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Volkskrankheit Parodontitis

Volkskrankheit Parodontitis

Dr. Keilbach

von
verfasst am 12.03.2010

"Volkskrankheit" Parodontitis - unterschätztes Gesundheitsrisiko bei Zahnfleischerkrankungen

Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, die durch Bakterien verursacht wird. Unbehandelt kann sie schwerwiegende Folgen haben, nicht nur für die Zahngesundheit, sondern für den ganzen Körper: Herzinfarkt, Schlaganfall oder Frühgeburten sind mögliche Konsequenzen.

Bakterien sind auch bei ganz gesunden Patienten im Mund vorhanden. Das ist normal und der Körper kann mit einer gewissen Anzahl und bestimmten Arten von Bakterien gut leben. Diese befinden sich in Belägen an den Zähnen und auf der Zunge, vor allem aber in den Zahnzwischenräumen. Werden diese Beläge nicht regelmäßig und gründlich entfernt, können sich die Bakterien im Mund dramatisch vermehren und es kann zu einer Entzündung des Zahnfleisches und des Knochens kommen. Gefährliche Keime nisten sich im Mund ein und vermehren sich weiter. Das Fatale: Die Entzündung ist nicht unbedingt immer mit Schmerzen verbunden. Häufig beginnt die Parodontitis schleichend mit Mundgeruch und Zahnfleischbluten. Ernstzunehmende Warnzeichen, bei deren Auftreten Sie unbedingt in die Zahnarztpraxis kommen sollten. Denn ohne Behandlung kommt es zu Zahnverschiebungen und Lockerung der Zähne bis hin zum Zahnausfall.

Gesundheit in Gefahr
Nicht nur für die Zähne ist die Parodontitis eine Gefahr: Die Keime und deren Abbauprodukte können in den Körper gelangen und dort durch Verklumpung des Blutes und Schädigung der Gefäßwände das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Mehrere umfangreiche Studien haben einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem erhöhten Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Frühgeburtenrisiko bestätigt. Und: Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, kann um das Doppelte steigen, wenn Sie eine unbehandelte Parodontitis haben. Das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, kann sogar dreimal so hoch sein.

Welche Risikofaktoren gibt es und wer ist Risikopatient?
Die Ursache von Zahnfleischerkrankungen sind bestimmte Bakterien, die sich in Zahnbelägen befinden. Wie stark diese Bakterien wirken und wie sie das Zahnfleisch und das Zahnbett im Laufe der Zeit schädigen, hängt auch in hohem Maße vom Immunsystem und der Stärke der Abwehrkräfte des einzelnen Patienten ab. Menschen mit einem guten, intakten Immunsystem haben ein geringeres Risiko, eine Zahnfleisch- oder Zahnbetterkrankung zu bekommen. Allerdings gibt es verschiedene Risikofaktoren, die eine Entzündung des Zahnfleischs und Zahnhalteapparates begünstigen können:

    • Eine unzureichende und nachlässige häusliche Mundhygiene erhöht das
      Risiko einer Zahnfleischerkrankung um ein Vielfaches
    • Raucher erkranken wesentlich häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher. Je stärker geraucht
      wird, desto schwerer verläuft oftmals die Erkrankung und desto schneller schreitet sie voran
    • Auch liegen eindeutige Erkenntnisse vor, dass Raucher schlechter auf eine Zahnfleischbehandlung
      ansprechen als Nichtraucher
    • Stress schwächt das Immunsystem und erhöht das Erkrankungsrisiko
    • Patienten, die an Diabetes leiden, sind stärker parodontitisgefährdet und sollten darauf achten, dass
      ihr Zuckerspiegel gut eingestellt ist. Dies vermindert das Risiko
    • Auch eine einseitige Ernährung, die mit Vitamin- und Mineralstoffmangel einhergeht, begünstigt die
      Entstehung einer Parodontitis

Nicht jeder der genannten Risikofaktoren lässt sich beseitigen. Doch wenn Sie nicht rauchen, sich gesund ernähren und eine gute Mundhygiene betreiben, reduzieren Sie Ihr Parodontitisrisiko schon ganz erheblich. Und: Zusätzlichen Schutz vor Zahnfleischerkrankungen bietet Ihnen die regelmäßige professionelle Zahnreinigung in der Praxis.

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Kommentare zum Artikel (4)


27.03.2010 - 18:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege Jürgens, ich denke,...

von Dr. Reiner Keilbach

... Sie müssen stärker zwischen Ursache und Risikofaktor unterscheiden. Ursache der Parodontitis ist die Infektion. Rauchen erhöht das Risiko an einer schweren Parodontitis zu erkranken um den Faktor 14. Rauchen ist aber nicht Ursache der Parodontitis! Rauchen begünstigt die Entstehung schwererer Schweregrade. Wissenschaftliche Daten, die einen Zusammenhang zwischen Inzidenz und Rauchen aufzeigen, sind mir nicht bekannt. Von daher ist es fraglich, ob ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Prävalenz der Parodontitis überhaupt besteht. Da die Parodontitis eine sehr hohe Prävalenz in der Bevölkerung hat (ca 50% in der Gesamtbevölkerung) wird es sehr schwer sein hier einen Zusammenhang nachzuweisen. Basierend auf dieser Prävalenz wird die Parodontitis als Volkskrankheit bezeichnet. Die Deutsche Mundgesundheitsstudie IV (DMS IV) konnte einen Anstieg in der Prävalenz der Parodontitis aufzeigen. Die Ursachen hierfür sind allerdings nicht ganz klar. Zum einen geht die Prävalenz der Karies deutlich zurück, so dass mehr Zähne länger in Funktion bleiben und daher natürlich auch an einer Parodontitis erkranken können. Zum anderen entfallen ca 3% der GKV Ausgaben für die Zahnmedizin auf die Parodontitistherapie. Hierbei muss bedacht werden, dass ab dem Alter von 43 Jahren in der Gesamtbevölkerung mehr Zähne durch Parodontitis verloren gehen, als durch Karies. Im Bereich der Parodontitistherapie besteht ein deutlicher Versorgungsmangel. Es gibt folglich eine Vielzahl von Faktoren, die die Prävalenz der Parodontitis beeinflussen. Mit freundlichen kollegialen Grüßen Reiner Keilbach

19.03.2010 - 00:14 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege Keilbach, herzlichen...

von Dr.Dr. Jürgens

... Dank für Ihre ausführliche Antwort, die mich leider keineswegs zufriedenstellt: Sie beginnen mit einer Statistik, die 10 bis 20 Jahre zurückliegt. Auf Grund des politischen Druckes werden die aktuellen Zahlen deutlich anders sein. Dummer weise behandelt sich die Parodontitis sehr wohl von alleine, wenn sie ganz einfach die Bedingungen für die Keimflora ändern. Sicherlich hat Nikotin hier einen ungünstigen Einfluß, aber es geht ja gerade um die Bedeutung diese Einflusses. Wenn Sie jetzt die Neuerkrankungen und das Raucherverhalten der Jugendlichen anführen, ist das nicht sehr überzeugend, denn nicht nur "gegenläufige Tendenzen", sondern auch kontinuierlich zurückgehende Geburtenraten sprechen dagegen. Die Zahl der Raucher in der gesamten Bevölkerung nimmt ab und zwar deutlich, das trifft für das Aufkommen der Parodontits in keinster Weise zu! Vermutlich haben wir es hier sogar mit gegenläufigen Tendenzen zu tun. Den Raucher pauschal in niedrige soziale Schichten zu verbannen, dürfte manch einem Raucher nicht gefallen. Sie machen das, um Ihre Plaquekontrolle zu rechtfertigen. Das Plaqueaufkommen müßte dann mit der Parodontitis direkt prorzional verlaufen. Das tut weder die Plaque noch der Zahnstein. Die einzig posititve Nachricht ist für Sie die immunologische Situaton. Mit der können Sie allenfalls die Tendenz zur Ausbreitung der Parodontitis erklären, wenn diese bereits besteht, aber nicht den Entstehungsmechanismus. Oder anders ausgedrückt, die Parodontitstherapie beim Nichtraucher ist für den Behandler dankbarer als beim Raucher, für die Entstehung der Parodontitis - und das ist das Entscheidende - sind andere Faktoren von Bedeutung! Es gibt ja schließlich auch Nichtraucher mit Parodontits! Mit freundlichen kollegialen Grüßen J.Jürgens

17.03.2010 - 16:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege Jürgens, die Frage...

von Dr. Reiner Keilbach

... ist nicht schwer zu beantworten. Bitte lesen Sie diese Info-Broschüre der BZGA: http://www.bzga.de/botmed_20440000.html Demnach geht der Anteil an Rauchern von 1993 bis 2001 nur langsam zurück. Dummerweise behandelt sich die Parodontitis nicht von allein, so dass der Anteil an Erkrankten lediglich mit der Anzahl an erfolgten PAR-Therapien verringert. Man könne vermuten, dass der Anteil an Neuerkrankungen zukünftig zurückgeht. Dann müsste aber der Anteil an Rauchern bei Jugendlichen zurückgehen. Hier gibt es teilweise gegenläufige Tendenzen. Darüber hinaus rauchen vor allem Patienten aus unteren sozialen Schicht, die gleichzeitig eine schlechtere Plaquekontrolle aufweisen. Zusammengefasst erklärt dies die Situation. Allerdings wird auch deutlich, dass man mit Mittelwerten nur sehr undifferenziert Schlüsse ziehen kann. Die einzige wirklich positive Nachricht ist, dass ein Raucher, der mit dem Rauchen aufhört, nach spätestens 3 Monaten eine immunologische Situation in der Mundhöhle hat, die sich von einem Nieraucher nicht unterscheidet. Daher kann man in klinischen Studien belegen, dass man durch den Raucherstopp eine erheblich verbesserte Prognose für die PAR-Therapie bewirkt. Ich hoffe Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben. Viele Grüße R. Keilbach

16.03.2010 - 00:23 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege Keilbach, erlauben Sie...

von Dr.Dr. Jürgens

... mir bitte zu Ihrem Beitrag vom 12.3.10 folgende Frage: Sie überschreiben Ihren Artikel "Volkskrankheit Parodontitis" und implizieren damit, dass sich Parodontitis großflächig in der Bevölkerung zunehmend ausbreitet. Einer der Risikofaktoren, der diese Ausbreitung begünstige, sei das Rauchen. Es ist unbestritten, dass die Zahl der Raucher in unserem Land seit Jahren zurückgeht. Auch wenn das Rauchen nicht der einzige Risikofaktor für die Parodontitis darstellt, so müßte nach Ihrer Aussage die Zahl der Parodontitiserkrankungen in Abhängigkeit vom Raucherrisiko ebenfalls rückläufig sein; vorausgesetzt, das Raucherrisiko ist für die Parodontits von nennenswerter Bedeutung! Können Sie derartige rückläufige Entwicklungen für die Parodontitiserkrankungen bestätigen und ggf. mit Zahlen belegen? Mit freundlichen kollegialen Geüßen J.Jürgens


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