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Sprachförderung bei Kindern

Sprachförderung bei Kindern

Ariane Willikonsky

von
verfasst am 24.02.2010

© Monkey Business - Fotolia.com
Die Sprachentwicklung eines Kindes hängt maßgeblich davon ab, was seine Gene ihm mit auf den Weg geben. Für Eltern und Erzieher heißt das aber keinesfalls Ergebenheit, denn durch gezielte Förderung können die meisten Schwächen gut ausgeglichen werden.

Liebe und Zuwendung
Kinder brauchen in erster Linie Liebe. Vertraute Menschen, die sich dem Kind liebevoll und intensiv zuwenden, legen den Grundstein für die Kommunikationsfreude des Kindes. Kommunikation ist die sprachliche Zuwendung zu einem anderen Menschen. Bevor jedoch das Bedürfnis entstehen kann, sich sprachlich an einen anderen Menschen zu wenden, muss ein Kind erfahren haben, dass Zuwendung etwas Positives ist. Nur so entsteht auch beim Kind das Bedürfnis sich der Welt zu öffnen. Vernachlässigung führt nicht nur zu körperlicher Verwahrlosung, wie wir es in den Medien täglich zu sehen bekommen, mangelnde Zuwendung kann auch dazu führen, dass die Kinder verstummen. (Mutismus)

Sprachbedürfnis wecken
Ein Kind, das erfahren hat, dass miteinander reden Vorteile bringt, bemüht sich besonders, sich sprachlich auszudrücken. Wer also schon beim kleinsten, fordernden "ä" des Kindes, sofort dessen Wunsch erfüllt, tut dem Kind keinen Gefallen. Es ist wesentlich weniger anstrengend auf die Flasche zu zeigen und "ä" zu sagen, als sich zu bemühen "trinken" zu sagen. Natürlich sollen Sie keinesfalls dem Kind das Trinken vorenthalten bis zu dem Zeitpunkt an dem es den Wunsch korrekt benennen kann. Aber es gibt Kinder, die gewohnt sind, dass ihnen alle Wünsche im wahrsten Sinne des Wortes von den Augen abgelesen werden. Diese Kinder sprechen manchmal lange Zeit gar nicht, sondern drücken ihre Bedürfnisse nonverbal aus. Spätestens mit 1,5 Jahren sollten Kinder jedoch anfangen Dinge zu benennen. 
 
Oft kommen Eltern in meine Praxis, die darüber klagen, dass ihr Kind von sich aus so wenig erzählt. Fragt man es zum Beispiel, wie es im Kindergarten war, antwortet es einsilbig mit "schön" oder "gut". Man muss ihm förmlich alles aus der Nase ziehen. Frage ich die Eltern dann aber, ob sie dem Kind denn auch selbst etwas aus ihrem Alltag erzählen, sind diese äußerst erstaunt. Oft höre ich dann "damit möchte ich mein Kind nicht belasten" oder "das versteht mein Kind doch nicht". Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Erzählen Sie dem Kind doch einmal, wenn Sie sich über den Chef, oder eine Arbeitskollegin geärgert haben. Sie werden erstaunt darüber sein, wie gern und mit wie viel Anteilnahme es Ihnen zuhören wird. Kinder empfinden es als große Erleichterung, dass bei den Erwachsenen auch nicht immer alle glatt läuft. Es erfüllt sie mit stolz, wenn sie den Erwachsenen auch einmal einen Rat geben können. Zudem werden Sie sehen, wenn Sie sich dem Kind gegenüber öffnen und ihm von Ihrem Alltag erzählen, wird das Kind sehr rasch ein großes Redebedürfnis entwickeln.
 Nun gibt es aber auch den umgekehrten Fall, Eltern berichten auch, dass ihre Sprösslinge so viel erzählen, dass sie selbst kaum noch zu Wort kommen, aber auch das Zuhören muss ein Kind lernen. Reden und Zuhören sind die beiden Seiten der Gesprächsführung und nur wer beides kann wird später sprachlich überzeugen.

Sprachliches Vorbild sein
Kinder lernen durch Nachahmung. Ideal kann sich die Sprache eines Kindes entwickeln, wenn das Kind gute sprachliche Vorbilder hat. Dabei ist es keinesfalls notwendig Hochdeutsch zu sprechen. Im Gegenteil. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die sowohl einen Dialekt, als auch Hochdeutsch beherrschen, ähnliche Vorteile haben, wie zweisprachig erzogene Kinder. Ein gutes Sprachvorbild zu sein, bedeutet sich sprachlich gut auf einen Gesprächspartner einstellen zu können. Also im Umgang mit dem Kind so zu sprechen, dass es den Inhalt gut verstehen kann. Ein hohes Sprechtempo, eine nuschelige Aussprache, Schachtelsätze und unnötige Fremdworte sollte man daher im Gespräch mit dem Kind vermeiden. Ein Sprachvorbild kennt zudem die elementarsten Kommunikationsregeln. Dazu gehört das Zuhören und das Aussprechenlassen.

Den Alltag sprachlich begleiten
Kinder lernen Worte am schnellsten, wenn sie einen Alltagsbezug zu ihnen herstellen können. Dazu ist es sehr hilfreich, Alltagshandlungen ganz intensiv, aber auf natürliche Weise, sprachlich zu begleiten und das Kind in diese Tätigkeiten mit einzubeziehen. Möglichkeiten dazu bieten sich täglich unzählige. Beispiel: "Komm Hanna, hilf mir doch bitte beim Tischdecken. Wir brauchen 4 Teller. Schau, in diesem Schrank sind die Teller. Hier hast du einen Teller für den Papa, einen Teller für die Mama, diesen Teller für dich und den letzten Teller für die Oma. Stellst du bitte die Teller auf den Tisch? Jetzt brauchen wir noch Besteck. Das Besteck ist hier in der Schublade…."
Hanna hat das Wort Teller nun 7x gehört. Sie weiß wo die Teller sind, für was man sie braucht und wie sie sich anfühlen. Sollte einer herunter fallen, kann sie sich das Wort noch besser merken, denn nun weiß sie auch, dass Teller zerbrechlich sind. Wenn Hanna auf diese Weise häufig beim Tischdecken hilft, hat sie die Begriffe nach kurzer Zeit dauerhaft im Gedächtnis gespeichert.

Aktives Zuhören
Sprechen macht nur dann Spaß, wenn man auch einen interessierten Zuhörer hat. Zeigen Sie dem Kind, dass Sie Interesse an dem haben, was es Ihnen zu berichten hat. Werden Sie nicht ungeduldig und korrigieren Sie es nicht, wenn es Fehler macht. Achten Sie darauf, was das Kind sagt und nicht, wie es spricht. Eine besonders effektive Form des Zuhörens, ganz besonders dann, wenn das Kind ein Problem hat, ist das Aktive Zuhören. Eine Gesprächsführung, bei der der Zuhörer das Gehörte nicht bewertet sondern durch Wiederholung in eigenen Worten bestärkt. Sagt das Kind zum Beispiel: "Leni ist böse", antwortet man nicht "das stimmt aber nicht", sondern: "du hast dich sehr über Leni geärgert." Das ermutigt das Kind sich selbst zu reflektieren und weiter zu sprechen. So ist das aktive Zuhören ein idealer Türöffner für längere Gespräche und hilft dem Kind eigene Problemlösestrategien zu entwickeln. 

Korrektiv Feedback
Wenn Kinder beim Sprechen Fehler machen, dürfen sie nicht von den Erwachsenen unterbrochen und verbessert werden. Das würde sie frustrieren und im Extremfall sogar verstummen lassen. Viel besser  lernen die Kinder durch "Korrektiv Feedback". D.h. der Erwachsene verbessert das Kind nicht, sondern wiederholt den Satz in korrekter Form. Sagt das Kind zum Beispiel: "da Vodel fliet", bestätigt man "O ja, stimmt. Da fliegt ein Vogel“. Das Kind hört dabei die richtige Aussprache und Grammatik ohne direkt korrigiert zu werden. Durch Aktives Sprechen fühlt das Kind sich bestärkt und ermuntert weiter zu sprechen.

Metakommunikation
Mit etwas älteren Kindern sollte man auch immer wieder über das Reden selbst sprechen. Warum es so wichtig ist zu sagen, wenn man sich über etwas ärgert, oder wenn einem etwas Kummer bereitet. Wie wichtig es ist zu wissen, wie es dem anderen geht, oder welche Rolle das Gespräch im Umgang miteinander spielt. Sätze wie "es war so schön, mit dir in Ruhe zu reden" etc. bestätigen das Kind in seinem Kommunikationsverhalten. Auch den Umgangston untereinander sollte man immer wieder überdenken und auch thematisieren. Manchmal merken Eltern oder Erzieherinnen gar nicht, dass sie mit den Kindern häufig in einem Befehlston sprechen. Schließlich mag es niemand, wenn die Ansprache nur aus einem "tu dies" oder "lass das" besteht.

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Kommentare zum Artikel (2)


07.02.2013 - 12:40 Uhr

ist es bedenklich, wenn ein Kleinkind das...

von Christa Rentschler

... eigentlich alles versteht und auch ansonsten gut entwickelt ist mit 28 Monaten noch nicht mehr als 60 Worte spricht?

15.07.2012 - 20:52 Uhr

Zitat: "Vernachlässigung führt nicht nur zu...

von Sandra

... körperlicher Verwahrlosung, wie wir es in den Medien täglich zu sehen bekommen, mangelnde Zuwendung kann auch dazu führen, dass die Kinder verstummen. (Mutismus)" Hallo, bin grad etwas sprachlos... meine große Tochter (12) leidet an (selektivem) Mutismus, allerdings denke ich nicht, dass ich sie vernachlässigt habe!!! Denn ihre Schwestern (8 und 7) reden dafür umso mehr! Sie hat es auch nicht erst "bekommen, als sie große Schwester wurde, sondern es fing schon so mit 2 Jahren an, diagnostiziert wurde es allerdings erst bei Schuleintritt.


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