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Rübe ab?

Dr. Frauke Höllering

von
verfasst am 23.07.2009

Wann immer Politiker und interessierte Laien darüber nachdenken, wie man das deutsche Gesundheitswesen genesen lassen könnte, meinen sie irgendwann, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Meistens geschieht das zur Zeit des Sommerloches, manchmal aber auch später, wie in diesem Jahr. Die steigenden Arzthonorare waren Anlass zu dem Vorschlag, der neulich in einem Leserkommentar zu einer Kolumne zu lesen war: Man könne ja, wie schon im alten China üblich, die Ärzte nach Erfolg bezahlen. Bliebe die Genesung des Patienten aus, so gäbe es auch kein Honorar oder noch besser (und das war wirklich ein bisschen erschreckend): Rübe ab!

Es ist eine historische Tatsache, dass bei den alten Griechen hin und wieder ein erfolgsabhängiges Honorar gezahlt wurde. Aber diese haben nicht geraucht und sich (von den unrühmlichen Ausnahmen einiger reicher Bürger abgesehen)  weder durch Völlerei geschädigt, noch um den Verstand getrunken.

Das in der heutigen Zeit anders. Ärzte verbringen Stunden damit, manche ihrer zuckerkranken Patienten anzuflehen, sich doch an ihre diätetischen Vorschriften zu halten, und werden nicht müde, von den fatalen Folgen des Nikotinkonsums zu warnen. In beiden Fällen erreichen sie nur selten Wesentliches, und auch bei den trinkfesten Bürgern auf dem Lande verhallt das Mahnen vor Alkoholexzessen häufig ungehört; besonders zu Schützenfest-Zeiten. Dass viele der Patienten ihre wichtigen Medikamente nicht regelmäßig nehmen, erkennen Hausärzte an der Zahl ihrer Rezepte. Manche geben auch offen zu, dass sie hin und wieder eine kleine Therapiepause einlegen, obgleich das ihrer Gesundheit in jedem Falle abträglich ist. Alle aber sind der Meinung, dass sie sich diese Freiheiten leisten können und doch ein Anrecht auf ein Füllhorn medizinischer Leistungen haben. Warum eigentlich?

Nicht, dass man nun den wenig folgsamen Patienten die „Rübe“ abschlagen sollte, aber es ist nicht einzusehen, dass ihre Ärzte auch noch für deren mangelnde Motivation zur Rechenschaft gezogen werden soll. Denn diese sollten sich auch zu einem sorgfältigen und einfühlsamen Arbeiten verpflichtet sehen, ohne dass das Damoklesschwert eines frühen und gewaltsamen Todes im Falle ausbleibender Heilung über ihnen schwebt.

Es ist zwar eine Tatsache, dass ein „Hat sich bemüht“ bescheiden klingt, und es bleibt zu hoffen,  dass Mediziner mehr anstreben als nur das. Aber dennoch kann aller ärztlichen Kunst zum Trotz eine Krankheit stärker als sie sein. Wie anmaßend wäre es auch zu glauben, dass Ärztinnen und Ärzte jedes Übel heilen könnten! Soll man ihnen  bei einem unglücklichen (oder nur „suboptimalem“) Ausgang das Honorar verweigern? Wie ist die Linderung eines Leidens zu bewerten, wie bezahlt man ein paar zusätzliche schöne Stunden, Wochen oder Monate?

Es ist zu erwarten, dass Arzt und Patient am erfolgreichsten sind, wenn sie im Team zusammen arbeiten. Dann können kleine Fehler der Therapeuten und die hin und wieder mangelnde Therapietreue der Patienten am besten ausgeglichen werden. Jene Haus- und Fachärzte, die sich um wirklich gute Medizin bemühen, können über Stammtischparolen wie „Bezahlung nach Erfolg“ nur milde den Kopf schütteln!

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