Medikamente gegen Zahnfleischerkrankungen
Am Freitag erfuhren wir die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse von unserem "Parododontose-Guru" Prof. Dr. Jörg Kleinefelder.Was kann man dem Patienten daraus zusammenfassen?
Die Auswirkungen der Dauerentzündung im Bereich der Zahnfleischtaschen auf den Gesamtorganismus sind gravierend. Je mehr Untersuchungen durchgeführt werden, desto mehr Krankheitsbilder sind eindeutig negativ beeinflusst.
Wenn durch die Standardmaßnahmen wie gute Mundhygiene des Patienten, Professionelle Zahnreinigung und Anfangstherapie keine deutliche Verbesserung der Zahnfleischentzündung eintritt, liegt die Ursache in einer aggressiven Bakterienbesiedlung, die nur mit Antibiotika für drei Jahre aus dem Organismus entfernt werden können.
Alle anderen Maßnahmen wie Medikamente, Laser in der Zahnfleischtasche führen langfristig zu keiner Besserung. Einziges Mittel, das einen Erfolg zeigt, ist ein aus Israel stammender "Chip", der den Wirkstoff Chlorhexidin über eine Woche freisetzt.
Es gibt ein Antibiotikum, das nur für drei Tage eingesetzt werden muss, anstelle des bisher standardmäßig eingesetzten Kombipräparat zweier Mittel für eine Woche.
Eine tägliche Einnahme von 150mg ASS und einem Löffel Leinsamenöl verbessert den Entzündungszustand im Zahnfleisch meßbar.
Nach wie vor ist der Tabak "tödlich" für Zahnfleisch und Kieferknochen. Deshalb kommt der Raucherentwöhnung eine große Bedeutung bei der Therapie von Parodontalerkrankungen zu.
Regelmäßige, tägliche Spülungen mit Chlorhexidin mit Konzentration 0,6% ist für die Entzündungstherapie sehr erfolgreich.
Bedauerlich bei diesen Betrachtungen ist aber, dass hinsichtlich der systematischen Behandlung der Zahnfleischerkrankungen Deutschland in der Fläche nicht aus dem Stand eines Entwicklungslandes herausgekommen ist.
Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens und geht in die Milliarden.
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Kommentare zum Artikel (2)
03.04.2012 - 18:00 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. med. Vogel, auch ich habe...
von Andrea Löblein
... seit vielen Jahren mehr oder weniger Zahnfleischentzündungen, trotz gründlicher Mundhygiene und regelmäßiger professioneller Zahnreinigung. Wo kann man den Chip aus Israel beziehen und wie wird er angewandt? Wie heißt das 3 Tages-Antibiotika? Kann man eine im Vorfeld die Bakterien bestimmen lassen, um dann eine passende Therapie auszuwählen? Ich habe, ehrlich gesagt, große Angst vor einer Paradontitisbehandlung egal ob mit Laser oder sonstwie. Vielen Dank im Vorfeld für Ihre Mühe
Antwort vom Autor am 05.04.2012
Dr. med. dent. Thomas Veigel
Bakterientests gibt es vielfältige, sind aber bei einer klar auftretenden, auch nach Vorbehandlung nicht besser werdenden Parodontalerkrankung nicht notwendig. Der PerioChip ist nur für Zahnärzte erhältlich und nur von ihnen einsetzbar, keinesfalls aber durch Patienten. Die 3-Tages-Antibiose sollte unbedingt erst nach der durchgeführten Parodontaltherapie einsetzen. Das Medikament heisst Azithromycin. Unabdingbar ist eine Taschen- und Wurzelreinigung. Laser ist Geschmackssache, wir setzen unseren nicht mehr ein, weil uns der Vorteil nicht erkennbar ist.
16.09.2012 - 19:55 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. med. Veigel, ich habe noch...
von Andrea Löblein
... eine letzte Rückfrage. Ich hatte mich für die Ultraschall- Paradontitisbehandlung entschieden, da dies ja sehr schonend für das Zahnfleisch sein soll. Nun hat der behandelnde Zahnarzt noch eine anschliessende Laserbehandlung für ca. 400 Euro angesetzt, die im Anschluss erfolgen soll. Dies soll die Bakterien abtöten. Ist das wirklich sinnvoll? Mit freundlichen Grüßen Andrea Löblein
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