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Divertikelkrankheit oder nur Divertikel?

Divertikelkrankheit oder nur Divertikel?

Dr. Tappe

von
verfasst am 11.01.2012

© godfer - Fotolia.com
Die Divertikulose ist eine gutartige Veränderung des Dickdarms. Es ist vor allem der untere Dickdarmabschnitt betroffen, das sogenannte Sigma, allerdings können Divertikel auch an anderen Stellen des Dickdarms vorkommen. Darmdivertikel entstehen als Folge einer Schwäche des Dickdarmbindegewebes und eines erhöhten Drucks im Innern des Darms. Vor allem dort, wo die Gefäße (Arterien und Venen) durch die Darmwand treten, drückt sich die Darmwand durch die Muskelschicht hindurch nach außen (Ausstülpungen der Darmwand). Der Transport des Stuhls kann durch die Divertikel behindert werden. Wird durch Bakterieneinwirkung in den Divertikeln eine Entzündung hervorgerufen, spricht man von einer akuten Divertikulitis. Als Folge der Entzündung können Narbenbildungen entstehen, die zu Engstellen führen (Stenosen), welche den Stuhltransport weiter behindern und Symptome wie zum Beispiel Verstopfung oder Blähungen erklären. Erst bei Beschwerden spricht man von einer Divertikelkrankheit.

Die Divertikulose ist ein häufiger Befund, welcher zunehmend an Bedeutung gewinnt. Rund 30 % aller über 60-Jährigen haben Divertikel, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Bei über 80-Jährigen sind Divertikel bereits bei jedem Zweiten zu finden. Bei der Mehrzahl der betroffenen Divertikelträger verursachen diese jedoch keine Beschwerden und sind lediglich ein Zufallsbefund, der zum Beispiel im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) entdeckt wird.

Risikofaktoren für eine Divertikelkrankheit sind in erster Linie Übergewicht, körperliche Inaktivität, Rauchen, Alkoholgenuss und die Einnahme von Medikamenten, vor allem die Einnahme von Opiaten sowie Steroiden. Lange Zeit wurden die Divertikulose und die Divertikulitis mit einer ballaststoffarmen Ernährung in Zusammenhang gebracht. Letztlich sind sie jedoch multifaktoriell bedingt. Neuromuskuläre Veränderungen treten in den betroffenen Dickdarmabschnitten auf, die zu einer Motilitätsstörung führen. Diese wiederum fördert die Entstehung der Divertikel, wodurch sich schicksalshaft eine schleichende oder aber auch rasante Verschlechterung der Problematik erklärt.

Mehr als 30% der Divertikelträger leiden im Sinne einer Divertikelkrankheit, welche anfänglich häufig als Reizdarmsyndrom fehlgedeutet wird. Symptome wie wechselnd lokalisierter Bauchschmerz mit Betonung der Kurven des Dickdarms, Schleimabsonderung im Stuhl, Blähungen, Wechsel zwischen dünnem Stuhl und Verstopfung sind typische Probleme der Divertikelkrankheit. Schwere Komplikationen der Divertikelkrankheit sind hohes Fieber, Blutungen und Abszessbildung (abgekapselte Entzündungsherde) in der Bauchhöhle. Hier ist ein Krankenhausaufenthalt häufig unvermeidbar.

Die Diagnose ist leicht zu stellen. Neben den benannten Beschwerden im Unterbauch kann heute durch die Darmspiegelung, durch den Ultraschall und die Computertomographie eine Schweregradeinteilung durchgeführt werden. Eine Darmspiegelung (Koloskopie) ist zwar zur Absicherung der Diagnose nicht zwingend nötig, sie sollte aber jedem operativen Verfahren vorgeschaltet sein.

Während früher eine operative Sanierung der Divertikelkrankheit zurückhaltend betrachtet wurde und zwei bis drei entzündliche Entzündungsschübe abgewartet wurden, werden heute eher die morphologischen Veränderungen als Mittel herangezogen, um die Indikation zur Operation stellen. Engstellen (Stenosen) oder zahlreiche Divertikel sind Gründe, ein Darmsegment zu entfernen. Dies geschieht in aller Regel im Intervall, wenn akut entzündliche Veränderungen abgeklungen sind. Wenn es technisch möglich ist, kann bei diesen Patienten ein minimal-invasiver chirurgischer Eingriff vorgenommen werden (Schlüssellochchirurgie).

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Kommentare zum Artikel (2)


23.10.2012 - 12:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Tappe, ich habe gerade...

von lange

... Ihren Bericht gelesen und bin verwundert wieeinfach es doch sein kann, leider ist es bei mir nicht so. Seit fast 7 Jahren habe ich unzählige Arztbesuche hinter mir, leider alle sehr ernüchternd. Vor 2 Jahren bestand ich auf eine Darmspiegelung, das Ergebnis der Darmspiegelung ignorierte mein Hausarzt einfach. Jetzt habe ich so starke Schmerzen, das ich wieder den Arzt gewechselt habe, den Befund der Spiegelung habe ich mir geben lassen, wie gesagt ,dieser ist 2 Jahre alt, da wurde Divertikulitis festgestellt, mein jetziger Hausarzt meinte ich müsste damit leben. Ich habe immer stärkere Schmerzen, in Ihrem Bericht hört sich alles ganz leicht an, eine erneute eventuell mit CT Diagnose zu stellen. Was kann ich noch tun ich kenne hier schon fast jeden Arzt und bin schon fast am Ende. Vielen Dank für Ihre Mühe und Antwort. MfG C.Lange

Dr. Tappe

Antwort vom Autor am 23.10.2012
Dr. med. Ulrich Tappe

Wiederholte Divertikulitisschübe führen zu einer Verengung des Darmes. Dieses behindert den Stuhltransport und resultiert in einer Verstopfung. Beides erklärt Beschwerden bei einer Divertikelkrankheit. Eine einfache Divertikulose, also Divertikel, die ohne Beschwerden als Zufallsbefund im Rahmen zum Beispiel einer Vorsorgeuntersuchung gefunden werden, ist harmlos. Sind jedoch wiederholt Beschwerden vorhanden, sollten sie sich mit diesem Befund einem Koloproktologen anvertrauen, der geübt ist ggf. auch laparoskopisch also im Sinne einer Schlüssellochchirurgie einen kleinen Teil des Darmes zu entfernen. Er sollte Ihnen dann auch die richtigen diagnostischen Schritte vorschlagen können.

28.03.2012 - 10:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr.Tappe, Ihr Bericht über die...

von Ingrid Rapp, geb.1.5.1954

... Divertikel war sehr aufschlußreich! Ich hatte zum 4.Male eine Sigmadiv. Stad.2a ( hansen/Stock . im proximalen Drittel. Im akuten Zustand eine zirkuläre Wandverdickung in einer Länge von 6cm und Dicke von bis zu 8mm ( Sigma), dort deutl.lokale Dolenz.Multiple weitere Divertikel im Sigma und im C.descendens. Jedes Jahr ab 2009 hatte ich eine schwere Div. Mit Laxatan M und weiteren Umstellungen der Essgewohnheiten möchte ich die wahrscheinlich ??? erforderliche OP so lange wie möglich hinauszögern. möchte insbesondere erst einmal eine virtuelle Koloskopie machen lassen, um evtl. morphologische Veränderungen festzustellen . Ansonsten habe ich Metronidazol und Cefuroxim immer in der Tasche . Es schlägt auch bei oraler Gabe bei mir - bis jetzt immer gut an. Ich bin Krankenschwester - und merke ganz genau , wenn es wieder losgeht . Was raten Sie mir ? Sind Sie in Ruit in der Klinik tätig. Wo kann ich eine virtuelle Kolo durchführen lassen? Wer außer TÜ führt die Sigma OP Lapraskopisch und erfahren durch in Baden-Würrtbg.? Ich würde ansonsten zu Prof.Heitland in Bogenhsn. gehen. Aber falls sich morphologisch kein Befund ergibt - noch nicht operieren lassen. Mein Allgemeinzustand ist prächtig- ich bin aktiv und ohne jegliche Belastungen - und beruflich als Mecical Coach für Schauspieler erfolgreich tätig . eine OP paßt i.M. nicht. Freundliche Grüße, Ingrid Rapp Pforzheim und Grünwald Tel: 07231 - 76 88 55 Mobil: 0160- 709 79 59 rufe Sie gerne zurück Danke im Voraus !

Dr. Tappe

Antwort vom Autor am 15.10.2013
Dr. med. Ulrich Tappe

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