Artikel 16/12/2014

Das jameda-Interview: 12 Fragen an Herrn Thomas Decker

M.A. Thomas Decker Heilpraktiker, Heilpraktiker für Psychotherapie
M.A. Thomas Decker
Heilpraktiker, Heilpraktiker für Psychotherapie
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Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellte jameda Herrn Decker interessante Fragen über kritische Patienten, Neuerungen in der Hypnose-Therapie und Defizite im Gesundheitssystem.

jameda: Herr Decker, warum sind Sie Heilpraktiker geworden?

Herr Decker: Das war eine langsame und aus dem Rückblick heraus folgerichtige Entwicklung. Es hat mit einem Einführungskurs über Hypnose angefangen, an dem ich aus reiner Neugier teilgenommen habe. Damals habe ich noch vor allem in der IT-Branche gearbeitet. Diesem Kurs folgten viele weitere Kurse und Ausbildungen, vor allem in moderner systemischer Hypnotherapie und lösungsorientierte Kurzzeittherapie. Als ich merkte, dass Menschen mit echten Problemen zu mir kamen, habe ich zur rechtlichen Absicherung zunächst die staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Psychotherapie erworben und einige Jahre später auch den Voll-Heilpraktiker. Ich empfinde es nahezu als Gnade, jeden Tag diesen wunderbaren Beruf ausüben zu dürfen, besonders wenn ich sehe, dass im Großteil der Fälle sich tatsächlich etwas zum Besseren wendet. Ohne dass es mir vorher bewusst war, hat sich meine Tätigkeit als etwas entpuppt, das mir fast anstrengungslos und mit großer Freude von der Hand geht.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Decker: Die größten Herausforderungen sind immer die als besonders schwierig erlebten und oft über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte anhaltenden Störungen bzw. Krankheiten, für die es trotz erheblicher Aufwände bisher scheinbar keine Lösung gab. Die größte Freude bereitet mir dann natürlich zu sehen, wie es trotzdem immer wieder überraschende Wendungen geben kann und Klienten aus eigener Kraft den Weg für eine Besserung finden und diesen umsetzen. Dass ich einen bescheidenen Anteil an diesen heilsamen Prozessen habe, freut mich einfach. Eine weitere Freude besteht darin, dass ich mich manchmal wie eine Art Forscher fühle, der so viele unterschiedliche Menschen mit ihren ganz individuellen Lebens-, Denk- und Arbeitsweisen kennenlernen darf.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Decker: Viele Menschen hoffen anfangs, dass die Therapie – insbesondere mit Hypnose bzw. Hypnotherapie – das Problem oder ihre Beschwerden für sie löst. Das ist glücklicherweise nicht der Fall, denn sonst wäre man ja irgendwie abhängig von Therapeuten, Ärzten und ähnlichen Angeboten. Die Wahrheit besteht doch darin, dass jede Therapie, sogar eine pharmakologische Therapie, nur eine Weiche stellt. Die eigentliche Heilungsarbeit erledigen Prozesse im Klienten bzw. Patienten. Für die Hypnotherapie gibt es auch einige spezifische Missverständnisse, die stets am Anfang der Therapie ausgeräumt werden. Jede Hypnose ist im Grunde eine Selbsthypnose, denn nicht, was der Therapeut meint oder sagt, hat eine heilende Kraft, sondern das, was der Klient daraus macht. Die Bedeutung entsteht bekanntermaßen immer beim Empfänger und nicht beim Sender einer Nachricht.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?

Herr Decker: In solchen Fällen versuche ich, das Vertrauen in die unbewussten körperlichen und psychischen Prozesse zu stärken, indem wir Beispiele aus dem Erleben des Patienten finden, in denen die Selbstheilungskräfte bereits erfolgreich am Werk waren. Auch wenn es oft so aussieht, als wäre das Unbewusste Teil des Problems, z.B. bei Depressionen oder Panikattacken, kann man oft herausarbeiten, dass das als Problem erlebte Verhalten auch bereits Teil der Lösung sein kann bzw. ein suboptimaler Versuch zur Lösung eines ganz anderen Konfliktes ist.
Manchmal ist die Therapie tatsächlich etwas anstrengend und nicht nur lustig für den Klienten, aber ich habe noch keinen Fall erlebt, in dem Klienten diese Anstrengung nicht gern auf sich genommen hätten.

jameda: Was denken Sie, wenn ein Patient Ihre Ratschläge nicht befolgt?

Herr Decker: Dann denke ich, dass mein angebotener Lösungsansatz noch nicht passend war. Zu erwarten ist immer, dass der Therapeut flexibel sein muss. So etwas wie das Konzept des „Widerstands in der Therapie“ halte ich in meiner Arbeit für nicht besonders hilfreich. Für andere Therapiemethoden sind solche Konzepte sicher gut und hilfreich, in meiner Praxis jedoch nicht.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Decker: Gute Frage. Ich würde mich natürlich freuen, wenn auch gesetzliche Krankenkassen Heilpraktikerleistungen erstatten würden. Besonders würde ich mich aber freuen, wenn in der Psychotherapie die Palette an erstattungswürdigen Leistungen auf die hochwirksamen modernen Methoden erweitert würde.
Sehr schön wäre es, wenn das Gesundheitssystem es erlauben würde, dass Ärzte auch dann, wenn sie sich viel Zeit nehmen, um sich ihren Patienten zuzuwenden, dennoch ausreichend an ihrer Arbeit verdienen könnten. Besonders gegen die Überlastung von Ärzten und Pflegepersonal in Kliniken und für die Arbeit der Landärzte müsste etwas getan werden. Persönlich liegt mir am Herzen, dass auch die Situation der Hebammen deutlich verbessert werden müsste.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Decker: Nach dem, was ich selber und von meinen Klienten erfahre, sind die meisten Ärzte sehr aufgeschlossen für Wege, die vom strikten Pfad der sogenannten Schulmedizin abweichen. Aber hier und da täte sicher etwas mehr Offenheit ganz gut, z.B. auch die Rückbesinnung auf natürliche Medizin aus der Natur, die mit weniger Nebenwirkungen manchmal genau so gute oder sogar bessere Wirkung entfaltet.
Insbesondere in der Psychiatrie sollte der Grundsatz „keine Psychopharmaka ohne Psychotherapie“ mehr eingehalten werden.

jameda: Was war die letzte große Veränderung in der Hypnose-Therapie?

Herr Decker: Auch wenn es nun schon eine Weile her ist, muss man als die letzte große Veränderung in der Hypnose-Therapie das Wirken von Milton Erickson aufführen. Auch wenn Milton Erickson durchaus in vielen Fällen noch mit der klassischen (direktiven) Hypnose gearbeitet hat, waren seine Forschung und seine Arbeit entscheidend für die Entwicklung der modernen Hypnotherapie und der systemischen Beratung. Er hat den Blick geöffnet für ein erweitertes Verständnis von Trance im Allgemeinen und Hypnose im Besonderen. Seine Arbeit zu verstehen ist noch immer nicht abgeschlossen, und vieles hat sich auch bereits über Erickson hinaus entwickelt.

jameda: Was würden Sie tun, wenn Sie an einer Depression erkranken?

Herr Decker: Für den Fall, dass ich selber merken würde, dass ich eine Depression habe, würde ich mir einen Kollegen suchen, der mit mir hypnotherapeutisch arbeitet. Darüber hinaus würde ich dafür sorgen, dass ich viel Licht und körperliche Bewegung an der frischen Luft bekomme. Ich würde – wenn ich es nicht schon täte – regelmäßig meditieren und vielleicht auf pflanzliche Arzneien zurückgreifen. Ich würde versuchen, mehr zu schlafen und ganz sicher mehr Entspannungsübungen machen. Vor allem aber würde ich mich darauf besinnen, was mir Freude bereitet und davon wieder mehr in mein Leben integrieren, auch wenn ich wahrscheinlich typischerweise anfangs noch wenig Lust dazu hätte.

jameda: Was denken Sie über Naturheilkunde?

Herr Decker: Naturheilkunde ist ein weites Feld, und es wird vieles unter diesen Begriff gefasst, das manchmal schwer nachvollziehbar ist. Wenn es um Pflanzenheilkunde geht, bin ich ein echter Fan. Unter den Pflanzen gibt es Wohltäter, besonders die pflanzlichen Antibiotika und die Helfer für psychische Probleme.
Auch der Körper ist ein Teil der Natur. Die Unterstützung der Selbstheilungskräfte – und darauf beruft sich die Naturheilkunde sehr häufig – wäre eine sehr direkte Naturheilkunde. Dann könnte auch ein gutes Arzt-Patient-Verhältnis oder ein Placebo als Naturheilkunde bezeichnet werden.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Decker: Ja, da gibt es ein paar. Mir sind besonders noch solche Fälle im Gedächtnis, in denen die Schwere und/oder lange Dauer einer Erkrankung in einem unerwartet positiven Verhältnis zur Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit der Heilung standen.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Decker: Das Einfachste ist oft ein guter Tipp. Wenn es um die psychische Gesundheit geht, dann möchte ich jedem raten, sich täglich ein wenig Zeit für eine Entspannungstechnik und/oder eine Meditation zu nehmen. Körperliche und geistige Entspannung geben Freiraum für Heilungsprozesse. Außerdem tun Sie bitte das, was Ihnen Freude bereitet! Das Leben ist zu kurz, um es mit negativen Gedanken zu verschwenden.

Zur Person
Thomas Decker M.A. (Jahrgang 1965) ist Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie. Er praktiziert im Rahmen von Kurzzeittherapien mit moderner Hypnosetherapie, mit spiritueller Medizin (Handauflegen) und Photonentherapie in der Psychosomatischen Naturheilpraxis im Münchner Westen.

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