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Chemikalie in Medizinprodukten beeinträchtigt Herzfunktion und verantwortlich für Nebenwirkungen

Silvia Müller

von
verfasst am 08.05.2009

Wissenschaftler der Johns Hopkins University of Medicine haben heraus- gefunden, dass eine Chemikalie, die häufig bei der Produktion von Medizinprodukten aus Kunststoff verwendet wird, Herz- beschwerden verursachen kann.  Davon betroffen sind beispielsweise Infusions- beutel und Katheter. Diese neuen Erkenntnisse wurden vergangene Woche in der medizinischen Fachzeitschrift American Journal of Physiology berichtet und deuten auch auf den Grund für häufig auftretende Nebenwirkungen wie Geschmacksverlust, Verlust des Kurzzeit- gedächtnisses hin. Diese Nebenwirkungen treten insbesondere bei solchen medizinischen Eingriffen ein, die erfordern, dass das Blut außerhalb des Körpers durch Schläuche fließt, z.B. bei Herz Bypass Operationen oder Nierendialyse. Die neuen Erkenntnisse haben insbesondere auch zwingende Bedeutung für die zukünftige Herstellung von medizinischen Kunststoffen.

Patienten beklagen Nebenwirkungen 
Neben dem Verlust von Geschmack und Gedächtnis beklagen sich Patienten mit koronarem Bypass häufig über Schwellungen und Erschöpfung. Diese Nebenwirkungen verschwinden normalerweise innerhalb der nächsten Monate nach der Operation. Sie sind jedoch störend und behindern in manchen Fällen die Genesung, gehen aber generell wieder weg.
 
Verlust des Geschmacksempfindens
Seine persönliche Erfahrung durch eine koronare Bypass-Operation und der Verlust des Geschmacksempfindens trieb ihn an, nach der Ursache zu forschen, berichtete der Studienleiter Artin Shoukas, Professor für Biomedizintechnik, Physiologie, Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Johns Hopkins University. "Ich bin Chocoholic und nach der Bypass-Operation schmeckte alles fürchterlich und Schokolade schmeckte für Monate wie Kohle in meinem Mund."
 
Professor Shoukas und Catlin Thompson-Torgerson, ein Mitarbeiter für Anästhesiologie und Intensivmedizin, vermuteten, dass der Auslöser für die Nebenwirkungen irgendeine chemische Verbindung sein müsse.

Chemikalienfund in Infusionsflüssigkeiten
Um ihre Theorie zu überprüfen, nahmen Shoukas und sein wissenschaftliches Team Flüssigproben aus Infusionsbeutel und Bypassmaschinen, bevor diese beim Patienten benutzt wurden. Das Team analysierte die Flüssigkeiten in einem Gerät, das unbekannte Chemikalien identifizieren kann. Sie fanden heraus, dass die Flüssigkeiten eine chemische Verbindung namens Cyclohexanon enthielten.

Die Wissenschaftler dachten sich, dass dieses Cyclohexanon in den Flüssigproben wohl aus dem Kunststoff übergetreten sein müsse. Denn, obgleich sie feststellten, dass die Konzentration des Cyclohexanon aus den medizinischen Bedarfsgegenständen stark variierte, enthielten doch alle Flüssigproben zumindest messbare Konzentrationen der Chemikalie. Cyclohexanon ist eine als gesundheitsgefährlich eingestufte, nach Azeton riechende Chemikalie und gehört zur Gruppe der zyklischen Ketone.
 
Kontrollierter Tierversuch bringt Aufschluss
Die Wissenschaftler gingen daraufhin daran und injizierten Ratten entweder eine Kochsalzlösung oder eine Kochsalzlösung, die Cyclohexanon enthielt. Dann ermittelten sie deren Herzfunktion. Ratten, die nur Kochsalzlösung erhalten hatten, pumpten durchschnittlich 200 Mikroliter Blut pro Herzschlag und hatten eine durchschnittliche Herzgeschwindigkeit von 358 Schlägen pro Minute. Währenddessen pumpten Versuchstiere, denen Cyclohexanon injiziert worden war, nur rund 150ml Blut pro Herzschlag, bei einer durchschnittlichen Herzgeschwindigkeit von 287 Schlägen pro Minute.

Cyclohexanon verursacht Blutdruckabfall
Zusätzlich, dass weniger Blut weniger häufig gepumpt wurde, hatten die Versuchsratten schwächere Herzkontraktionen. Das Wissenschaftlerteam berechnete, dass Cyclohexanon eine 50prozentige Reduzierung der Stärke bei jeder Herzkontraktion verursachte. Sie fanden weiterhin heraus, dass der Reflex, der hilft, den Blutdruck zu kontrollieren und zu steuern, nach der Cyclohexanonexposition weniger empfindlich war. Letztendlich beobachtete das Wissenschaftlerteam noch eine verstärkte Flüssigkeitsansammlung und Schwellungen bei den Ratten nach den Cyclohexanon Injektionen.

Trotz Nebenwirkungen Nutzen bedenken 
Gemäß Prof. Shoukas und seinem Assistenten Thompson-Torgerson wollten sie durch ihre Forschungen herausfinden, wie diese Nebenwirkungen - verminderte Herzfunktion und Schwellungen - entstehen und welche Konzentration Cyclohexanon dabei involviert ist. Trotz der Feststellungen in ihrer Studie betonen die beiden Wissenschaftler mit Nachdruck, dass Patienten sorgsam auf die Anweisungen ihres Arztes hören sollten. "wir würden einem Patienten nie empfehlen, die Art der Behandlung, die er braucht, abzulehnen“, sagte Prof. Shoukas.
 
"Im Gegenteil, solche Technologien sind lebensrettende medizinische Fortschritte und ihre Vorteile überwiegen die Risiken der damit verbundenen Nebenwirkungen noch immer bei Weitem. Als Wissenschaftler versuchen wir ganz einfach zu verstehen, wie solche Nebenwirkungen ausgelöst werden und was die beste Möglichkeit ist, sie zu mildern und letztendlich dann Abhilfe zu schaffen."
 

Zusammenfassung und Übersetzung:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. Mai 2009


Reference:
Johns Hopkins, Press Release, Chemical found in medical devices impairs heart function, May 1, 2009. Authors on the paper are Caitlin S. Thompson-Torgerson, Hunter C. Champion, Lakshmi Santhanam, Z. Leah Harris and Artin A. Shoukas, all of Johns Hopkins University School of Medicine.

 

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Kommentare zum Artikel (1)


29.05.2009 - 10:16 Uhr

Interessant, welche Auswirkungen Chemikalien auch...

von Amelie

... im medizinischen Bereich auf das Wohlbefinden der Patienten haben können. Ich finde es wichtig, dass das Forscherteam den Beschwerden der Betroffenen auf den Grund gegangen ist und sich aus diesen Erkenntnissen zukünftig evtl. Verbesserungen erreichen lassen.


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