Impotenz - Wenn im Bett nichts mehr geht
Inhalte:
» Ursachen
» Genaue Diagnose notwendig
» Die blaue Pille
» Nicht auf eigene Faust
» Wenn sonst nichts geht
Der Volksmund nennt es „Impotenz", die Mediziner sprechen von „erektiler Dysfunktion" - doch wer davon betroffen ist, schweigt meist. Die Rede ist von Erektionsstörungen. Selbsthilfegruppen gehen davon aus, dass in Deutschland mindestens 4,5 Millionen Männer zumindest vorübergehend unter Potenzstörungen leiden. Wenn der Penis nicht mehr ausreichend steif wird, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr auszuüben, geraten viele Männer unter Druck. Wer nicht mehr "seinen Mann stehen" kann, fühlt sich oft als Versager und zieht sich zurück. Darunter - und nicht zwangsläufig unter der Störung der Sexualfunktion - leidet dann auch die Partnerschaft.
Wer sich aber dazu durchringt und mit seinem Arzt über die Schwierigkeiten spricht, kann in vielen Fällen Hilfe bekommen. Während Erektionsstörungen in früheren Jahren häufig als „psychisch" abgetan wurden, hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, das oft auch körperliche Ursachen beteiligt sind. Dafür spricht die Tatsache, dass mit zunehmendem Alter mehr Männer über diese Funktionsstörung klagen. Umgekehrt gilt aber auch, dass nicht nur die Erektionsstörung im physischen Sinne behandelt werden sollte, sondern zudem psychische Aspekte betrachtet werden müssen. Das betrifft vor allem die Auseinandersetzung mit der sexuellen Beziehung in der Partnerschaft.
Ursachen
- Erkrankung der Blutgefäße
In den meisten Fällen lassen sich Erektionsstörungen auf Erkrankungen von Blutgefäßen oder des Nervensystems zurückführen. Damit eine Erektion zustande kommt, müssen die Schwellkörper des Penis ausreichend durchblutet werden. Liegt jedoch eine Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose) vor, ist der Blutfluss eingeschränkt und der Penis wird nicht ausreichend steif. Kardiologen betrachten in diesem Fall die Erektionsstörung als den Vorboten eines drohenden Herzinfarkts: Von einer Arteriosklerose sind häufig alle Blutgefäße im Körper betroffen. Am Penis wird die Verkalkung oft zuerst bemerkt, da die Adern hier nur einen sehr dünnen Durchmesser haben. Sind jedoch auch die großen Blutgefäße am Herzen von der Arteriosklerose betroffen, kann die Minderdurchblutung zu einem Herzinfarkt führen.
- Diabetes
Auch bei Diabetikern treten die Erektionsprobleme bedingt durch Durchblutungs- und Nervenstörungen häufig auf.
- Rauchen
Rauchen kann zu Impotenz führen, da Nikotin Durchblutungsstörungen fördert.
- Erkrankungen des Nervensystems
Daneben können aber auch Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson oder Multiple Sklerose für die Erektionsstörung verantwortlich sein. Wer sich einer Prostataoperation unterzieht, muss damit rechnen, dass durch die chirurgischen Maßnahmen auch Nerven verletzt werden können, die für eine Erektion notwendig sind. In der Folge treten in vielen Fällen Erektionsstörungen auf.
- Testosteronmangel
Ein Testosteronmangel dagegen ist nur in den seltensten Fällen die Ursache für das mangelnde „Stehvermögen".
- Arzneimittel
Auch Medikamente können die Probleme auslösen: Beispielsweise Blutdrucksenker und Arzneimittel zur Behandlung von psychischen Erkrankungen können zu Störungen der sexuellen Funktion führen.
Genaue Diagnose notwendig
Diese kleine Übersicht macht schon deutlich: Vor der Therapie muss erst einmal eine genaue Ursachenforschung kommen. Erster Ansprechpartner für Betroffene ist dabei der Urologe, der weitere Untersuchungen veranlasst. Einige urologische Polikliniken bieten bereits auch Spezialsprechstunden für Patienten mit erektiler Dysfunktion an. Der Arzt wird die Krankheitsgeschichte erheben und beispielsweise danach fragen, wie lange bereits die Beschwerden bestehen. Es schließt sich eine körperliche Untersuchung an, in vielen Fällen werden auch Blutwerte bestimmt. Je nach der zugrundeliegenden Ursache kommen als Therapie vor allem sexualtherapeutische Methoden sowie Medikamente infrage.
Die blaue Pille
Die wichtigste Medikamentengruppe zur Behandlung von Erektionsstörungen sind die sogenannten „PDE-Hemmer", zu denen auch das bekannte Viagra® (Wirkstoff: Sildenafil) zählt. Die Medikamente fördern die Durchblutung der Schwellkörper bei sexueller Stimulation und sorgen so für eine verbesserte Steifigkeit. Die auf dem Markt befindlichen Wirkstoffe unterscheiden sich vor allem darin, wie schnell sie wirken und wie lange die Wirkung anhält. Welches Medikament für den konkreten Fall das beste ist, sollte immer gemeinsam mit dem Arzt besprochen werden. Viagra und Co. sind rezeptpflichtig, müssen aber selbst bezahlt werden, da die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.
Nicht auf eigene Faust
Potenzmittel sind nicht billig - daher liegt vielleicht der Gedanke nahe, dass man auch ohne den manchmal peinlichen Arztbesuch an die Medikamente kommen könnte. Doch auf die Internetbestellung ohne Rezept sollte man lieber verzichten. Bei dubiosen Versandapotheken, die die Rezeptpflicht umgehen, kann man sich nicht sicher sein, was man tatsächlich bekommt. Im günstigsten Fall erhält man nur Tabletten ohne Wirkstoff. Wesentlich schlimmer sind dagegen die Fälle, in denen andere nicht deklarierte Substanzen unter die gefälschten Präparate gemischt wurden.
Dazu kommen die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen bei der Einnahme: PDE-Hemmer dürfen nicht eingesetzt werden, wenn bereits schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen, wie zurückliegende Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Auch vertragen sich die Medikamente nicht mit anderen Arzneimitteln, die etwa bei Herzerkrankungen eingesetzt werden. Deshalb sollte man die Einnahme dieser Präparate immer mit dem Arzt besprechen und die Arzneimittel aus der sicheren Apotheke vor Ort beziehen.
Wenn sonst nichts geht
Wenn durch die PDE-Hemmer die Erektionsstörungen nicht verbessert werden können, stehen noch einige andere Optionen zur Verfügung, die allerdings nicht in allen Fällen angenehm sind. Dazu gehören etwa Vakuumpumpen (um die Schwellkörper künstlich zu durchbluten), das Einbringen von Medikamenten in die Harnröhre, Spritzen in den Schwellkörper oder Penisimplantate. Selbsthilfegruppen können ein gutes Forum bieten, um in einer geschützten Atmosphäre Kontakt zu anderen Betroffenen zu bekommen sowie Informationen und Erfahrungen auszutauschen.
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