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Weshalb Billigimplantate keine Option sind...

Weshalb Billigimplantate keine Option sind...

Dr. Fürstenau

von Dr. med. Werner Fürstenau
verfasst am 27.10.2010

...oder warum "Gut" und "Billig" selten zusammenpassen.

In vielen Lebensbereichen hat fast jeder die Erfahrung gemacht, dass Billigprodukte häufig ihren Preis nicht wert sind. Meist ergibt sich eine eingeschränkte Funktionalität, eine geringere Lebensdauer oder ein schlechter Support. Manche Produkte bieten sogar effektiv keinerlei Garantie oder Gewährleistung, da die Hersteller nicht greifbar sind.

Bezogen auf Zahnimplantate und deren Einsatz ergeben sich dabei folgende Gesichtspunkte:

Die Hersteller
Billiganbieter locken mit niedrigen Preisen bei angeblich gleicher Leistung. Den Beweis dafür bleiben sie in der Regel schuldig. Besonders dreist erlebt man dabei Firmen, die das Design eines Premiumherstellers einfach kopieren. Die gleichen (Material-) Eigenschaften weisen diese Plagiate meist nicht auf, bzw. auch hier bleiben die Beweise aus. Geprüfte Studien existieren oft nicht.

Die Implantologen
Fragt man Patienten, was ihnen bei Implantologen wichtig ist, so lautet die Antwort meist,

  • er soll Erfahrung haben,

  • er soll das richtige Produkt (Implantat) aussuchen

  • er soll das in ihn gesetzte Vertrauen nicht missbrauchen


 

Will nun jemand in den Markt drängen oder Marktanteile dazu gewinnen, so geschieht das auch hier nicht selten über den Preis.
Aber woran will man beim Implantieren sparen? Letztlich kann man an Zeit, Material oder Ausbildung sparen. Spart der Doktor am Honorar, dann begibt er sich auf wirtschaftlich dünnes Eis. Schließlich muss/sollte der Doktor ja auch morgen noch da sein, um Gutes zu tun.

Also sparen an der Zeit:

  • bei der Beratung?

  • bei der Planung?

  • bei der Operation?

  • bei der Sorgfalt?

  • bei der Reklamation? (Oh ja, man kann auch Zeit sparen bei etwaigen Reklamationen ("Stellen Sie sich nicht so an", "Das kann man nicht besser machen", "Darüber wird nicht diskutiert")).


 

Also sparen am Material:

  • Billigimplantat statt Premiumprodukt

  • Noname statt Markenware

  • wissenschaftlich Ungesichertes statt nachgewiesen Bewährtes


 

Also sparen an der Ausbildung:

  • Wochenendkurse statt mehrjähriger klinischer Ausbildung

  • dubiose Schmalspur-Weiterbildungen, die zu nicht geschützten Titeln führen statt abgeschlossener Facharzt- oder Fachzahnarztausbildung


 

Bemerkenswert ist, dass Patienten bei Implantaten keinerlei Markenbewusstsein entwickeln, obwohl ein Implantat doch in den Körper eingesetzt wird und das dauerhaft. Beim Kauf eines Fernsehers, eines Fahrrades, sogar bei Margarine gibt es ein Bewusstsein für die Marke und die damit verbundene Qualität.
Bemerkenswert ist, dass sich Patienten oft scheinbar völlig uninteressiert in eine Behandlung stürzen. In anderen Lebensbereichen würden zuweilen tagelang Auskünfte eingeholt.

Fazit: Seien Sie wachsam, zeigen Sie sich aufgeklärt, informieren Sie sich, fragen Sie nach.

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Kommentare zum Artikel (3)


18.11.2010 - 16:01 Uhr

Danke für diesen simplen Ansatz einen...

von Balbidur

... komplizierten Sachverhalt darzustellen. In einem idealen Markt findet sich für alle Produkte über die Marktmechanismen ein angemessener Preis - leider íst der Markt im Gesundheitssektor von diesem Zustand sehr weit entfernt, mit dem Resultat einer Überteuerung bestimmter Produkte. In einem solchen Markt können Alternativanbieter eben doch gleichwertige Produkte zu billigeren Preisen anbieten und schmälern dadurch nur die unangemessenen Profite der Platzhirsche. Warum sie darauf nicht eingehen - Naivität oder Vorsatz?

25.11.2010 - 10:28 Uhr

Mit Interesse habe ich beide Beiträge gelesen und...

von Anonym

... beide Sichtweisen sind für mich nachvollziehbar. Persönlich kann ich von eigenen Erfahrungen berichten. 1. Der Preis der am Ende u. auf der Rechnung steht setzt sich aus Material und Lohn für den Behandler zusammen. 2. Der Materialpreis wird vom Bahandler weitergegeben. Er verdient daran nichts! Der Behandler macht sich also selber das Leben in der Preisdiskussion nicht wirklich leichter, wenn er mit höherpreisigen ( aus meiner Sicht auch höherwertigen ) Materialien arbeitet. 3. Als ich mich für ein Implantat entschied, habe ich mich sehr stark damit auseinandergesetzt, was in meinen Körper gesetzt wird (ich verschenke nicht blind mein Vertrauen ), und habe noch etwas herausgefunden. Es gibt wohl über 100 Implantatfirmen, die Ihre Produkte anbieten. Manche, sind regional nur verfügbar. Weiter kommen jedes Jahr neue hinzu, und viele gehen wieder vom Markt. Ich bin 33 Jahre alt, und möchte mindestens so alt wie meine Großelteltern werden ( 83, 87 ). Das bedeutet, das Implantat hat noch hoffentlich mindestens 50 Jahre vor sich. Wenn ich mir vorstelle, dass ggf. an anderen Orten das Implantat unbekannt ist, oder später mal etwas erneuert werden muß und es vielleicht keine Teile mehr gibt - was ist dann? Diese Sicherheit bietet mir und Ihnen und auch dem Behandler ( der für das Patientenwohl entscheidet (hoffentlich!)) nur ein namhafter Hersteller. Dann darf aus meiner sicht ein Implantat gerne 250,- ( Markenhersteller ) statt 100,- Euro ( Billiganbieter ) kosten. Abgesehen von den Kosten der Gesamtbehandlung, diese belaufen sich dann doch eher im im 4stelligen Bereich. Ach ja - und vielleicht sollte man ja doch noch aufpassen, das die Differenz ( Marke - Billig ) nicht am Ende noch durch den Ärztelohn ausgeglichen wird. Dann könnten die Gesamtkosten für den Patienten am Ende noch die gleichen sein, nur dass bei dem Einen mit Top Produkten versorgt wurde, und der Andere unter Umständen den gleichen Gesamtpreis bezahlt hat und Billigprodukte bekommen hat. So etwas soll schon vorgekommen sein. Beste Grüße

25.11.2010 - 19:48 Uhr

Sehr geehrte Frau Balbidur, das Implantat als...

von Werner Fürstenau

... Medizinprodukt stellt nur einen geringen Teil der Dienstleistung "Implantatversorgung" dar. Das Material ist übrigens nach Gesetz ein durchlaufender Posten; Aufschläge dürfen hier nicht erhoben werden. Wie Sie sicher bemerkt haben, bezieht sich der weitaus größte Teil des Artikels auf die Dienstleistung bzw. die Dienstleister. Auch da gibt es natürlich auch "billig", aber wer will das wirklich? Qualität hat eben Ihren Preis. Das war schon immer so.


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