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Rückenschmerzen - das Kreuz mit dem Kreuz

Rückenschmerzen - das Kreuz mit dem Kreuz

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verfasst am 21.07.2012

© reka100 - Fotolia.com
Schmerzen am Bewegungsapparat, insbesondere Schmerzen im Bereich der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule sind ganz besonders häufige Beschwerden beim Hausarzt. Die übliche Behandlung mit sogenannten Rheumamitteln und muskelentspannenden Medikamenten möchte ich in diesem Artikel nicht weiter beleuchten. Die wenigsten Patienten mit solchen Symptomen haben einen Bandscheibenvorfall mit Druck auf den Nerven, welche die Schmerzen erklären. Was steckt also wirklich hinter den so häufigen Rückenschmerzen?

Diese Frage begleitet mich seit Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit. Früher zog man das Röntgenbild zur Diagnose heran und stellte meist irgendwelche Abnützungserscheinungen (degenerative Veränderungen oder Arthrose) fest. Das war eine einfache Erklärung, aber leider wohl zu einfach. Denn es gibt Menschen mit schlimmen Veränderungen im Röntgenbild, die aber überhaupt keine Beschwerden haben, oder Patienten mit starken Schmerzen, aber nur leichten Veränderungen beim Röntgen. Das Kernspin bringt uns heute auch nicht viel weiter, außer beim Bandscheibenvorfall, und das sind im Verhältnis nur wenige Fälle.

Eine wesentliche Bereicherung stellte für mich eine Ausbildung in Manueller Medizin / Chirotherapie dar. Hier werden sogenannte "Blockierungen", von denen meines Wissens auch keiner sagen kann, was das genau ist, für die Schmerzen verantwortlich gemacht. Diese Blockierungen können dann von speziell ausgebildeten Ärzten beziehungsweise Physiotherapeuten chirotherapeutisch gelöst werden. Damit kann man tatsächlich einer Vielzahl von Patienten sehr gut helfen.

Trotzdem bleibt noch eine erhebliche Zahl von Menschen, für die diese Methode nicht taugt. Ich habe den Eindruck, je älter der Patient ist und je länger die Schmerzen bestehen, desto weniger kann ich mit Chirotherapie bewirken. Hier ist die Akupunktur und, was mich immer wieder wundert, die homöopathische Behandlung mit Globuli in einem erheblichen Teil der Fälle erfolgreich.

Vor einigen Jahren ist eine neue Methode am Horizont erschienen: Die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht. Der Erfinder dieser Therapie sieht, vereinfacht ausgedrückt, vor allem eine Fehlbelastung im Bereich der Muskeln, Sehnen und Faszien als Ursache für die Schmerzen an. Man behandelt mit einer Schmerzpunktpressur und anschließend mit Dehn- und Kräftigungsübungen für die erkrankten Teile. Da Herr Liebscher selbst kein Arzt ist, tun sich viele Ärzte etwas schwer in der Akzeptanz, was sehr schade ist, weil die Methode wirklich eine große Bereicherung darstellt. Allerdings ist die Ausbildung extrem teuer und die Methode ist so zeitaufwendig, dass sie in einer Kassenpraxis fast nicht zu betreiben ist. So wird sie leider wohl Privatpatienten und Selbstzahlern vorbehalten bleiben.

Letzlich bleibt die Erkenntnis, daß ich nach fast 30 Jahren ärztlicher Tätigkeit und vielen Versuchen über den schulmedizinischen Tellerrand zu schauen, immer noch nicht wirklich sagen kann, was eigentlich die Ursache der Rückenschmerzen ist. Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz.

Wichtig erscheint mir jedoch die Einsicht, dass eine gut funktionierende Muskulatur ein wichtiger Faktor ist. Also stellt für mich, wenn die Beschwerden nicht in wenigen Tagen mit Medikamenten verschwinden und wenn Chirotherapie, Liebscher & Bracht oder ähnliches nicht zur Verfügung stehen, die Krankengymnastik eine wertvolle Hilfe dar, auch wenn das die Krankenkassen nicht gerne hören. Wenn der Rücken dann nicht mehr weh tut, ab ins Fitnesstudio, damit es möglichst lange so bleibt.

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Kommentare zum Artikel (5)


07.12.2013 - 09:07 Uhr

Habe ein Jahr lang die Engpassdehnungen nach...

von Delia

... Liebscher & Bracht und die Basisform des motion-Programms gemacht, kombiniert mit Schmerzpunktbehandlung durch einen in der Methode ausgebildeten Orthopäden. Die Probleme, nämlich Verspannungen im oberen Rücken und nächtliches Einschlafen der Finger, wurden dadurch nicht behoben, obwohl beides nach LnB mit ihrer Methode einfach zu beseitigen sein sollte, explizit auch das Karpaltunnelsyndrom (s. bspw. LNB-Newsletter-Karpaltunnel-161012). Abhilfe brachte dann eine einfache Handschiene für 60€, die ich nun jede Nacht trage und wieder schlafen kann. Die Werbeaussagen von LnB, dass alles mit ihrer Methode heilbar ist, sind also mit Vorsicht zu genießen.

03.04.2013 - 08:45 Uhr

Meine Erfahrung mit der Osteopathie ist sehr gut...

von Ursula

... bei Rückenschmerzen.Glücklicherweise übernimmt meine Krankenkasse 80 % der Kosten.Ich hatte vor 3 Monaten vermutlich einen Bandscheibenvorfall im unteren LWS - Bereich.Leider mußte ich mir selbst helfen!

30.07.2012 - 21:29 Uhr

Viel erfolgsversprechender als nur Trigger nach...

von Ramona Schwarz, Osteopathin

... Liebscher & Bracht zu behandeln, ist FDM, FaszienDistorsionsModel nach Dr. Typaldos. Die Ausbildung ist günstiger und durch die unterschiedlichen Distorsions Behandlungen (nicht nur Triggerpunkte) sind Schmerzen wesentlich schneller beseitigt.

Antwort vom Autor am 07.08.2012
Dr. med. Eckhard Töpert

Diese Methode habe ich noch nicht gehört. Aber Herr Liebscher als Wirtschaftsingenieur ist wahrscheinlich, was Werbung und Vermarktung anbetrifft, den Heiberuflern deutlich überlegen und daher öffentlich präsenter.

24.07.2012 - 11:28 Uhr

Diesen Artikel finde ich sehr gut! Hatte 1980, mit...

von Christa Günther

... 33 Jahren eine Bandscheiben-OP, L5S1. Jetzt habe ich eine stark ausgeprägte Osteochondrose in der LWS, in der HWS (dazu noch sehr wahrscheinlich Bandscheibenvorfälle, Skoliose in der WS) in beiden Knien Arthrose. Schmerzen habe ich oftmals sehr schlimme aber dann sind sie auch wieder zum aushalten, damit wäre ich ja zufrieden. Wegen meiner Kniearthrose kann ich beim heben oder bücken nicht in die Knie gehen. Herr Dr. Töpert, wie sie das hier darlegen ist mir sehr einleuchtend da ich schon Jahrelang damit zu tun habe. Das Problem ist das ich noch nicht mal eine Folgeverordnung bekomme, obwohl der Krankengymnast mir das nahe gelegt hat. Ich fahre auf meinem Trimmrad und mache Spannungsübungen für meine HWS. Normal Fahrrad kann ich nicht fahren da ich unter Schwindel leide, kein Mensch weiß woher. Wegen meiner kleinen Rente kann ich mir Fitnissstudio nicht leisten und Reha-Sport bekommt man nur einmal, das habe ich gemacht. Im Winter spazieren gehen ist nicht drin weil ich mehrere NNH-OP's habe, ich bekomme dann schlimme Schmerzen. In normalen Gymnastikgruppen kann ich nicht teilnehmen, die Übungen kann ich größtenteils nicht mitmachen. Wegen verschiedener anderer Krankheiten, Brust-OP, Asthma (Lunge angegriffen) konnte ich länger keine KG machen. Zum Orthopäden gehe ich nur wenn mein Knie dick ist oder ich länger nicht mehr schlafen kann vor Rückenschmerzen. Es wird ja nicht der ganze Mensch behandelt sondern einzelne Teile, entweder HWS, LWS oder die Knie. Obwohl ich ein positiver Mensch bin ich doch manchmall deprimiert. Damit möchte ich nicht jammern sondern nur aufführen wie es vielen Menschen geht, sie fühlen sich, wie ich, alleine gelassen.

Antwort vom Autor am 26.07.2012
Dr. med. Eckhard Töpert

Ich kann gut verstehen, daß Sie deprimiert sind und sich allein gelassen fühlen. Leider wird nicht alles, was möglich und vielleicht sinnvoll wäre von den Krankenkassen bezahlt. Ich bin jetzt fast 30 Jahre als Arzt tätig und habe schon unendlich viele Gesundheitsreformen über mich ergehen lassen. Mit jeder Reform ist es für Patienten und Behandler schwieriger geworden. Heute bin ich als Kassenarzt eigentlich nur noch Mängelverwalter und mein Spielraum etwas zu bewirken ist praktisch gleich Null, auch wenn die Kassen ständig etwas anderes sagen. Wie ich schon in meinem Artikel schreib sind viele der Methoden nur noch für Selbstzahler/Privatpatienten einigermaßen wirtschaftlich zu erbringen. Auf diese Weise ist es mittlerweile in unserem Land doch so, daß sich eine Zweiklassenmedizin entwickelt hat. Ich befürchte, diese Entwicklung wird eher noch schlimmer.

22.07.2012 - 21:12 Uhr

Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag zum...

von Gisela Fahrenkrug

... Dauerbrenner-Thema Rückenschmerzen. Wenn sich auch oft deren Ursache nicht ermitteln läßt, so liegt das vielleicht an dem individuellen Wechselspiel von Körper, Geist und Seele, das durch körperliche Überlastung und/oder seelischen und geistigen Stress aus dem Gleichgewicht geraten ist. Für den Betroffenen ist letztlich entscheidend, dass seine Beschwerden gemindert bzw. besser noch ihm genommen werden. Als Therapeutin habe ich dabei gute Erfahrungen mit Shiatsu und Akupunktur (also TCM) und darüber hinaus mit der leider noch wenig verbreiteten Methode der Reflektorischen Atemtherapie (RAT) gemacht.


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