Was tun bei niedrigem Blutdruck?

Claudia Galler

von
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© Alexander Raths - Fotolia.comMüdigkeit, kalte Hände und Schwindel beim Aufstehen – Niedriger Blutdruck kann unangenehme Beschwerden auslösen. Welche Ursachen einer Hypotonie zugrunde liegen können und was man zur Stabilisierung des Blutdrucks unternehmen kann, erklärt die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitstipp.

Was ist ein niedriger Blutdruck?

Werte von 120/80 mm Hg gelten als optimaler Ruheblutdruck. Liegt der erste Wert unter 100 mm Hg bei Frauen und unter 110 mm Hg bei Männern, spricht man dagegen von einem niedrigen Blutdruck. Medizinisch behandelt wird ein niedriger Blutdruck nur, wenn Betroffene Beschwerden haben, meist genügen einige Verhaltensmaßnahmen im Alltag, um mit einem niedrigen Blutdruck gut umgehen zu können.

Verschiedene Ursachen für niedrigen Blutdruck

Der Blutdruck wird durch ein komplexes Regelsystem ständig an innere und äußere Umstände angepasst. Dabei vergleicht das Gehirn den in den Gefäßen herrschenden Druck mit dem vorgegebenen Sollwert und veranlasst gegebenenfalls über die Tätigkeit von Herz, Nieren und Blutgefäßen eine Änderung des Blutdrucks. Bei einer primären Hypotonie ist meist dieser Sollwert verstellt, bei einer sekundären Hypotonie liegt eine andere Grunderkrankung vor, die den Blutdruck herabsetzt. Dazu zählen Infektionskrankheiten mit Fieber, Erbrechen und Durchfall, Erkrankungen des Herzens wie Herzschwäche, Schilddrüsenunterfunktion, Störungen der Nebenniere, Neuropathien bei Diabetes und Alkoholmissbrauch oder schwache Venen. Auch Patienten, die lange gelegen haben, untergewichtige Personen, Jugendliche in der Pubertät und schwangere Frauen können unter einem niedrigen Blutdruck leiden. Manche Medikamente erzeugen als Nebenwirkung eine Hypotonie, z. B. Schlafmittel, Psychopharmaka und Betablocker. Kann der Körper den Blutdruck bei einem Lagewechsel nicht schnell genug anpassen, spricht man von einer regulativen Hypotonie. Betroffene erleben diese orthostatische Dysregulation oft beim Aufstehen aus dem Bett.

Müdigkeit, Kopfschmerzen, kalte Hände und Füße

Viele Menschen mit niedrigem Blutdruck haben keine Beschwerden. Andere Betroffene wiederum fühlen sich oft müde und unkonzentriert. Sie leiden unter Kopfschmerzen, Schwindel und Wetterfühligkeit, häufig haben Hypotoniker kalte Hände und Füße. Unangenehm ist ein reflektorisches Herzrasen, bei dem der Körper versucht, den verminderten Blutdruck durch schnelleres Schlagen auszugleichen. Oft begleiten Schweißausbrüche den schnelleren Herzschlag. Können sich die Venen bei einem plötzlichen Lagewechsel nicht rasch genug anpassen oder sind sie bei Hitze stark geweitet, kann das Blut in den Adern „versacken“. Das Gehirn wird kurzzeitig schlechter mit Blut versorgt, dem Betroffenen wird es schwarz vor Augen, er fällt in Ohnmacht.

Ohnmacht: Kurzzeitige Bewusstlosigkeit aufgrund einer Minderdurchblutung des Gehirns

Wer spürbar unter einem niedrigen Blutdruck leidet, kennt die typischen Vorboten einer Ohnmacht (Synkope) oft schon: Zittern, Schweißausbrüche, Schwindel und ein Flimmern vor den Augen. Wenn möglich, sollte man sich sofort hinsetzen, besser noch hinlegen und die Beine leicht erhöht lagern. Durch die Schwerkraft unterstützt, erreicht mehr Blut das Gehirn, es wird wieder mit Sauerstoff und Glukose versorgt. Bei einer Ohnmacht erlangt man nach wenigen Sekunden das Bewusstsein zurück. Ein Stück Traubenzucker und ein Glas Wasser helfen oft zusätzlich, wieder auf die Beine zu kommen. Wenn eine Person länger als eine Minute nicht ansprechbar oder aufweckbar ist, sollte man als Erst-Helfer einen Notarzt rufen, um Folgen einer echten Bewusstlosigkeit bzw. eines Komas zu verhindern.

Wann sucht man wegen Hypotonie einen Arzt auf?

Ein niedriger Blutdruck sollte behandelt werden, wenn der Betroffene belastende Symptome wie starke Mattheit oder Schwindel verspürt oder Ohnmachtsanfälle durchlebt hat. Auch Risikogruppen wie Diabetiker, Schwangere, alte Menschen und Alkoholkranke sollten ärztlichen Rat einholen. Zur Diagnosestellung misst der Arzt den Blutdruck des Patienten mithilfe eines tragbaren Blutdruckmessgerätes über 24 Stunden. Mit dem Schellong-Test wird die Kreislauffunktion unter verschiedenen körperlichen Belastungen geprüft, der Kipptisch-Test dient zur Untersuchung von aufgetretenen Ohnmachtsanfällen.

Bewegung kurbelt den Kreislauf an

Schon morgens beim Aufstehen ist für Hypotoniker Vorsicht geboten: Noch im Liegen bewegt man die Füße, um die Muskelpumpe der Waden anzuregen und den Bluttransport der Venen zu unterstützen. Auch Radfahren in liegender Position regt den Kreislauf an. Auf der Bettkante bleibt man noch kurz sitzen und steht dann langsam auf. Auch wer stundenlang am Schreibtisch sitzt, sollte für regelmäßige Bewegung sorgen: Mittags ein kurzer Spaziergang, zwischendurch Armkreisen und an die Decke strecken. Kompressionsstrümpfe unterstützen die Arbeit der Venen und verhindern, dass zu viel Blut in den Beinen versackt.

Wechselduschen und Sport stabilisieren den Blutdruck

Kneipp‘sche Wasseranwendungen wie Knie- und Schenkelgüsse, kalte Armbäder sowie Schnee- und Tautreten trainieren die Blutgefäße. Auch Trockenbürsten von Armen und Beinen mit einem Sisalhandschuh oder Frotteetuch regt an, regelmäßiger Kraft- und Ausdauersport stabilisiert den Blutdruck. Vorsicht bei Sonnenbädern und Saunagängen: Wer nicht darauf verzichten möchte, muss sich langsam an die Hitze gewöhnen und ausreichend trinken, um Kreislaufprobleme zu verhindern.

Flüssigkeit und Salz für einen stabilen Blutdruck

Mit 1,5 bis 2 Litern Flüssigkeit pro Tag sorgt man für ein ausreichendes Wasser- bzw. Blutvolumen im Körper, salzige Kost verhindert, dass zu viel Wasser ausgeschieden wird. Auf Alkohol und Nikotin sollten Hypotoniker verzichten, da beide Stoffe die Gefäße belasten. Um das Verdauungssystem und den Kreislauf nicht übermäßig zu belasten, sind fünf kleinere Mahlzeiten drei großen Portionen vorzuziehen.

Coffein, Weißdorn, Campher und Etilefrin zur Anregung des Kreislaufs

Coffein ist ein sehr beliebtes und gängiges Mittel, den Kreislauf anzuregen. Es steigert die Herzkraft und erhöht den Herzschlag. Es wirkt etwa 30 Minuten nach der Einnahme und hält zwei bis drei Stunden in seiner Wirkung an. Bei akuten Kreislaufbeschwerden helfen pflanzliche Tropfen mit Weißdorn und Campher: Direkt auf die Zunge gegeben, wirken sie nach 30 Sekunden für etwa 5-10 Minuten, indem sie die Gefäße stabilisieren und die Schlagkraft des Herzens steigern. Der Wirkstoff Etilefrin regt über etwa sechs Stunden den Kreislauf an.

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