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Erste Hilfe bei Unterkühlung und Erfrierungen

Erste Hilfe bei Unterkühlung und Erfrierungen

Claudia Galler

von
verfasst am 01.01.2013

 

© jorgophotography - Fotolia.com
Wer schon einmal eiskalte Hände gehabt hat, die beim Warmwerden stechend schmerzen, weiß annähernd, wie Kälte dem Körper zusetzen kann. Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unterkühlung und Erfrierungen sinnvoll sind und wie man Verletzungen durch Kälte vermeiden kann, beschreibt jameda in diesem Gesundheitsspecial.

Wind und Erschöpfung lassen den Körper schnell auskühlen
Neben der messbaren Außentemperatur tragen weitere Faktoren zu einer Auskühlung des Körpers bei. Ist die Haut nass durch Kleidung oder Kontakt mit Schnee oder Wasser, wird dem Körper schnell Wärme entzogen. Auch die Verweildauer in der Kälte, der Erschöpfungszustand des Betroffenen und seine Fähigkeit, durch Bewegung Wärme zu erzeugen, beeinflussen die Körpertemperatur. Wind lässt den Körper auch bei Plusgraden besonders schnell auskühlen, da er die relativ warme, körpernahe Luftschicht sofort hinwegfegt.

Ein unterkühlter Körper arbeitet langsamer
Kühlt der Körper aus, verlangsamen Stoffwechselvorgänge. Vor allem das Herz-Kreislauf-System und das zentrale Nervensystem sind davon betroffen. Die elektrischen Reize, die den Herzschlag bewirken, können nicht mehr im normalen Rhythmus weitergegeben werden, das Herz schlägt langsamer und unregelmäßig. Dadurch wird der Körper weniger durchblutet und nicht mehr ausreichend mit Wärme, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die elektrischen Nervenimpulse im Gehirn sind gestört, so dass die Steuerung der Körperfunktionen eingeschränkt ist.

©jeff Metzger - Fotolia.com
Sinkt die Körpertemperatur unter 30 °C, fällt der Patient ins Koma
Bei einer leichten Unterkühlung ist der Betroffene blass, seine Haut und Extremitäten sind kalt. Der ganze Körper zittert, um Wärme zu produzieren. Ist die Unterkühlung ernster, trübt sich das Bewusstsein des Patienten ein, das Kälte-Zittern nimmt ab. Der Körper wird steif, das Herz kann unregelmäßig schlagen. Eine schwer unterkühlte Person fällt ins Koma, die Körperkerntemperatur sinkt auf unter 30°C. Der steife Körper zeigt keine Reflexe, die Pupillen sind weit und starr. Einen Puls kann man oft nicht tasten, da das Herz unregelmäßig oder gar nicht mehr schlägt.

Unterkühlte Personen nur schonend bewegen
Eine unterkühlte Person bringt man in eine trockene, warme Umgebung. Dabei sollte sie so wenig wie möglich bewegt werden, da andernfalls kaltes Blut stoßartig zum Herzen fließen und den Tod herbeiführen kann (Bergungstod). Nasse, kalte Kleidung wird entfernt und der Betroffene am besten in Wolldecken eingepackt. Auch der Kopf muss bedeckt werden, da der Körper hier besonders viel Wärme verliert. Leicht bis mäßig unterkühlte Personen können am Rumpf zusätzlich gewärmt werden, z. B. mit einer Wärmflasche, Heizlampe oder durch direkte Körperwärme eines Ersthelfers. Eine schwere Unterkühlung sollte unbedingt durch eine medizinisch geleitete, langsame Aufwärmung vom Rumpf hin zu den Extremitäten behoben werden. Dies geschieht u. a. mit Hilfe erwärmter Infusionen sowie warmer Spülungen von Magen/Darm und der Bauchhöhle. Auch wird der Betroffene mit erwärmtem Sauerstoff beatmet.

Bei Erfrierungen lassen Eiskristalle Zellen bersten
Erfrierungen sind lokal begrenzte Schäden durch Kälteeinwirkung. Dabei ziehen sich die Blutgefäße durch die Kälte zusammen, so dass Haut und Extremitäten weniger durchblutet werden. Das Blut verdickt, es können Gerinnsel entstehen, Gefäße können sich gänzlich verschließen. Eiskristalle im Zellinneren zerreißen die Zellen, es kommt zur Zerstörung von Gewebe. Häufig sind der Kälte besonders ausgesetzte Extremitäten wie Ohren, Nase, Hände, Finger, Füße und Zehen von Erfrierungen betroffen.

© detailblick  - Fotolia.com
Je nach Erfrierungsgrad: Taubheitsgefühl, Frostbeulen, absterbendes Gewebe
Man unterscheidet leichte, schwere oberflächliche und schwere tiefgehende Erfrierungen. Leicht erfrorene Haut ist weiß und fühlt sich taub an. Erwärmt man die betroffene Hautstelle, wird sie wieder durchblutet, die Haut rötet sich und beginnt zu schmerzen. Bei einer schweren oberflächlichen Erfrierung ist die Haut weiß und hart gefroren, wobei darunter liegendes Gewebe noch weich ist. Taut die Hautstelle wieder auf, bilden sich Blasen, die Haut schwillt an (Frostbeulen) und Schmerzen treten auf. Ist das Gewebe bis zum Knochen gefroren, liegt eine schwere tiefe Erfrierung vor. Bei Erwärmung entstehen Blasen und Wasseransammlungen. Die Haut bleibt kalt, häufig stirbt sie unter Trocknung und Schwarzfärbung ab.

Schwere Erfrierungen müssen kontrolliert aufgetaut werden
Leichte Erfrierungen behebt man am besten mit Bewegung der Gliedmaßen und direkter Wärmezufuhr, z. B. mit einer Wärmflasche, Hautkontakt oder einem warmen Bad. Schwere Erfrierungen bedürfen einer medizinisch kontrollierten Erwärmung. Dabei werden die betroffenen Körperstellen mit warmen Tüchern oder Bädern aufgetaut, die auftretenden, meist extremen Schmerzen werden mit starken Schmerzmitteln behandelt. Die Wunden werden desinfiziert und steril abgedeckt, vorbeugend wird eine Tetanusspritze gegeben. Antientzündliche und durchblutungsfördernde Medikamente kommen zum Einsatz, betroffene Extremitäten werden hochgelagert, um Wasseransammlungen im Gewebe vorzubeugen. Das Ausmaß einer schweren Erfrierung offenbart sich oft erst nach Tagen oder Wochen.

©Galyna Andrushko - Fotolia.com
Für den Notfall gerüstet sein, um Unterkühlung und Erfrierungen zu vermeiden
Vor Skitouren oder Wanderungen in die Berge sollte man unbedingt die Wettervorhersage beachten und dem Wetter angepasste Kleidung wählen wie Handschuhe, Schal, Mütze, dicke Socken und Regenjacke. Eine Alu-Rettungsdecke und Taschenwärmer sorgen für Wärme im Notfall. Auch heiße Getränke und schnelle Energie in Form von Schokolade oder Traubenzucker gehören unbedingt in den Rucksack. Im Gesicht schützt eine reichhaltige Fettcreme vor Kälte. Wer regelmäßig Pausen macht, vermeidet Überanstrengung. Drohen Erschöpfung, Dunkelheit oder ein Wetterumschwung, rechtzeitig umkehren! Besonders bei starkem Wind oder Schneesturm sollte man frühzeitig Schutz suchen (Unterstand, geschützte Felswand, Zelt). Um im Notfall schnell Hilfe holen zu können, dürfen ein Mobiltelefon, Lawinenpiepser und Signalgeber wie Leuchtraketen oder eine starke Taschenlampe nicht fehlen.


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