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Postpartale Depression - ein Hormonproblem?

Postpartale Depression - ein Hormonproblem?

Dr. Schramm

von
verfasst am 30.08.2012

© memo - Fotolia.com
Peripartale Depressionen sind mit 19,2 Prozent die häufigsten Erkrankungen in der frühen Mutterschaft. Jedoch werden nur 20 Prozent der betroffenen Frauen überhaupt erkannt und effektiv behandelt. Eine frühzeitige Diagnose und eine rechtzeitige kombinierte Therapie aus Stoffwechseltherapie (Hormone und Neurotransmitter) und psychologischer Betreuung kann den betroffenen Frauen und ihren Familien schnell aus der Krise helfen.

Als mögliche Risikofaktoren gelten depressive Vorerkrankungen, mangelnde partnerschaftliche wie soziale Unterstützung und belastende Lebensereignisse. Am häufigsten werden Antidepressiva und Gesprächstherapien verordnet.("Peripartale Depression erkennen und behandeln" B.Hübner-Liebermann, H. Hausner, M. Wittmann, Dt. Ärzteblatt Jg.109 Heft 24 15.06.2012)

Jedoch erkranken auch Frauen ohne erkennbare Risikofaktoren. Die Symptome reichen unter anderem von depressiven Verstimmungen, Ängsten, innerer Unruhe, Weinerlichkeit, Mutlosigkeit, Überforderungsgefühlen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen bis hin zu Panikattacken.

Der organische Auslöser einer depressiven Symptomatik ist fast immer ein Ungleichgewicht im Hormon- und Neurotransmitterstoffwechsel, so dass sich unter einer individuellen gezielten Stoffwechseltherapie schnell eine Besserung der Symptomatik einstellt, ohne dass Antidepressiva notwendig werden.
Die am häufigsten eingesetzten Antidepressiva (SSRI = Selektive Serotonin Reuptake Hemmer) bereiten vielen Frauen Probleme in der Einschleich- und auch Ausschleichphase, da sie oft mit Verstärkung von Ängsten und innerer Unruhe verbunden sind. Die Einnahme dieser Medikamente verschlechtert den Neurotransmitterhaushalt, weil zum Beispiel die wichtigen Serotoninspeicher entleert werden. Da Serotonin in einem Netzwerk von anderen Neurotransmittern wirkt, bleibt das entstandene Ungleichgewicht jedfoch in der Regel nicht nur auf Defizite im Serotoninspiegel begrenzt. Mit diesen Mechanismen sind wohl unter anderem auch die Probleme in der Ausschleichpahse zu erklären.

Eine gezielte Substitution (= Ergänzung) oral oder transdermal (= ein auf die Haut aufzutragendes Gel) der Hormon- und Neurotransmitter erfolgt nach einer Blut- und Urindiagnostik individuell, nach dem eigenen Stoffwechselmuster und verursacht keine psychichen Erstverschlimmerungen, wie zum Beispiel verstärkte Unruhe, Ängste oder Schlaflosigkeit.

Wichtig ist, dass Frauen mit einer solchen Symptomatik schnell eine entsprechende Beratung erhalten. Frauenärzte und Hebammen als erste Anlaufstellen, wie auch Freunde und Familie, sollten hellhöriger für depressive Symptome werden und die Frauen ermutigen, sich untersuchen zu lassen. Bei rechtzeitigem Beginn einer Therapie kann vermieden werden, dass sich eine Depression richtig manifestiert. Darunter leiden nicht nur die Mütter, meistens leider auch die ganze Familie.

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Kommentare zum Artikel (4)


08.11.2013 - 18:29 Uhr

Sehr geehrte Frau Schramm, ich finde Ihren...

von Judith

... Artikel sehr interessant und hilfreich. Ich leide leider an einer postnatalen Depression (seit Anfang August). Ich nehme seit ca. 6 Wochen Mirtazapin, welches mir gegen meine Schlaflosigkeit hilft sowie auch meine Stimmung etwas aufbessert. Aber meine Negativgedanken sind wie bisher. Zur Psychotherapie gehe ich auch, die mir ebenfalls, jedoch bedingt, hilft. Ich hatte starke Probleme beim Stillen, da ich viel zu viel Milch hatte und sich die Milchproduktion nicht anpassen ließ, wodurch ich nach langem Überlegen schweren Herzens abgestillt habe (bis MItte Juni). Meine Periode hatte ich seitdem noch nicht und auch vorher hatte ich sie sehr unregelmäßig. Ich hatte innerhalb des Zyklusses, kurz vor der Menstruation und auch zur Zeit des Eisprungs (konnte ihn meistens durch Unterleibschmerzen spüren) immer mit Stimmungsschwankungen zu tun. Jetzt ist meine Frage, ob es vielleicht sinnvoll wäre, meinen Hormonspiegel überprüfen zu lassen. Meine Frauenärztin hatte dies auch schon vorgeschlagen, führt so etwas aber nicht selbst durch. Ist ein Termin beim Endokrinologen sinnvoll? Über eine Antwort freue ich mich sehr. Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen Judith

Dr. Schramm

Antwort vom Autor am 10.11.2013
Dr. med. Nicole Schramm

Liebe Judith, ich würde Ihnen in jedem Fall empfehlen nach einem Kollegen zu suchen, der sich auf Hormon- und Neurotransmitter (NT)- Diagnostik und Therapie spezialisiert hat, da meistens in beiden Bereichen eine Substitution nötig ist. Im Bereich der NT mit 5-HTP und im Bereich der Hormone voraussichtlich mit Utrogest ( körperverwandtes Progesteron mit Stimmung aufhellender, schlaffördernder, angstlösender Wirkung), ggfs. zusätzlich ein körperverwandtes transdermales Östrogen. Bei der Hormondiagnostik sollte an konkreten Tagen des Zyklus zu untersucht werden ( Zyklusscreening). Versuchen Sie doch evtl. über www.gsaam.de einen Kollegen in Ihrer Nähe zu finden. Liebe Grüße und baldige Besserung wünscht Ihnen, Dr. Nicole Schramm

16.10.2013 - 13:28 Uhr

Was kann Ich gegen das benommenheitsgefühl u den...

von Tai

... schwindel tun? Ich kann so nicht vor die Türe?

Dr. Schramm

Antwort vom Autor am 23.10.2013
Dr. med. Nicole Schramm

Schwindel hat sehr viele Ursachen, aus dieser kurzen Anfrage, kann ich leider z wenig entnehmen, um Ihnen einen sinnvollen Rat zu geben. Ist vielleicht ein Teil Ihrer Anfrage nicht gespeichert worden? Gruß, Dr. Nicole Schramm

17.06.2013 - 20:57 Uhr

ich habe ein postpartale Depression,bin ziemlich...

von Katja

... schlapp, müde, erschöpft und nehme seit 3 Monaten opipramol 1 1/2 täglich (mehr geht nicht, aufgrund der Nebenwirkungen). Die "große" Wirkung hat sich bisher noch nicht gezeigt, fühle mich immer noch benommen, antriebslos und müde. Langsam kommen Zweifel an der Wirksamkeit des Medikaments auf...??? Ein Hormon-Speicheltest hat ergeben, dass ein Progesteronmangel besteht, sowie Estradiol zu niedrig ist, Testosteron dagegen zu hoch. Wie soll ich mich jetzt am Besten verhalten? Meinen Frauenarzt interessierte die ganze Thematik relativ wenig. Gibt es einen Spezialisten für diesen Sachverhalt??? Die Fachärzte für Psychotherapie "schwören" auf Psychopharmaka, ich habe jedoch gelesen, dass diese bei einer hormonellen Depression gar nicht wirken - stimmt das???

Dr. Schramm

Antwort vom Autor am 23.10.2013
Dr. med. Nicole Schramm

Sehr geehrte Katja, tut mir sehr leid, dass Ihre Anfrage übersehen wurde und erst jetzt beantwortet wird. Am besten suchen Sie sich über die homepage der GSAAM einen Kollegene, der sich mit Hormon- und Neurotransmitter-Substitution auskennt. Psychopharmaka können zwar Ihre akuten Symptome lindern, helfen jedoch nicht den Mangel an Hormonen oder Neurotransmittern auszugleichen. Alles Gute und gute Besserung wünscht Ihnen, Dr. Nicole Schramm

20.03.2013 - 15:00 Uhr

Ich habe eine postportale depression nehme seit 7...

von Nicole

... Monaten antidepressiver und habe immer noch Extreme schwangungen 2 Tage vor meiner Regel und dann während meiner Regel Falle ich total zurück. Habe nach vielem lesen einen speicheltest veranlasst und ich habe einen Progesteron Mangel aber leider finde ich keinen Arzt der mir daraus hilft. Gibt es eine Empfehlung !? Nähe Bremen Hamburg , Spezialisten für postportale depression ?

Dr. Schramm

Antwort vom Autor am 26.03.2013
Dr. med. Nicole Schramm

Persönlich kenne ich leider keinen Kollegen in der Nähe Bremen, Hamburg, aber Sie finden sicher einen Kollegen auf der Homepage der GSAAM. Bevor Sie einen Termin vereinbaren, fragen Sie konkret nach, ob nur Hormon- oder auch Neurotransmitter- Substitutionen durchgeführt werden und ob der/ die Kolleg-e/ -in sich damit auskennt, Psychopharmaka auszuschleichen und Neurotransmitter einzuschleichen. Alles Gute und hoffentlich bald eine deutliche Verbesserung Ihrer Situation wünscht Ihnen, Dr. med. Nicole Schramm


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