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Fibromyalgie ist keine \"unsichtbare Krankheit\"

Fibromyalgie ist keine "unsichtbare Krankheit"

Silvia Müller

von
verfasst am 09.11.2008

© Benicce - Fotolia.com
Gemäß dem "National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases" ist das Fibromyalgie eine häufig auftretende und chronische Gesundheitsstörung, die charakterisiert wird durch ausgedehnte Muskel- schmerzen, Erschöpfung und zahlreiche schmerzempfindliche Stellen. Diese schmerzen- den Stellen sind an bestimmten Punkten vorzufinden - zum Beispiel im Nacken, an den Schultern, im Rücken, den Hüften und den oberen und unteren Extremitäten - an denen Menschen mit Fibromyalgie Schmerz auf leichten Druck hin empfinden. Fibromyalgie ist eine der häufig- sten Ursachen für Schmerzen, die den Bewegungsapparat betreffen, und Behinderungen. Zwischen drei und sechs Millionen Menschen sind alleine in den USA davon betroffen, das bedeutet, einer von 50 Amerikanern leidet darunter. In Deutschland ist die Fibromyalgie ebenfalls weit verbreitet. Zwischen 80 und 90% der diagnostizierten Erkrankten sind Frauen.

Wissenschaftlern aus Frankreich gelang es mittels SPECT (Single Photon Emission Computertomographie), funktionale Veränderungen in bestimmten Teilen des Gehirns von Patienten festzustellen, bei denen Fibromyalgie diagnostiziert worden war. Dies kräftigt die bisherige Vorstellung, dass die Symptome dieser Krankheit mit einer Fehlfunktion des Gehirns in den Teilen einhergehen, in denen die Schmerzverarbeitung stattfindet.
 
"Von Fibromyalgie wird häufig angenommen es sei eine "unsichtbare Krankheit", weil bildgebende Verfahren die Muskeln betreffend negativ sind“, sagte Eric Guedj, der Leiter der Studie. "Frühere bildgebende Studien über Patienten mit diesem Syndrom haben jedoch übernormalen cerebralen Blutfluss (Gehirndurchblutung) in einigen Teilen des Gehirns und unternormalen Blutfluss in anderen Arealen gezeigt. Nach dem Durchführen von Aufnahmen des ganzen Gehirns der Studienteilnehmer wendeten wir statistische Analysen an, um den Zusammenhang zwischen der funktionalen Aktivität selbst im kleinsten Areal des Gehirns zu erfassen, als auch verschiedene Parameter, die mit Schmerz, Behinderungen, sowie Angst und Depressionen in Zusammenhang stehen."
 
In der Studie, über die in der Novemberausgabe der medizinischen Fachzeitschrift "The Journal of Nuclear Medicine" berichtet wurde, beantworteten 20 Frauen mit der Diagnose Fibromyalgie und 10 gesunde Frauen als Kontrollgruppe Fragebögen, um den Grad ihrer Schmerzen, Schwierigkeiten im Beruf, morgendliche Müdigkeit, Steifheit, Angst und Depressionen festzustellen. Dann wurde ein SPECT durchgeführt, um positive und negative Korrelationen zu bestimmen.
 
Die französischen Wissenschaftler bestätigten, dass die Patientinnen mit Fibromyalgie, im Gegensatz zu den gesunden Studienteilnehmerinnen, Abnormalitäten in der Durchblutung des Gehirns zeigten. Weiterhin stellten sie fest, dass diese Abnormalitäten direkt mit dem Schweregrad der Krankheit korrelierten. Eine Zunahme der Durchblutung wurde in den Regionen des Gehirns festgestellt, die dafür bekannt sind, Schmerzintensität zu unterscheiden. Eine Verminderung der Durchblutung wurde in den Arealen vorgefunden, von denen angenommen wird, dass sie in die emotionale Verarbeitung von Schmerzen involviert sind.
 
In der Vergangenheit dachten einige Wissenschaftler, dass die Schmerzen, die von Fibromyalgiepatienten berichtet werden, ein Resultat von Depressionen seien, anstatt Symptome einer Krankheit. "Interessanterweise fanden wir heraus, das diese funktionalen Abnormalitäten unabhängig vom Angst- oder Depressionsstatus waren“, sagte Guedj.
 
Dem Wissenschaftler zufolge wird die Einschätzung einer Behinderung häufig bei kontrollierten klinischen Studien eingesetzt, um das Ansprechen auf eine Behandlung zu beurteilen. Da bildgebende molekulare Techniken wie SPECT dabei helfen können, ein Ansprechen eines Patienten auf eine spezifische Behandlung vorherzusagen und um die Genesung der Gehirnverarbeitung im Verlauf bewerten können, könnte es sich als hilfreich erweisen, wenn diese Untersuchungsmethode in zukünftige kontrollierte pharmakologische Studien einbezogen würde.
 
"Fibromyalgie könnte in Verbindung mit einer umfassenden Fehlfunktion der cerebralen Schmerzverarbeitung stehen", ergänzte Guedj. "Diese Studie demonstriert, dass diese Patienten Modifikationen der Gehirndurchblutung aufweisen, die bei gesunden Versuchspersonen nicht gefunden wurden, und sie verstärkt die Vorstellung, dass Fibromyalgie eine "richtige Krankheit / Gesundheitsstörung" ist.
  
Obwohl über Fibromyalgie oft gedacht wird, dass es ein mit Arthritis verwandter Zustand ist, werden dabei jedoch keine Entzündungen und Gelenk-, Muskel- oder Gewebsschäden verursacht. Allerdings beeinträchtigen die signifikanten Schmerzen und die begleitende Erschöpfung eine Person in ihren Tagesablauf in erheblichem Maße, ebenso wie man es von Arthritis kennt.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 5. November 2008


Literatur:
SNM Press Release, Fibromyalgia Can No Longer Be Called the "Invisible" Syndrome, November 3, 2008
Eric Guedj, Serge Cammilleri, Jean Niboyet, Patricia Dupont, Eric Vidal, Jean-Pierre Dropinski,Olivier Mundler, Clinical Correlate of Brain SPECT Perfusion Abnormalities in Fibromyalgia, THE JOURNAL OF NUCLEAR MEDICINE • Vol. 49 • No. 11 • November 2008

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Kommentare zum Artikel (7)


27.09.2009 - 15:24 Uhr

Ich finde, als eine der vielen FMS Betroffenen,...

von Rose77

... solche Artikel wunderbar und hoffnugsvoll. Nun, die besten Artikel dieser Welt helfen einem Patienten wenig, wenn er nirgendwo auch eine Liste von Ärzten dazu bekommt, bei denen er das verzweifelt gesuchte Gehör endlich findet. Ich finde äußerst unbefriedeigend in Deutschlad, dass einer mit der plakativen Hilfeempfehlung abgespeist wird: "Sie müssen bei ihrem Problem nur eins tun, zu dem richtigen Arzt gehen." Ja, und wo sind denn diese Ärzte zu finden, kann mir einer darauf die Antwort geben? Liebe Grüße Rose77

18.04.2009 - 19:17 Uhr

Der Artikel ist schon mal sehr gut. :-) Meine...

von Servus

... Frau leidet unter der Fibromyalgie und ich unter einem chron. Erschöpfungszustand (wobei diese beiden Krankheiten scheinbar nahe aneinanderliegen, zusammen mit Depressionen und dem MCS-Syndrom). Wir wissen nicht, an welche Ärzte wir uns wenden können? Wir wohnen in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Mehrfach haben wir schon den Hausarzt gewechselt, es gab eine monatelange Hetzerei- bisher ohne Erfolg. Ist denn kein Arzt in der Lage, diese Krankheitsbilder zu diagnostizieren? An wen sollen wir uns noch wenden? Wie gesagt, unserer HÄ vertrauen wir nicht mehr, sie meint, wir simulieren nur und uns fehlt die Kraft, wieder sinnlos tausendundeinen Arzt abzuklappern und am Ende stehen wir doch wieder ohne Hilfe und ohne Ergebnis da. Hat jemand Erfahrungen mit Ärzten, die die Krankheit diagnostizieren? Über Hilfe würden meine Frau und ich uns sehr freuen. Seit Jahren geht es bei uns nur noch Berg ab, viele Schicksalsschläge haben uns in die Knie gezwungen und wir haben schlichtweg niemanden, der uns hilft. MfG, ~Servus und Frau~

31.01.2009 - 02:02 Uhr

Hallo, ich habe schon 2005 erstmals davon...

von Tiesto

... gehört, das bei Fibromyalgie bestimmte Hirnareale sehr stark reagieren (die bei gesunden keine Veränderungen zeigen) und das andere Areale die bei Gesunden reagieren, bei Fibromyalgie nur schwach zu erkennen waren. Ich glaube es war Frau Prof. Herta Flor, die in Berlin darüber berichtete. Es könnte auch Kathie Thieme gewesen sein. Über beide könnt Ihr über google etwas erfahren. Eine Art Vibrationstherapie mit einem von einem russischen Arzt entwickelten Gerät, das eigentlich für Sportler gedacht war habe ich auch schon vor einigen Jahren ausprobiert. Leider hat dies meine Schmerzen damals massiv verstärkt, sodass ich die Therapie abbrechen musste. Es wurde in einer Rehaeinrichtung in Bad Kissingen (Ich glaube Winterstein hieß die Kureinrichtung) angeboten. Viel Glück und Erfolg Tiesto

13.11.2008 - 08:19 Uhr

Nebenwirkungsfreie Therapie sollte an erster...

von Ulli

... Stelle stehen. Leider habe ich davon bei Ärzten in Bezug auf die Therapie bei FMS bisher nichts gehört. Man bot mir nur die Gabe von Psychopharmaka an, sie solle das Schmerzempfinden im Gehirn beeinflussen und die Beschwerden lindern. Da ich MCS - bedingt an einer vielfältigen Medikamentenunverträglichkeit leide und u. a. keine Schmerzmittel und dergleichen vertrage, kommt diese Art der Behandlung für mich sowieso nicht infrage. Hinzu kommt, dass ich keine psychischen Beschwerden habe. Ob ich die komplette Therapie incl. Vibrationsgerät machen kann, ist für mich noch unklar, in einem gemeinschaftlich genutzten Raum kann ich keine Anwendung absolvieren. Ich müsste das mit meinem Physiotherapeut abklären, als erstes, ob dort ein solches Gerät zur Verfügung steht. Danke für die guten Informationen, Gruß Ulli

10.11.2008 - 16:07 Uhr

Steht diese Studie der französischen...

von Amelie

... Wissenschaftler auch deutschen Ärzten zur Verfügung? Kann man jetzt hoffen, besser verstanden und therapiert zu werden, wenn man mit derartigem Beschwerdebild beim Facharzt vorstellig wird? Die im zweiten Blog vorgestellten Therapien, würde ich auch gerne einmal ausprobieren, nur falle ich leider durch´s Raster, da ich gleichzeitig an Chemikaliensensibilität leide und die Anwendung des beschriebenen Vibrationsgerät wahrscheinlich nicht möglich sein wird für mich. In den gemeinschaftlich genutzten Therapieraum kann ich leider nicht zur Anwendung. Wie muss man sich ein solches Vibrationsgerät vorstellen, ist dies groß, kann man es evtl. für zu Hause ausleihen und die Therapie dort alleine durchführen? Grüsse Amelie

10.11.2008 - 15:25 Uhr

Hallo Harald, das wäre in vielerlei Hinsicht...

von Silvia

... sehr sinnvoll, denn dadurch könnte ein Arzt die Krankheit und deren Verlauf ganz anders einschätzen. Der Griff zur psychischen (Hilfs-) Diagnose hingegen verschließt für Arzt und Patient Möglichkeiten einer lindernden Therapie. Vielleicht hilft Dir dieser Artikel, den ich für einen anderen Blog geschrieben habe noch ein wenig weiter. http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/11/09/nebenwirkungsfreie-therapie-verbessert-fibromyalgie-und-erschoepfung-in-sechs-wochen/ Grüsse, Silvia

10.11.2008 - 09:31 Uhr

Ich wünsche mir für Deutschland, dass SPECT als...

von Harald54

... Untersuchungsmethode für FMS übernommen wird. Denn es ist ziemlich unschön, wenn man seine Schmerzen nicht geglaubt bekommt. Mit den sog. Tenderpoints jedoch, kann man Fibromyalgie diagnostizieren. Aber in Deutschland wird FMS leider vielfach als psychische Krankheit abgetan, was durch die französischen Wissenschaftler hoffentlich widerlegt sein dürfte.


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