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Rabattverträge für Arzneimittel

Rabattverträge für Arzneimittel

Dr. Fürstenau, MSc

von
verfasst am 10.11.2010

Die Rabattverträge der Krankenkassen in Deutschland werden turnusmäßig neu abgeschlossen. Ziel ist es, die Arzneimittelausgaben zu senken.

In Deutschland sind weit über 100.000 Arzneimittel zugelassen. In der täglichen Praxis verwendet ein Arzt nur einen geringen Teil davon. Im Wesentlichen sind das, je nach Fachrichtung, einige Dutzend Medikamente, von denen der Arzt die Wirkung und Nebenwirkung genau kennt. Man muss sich vorstellen, das auch der Arzt ein Vertrauen in verschiedene Medikamente entwickelt. Er weiß, welchen Therapieerfolg man damit erreichen kann.

Die Rabattverträge der Krankenkassen erzeugen dabei eine Unsicherheit. Will der Arzt genau das "eine" Medikament verordnen, kann er das durchsetzen. Der zwangsweise Austausch der Verordnung durch den Apotheker entfällt dann. Allerdings kann sich der Arzt anschließend mit großer Sicherheit auf einen Regress einstellen. In einem solchen Fall würde er, meist wegen angeblich unwirtschaftlicher Verordnungsweise, von den Krankenkassen später zur Kasse gebeten werden.

Abgesehen von der Tatsache, das gleiche Wirkstoffe in unterschiedlicher Zubereitungsform gelegentlich nur die (gefühlte) Hälfte der Wirksamkeit entfalten, kann es auch von Patientenseite ausgehend zu fatalen Problemen kommen: Beispielsweise kann es Verwechselungen geben, die gewohnte Einnahmeroutine kann sich ändern, andere Hilfsstoffe können neue Nebenwirkungen auslösen usw.

Man stelle sich vor, man sei 80 Jahre alt und die Augen spielen nicht mehr so mit. Der Doktor verschreibt 6 Dauermedikamente, die jetzt alle ausgetauscht werden. Und das zum wiederholten Mal, denn durch die Rabattverträge tauchen immer wieder andere Hersteller auf. Da dürfte die Umstellung nicht leicht fallen.
Möglicherweise entgleist der gut eingestellte Bluthochdruck und der Diabetes gleichzeitig. Das führt mindestens zu weiteren Arztbesuchen.

Die Krankenkasse stört das nicht wirklich, da der Arzt für den wiederholten Besuch im gleichen Quartal sowieso meist nichts in Rechnung stellen kann.

Kostendruck hin oder her – man gewinnt den Eindruck, dass die Krankenkassen ihr wahres Gesicht immer mehr zeigen. Die teure Werbung hält eben nicht immer, was sie verspricht.

Wenn es dem Arzt dann vielleicht auch noch irgendwann egal sein muss, wie es Ihnen geht, dann ist ein gesetztes Ziel bald erreicht, was immer das auch sein mag.

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Kommentare zum Artikel (2)


25.11.2010 - 19:52 Uhr

Es könnten passieren, dass Sie ab Anfang 2011 die...

von Werner Fürstenau

... Möglichkeit haben, durch einfache Zuzahlung eines Differenzbetrages Ihr altes Medikament bekommen können.

10.11.2010 - 23:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fürstenau, ihr Bericht...

von Willi Schreider

... über die Rabattverträge der KK hat mir sehr gut gefallen. Ich würde mir wünschen, dass dieser Beitrag von vielen Versicherten gelesen wird. Ich bin selber von der Rabattierung betroffen und erhalte ein Medikament, welches mir durch einen Apotheker zugewiesen wurde. Da es angeblich den gleichen Wirkstoff enthält, war mir das auch egal. Seit ca. 1 1/2 Jahren erhalte ich das Blutdruckmittel "COAPROVEL" 150 mg/12,5 und Amlodipin (Hexal) 10 mg. Mein Blutdruck liegt im Durchschnitt bei 120/80 und der Puls bei 68-72 und es war alls i.O. Jetzt erhielt ich auf Gund der Rabattierung Amlodipin (Maleat) von Dexcel. Gedacht habe ich mir dabei nichts. Das Medikament nahm ich wie immer ein. Außer ein etwas höherer Puls war nichts zu bemerken. Nach 4 Tagen erhöhte sich leicht der Blutdruck . Auch dabei habe ich mir nichts gedacht, weil er immer noch in der Norm lag. Übrigens führe ich regelmäßig eine Blutdrucktabelle.Nach ca 4 Wochen war erkennbar, dass der Blutdruck sich auf 136/94 und der Puls durchschnittlich bei 88 einpegelte. Dazu kam eine Gewichtszunahme und ein leichtes kribbeln im Arm. Irgendwie gefiel mir die Situation nicht und rief die KK an, um mich über das Medikament zu erkundigen. Mir wurde bestätigt, dass es die Rabattierung gibt und die KK stolz ist einen hervorragenden Medikamentenhersteller mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis gebunden zu haben und eine Verschlechterung von Werten nicht möglich ist. Dieses nahm ich zur Kenntnis. Weil ich kein großer Arztgänger bin, habe ich meinen Hausarzt nicht informiert. Es hätte auch nicht soviel gebracht. Nun habe ich mir mein altes Medikament im Rahmen einer Dienstreise in Frankreich besorgt und nahm es in der mir bekannten Dosierung ein. Nach etwa 12 Tagen änderte sich der Blutdruck und hat nach fast 4 Wochen wieder die alten Werte erreicht. Ich zahle Monat für Monat den Höchstbeitrag in die KK ein und erhalte ein etwa 3 ? billigeres Medikament, welches bei mir nicht so gut wirkt. Amlodipin (Maleat) von Dexcel werde ich nicht mehr nehmen und mir vom Arzt lieber das Medikament als Selbstzahler verschreiben lassen. Falls das nicht möglich ist, dann gibt es ja noch andere Möglichkeiten des Erwerbs. Leid tun mir andere Patienten, welche eventuell in die gleiche Situation kommen, aber nicht in der Lage sind Medikamente selbst zu bezahlen. Rabattierung auf Kosten der Gesundheit kann ich nicht nachvollziehen. MfG W.Schreider


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