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Weisheitszähne - müssen die immer raus?

Weisheitszähne - müssen die immer raus?

Dr. Fürstenau, MSc

von
verfasst am 17.10.2010

Wozu sind Weisheitszähne eigentlich gut?
Diese Backenzähne kommen erst spät zur Entwicklung (15. - 21. Lebensjahr) und sind von der Natur wahrscheinlich als so eine Art Reserve gedacht. Bei den meisten Menschen (ca. 90%) reicht der Platz im Kiefer allerdings nicht aus, so dass die Weisheitszähne ganz oder teilweise im Kiefer eingeschlossen bleiben.

Welche Gefahren können von Weisheitszähnen ausgehen?
Es können eine Reihe typischer Probleme entstehen, die meist nur mit der Entfernung der Weisheitszähne zu beheben sind:

    • Der Zahn ragt teilweise aus der Schleimhaut, eine kleine Nische bildet sich, Bakterien können dort wiederkehrende Entzündungen verursachen.
    • Gelegentlich bilden sich größere Zysten um den Zahn herum, die den Kieferknochen empfindlich schwächen können.
    • Selten bilden sich aus diesen Zysten gutartige aber auch bösartige Veränderungen.
    • Lehnt sich ein Weisheitszahn an seinen Nachbarn in der Tiefe an, so kann dieser Zahn beschädigt werden – die Wurzel des Nachbarn löst sich auf – der Zahn kann dann meist nicht mehr gerettet werden.
    • Sind Weisheitszähne durchgebrochen, also sichtbar und stehen sehr eng am Nachbarzahn, so ergibt sich häufig ein Zwischenraum, der nicht gut zu reinigen ist – Karies droht.
    • Kieferfrakturen entstehen gerne in Bereichen, wo Weisheitszähne sitzen. Es besteht dort eine Schwachstelle im Kieferknochen.


Welche Risiken bestehen bei der Entfernung von Weisheitszähnen?
Es gibt allgemeine Risiken, wie etwa Wundheilungsstörungen oder Blutungskomplikationen, die bei jeder Operation auftreten können. Als typische Risiken bei der Weisheitszahnentfernung sind beispielhaft zu nennen:

    • Nervschädigungen bei besonderer Nähe zu Nerven, die in oder neben dem Unterkiefer verlaufen, oder unsachgemäßer Operationstechnik. Dabei treten dann Gefühls- und/oder Geschmacksstörungen auf, die meist von allein wieder verschwinden. In seltenen Fällen erholt sich ein geschädigter Nerv nicht, die Gefühlsstörung kann dann dauerhaft bleiben.
    • Durch langwierige Wundheilung mit starken Infektionen kann der Kieferknochen geschädigt werden. Richtig nachbehandelt lassen sich Folgeschäden meist vermeiden.
    • Nach der Zahnentfernung findet in der Tiefe eine Knochenheilung statt, die den Raum des ehemaligen Zahnes auffüllen soll. Dabei besteht typischerweise 6-8 Wochen nach dem Eingriff eine erhöhte Frakturgefahr in diesem Bereich, auch wenn die Wunde schon lange geheilt ist und die OP schon längst vergessen scheint.


Können Weisheitszähne auch belassen werden?
In wenigen Situationen kann auf eine Zahnentfernung verzichtet werden:

    • Wenn eine spontane, richtige Einstellung des Zahnes in die Zahnreihe zu erwarten ist.
    • Wenn eine Extraktion anderer Backenzähne nötig ist und im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung die Einordnung des Weisheitszahnes möglich und sinnvoll ist.
    • Wenn ein extrem hohes Operationsrisiko besteht, können Zähne ohne krankhaften Befund belassen werden.


Wie werden Weisheitszähne entfernt?
Im Allgemeinen erfolgt die operative Entfernung von Weisheitszähnen ambulant. Nur in sehr seltenen Fällen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig (z. B. bei schwerwiegenden Erkrankungen, wie Blutungsübel oder Schwäche der Immunabwehr).

Die Operation kann vorteilhafterweise pro Kieferhälfte in örtlicher Schmerzausschaltung stattfinden. Wird aus Gründen der Angst oder Unruhe eine höherwertige Schmerz- und Bewusstseinsausschaltung gewünscht (Sedierung, Narkose), so kann die gleichzeitige Entfernung aller Weisheitszähne in einer Sitzung sinnvoll sein.

Wer operiert Weisheitszähne?
Jeder Zahnarzt kann diese Operation vornehmen. In Fällen mit zu erwartenden Schwierigkeiten wird meist eine Überweisung zum Spezialisten zu erwarten sein. Fachzahnärzte für Oralchirurgie oder Fachärzte für MKG-Chirurgie (Mund-Kiefer-Gesicht) sind hier die geeigneten Ansprechpartner, wobei der letztere durch seine einzigartige Doppelausbildung (Studium der Medizin und der Zahnmedizin) und langjährige klinisch-operative Tätigkeit besonders bei höherem Schwierigkeitsgrad oder zusätzlichen allgemeinmedizinischen Problemen ins Spiel kommt.

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Kommentare zum Artikel (12)


25.11.2013 - 08:09 Uhr

Guten Tag, unsere Tochter hat einen sehr engen...

von Jürgen

... Kiefer und ihre Weisheitszähne sind noch nicht durchgebrochen. Gleichzeitig gibt es das Problem, dass ihre Eckzähne ebenfalls nicht rauskommen und freigelegt werden sollen. Ein erstes Gespräch mit einem Kiefernchirugen gab es schon. Nun gibt es die Möglichkeit beide Eingriffe gleichzeitig ambulant unter Vollnarkose durchzuführen. Ist dies ratsam oder sollten die zwei Eingriffe getrennt voneinander gemacht werden?

Dr. Fürstenau, MSc

Antwort vom Autor am 25.11.2013
Dr. med. Werner Fürstenau, MSc

Das würden vermutlich ein paar Tage mit viel Aua. Die Entfernung von Weisheitszähnen führt schon mal zu dicker Backe und einigen Tagen Schmerzen. Eine Freilegung (beider?) oberer? Eckzähne allein reicht den jungen Patienten in der Regel auch schon. Falls Ihre Tochter sich ohne Narkose behandeln lässt, dann würde ich eine zeitliche Trennung der Eingriffe empfehlen. Falls eine Narkose wegen Angst etc. zwingend notwendig ist, dann bleibt nur der große Rundumschlag.

10.11.2013 - 20:36 Uhr

Mein Sohn ist 15 J und bekommt am 13.11.2013 alle...

von Rusen

... 4 Weisheitszähne gezogen (mit Vollnarkose) wegen Platzmangel... Aussage des Artztes. Ich mache mir Sorgen wegen des Alters, könnte man denn nicht evt. mit Zahnspange auch das Problem lösen. Danke vorab LG

Dr. Fürstenau, MSc

Antwort vom Autor am 11.11.2013
Dr. med. Werner Fürstenau, MSc

Hallo, die Diagnose Platzmangel scheint eindeutig. Meistens gelingt die Einordnung der Weisheitszähne nicht, auch nicht mit einer Zahnklammer. Es sei denn, dass schon einige Zähne fehlen, Falls eine kieferorthopädische Behandlung läuft oder bereits abgeschlossen ist, kann man den Kieferorthopäden noch einmal fragen. Meist kommt jedoch der Wunsch nach Entfernung der Weisheitszähne von dort aus.

10.11.2013 - 15:24 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fürstenau, folgendes.....

von F.

... Ich bin 21 Jahre jung und mein Problem ist das oben links der Weißheitszahn anfängt Probleme zu machen. Durch ein traumatisches Erlebniss beim Zahnarzt bin ich 5 Jahre lang gar nicht mehr hingegangen. Jetzt ist mir vor gut einem Monat ein großes Stück von oben genannten Zahn abgebrochen was mich jetzt dann doch dazu gebracht hat sich das wenigstens mal anschauen zu lassen. Es wurde eine Röntgenaufnahme gemacht und man sieht das der Zahn eigentlich komplett draußen ist und mein neuer Zahnarzt meinte das es keine große Sache sei diesen zu entfernen weil dieser auch leicht am Wackeln sei. Jetzt ist mir gestern Abend aufgefallen bzw. es fühlt sich stark danach an das der Zahn in der mitte komplett durch gebrochen ist. Mein Zahnarzt meinte er könnte diesen Zahn ziehen will mich aber trotzdem zu einem Kieferchirurgen schicken. Meine Angst sind jetzt die Schmerzen BEIM ziehen.. (traumatisches Erlebniss war das oben rechts der vorletzte Backenzahn raus musste und ich trotz 3 Betäubungsspritzen wirklich alles mit bekommen habe, aber der behandelnde Zahnarzt anstatt zu reagieren einfach weiter gemacht hat..) Ich habe angst das genau das was passiert, mein Zahnarzt weiß darüber bescheid und er hat mir auch gut zu geredet trotzdem habe ich Panik. Dadurch das der Zahn schon abgebrochen und evtl. durch gebrochen ist hab ich auch angst davor das er den Zahn nicht im ganzen raus bekommt. Man kennt ja die Horrorgeschichten (zahn muss durch gesägt werden, Zahnfleisch muss aufgeschnitten werden ect.) Auf dem Röntgenbild sah man auch das der Zahn von innen wohl sehr weich ist. Ich würde gern wissen worauf genau ich mich vorbereiten muss.. was passiert wenn die Betäubung nicht wirkt oder mitten drin nach lässt und und und.. Ich habe oben gelesen das in Fällen mit zu erwartenden Schwierigkeiten meist eine Überweisung zum Spezialisten zu erwarten ist. Verheimlicht mir mein Zahnarzt etwas? Oder warum schickt er mich zum Kieferchirurgen obwohl er meinte das es einfach ist diesen Zahn zu ziehen und er das auch machen könnte. Ich hoffe auf antwort, mit freundlichen Grüßen F.

Dr. Fürstenau, MSc

Antwort vom Autor am 10.11.2013
Dr. med. Werner Fürstenau, MSc

Hallo F., sollte der Zahn tief zerstört sein oder gar gebrochen sein, so muss er bald raus. Andernfalls wird alles noch schlimmer. Der Zahnarzt hatte die Empfehlung zum Spezialisten ja bereits ausgesprochen. So würde ich dann auch da hin gehen, denn abgebrochene Zähne kann man manchmal ganz einfach ziehen, manchmal aber auch nicht. Bitten Sie den Chirurgen, er möge ggf. zusätzlich direkt um den Zahn noch etwas Betäubung setzen und lange wirken lassen (so 10 Minuten). Dann sollte es klappen. Gelegentlich ist es trotz bester Spritze für ein paar Momente unangenehm. Will man nix mitbekommen, so kann man nach Sedierung oder Narkose fragen. Problem dabei: geht häufig nicht auf Kasse. Viel Glück dabei - meist ist es garnicht so schlimm.

15.06.2013 - 13:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fürstenau, folgendes...

von M.

... Problem: Ich bin 21 Jahre alt und wie bei vielen jüngeren Menschen bereiten mir meine Weißheitszähne Probleme. Drei von vier Zähne kommen schon raus und tun mir zweitweise uglaubich weh. Fühle mich auch schon teilweise krank, weiß nicht ob es von den Zähnen herrührt. Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Kieferschmerzen, Schwächegefühl etc. Nun meint mein Zahnarzt ich muss in die Zahnklinik, weil ich eine künstliche Bluterin bin. Müssen bei mir wirklich die Zähne stationär entfernt werden ?? Wie läuft das ganze ab ? Mit freundlichen Grüßen

Dr. Fürstenau, MSc

Antwort vom Autor am 15.06.2013
Dr. med. Werner Fürstenau, MSc

Weisheitszähne machen häufig genau diese Probleme, die erst weggehen, wenn die Zähne raus sind. Somit sollten Sie nicht zu lange warten. \"Künstliche Bluterin\": was genau meinen Sie damit? Haben Sie eine Blutgerinnungsstörung oder nehmen Sie ein Medikament zur Blutverdünnung? Verschiedene Gerinnungsstörungen können vor einer Operation so beeinflusst werden, dass das Risiko von (Blutungs-)Komplikationen klein wird. Ihr Internist oder Ihre Gerinnungsambulanz kann / sollte Sie dazu beraten. Nehmen Sie ein Medikament zur Blutverdünnung, so kann die Dosierung angepasst oder das Medikament abgesetzt werden und / oder ggf. durch ein anderes vorübergehend ersetzt werden. In manchen Situationen ist der Klinikaufenthalt wichtig und unverzichtbar, häufig geht es auch ambulant.

21.06.2011 - 19:48 Uhr

Nicht alle Zahnärzte haben die Möglichkeiten...

von Dr. Werner Fürstenau

... für Narkose. Am besten fragen Sie nach oder erkundigen sich bei der für Sie zuständigen Zahnärztekammer. Alles Gute für die Behandlung.

15.06.2011 - 09:21 Uhr

Ja muss gemacht werden, nur bin ich ein...

von D.Kovac

... Angstpatient bzw fehlt mir meistens der letzte ruck mich zum doc zu begeben. war früher auch so erst wenns fast zu spät ist das ist leider einer meiner probleme aber nuter narkose hatte ich auch schon überlegt. kann das jeder herkömmlicher zahnarzt oder sollte man zu einem speziellen chirugen gehen? danke für die infos

14.06.2011 - 18:53 Uhr

Hört sich an, als müsste bald etwas behandelt...

von Dr. Werner Fürstenau

... werden. Sprechen Sie doch als erstes mit Ihrem Zahnarzt, welche Möglichkeiten es gibt. Oftmals ist auch eine Behandlung unter Narkose sinnvoll. Schamgefühle braucht man nicht zu haben. Alle Kollegen kennen solche Probleme und helfen gerne. Danach werden Sie sich besser fühlen.

14.06.2011 - 12:24 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fürstenau Ich habe ein...

von D.Kovac

... problem mit meinen Backenzähnen. Undzwar ist mir eine füllung komplett rausgefallen nach ca 2.jahren. nun habe ich mit den zwei daneben liegenden zähne (rechts.links) auch problemen also offen stehend. zudem kommt es das ich eine Zyste am toten zahn gebildet hat. Leide oft unter schmerzen und habe angst vorm zahnarzt zu dem auch scharmgefühle.

03.02.2011 - 18:32 Uhr

Vorweg gesagt, meistens gehen die oberen...

von Dr. Werner Fürstenau

... Weisheitszähne ohne große Problem raus. Wenn Sie dafür zum Kieferchirurgen geschickt wurden, sind Sie meist in guten Händen. Häufig stehen die oberen Weisheitszähne nutzlos rum und/oder behindern nicht selten beim Reinigen der davor liegenden! Backenzähne. In Deutschland hat sich die prophylaktische Entfernung schon lange durchgesetzt. Lassen Sie den Eingriff ruhig durchführen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Werner Fürstenau

03.02.2011 - 17:27 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fürstenau, ich war im...

von S.Kayser

... November 2010 bei meinem Zahnarzt, weil ich in meinem Oberkiefer merkte, das meine beiden Weisheitszähne rauskommen. Er meinte dann zu mir, dass diese raus müssten, da es ja so gesehen 2 tote Zähne sind und man diese schwer reinigen kann. Ich ging also zum Kieferchirugen. Dieser röngte mich und guckte nur kurz in meinem Mund nach. Wir machten dann einen Termin ab für die beiden oberen Weisheitszähne. (Ich muss dazu sagen, ich habe wirklich Angst vor dem Eingriff!!!) nun gut. 3 Tage vor der Eingriff wurde ich krank und musste den Termin erst einmal absagen. Dies ist jetzt 3 Wochen her. Die beiden Weisheitszähne machen mir aber keine Probleme soweit. Ich kann normal kauen ect. MÜSSEN diese denn wirklich raus? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort! Liebe Grüße S.Kayser

19.10.2010 - 18:39 Uhr

Aus der Ferne ist das schwer zu diagnostizieren....

von W. Fürstenau

... Nach 7 Wochen sollten auch langsam heilende Wunden eine Verbesserung zeigen. Heiß/ Kalt/ Süß könnte vom benachbarten Zahn ausgehen. Lymphknoten können auch längere Zeit nach einer solchen OP angeschwollen sein. Müsste man sehen... Was sagt denn Ihr Chirurg dazu? Ich empfehle, die weitere Abklärung ggf. außerhalb des Forums fortzusetzen... info@drfuerstenau.de Mit freundlichen Grüßen

19.10.2010 - 15:22 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fürstenau, bei mir...

von Ch. Kremer

... wurden vor 7 Wochen die beiden unteren Weisheitszähne vom Chirurgen entfernt. Bis heute leide ich beidseitig unter starkem Heiß/Kalt/Süßempfinden und auf der schwierigen (rechten) Seite einseitig unter Schmerzen die sich über punktuell im unteren Hals/Rachen mit leichten Schluckbescherden und einem Druckgefühl äußern. Zeitweise zieht sich das vom Hals über den Kiefer/ Zunge bis in den Ohrenbereich. Der HNO konnte dort außer zeitweise geschwollenen Lymphknoten nichts festellen. Die Ausheilung des Kiefers geht nur langsam voran. Können das immer noch Folgen der OP sein ? Ein zusätzliches nächtliches Zähneknirschen möchte ich als ursachenverstärkend nicht ausschließen. Mit freundlichen Grüßen


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