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ADHS: Fakten und Mythen rund um den Zappelphilipp

ADHS: Fakten und Mythen rund um den Zappelphilipp

Dr. Iris Hinneburg

von
verfasst am 23.08.2010

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) gehört zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Die Symptome sind vielfältig und reichen vom hyperaktivem "Zappelphilipp" bis zum "Hans-guck-in-die-Luft", bei dem vor allem die Unaufmerksamkeit im Vordergrund steht. Auch Mischformen kommen vor. Die Betroffenen und ihre Familie haben in der Regel einen großen Leidensdruck. Zusätzlich zu Schwierigkeiten in der Schule und Stress zu Hause werden sie von ihrem Umfeld häufig mit Vorurteilen konfrontiert. Doch die meisten lassen sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen entkräften.

 

Vorurteil 1: ADHS wird von zuviel Zucker/Phosphat/Süßstoffen/Farbstoffen verursacht.

Nach dem heutigen Kenntnisstand ist bei ADHS der Stoffwechsel von Botenstoffen (vor allem Dopamin und Noradrenalin) im Nervensystem genetisch bedingt gestört. Dadurch können die Kinder sich schlechter konzentrieren und haben einen größeren Bewegungsdrang. Die These, dass sich mit Ernährung die Erkrankung beeinflussen lässt, gilt als wissenschaftlich widerlegt. Bisher nicht belegbar ist auch die Theorie, dass bestimmte Farbstoffe die Hyperaktivität von Kindern fördern.

 

Vorurteil 2: ADHS-Kinder sind nur schlecht erzogen.

Richtig ist, dass Erziehungsprobleme ADHS verstärken, aber nicht dafür verantwortlich sind. Ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von ADHS ist die psychotherapeutische Behandlung, die auch ein Elterntraining umfasst. Eltern lernen dabei unter anderem, konsequent auf der Einhaltung von Regeln zu bestehen. ADHS-Kinder brauchen auch noch mehr als andere Kinder einen festen Tagesablauf. Zur Abgrenzung von ADHS und Erziehungsproblemen kann ein Gespräch mit einem Kinder- und Jugendpsychiater wertvolle Hinweise liefern.

 

Vorurteil 3: ADHS ist eine Modediagnose.

Richtig ist, dass die Anzahl der ADHS-Diagnosen in den letzten Jahren gestiegen ist. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Krankheit nicht häufiger auftritt, sondern lediglich zunehmend aufmerksamer wahrgenommen wird. Etwa 3 bis 10% aller Kinder zeigen Anzeichen von ADHS, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungsgraden. Dabei sind Jungen etwa 3 bis 4 mal häufiger betroffen als Mädchen. Die Diagnose ADHS wird von einem verantwortungsvollen und kompetenten Arzt nur gestellt, wenn andere Krankheiten oder Faktoren ausgeschlossen werden konnten.

 

Vorurteil 4: Medikamente stellen ADHS-Kinder ruhig und verändern die Persönlichkeit.

Richtig ist, dass die eingesetzten Medikamente den gestörten Stoffwechsel im Gehirn wieder normalisieren und damit die Konzentration fördern und die Hyperaktivität senken. Sachgemäß werden die Arzneimittel gemeinsam mit einer Psychotherapie eingesetzt. Vor der Verordnung wird der Arzt sorgfältig Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen. Untersuchungen haben gezeigt, dass ADHS-Kinder, die mit Medikamenten behandelt werden, später seltener unter Suchterkrankungen leiden. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Therapie mit Psychostimulantien später zu psychischen oder neurologischen Störungen führt.


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