Kieferorthopädische Miniimplantate
Können zwei winzige Schrauben im Gaumen fast jede Zahnbewegung im Oberkiefer möglich machen? Kann man von Innen aus einen engen Oberkiefer komplett dehnen, auch ohne große Kieferchirurgie? Die Antwort ist einfach: Ja!Am vergangenen Wochenende konnten wir in der Praxis eines der innovativsten Kollegen in der Kieferorthopädie in der Vergangenheit als unmöglich erachtete Therapien kennen lernen. Gegenseitig setzten wir uns diese Implantate in den Gaumen, um sie dann gleich wieder zu entfernen. Hierzu reicht eine Miniportion von Anästhesie und wenige Minuten. Alles geht völlig schmerzlos vor sich, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
Wann können diese Implantate engesetzt werden?
Schon ab sechs Jahren kann bei Kindern mit extrem engem Oberkiefer eine sogenannte Gaumennahtdehnung durchgeführt werden, bei der innerhalb von wenigen Tagen der Oberkiefer aufgedehnt wird und in dieser Stellung rund ein Jahr lang gehalten wird. In dieser Zeit schließen sich dann die Knochenlücken, die im Schädel entstanden sind.
Der Clou ist, dass hierbei auch der Oberkiefer nach vorne entwickelt wird. Dies ist vor allem bei den Patienten vorteilhaft, bei denen der Oberkiefer im Vergleich zum Unterkiefer zu klein entwickelt ist.
Das Verfahren eignet sich auch für Erwachsene. Bei diesen müssen aber Im Bereich des hinteren Oberkieferknochens auf jeder Seite Entlastungen gemacht werden, um dem Schädel Raum zur Dehnung zu geben. Auch dies ist für den erfahrenen Chirurgen eher ein Bagatelleingriff.
Der große Vorteil ist, dass große kieferchirurgische Eingriffe vermieden werden können, die bisher als Standardverfahren für diese Fälle galten. Alles kann ambulant in der Praxis durchgeführt werden und ist auch in der Folgezeit schmerzfrei.
In der täglichen Routine ist hervorzuheben, dass in vielen Fällen von Platzmangel und engstehenden Zähnen das Entfernen von gesunden Zähnen zur Platzbeschaffung nicht mehr notwendig ist. Dies ist eine gute Nachricht für alle Eltern, die sich schwer mit der Tatsache des Verlustes von gesunden Zähnen bei ihren Kindern abfinden können.
VIele Zahnlücken können mit Hilfe dieses Verfahrens geschlossen werden. Ein Beschleifen der Nachbarzähne für eine Brücke ist oft nicht nötig, weil kieferorthopädisch Lücken geschlossen werden können. Auch Implantate sind dadurch oft nicht notwendig.
Noch ein Wort zu den zu erwartenden Kosten: Da das Verfahren sehr aufwändig ist, sind die Kosten keinesfalls niedriger als bei konventionellen Verfahren der Zahnprothetik.
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Kommentare zum Artikel (1)
02.05.2012 - 13:32 Uhr
Guten Tag, ich besitze eine...
von Max Jochen Kornmann
... Oberkiefer-Vollprothese, mit ausgesparter Gebissplatte wegen Brechreizes. Durch Veränderungen des Oberkieferraumes bedarf es des öfteren einer Auffütterung, wobei dies seine Grenzen hat. Normale Implantate sind wegen des zu dünnen Oberkieferbodens ohne Knochenaufbau und der hohen Kosten nicht möglich. Daher bin ich an den neuen MINI-Implantaten interessiert. Geben Sie mir bitte Auskunft darüber, ob unter den Gegebenheiten bei mir Ihre neue Methode möglich wäre und was das kostet ? Die Kosten spielen bei mir eine besondere Rolle, da ich Rentner bin. Vielen Dank voraus für die Beantwortung meiner Fragen. MfG. M.J. Kornmann
Antwort vom Autor am 03.05.2012
Dr. med. dent. Thomas Veigel
Diese Schrauben eignen sich nicht für den dauerhaften Einsatz, sind also provisorischer Natur. Es gibt sehr dünne Schrauben eines namhaften schweizerisch-deutschen Herstellers mit Durchmesser 2,8 mm, die eine sehr preiswerte Versorgung zulassen, da der Grundpreis im Material unter € 100 liegt. In der Regel reichen 4-6 Implantate im Oberkiefer, um eine gaumenfreie Prothese sich zu verankern. Bei dünnem Kiefer ist aber die Herstellung eines DVT für die dreidimensionale Darstellung der Knochenverhältnisse unabdingbar. Die Kosten für eine solche Diagnose einschließlich Aufnahme beginnen ab ca. € 150.
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