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Zahnarzt und Geld

Dr. Veigel

von
verfasst am 12.08.2011

Was denken Sie, was ein zufälliger Gesprächspartner antwortet, wenn er das Stichwort "Zahnarzt" bekommt?

"Jede Menge Geld", "Porschefahrer", "Schickimicki" und ähnliches.

 

Wenn man bedenkt, dass die Zahnärzte inzwischen im Durchschnitt am unteren Ende der Skala bei den Einkommen der Fachärzte angelangt ist, nur noch die Kinderärzte verdienen weniger, dann fragt man sich, wie es zu einer solchen Einschätzung kommen kann.
 

Tatsache ist, dass die Zahnärzte seit sage und schreibe 47 Jahren keine Gebührenerhöhung im Bereich privater Honorare erhalten haben! Daraus kann man den Schluß ziehen, dass damals die Einkommen wirklich extrem hoch waren. Vielleicht hält sich aus dieser Zeit das Vorurteil der Vielverdiener.
 

Inzwischen sind die Honorare der gesetzlichen Krankenkassen teilweise deutlich höher, als die der GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte), zumindest was den Regelsatz von 2,3-fach anbetrifft.
 

Dies führt dazu, dass man als Zahnarzt heute vielfach den Kassenpatient finanziell lieber sieht, als den Privatpatient. Manche Privatrechnungen, die über private Versicherungen abgerechnet werden, führen zu Schriftverkehr, der Aktenordner füllen kann.
 

Die Palette reicht von "unzulässig berechnet", (heißt in anderen Worten der Zahnarzt ist ein Betrüger) bis zu Ablehnung von Begründungen für den erhöhten Satz, da diese nicht Romangröße erreichen.
 

Offen gesagt: Bei den Privatrechnungen für GOZ-Leistungen, die bei Versicherten der gesetzlichen Krankenkasse erstellt wurden, gibt es viel weniger Ärger.
 

Rücksprache mit anderen Kollegen haben diese Erfahrung bestätigt.
 

Warum dann im öffentlichen Raum immer wieder behauptet wird, dass die Ärzte die Privatpatienten privilegieren, stimmt für den Bereich der Zahnärzte bestimmt nicht, oder zumindest nicht mehr.
 

Nehmen wir eine ganz einfache Leistung, nämlich der der Lokalanästhesie:
Um bei der GOZ denselben Betrag erstattet zu erhalten, den man bei der AOK erhält, muss man den 2,8-fachen Satz berechnen. Diese Überschreitung des Regelsatzes muss man dann individuell begründen. Was soll man da schreiben?
"Besonders empfindliches Gewebe im Bereich der Einstichstelle" oder "ängstliches Zucken des Patienten erzwingt mehrmalige, teilweise erfolglose Versuche"?
Eigentlich müsste geschrieben werden:
"Minimalhonorar auf Höhe der gesetzlichen Krankenkasse"

Unabhängige Umfragen haben ergeben, dass Patienten glauben, dass für eine Spritze bis zu € 100 bezahlt wird und nicht unter € 10, alle Kosten für Nadel, Anästhesieflüssigkeit, Reinigung und Sterilisation der Karpulenspritze, sowie Dokumentation und Bereitstellung eingeschlossen.
 

Wann soll der Zahnarzt mit dem Patienten solche Gespräche führen?

Macht es Sinn über die Tatsache ein Gespräch zu führen, dass viele Leistungen nur unter wirtschaftlichem Verlust zu erbringen sind?

Kann der Patient unter solchen Voraussetzungen erwarten, dass er die besten Materialien erhält?

  • Der gesunde Menschenverstand sagt eigentlich nein!
     

Wer ein- oder mehrmals die entwürdigende Prozedur von Wirtschaftlichkeitsprüfungen über sich hat ergehen lassen müssen, der würde am liebsten weglaufen, wenn man für defizitär erbrachte Leistungen auch noch Regresszahlungen bezahlen muss, weil man über irgendeinem Schnitt liegt. 

 

Ein in meiner Nachbarschaft lebender Chirurg, der nach einem zweijährigen Zwischenspiel wieder ans Krankenhaus in Frankreich zurückgekehrt ist, sagte im Klartext:
"Wenn die französischen Kassen oder Behörden so mit den Ärzten umspringen würden, dann gäbe es Dauerstreiks."

Vielleicht liegt dies den deutschen Ärzten und in unserem Fall den Zahnärzten nicht im Blut.

Trotzdem würde ich jedem Patienten raten, seinen Behandler direkt anzusprechen:

"Ich möchte für mich das denkbar Beste an Qualität. Dies trifft die aufgewendete Zeit und auch die Materialien und Methoden. Ich bin dafür bereit auch extra zu zahlen. Allerdings möchte ich gerne vorher wissen, was mich das kostet und was die Alternativen sind."

Das ist dann ein klares Wort, das Eingangs jeder Therapie stehen sollte und ich kann mir nicht vorstellen, warum hierüber dann kein offenes und ehrliches Gespräch stattfinden sollte.

 

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Kommentare zum Artikel (1)


25.08.2011 - 08:19 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Veigel, zur Ergänzung...

von G.A. Eichler

... Ihrer zweifellos richtig beobachteten Situation folgendes aus der Sicht des Privatpatienten: Ein Privatpatient darf mit jährlich steigenden Beiträgen für seine Versicherung zwischen fünf und zehn Prozent rechnen, die nicht geklärten Streitfälle zwischen Arzt und Versicherung abarbeiten und in deren Folge die von der Versicherung mit Berufung auf die GOZ nicht erstatteten Kosten aus eigener Tasche bezahlen, sich von einer populistischen und postsozialistischen Politik die Inanspruchnahme ungerechtfertigter Privilegien vorwerfen lassen und schließlich alle seine Familienmitglieder zu gleichen Sätzen auch privat versichern lassen.


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