Inhaltssuche

Suche im Experten-Ratgeber, Lexika und Medikamenten

Umgang mit Demenz

Dr. Schwarz

von
verfasst am 03.02.2011

Der Begriff "Demenz" bezeichnet das vorzeitige Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit. Vergesslichkeit bedeutet noch keine Demenz, sondern dafür gibt es zahlreiche Gründe. Unter einer Demenz versteht man die Abnahme von Gedächtnisleistung und Denkvermögen. Dieses Nachlassen betrifft zunächst die Aufnahme und das Wiedergeben neuer gedanklicher Inhalte, so dass die Orientierung (wo man ist, was passiert gerade), die Urteilsfähigkeit, aber auch die Sprach- oder Rechenfähigkeit sowie Teile der ursprünglichen Persönlichkeit untergehen.

Das kann sich bei kleinsten Alltagsaktivitäten wie Waschen, Kochen oder Einkaufen bemerkbar machen. Die Betroffenen können aggressiv oder enthemmt, depressiv oder in der Stimmung sprunghaft werden, was für Angehörige und pflegende Personen erhebliche Schwierigkeiten aufwirft. Es ist eine häufige Erkrankung. Nach Schätzungen von Patientenverbänden leben in Deutschland weit über eine Million Menschen mit altersbedingten vorzeitigen Hirnleistungsstörungen.

Wie entsteht eine Demenz?
Prinzipiell können alle Veränderungen im Gehirn das Bild einer Demenz hervorrufen. Solche Veränderungen können durch andere körperliche Erkrankungen entstehen, vor allem durch Durchblutungsstörungen. Bei dieser "vaskulären Demenz" kommt es häufig schlagartig zur Verschlechterung der Hirnleistung und es treten oft anderweitige Zeichen eines Schlaganfalles wie Seh- oder Sprachstörungen auf. Die häufigste Ursache einer Demenz ist der 1906 von dem deutschen Neuropsychiater Alois Alzheimer beschriebene und später nach ihm benannte Abbau von Nervenzellen. Ähnlich wie bei der "Alzheimer-Demenz" gibt es weitere typische Abbauprozesse im Gehirn, die mit einer Demenz einhergehen. Auch Stoffwechselstörungen wie Vitamin-B-Mangel, Schilddrüsenerkrankungen, chronische Vergiftungen wie bei der Alkoholabhängigkeit, raumfordernde Prozesse oder Infektionen des Gehirns können zu einer Demenz führen und sind häufig behandelbar.

Die Unterscheidung dieser Ursachen muss durch den Fachmann vorgenommen werden und ist auch dann nicht immer ganz einfach, zumal häufig ein Überlappen mehrerer Ursachen vorliegt. So führen die "Volkskrankheiten" erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie) oder Diabetes mellitus zu einer Verschlechterung einer bestehenden Demenz oder rufen die Hirnschädigung durch Durchblutungsstörungen selbst hervor.

Wie wird eine Demenz behandelt?
Das wichtigste ist zuerst eine Demenz von anderen Erkrankungen zu trennen, die manchmal schwer zu unterscheiden sind, wie zum Beispiel eine Depression. Dann müssen mögliche ursächlich behandelbare Erkrankungen ausgeschlossen werden. Steht dann am Ende einer Vielzahl von Untersuchungen die Diagnose fest, müssen behandelbare Ursachen – häufig auch von Kollegen anderer Fachrichtungen – grundsätzlich behandelt werden. Jedoch gibt es für die Mehrzahl der Demenzerkrankten derzeit keine Heilung, aber ein Aufhalten des Hirnabbaus – etwa bei der Alzheimer- oder der vaskulären Demenz.

Für alle Demenzerkrankten gilt, dass wir als Nervenärzte dem Abbau der geistigen Fähigkeiten nicht tatenlos zusehen. Ziel der Bemühungen ist es, dass die Betroffenen möglichst lange ihren Alltag selbst bewältigen können. Dazu gehören häufig auch Zusatztherapien wie Ergotherapie oder Krankengymnastik, um die geistigen und körperlichen Funktionen zu trainieren und dadurch aufrechtzuerhalten. Auch mit Medikamenten kann heute einiges erreicht werden. Ziel ist dabei, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder sogar vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Diese Substanzen wirken individuell sehr unterschiedlich. Ein Behandlungsversuch lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn er vielleicht nicht zu besonders deutlichen Veränderungen führt. Da eine Demenz laufend fortschreitet, muss nämlich schon eine ausbleibende Verschlechterung als Behandlungserfolg verstanden werden.

Anregungen für Angehörige von Patienten mit Demenz
Die Demenz stellt ein großes Problem für Angehörige dar. Besonders schwerwiegend für die Angehörigen ist, dass die Krankheit sowohl die Beziehung zum Erkrankten als auch das eigene Leben häufig auf dramatische Weise verändert. Altbekannte und verlässliche Charakterzüge verschwinden. Der Erkrankte wird unberechenbar, muss durch seine Krankheit zunehmend seine sozialen Pflichten aufgeben und wird zu einer schutz- und pflegebedürftigen Person.

Dadurch entstehen bei den Angehörigen nicht nur Ängste und Verzweiflung, sondern auch Aggressionen gegen den Erkrankten. Das sind häufig beschriebene Reaktionen auf die Erkrankung. Hier hilft sicher nicht das "Unterdrücken" oder "Verdrängen" dieser Regungen. Vielmehr sollte man sich darüber bewusst werden, dass dies ein Ausdruck der beiderseitigen Hilflosigkeit ist. Als Angehöriger sollte man immer wissen, dass der Betroffene häufig nicht mehr in der Lage ist, seine Ängste auszusprechen, aber der schleichende Verlust der Gehirnleistungsfähigkeit nicht mit einem Verlust der emotionalen Wahrnehmung einhergeht.

Man sollte deshalb auf jeden Fall der Versuchung widerstehen, den Erkrankten aus Verzweiflung oder Hilflosigkeit wie ein unmündiges Kind zu behandeln. Der Erkrankte spürt sowohl freundliches als auch unfreundliches Verhalten seines Gegenübers sehr wohl. Das gilt natürlich für alle Interaktionen mit dem kranken Angehörigen, aber im besonderen auch für Arztbesuche, bei denen der behandelnde Arzt darauf angewiesen ist, sich ein möglichst unkommentiertes Bild vom Patienten zu machen.

Versuchen Sie bitte, diese für den Patienten ohnehin spannungsgeladene Situation nicht dadurch zu verschlimmern, dass sie jedes einzelne Detail seiner "Unfähigkeit" berichten. Der Psychiater ist durchaus mit der Problematik vertraut und versteht, dass er es mit einer schwerkranken Person zu tun hat, die Ihres Beistandes bedarf. Das zu leisten, ist eine schwere und sehr honorige Aufgabe.

Wie können Sie Demenzerkrankten im Alltag helfen? Sie können auf eine ausgewogene Ernährung mit vor allen Dingen reichlich Flüssigkeit achten. Sie können dem Erkrankten die Orientierung durch einen gut strukturierten Tagesablauf, Uhren und Kalender erleichtern. Die Pflege demenzerkrankter Menschen erfolgt zwar immer noch zum größten Teil durch Familienangehörige, aber man sollte sich insbesondere im Interesse des Erkrankten nicht überfordern. Bitte nutzen Sie ergänzende und alternative Angebote von Sozialstationen und Tagesstätten. Erkundigen Sie sich nach einer Selbsthilfe- oder Angehörigengruppe in Ihrer Nähe und profitieren Sie von den Erfahrungen anderer.

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
  

Kommentare zum Artikel (1)


17.02.2011 - 15:27 Uhr

Sehr schön und verständlich geschrieben. Danke

von Dr. Lieb.


Weitere Artikel zum Thema „Psyche & Nerven” von anderen Ärzten

Alle Artikel (115) anzeigen

Anmeldung zum jameda-Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig zu aktuellen und wichtigen Themen rund um Ihre Gesundheit

Medikamenten- und Lexikon-Suche

Arzneimittel und Generika finden und bestellen

Das jameda Lexikon

Häufig gesuchte Medikamente zum Thema "Psyche":

Über Krankheiten und Symptome informieren

Das jameda Lexikon