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Plantarsehnenreizung: Was kann ein Fuß, was ein Schuh nicht kann?

Herr Wormland

von
verfasst am 25.07.2011

Nicht wenige Sportler und Läufer leiden in der Folge ihres Trainings an Fußschmerzen oder Beschwerden der unteren Extremitäten. Viele Beschwerden sind proportional zur Intensität des Trainings und werden durch dieses ausgelöst und aufrechterhalten.


Trotz immer wieder als grundsätzlich neu angepriesener Veränderungen der Sportschuhindustrie lassen sich Beschwerden und strukturelle Schäden des Fußes, der Fußknöchel, der Knie und Hüften auch durch diese nicht abwenden.



Anhand der Plantarsehnenreizung möchte ich im Folgenden die Krafteinwirkungen auf den Fuß mit und ohne Schuh sowie effektive Behandlungsmöglichkeit bei diesem Problem vorstellen.

Als Plantarsehnenreizung bezeichnet man in der Regel einen Schmerz im Bereich der Ferse am Übergang zum Längsgewölbe des Fußes, der beim Auftritt verstärkt wird, sich aber auch auf manuellen Druck im Bereich des Fersenbeins auslösen lässt. Häufig findet sich eine Plantarsehnenreizung im Zusammenhang mit einem Senk-Spreiz-Knickfuß, seltener bei einem Hohlfuß. Sehr häufig ist auch ein Anlaufschmerz morgens, der sich aber nach mehreren Schritten regulieren kann.

Mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall und MRT finden sich Veränderungen im Bereich des knöchernen Ansatzes der Plantarsehne. Sonografisch sieht man häufig Flüssigkeitseinlagerungen im Bereich der Sehne, die hinweisgebend für Entzündungen und Teilrupturen der Sehne sind. Im MRT können diese Verletzung nochmal deutlicher gezeigt werden. Insgesamt sind die strukturellen Veränderungen des Gewebes eine Folge langfristiger Fehlbelastung.

Akute Beschwerden lassen sich mit lokalen Injektionen, zum Beispiel Cortison und/oder Homöopathika, sowie physikalischen Maßnahmen wie Elektrotherapie und Ultraschalltherapie behandeln. Diverse Methoden wie Magnetfeld, Stoßwellentherapie und Akupunktur werden ebenfalls eingesetzt. Die Reizzustände können gut auf entzündungshemmende Schmerzmittel ansprechen. Dann erfolgt in der Regel eine Einlagenversorgung zur Entlastung der Fußsohle. Diese Gratwanderung zwischen Entlastung und Belastung soll nun noch einmal näher aufgeführt werden.

In der Orthopädie wird gerne postuliert, dass der Fuß weich gedämpft auftreten muss, um die Strukturen, insbesondere die kleinen Knochen des Fußgewölbe, vor zu viel Erschütterung schützen zu können. Unter diesem Aspekt werden Sportschuhe mit ausreichender bis massiver Dämpfung angeboten. Einlagen können bei leichten Problemen zu einer Beschwerdefreiheit führen. Allerdings muss man sich bewusst machen, wie der Fuß biomechanisch und physiologisch aufgebaut ist.

Das Fußgewölbe ist ein Rundbogen-Gewölbe, das von Bändern, Sehnen und Muskulatur aufrecht gehalten wird und sich den besonderen Belastungsbedingungen des Gehens und Laufens anpassen kann. Zur Stabilisierung des Gewölbes ist es von der Natur vorgesehen, dass der Fuß mittig aufgesetzt wird, damit die knöchernen Strukturen ineinandergreifen und einen stabilen Bogen bilden können. Durch Aktivierung der Fußmuskulatur und durch Vorspannung der Achillessehne wird die einwirkende Kraft zunächst in die Waden- und Fußmuskulatur geleitet und dann beim Abtritt wieder in Energie freigesetzt. Ein fehlender, informativer Bodenkontakt oder eine zu weiche Sohlendämpfung führt beim Auftritt zu einem Auseinanderscheren des Vor- und Rückfußes. Hierdurch kommt es zu ungewohnten Zugkräften auf den knöchernen Ansatz der Plantarsehne. D.h., eine Ausschaltung der aktiven Funktion der Fußmuskulatur führt zu einer Verletzung im Bereich der längsgerichteten Fußstütze.

Tatsächlich konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass die Belastung von Fußgelenken Knie-und Hüftgelenken deutlich reduziert, und somit das Risiko von Arthrose reduziert wird, wenn der Mensch barfuß läuft. Und dies sowohl bei höherem Tempo als auch auf festem Untergrund. Hintergrund ist die sensorische Eigenschaft, die Propriozeption der Fußsohle, die sich idealerweise an den Untergrund anpasst, und je nach Konsistenz die Muskelspannung reguliert und auch den gesamten Körper rückkoppelnd Informationen zum aufrechten Gang und zur Haltung vermittelt.

Wird durch zu viel Dämpfung, also durch zu wenig Aktivierung der Muskeleigenkraft, der Fuß zu passiv aufgetreten oder über den Rückfuß abgerollt, kommt es nicht zu einer aktiven, kraftvollen Bewegung. Zusätzlich fehlt dem Bewegungsapparat, ausgehend von der Fußsohle bis zur oberen Halswirbelsäule die ursprüngliche, Eins zu Eins übermittelte Information über die tatsächlich einwirkende Kraft auf die Knochen und Sehnen, so dass durch Fehlregulation der Muskelspannung regionale Veränderungen im Stoffwechsel von Sehnen, Bändern und Muskeln entstehen können.

Was ist zu tun?
Die immer wieder postulierte Versorgung mit dämpfenden Schuhen und speziellen Einlagen kann bei akuten und schweren Entzündung mit eventuell begleitenden Verletzungen hilfreich sein. Da aber die Beschwerden Folge einer Fehlbelastung darstellen, muss das Augenmerk auf einer Aktivierung der Fußmuskulatur und des natürlichen Laufverhaltens liegen. Physiologisch führt hieran kein Weg vorbei. Der gesamte Bewegungsablauf des Gehens und Rennens hängt von der Fähigkeit ab, die Füße effektiv, kraftvoll aber dennoch federnd aufzusetzen. Durch jahrelangen Gebrauch von Schuhen und somit fehlender Informationen über die Fußsohle, verlernt der "moderne" Mensch, der als Kind als Barfußläufer geboren worden ist, einen natürlichen Bewegungsablauf.

In der Behandlung von Schmerzen und Verletzungen des Bewegungsapparates im Zusammenhang mit Sport, insbesondere Laufsport, ist die Ruckführung auf einen natürlichen Bewegungsablauf essenziell. Regelmäßige Barfußlauf-Einheiten müssen in das Training integriert werden. Hierfür ist auch entscheidend, dass verschiedene Bodengegebenheiten genutzt werden, um den Füßen wieder vielfältige Information zukommen zu lassen. Da das Laufen aktiv über die Sohle erfolgt, somit ganze Muskelketten benutzt werden, wird sich das Bewegungsschema auf den ganzen Körper übertragen. Barfußlaufen ist auch für Menschen höheren Alters geeignet, die von sich glauben dass sie mit dem Barfußlaufen nicht zurecht kommen würden. Wichtig ist ein vorsichtiger Einstieg, und ein bewusstes Wahrnehmen des neuen Bewegungsablaufs.

Die Aufgabe des Arztes sollte dahingehend sein, dass er seine Patienten trotz vermeintlicher Beschwerden (nicht im akuten Entzündungsprozess) an das Barfußlauf heranführt. Die flankierenden Maßnahmen zu Entzündungshemmung und Schmerzreduktion werden am besten greifen, wenn der Patient schnellstmöglich die Muskeleigenkraft entwickelt. Als osteopathisch und manualmedizinisch ausgebildeter Arzt ist es möglich begleitende Dysbalancen in der Muskulatur und Blockierungen des Beckenringes sowie aller Wirbelsäulenabschnitte mit zu behandeln, um im Sinne der Behandlung von faszialen Ketten den Bewegungsablauf umzuprogrammieren.

Patienten, die regelmäßig Laufsport betreiben, kennen insgesamt die positiven Effekte dieser ausgewogenen Sportart, die sie meist im Bereich der mentalen Zufriedenheit ansiedeln. Gelingt nun die Integration der Fußsohlenwahrnehmung und -aktivierung, hat das aufrechte Laufen für Gelenke, Knochen und Muskeln ausgeprägt prophylaktische und gesundheitsfördernder Eigenschaften.

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Kommentare zum Artikel (1)


26.08.2011 - 10:33 Uhr

Der Artikel ist logisch und aufklärend!

von B.Hofmeister


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