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Wege aus der Zahnarztangst

Wege aus der Zahnarztangst

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verfasst am 24.07.2012

© shironosov - iStock
Der Gang zum Zahnarzt ist auch in Zeiten moderner Betäubungsmittel, optimierter Technologien und Verbesserungen im Praxisambiente für viele Menschen mit unguten Gefühlen verbunden. Zahnbehandlungsangst stellt für etwa 10 Prozent der Bevölkerung ein ernsthaftes Problem dar, während rund 70 Prozent zumindest ängstliche Gefühle vor dem nächsten Zahnarztbesuch haben. 

Ausgelöst werden diese Angstreaktionen nicht selten durch frühere Erfahrungen mit zahnärztlichen Behandlungen, die durch negative Vorstellungen noch verstärkt werden. Selten werden dabei die tatsächlich zu erwartenden Situationen richtig eingeschätzt. Die mitgebrachten Phantasien oder auch die Erzählungen anderer genügen, um selbst die einfachste Behandlung zu Stress werden zu lassen. Schlechter Schlaf in der Nacht vor dem Termin, Appetitlosigkeit, Engegefühle und Verkrampftheit im Körper belasten viele Patienten schon bei der Vorstellung einer zahnärztlichen Behandlung.

Die wohl deutlichste Konsequenz einer extremen Angst vor der Zahnbehandlung ist die völlige Vermeidung aller notwendigen Zahnarztbesuche. Die Konsequenzen sind häufig mühsam mit Schmerztabletten unterdrückte Zahnschmerzen, bisweilen abgebrochene Zähne und nicht selten ein Gefühl der Scham beim Patienten ("Was denken wohl die anderen Menschen über meine Zähne??"), wenn die Schäden in den sichtbaren Bereich kommen.

Doch was kann man als Patient gegen die Zahnbehandlungsangst tun?

  • Suchen Sie sich einen auf die Behandlung ängstlicher Patienten spezialisierten Zahnarzt. Viele Zahnärzte haben sich auf die Behandlung ängstlicher oder sehr ängstlicher Patienten spezialisiert. Sie bieten unterschiedliche Verfahren an, um diesen Menschen zu helfen. 
    Behandlungen in Vollnarkose, der Einsatz von Lachgas oder die Gabe von Midazolam auf der einen Seite stehen psychologischen Verfahren wie der modernen medizinischen Hypnose oder den sogenannten Verhaltenstherapien auf der anderen Seite gegenüber. Nur die psychologischen Verfahren bieten einen dauerhaften Ausweg aus der Zahnarztangst. Die "chemischen" Möglichkeiten können sinnvoll sein, zum Beispiel wenn ganz akuter Behandlungsbedarf besteht - vom routinemäßigen Einsatz ist aufgrund der möglichen Nebenwirkungen abzusehen.
  • Teilen Sie ihrem Zahnarzt genau mit, wovor Sie Angst haben. 
    Es gibt viele Auslöser für die Zahnbehandlungsangst. Die Angst vor Schmerzen, vor dem Gefühl des Ausgeliefertseins, vor den Spritzen, den Instrumenten, vor einem unsanften Verhalten des Zahnarztes, vor den Bohrergeräuschen, vor dem typischen Zahnarztgeruch oder Angst durch die Erzählungen anderer sind nur einige der Faktoren, die als Angstauslöser in Frage kommen. 
    Nur die Gründe, welche die Zahnbehandlungsangst auslösen, sind bei jedem Menschen anders. Wenn Sie Ihr Zahnarzt angstfrei behandeln soll, muss er genau wissen, wovor Sie Angst haben. Zugegeben, idealerweise sollte der Zahnarzt diese Fragen von sich aus stellen. Gehen Sie dennoch auf Nummer sicher. Sagen Sie Ihrem Zahnarzt, was er vermeiden soll und sagen Sie ihm, wovor Sie Angst haben. Ein einfühlsamer Behandler wird auf Sie und Ihre Bedürfnisse eingehen und die Behandlung wird stressärmer ablaufen.
  • Stellen Sie sich in jeder Einzelheit vor, wie die Behandlung ablaufen muss, damit Sie diese entspannt erleben. Woran werden Sie persönlich feststellen, dass es Ihnen während der Zahnbehandlung richtig gut geht?
    Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie es sich für Sie anfühlt, wenn die Behandlung entspannt abläuft? Der amerikanischer Hypno-Therapeut Steve de Shazer stellt seinen Klienten oft die Zauberfrage: "Eine Fee hat mit ihrem Zauberstab alle Ängste weggezaubert, was hat sich geändert? Wie fühlt sich das an?"
    Viele Patienten geben an, ein ruhiger Atem sei zum Beispiel ein sicheres Zeichen für eine entspannte Behandlung. Andere sind in Gedanken an einem schönen Ort und wiederum andere spüren ihr Herz ruhig und gleichmäßig schlagen. In der Nacht vor der Behandlung fest und tief zu schlafen, ist für viele Patienten auch ein wichtiges Kriterium, an dem sie erkennen, dass die Behandlungssituation stressarm ist. Auch hier gilt: Jeder Mensch ist anders und auf seine Art einzigartig. Stellen Sie sich in allen Einzelheiten vor, wie es sich für Sie anfühlt, wenn Sie stressfrei zum Zahnarzt gehen.
  • Ein einfühlsames Behandlungsteam erkennen Sie an folgendem Verhalten:
    Eine schmerzfreie Behandlung hat oberste Priorität! Die schmerzfreie Behandlung beginnt beim vorsichtigen und gründlichen Betäuben des Zahnes. Beim Betäuben ist es wichtig, eine ausreichende Menge an Betäubungsmittel zu benutzen und dem Betäubungsmittel eine ausreichend lange Zeit zum Einwirken zu geben. 
    In einer auf ängstliche Patienten spezialisierten Praxis finden Sie Möglichkeiten vor, die Bohrergeräusche auszublenden. Beispielsweise besondere Kopfhörer, die die Geräusche während der Behandlung herausfiltern und angenehme Mu-sik einspielen.
    Das Behandlungsteam hat absolutes Verständnis für Ihre Situation und für Ihre Angst. Niemand wird Ihnen Vorhaltungen machen, was Sie alles in der Vergangenheit versäumt haben, sondern es werden Wege gesucht, in der Zukunft eine stressarme oder sogar stressfreie Behandlung durchzuführen - mit dem Ziel eines festen Bisses und eines strahlenden Lächelns.

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Kommentare zum Artikel (1)


28.08.2012 - 17:07 Uhr

Was bitte soll eine "moderne medizinsche Hypnose...

von Prof. Dr. Peter Jöhren

... sein.? Bei allen Phobien steht die Verhaltentherapie als Psyochtherapie die Therapiemethode der Wahl dar. Hypnose darf nicht mit Hypnotherapie verwechselt werden und ist bei Phobikern ausgeführt durch einen Zahnarzt nicht das Mittel der Wahl. Ein Psychotherapeut oder ein Psychologe sollte schon aufgrund der möglichen Komorbiditäten hinzugezogen werden.

Sehr geehrter Herr Kollege Jöhren, der obige Artikel wendet sich an Patienten, die Wege aus der Zahnarztangst suchen. Aus meiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit Angstpatienten habe ich versucht diesen oft unter hohem Leidensdruck stehenden Patienten aufzuzeigen was sie selber tun können, um Auswege aus dieser belastenden Situation zu finden. Ihre Einstellung zur zahnärztlichen Hypnose ist mir hinlänglich bekannt. In meiner Praxis arbeite ich seit nahezu 20 Jahren unter Einsatz von Hypnose. Patienten mit Phobien gegen die Zahnbehandlung (Vermeidungsverhalten von vielen Jahren trotz Behandlungsbedarf, höchster HAF Score) sind seitdem mit Hilfe von Hypnose erfolgreich behandelt worden. Sanierungen konnten ohne ITN oder andere Chemie durchgeführt werden. Die Patienten haben wieder \"Biss\". In ihrer Welt mag Hypnose nicht das Mittel der Wahl sein, die sanierten Patienten werden dies anders sehen. P.S. Der Begriff \"Moderne medizinische Hypnose \" wird verwendet um für den interessierten Laien zu verdeutlichen, dass diese spezielle Kommunikationsform nichts mit Shwohypnose zu tun hat. Wenn Sie diese \'Form der Hypnose interessiert, lade ich Sie gerne ein, sich persönlich einzulassen und unsere Ausbildung in dieser Methodik kennenzulernen.


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