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Ein häufiges Bild: Schwerer Schulranzen auf ...

Ein häufiges Bild: Schwerer Schulranzen auf kleinem Rücken

Dr. Steeb

von
verfasst am 25.06.2011

In den letzten Jahren wird die Frage, inwieweit Schädigungen der wachsenden, kindlichen Wirbelsäule durch schwere Schulranzen auftreten können, in der Fachwelt unterschiedlich beurteilt.
So sieht z.B. eine italienische Studie von Negrini einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Gewicht des Schulranzens und Rückenbeschwerden. Dabei wurden 115 Sechstklässler von drei verschiedenen Schulen untersucht. Im Durchschnitt lag das Gewicht des Schulranzens zwischen 9,3 und 11,5 kg. Knapp 80% der Schüler empfanden den Ranzen als zu schwer. Knapp 50% gaben Rückenbeschwerden an. Interessanterweise fand sich kein direkter Zusammenhang zwischen dem Gewicht des vollen Schulranzens und der Intensität der Beschwerden.

Dagegen hatte die Länge des Heimweges und damit die Tragedauer Einfluss auf die Beschwerden. Der fehlende Zusammenhang zwischen Gewicht und Beschwerden kann auch auf individuelle und psychosoziale Faktoren schliessen lassen. Auch wurde die myoskelettale Situation und die Körpergröße sowie das Körpergewicht der Schüler nicht differenziert untersucht.

Der Sportärztebund Nordrhein stellte 1997 in einer Untersuchung fest, dass die Einwirkdauer des Schulranzens zu kurz sei, um chronische Schäden herbeizuführen. In der Praxis sehe ich jedoch regelmäßig Kinder und Jugendliche, die seit Jahren über Rückenbeschwerden leiden und häufig auch über zu schwere Ranzen klagen. Meist liegen jedoch kombinierte funktionelle Störungen mit myofaszialen Dysbalancen bei Fußfehlstellung, funktionelle Beinlängendifferenzen, Fehlstatiken der Wirbelsäule bei sensomotorischer Koordinatiosstörung z.B. durch eine Occlussionsstörung, Kopfgelenksirritation oder Störung des binoccularen Sehens oder eine muskuläre Insuffizienz der primären und sekundären Rumpfstabilisatoren vor. Diese funktionellen Beschwerden können jedoch durch einen schweren Schulranzen im Einzelfall verstärkt werden.

Aus meiner Erfahrung ist zur Vorbeugung Folgendes zu empfehlen:

    1. Einseitiges Tragen oder ungleich lange Gurte vermeiden
    2. die Gurte wegen der Gefahr der Bildung eines Rundrückens nicht zu kurz und eines Hohlrückens nicht zu lang einstellen
    3. den Schulranzen dicht am Körper tragen
    4. Ranzen mit geringem Leergewicht bevorzugen
    5. Ranzen sollte die Schultern in der Höhe nicht überragen
    6. Inhalt des Ranzens bei kleinen Kindern täglich überprüfen, ob alle Bücher an diesem Tag auch wirklich notwendig sind


Verstärkt wird die Gefahr des Auftretens von Beschwerden durch den heutigen Bewegungsmangel vieler Kinder, bedingt durch zu langes Fernsehen und Computerspiele, Chatten etc. und Übergewicht.
Haben Sie den Eindruck, dass die Körperhaltung Ihres Kindes nicht stimmt oder sich verschlechtert, empfehle ich die Durchführung einer ganzheitlichen Haltungsanalyse beim spezialisierten Facharzt.

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Kommentare zum Artikel (1)


12.09.2011 - 20:43 Uhr

Es ist nicht besonders glücklich, die...

von Franz Josef Neffe

... Aufmerksamkeit für den Rücken auf die Schultasche zu focussieren und dort enden zu lassen. Warum schauen wir uns nicht grund sätzlich die Wirbelsäule an? Warum lehren wir nicht wenigstens a) alle Mütter und b) alle Pädagogen, auf die Wirbel zu achten? Es ist doch leicht zu erkennen, ob bei jemand, der steht, der Hosengürtel waagrecht verläuft oder schräg, ob die Schultern gleich oder verschieden hoch stehen usw. Der nächste Schritt wäre, nach Rückenbeschwerden zu fragen. Dann schaut man die Wirbelsäule auf Auffälligkjeiten an. Und dann fühlt man sie ab. Und wenn man hindrückt und das Kind schreit AU, dann weiß man, dass da etwas nicht stimmt und korrigiert werden muss. In der DORN-Methode lernen Mütter (wie auch Ärzte) das an 1 Tag. Sie lernen aber auch die Funktionen verstehen und sie lernen Selbsthilfeübungen für die meisten Probleme. Sie sehen dann nicht nur die Schultasche sondern sie verstehen, was die mit ihrem Kind macht, und können das verändern. Da die Dorn-Methode sehr schnell und sehr einfach in sehr vielem hilft, hat sie sich in wenigen Jahren in alle Erdteile verbreitet. Es ist erstaunlich, dass Orthopäden in Saigon damit gerne arbeiten und sehr viele Laien auch in Deutschland, nur die Schule - der Ort des Lernens - hat sie noch nicht gelernt. Und dort könnten sie nicht nur die Kindern sondern mindestens ebenso dringend die Lehrer gut gebrauchen. Dann könnten wir etwas weniger theoretisieren, weil wir die Probleme in der Praxis besser lösen. Guten Erfolg dabei! Franz Josef Neffe


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