Pfeiffersches Drüsenfieber – Eine weit verbreitete Virusinfektion

Claudia Galler

von
verfasst am 23.07.2012

© Dan Race - Fotolia.comDer deutsche Internist und Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921) beschrieb erstmals das nach ihm benannte Pfeiffersche Drüsenfieber. Der Verlauf dieser Virusinfektion ist oft harmlos, das Virus bleibt jedoch lebenslang im Körper und kann wieder aktiv werden.

Die „Kusskrankheit“ wird mit dem Speichel übertragen
Der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers ist das Epstein-Barr-Virus aus der Familie der Herpesviren. Es wird vorwiegend durch Speichel übertragen, oft durch „Mund-zu-Mund-Kontakt“, weshalb das Drüsenfieber auch Kusskrankheit oder Studentenkrankheit genannt wird. Selten infizieren sich Menschen über Geschlechtsverkehr. Im Körper befällt das Virus Zellen des Immunsystems, die B-Lymphozyten. Über die Lymph- und Blutbahnen verteilt es sich im Körper und löst, je nach Alter des Patienten, unterschiedliche Symptome aus. Das Virus ist sehr weit verbreitet, 95 % der Europäer infizieren sich bis zu ihrem 30. Lebensjahr damit.

Symptome: Fieber und geschwollene Lymphknoten
Kleinkinder durchleben die Infektion oft ohne Symptome oder entwickeln nur unauffällige Anzeichen einer Erkältung. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kommt es zu den typischen Krankheitszeichen des Pfeifferschen Drüsenfiebers: Die Lymphknoten schwellen stark an und Fieber tritt auf. Kopf- und Gliederschmerzen, Schwächegefühl und Appetitlosigkeit können hinzukommen, Leber und Milz können anschwellen. Die meisten Patienten leiden auch unter einer Monozyten-Angina, bei der die Rachenmandeln durch infizierte B-Lymphozyten dick und entzündet sind. Verläuft das Drüsenfieber akut, verschwinden die Symptome nach etwa 3 Wochen. Ein eher seltener, chronischer Verlauf führt zu Fieber und Schwäche über mehrere Monate hinweg. Ist das Immunsystem geschwächt, kann das Epstein-Barr-Virus, das nach überstandener Krankheit im Körper verbleibt, wieder aufleben.

Organentzündungen als Folge der Virusinfektion
Komplikationen beim Pfeifferschen Drüsenfieber sind selten. Organe wie Hirnhäute, Gehirn, Herzmuskel oder Herzbeutel können sich entzünden. Das Epstein-Barr-Virus steht zudem im Verdacht, mitverantwortlich für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose und Rheumatoider Arthritis zu sein. Auch verschiedene Krebsarten, z. B. Lymphdrüsenkrebs und Tumore im Nasen-Rachen-Raum, könnten bei einem geschwächten Immunsystem durch das Virus ausgelöst werden.

Eindeutige Diagnose anhand von Bluttests
Da die Krankheitszeichen denen eines grippalen Infektes sehr ähnlich sind, wird das Pfeiffersche Drüsenfieber oft nicht oder erst spät erkannt. Anhand einer Blutuntersuchung kann eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus eindeutig festgestellt werden: Die Zahl der Lymphozyten im Blut ist erhöht und es finden sich die Antikörper IgM und IgG sowie spezielle Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus.

Körperliche Anstrengung meiden
Ein Medikament gegen das Virus existiert nicht. Der Patient sollte viel ruhen und schlafen. Körperliche Anstrengung ist besonders bei einer Schwellung der Milz gefährlich, da ein Riss dieses Organs lebensbedrohlich ist. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen behandelt man mit fiebersenkenden Schmerzmitteln, z. B. Paracetamol oder Acetylsalicylsäure.

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