfolgen. Der Eingriff bietet sich immer dann an, wenn nicht mehr als drei Myome vorliegen. Natürlich ist er auch immer dann zwingend, wenn noch Kinderwunsch besteht.

Eine nicht medikamentöse Therapie stellt die Myomembolisation dar. Auch mittels fokussiertem Ultraschall lassen sich einige Myome zum Schrumpfen bringen.

In vielen Fällen werden Gebärmutterentfernungen auch wegen starker Blutungen vorgenommen, die sich medikamentös nicht beherrschen lassen. Hier bietet sich eine sehr elegante Methode an, die allerdings in Deutschland bisher nur wenig Verbreitung gefunden hat. Bei der sogenannten Endometriumablation wird die Gebärmutterschleimhaut im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung abgetragen. Dies kann mit einer elektrischen Schlinge oder einem sogenannten Rollerball erfolgen. Technisch noch einfacher und sicherer ist die Anwendung von Netz- oder Ballonsystemen. In allen Fällen wird die Gebärmutterschleimhaut, die für die Blutung verantwortlich ist, bis in die tiefen Schichten verödet. Die Gebärmutter selbst bleibt erhalten und die Hormonproduktion wird nicht beeinflusst. Die Langzeitergebnisse dieser Methode sind hervorragend.

Seit Anfang 2012 steht auch eine neue medikamentöse Therapie zur Behandlung von Myomen zur Verfügung. Mit sogenannten selektiven Progesteronenrezeptormodulatoren (SRPN´s) lassen sich Myome gezielt verkleinern. Übermäßig starke Blutungen werden schnell unter Kontrolle gebracht. Zur Zeit ist das Medikament nur zur Vorbereitung auf einen chirurgischen Eingriff zugelassen. Da die Verminderung des Myomvolumens jedoch auch nach Absetzen der Medikamente anhält, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass viele Frauen damit eine Gebärmutterentfernung eventuell auch ganz vermeiden können. Siehe hierzu auch den Artikel "Myome - neue medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten".

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Kommentare zum Artikel (6)


23.03.2014 - 22:30 Uhr

Ich bin 49 Jahre alt. Kinderwunsch ist...

von Juliana

... abgeschlossen. Mein Myom ist 7 cm groß. Mein Arzt rät mir die Gebährmutter zu entfernen. Meine Beschwerden sind oft Blasendruck und starke Blutung. Wie lange kann ich damit noch warten? Ich möchte keinen Bauchschnitt. Muss ich diese Operation so schnell wie möglich tun? Danke für die Antwort. Viele Grüße, Juliana

06.09.2013 - 09:44 Uhr

...starke Blutung und Ferritinmangel Ferritin2...

von Inge

... Eisen 17 Transferinsättigung4 Hämoglobin8,7 da sich noch ein Myom in der Gebärmutter befindet soll ich mich Entscheiden ob ich mir die Gebärmutter Entfernen lasse.

Prof. Dr. Kleine-Gunk

Antwort vom Autor am 09.09.2013
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Sehr geehrte Patientin, die Werte zeigen, dass Sie eine ausgeprägte Eisenmangelanämie (Blutarmut) haben. Diese sollte auch unbedingt behandelt werden. Ob die Behandlung in einer Entfernung der Gebärmutter bestehen muss oder ob auch organerhaltende Verfahren (Endometriumablation etc) infrage kommen läßt sich allerdings ohne eine Untersuchung nicht sagen. Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit verbleibe ich Ihr Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

12.08.2013 - 16:50 Uhr

vor 3 Monaten hatte ich wegen immer wieder sehr...

von brigitte

... starken Blutungen und dadurch wiederkehrenden Ferritinmangel (müde....) eine sog Ausschabung. Dabei wurden in der Hystologie vorstufen von Gebährmutter-Karzinom gefunden. Nun sind die Blutungen wieder sehr stark und kräftezehrend. Noch ist das Ferritin ok. Der Vorschlag meiner FÄ ist, das Organ entfernen zu lasssen. Gibt es da auch andere Möglichkeiten? wenn allerdings bei der nächsten Kontrollausschabung im Oktober wieder Karzinomvorstufen vorhanden sind, habe ich wahrscheinlich kaum eine Wahl, oder? Ich bin 48J. und habe erwachsene Kinder. Über Rat und Ideen würde ich mich sehr freuen.

Prof. Dr. Kleine-Gunk

Antwort vom Autor am 14.08.2013
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Sehr geehrte Patientin, die Überschrift meines Artikels lautet: \"Gebärmutterentfernung - in vielen Fällen vermeidbar\". In manchen Fällen ist die Gebärmutterentfernung allerdings nicht vermeidbar - und zwar immer dann, wenn ein bösartiger Tumor vorliegt. Auch bei Vorstufen von Gebärmutterkörperkrebs sollte man sehr vorsichtig sein. Es gibt hier noch mehrere Abstufungen, sodass ich Ihren Fall nicht 100%ig beurteilen kann. Prinzipiell gilt jedoch, wenn bei der Kontrollausschabung im Oktober eine sogenannte Präkanzerose (eine Krebsvorstufe, die in einem hohen Prozentsatz in eine Krebserkrankung übergeht) gefunden wird, so ist die Gebärmutterentfernung in der Tat notwenig. Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit verbleibe ich Ihr Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

26.07.2013 - 16:10 Uhr

Mir wurde von 2 Frauenärzten eine...

von Renate

... Gebärmutterentfernung empfohlen, wegen Senkung der Gebärmutter. Ich habe keine Harninkontinenz, auch kein Myom. Ich bin 66 Jahre alt. Was soll ich tun? Vielen Dank und viele Grüße.

Prof. Dr. Kleine-Gunk

Antwort vom Autor am 29.07.2013
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Sehr geehrte Patientin, die Frage ist schwer zu beantworten, wenn man nicht selber den Befund gesehen hat. Prinzipiell gilt, dass eine Senkung nicht unbedingt operativ behandelt werden muss, solange keine klinischen Beschweren vorliegen. Dies scheint bei Ihnen nicht der Fall zu sein. Etwas anderes ist es, wenn die Senkung bereits so weit fortgeschritten ist, dass die Gebärmutter schon vor der Scheide liegt (man spricht dann auch von einem Vorfall). In diesem Fall ist eine Gebärmutterentfernung zumeist unumgänglich. In vielen anderen Fällen gibt es aber organerhaltende Alternativen. Was bei jeder Senkung empfohlen werden sollte, ist ein gezieltes Beckenbodentraining. Hier gibt es sehr viele Übungen, die einem weiteren Fortschreiten der Senkung und auch der Entwicklung einer Harninkontinenz effektiv vorbeugen können. Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit Ihr Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

03.04.2013 - 08:36 Uhr

...ist es korrekt, dass diese Methode nur...

von Marianne

... angewandt werden kann, wenn sich keine angewachsenen Myome in der Gebärmutter befinden? Was halten Sie von der neuen Ultraschallmethode zur Rückbildung der Myome? Die starken Blutungen und krampfartige Schmerzen über mehrere Tage zwingen mich zu einer Entscheidung. Die vorgeschlagene Entfernung der Gebärmutter rückt leider in greifbare Nähe. Danke für Ihre Einschätzung

Prof. Dr. Kleine-Gunk

Antwort vom Autor am 03.04.2013
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Sehr geehrte Patientin, die sogenannte Endometriumablation ist in der Tat nur durchführbar, wenn in der Gebärmutterhöhle selber keine Myome sind (sogenannte submuköse Myome). Die von Ihnen erwähnte Ultraschallmethode ist eine der neueren Techniken zur nicht-operativen Therapie von Myomen. Hierbei wird unter Durchleuchtung mittels eines Kernspintomographen (MRT) versucht, mittels therapeutischen Ultraschallwellen die Myome zum Schrumpfen zu bringen. Die Methode ist technisch und fianziell sehr aufwendig und auch nicht für alle Myome geeignet. Liegt das Myom z.B. nahe an der Bauchschlagader, so ist die Gefahr, dass diese mit verletzt wird groß. Ob in Ihrem speziellen Fall das Verfahren sinnvoll ist, läßt sich daher ohne entsprechende Untersuchung nicht beurteilen. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

03.08.2012 - 09:25 Uhr

Der Autor ist richtigerweise auf die...

von Dr. W. Hirsch

... Endometriumablation bei Blutungsstörungen eingegangen und hat dabei die Endometriumablation mit einem Netz erwähnt. Auch wir ( http://www.frauenaerzte-am-potsdamer-platz.de/ ) sind der Meinung. dass die Gebärmutter oft zu schnell entfernt wird. Deswegen möchte ich ergänzend zum Artikel auf die modernste und einfachste Form der Endometriumablation hinweisen, auf die Goldnetz - Novasure - Methode. Was ist die Goldnetz-Methode? Das Verfahren besteht in der dauerhaften Entfernung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) durch Hochfrequenzstrom, durch die zukünftige Blutungen reduziert bzw. beseitigt werden können. In Narkose wird durch den Arzt der Gebärmutterhals etwas erweitert und ein dünnes Gerät in die Gebärmutter eingeführt. Danach wird durch das Gerät ein dreieckiges Netz in der Gebärmutterhöhle entfaltet und die Grösse dem Innenraum der Gebärmutter angepasst. Durch eine Aktivierung von Hochfrequenzstrom für durchschnittlich ca. 90 Sekunden wird die Schleimhaut verschorft. Danach wird das Netz wieder in das Gerät eingezogen und aus dem Uterus heraus gezogen.

Prof. Dr. Kleine-Gunk

Antwort vom Autor am 06.08.2012
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Herzlichen Dank für diese Ergänzung. In einem Übersichtsartikel ist es natürlich nicht möglich, auf die einzelnen Methoden detailliert einzugehen. Das beschriebene Verfahren ist zur Zeit tatsächlich das schnellste und effektivste im Rahmen der vielfältigen Möglichkeiten der Endometriumablation. Insofern bin ich für diese Ergänzung sehr dankbar. Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk


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