als RSS-FeedGesundheitstipp der Woche 40 / 2009Mamas Milch ist die Beste!
von Dr. Iris HinneburgWas Säuglinge schon lange wissen, wird durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt: Muttermilch ist die beste Ernährung im ersten Lebenshalbjahr. Gegenüber industrieller Milchnahrung enthält Muttermilch alle Nährstoffe, die das Baby braucht, und noch dazu in einer Form, die der noch unreife Verdauungstrakt optimal verwerten kann. Im Vergleich zu Kuhmilch liefert Muttermilch mehr Kalorien und hat einen höheren Fettanteil. Durch einen vergleichsweise niedrigen Eiweißgehalt werden die noch unreifen Nieren des Säuglings geschont. Auch das Immunsystem des Neugeborenen profitiert vom Stillen: Die Muttermilch enthält Abwehrstoffe, durch die der Säugling vor Infektionen geschützt wird. Nicht zuletzt wird durch das Stillen auch die Bindung der Mutter an den Säugling gestärkt. Dafür sorgt das Hormon Oxytocin, das eine wichtige Rolle bei der Milchproduktion und -abgabe spielt.
Aber auch die Mutter selbst profitiert vom Stillen: Nahrung für ihr Kind ist überall und jederzeit in der richtigen Menge, in der richtigen Zusammensetzung und in der richtigen Temperatur verfügbar - beispielsweise kommt die Mutter nach nächtlichem Stillen deutlich schneller wieder zum Schlafen, als wenn sie erst mühsam eine Flasche wärmen muss. Stillen bedeutet auch gesundheitliche Vorteile: Die Gebärmutter bildet sich nach der Geburt rasch zurück und Stillmütter erreichen deutlicher schneller wieder ihr Ausgangsgewicht. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Frauen, die gestillt haben, deutlich seltener an Brust- und Eierstockkrebs erkranken.
Nach der Stillempfehlung der Weltgesundheitsorganisation sollten Säuglinge ausschließlich gestillt werden, bis sie sechs Monate alt sind. Ab dem siebten Monat kann mit dem Zufüttern altersgerechter Beikost begonnen werden. Hilfreiche Tipps dazu finden sich auf der Homepage des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung (www.fke-do.de). Beikost bedeutet, dass weiterhin gestillt wird, auch wenn die nach und nach eingeführten Mahlzeiten langsam die Muttermilch ersetzen. Das Baby braucht aber bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres weiterhin die wertvollen Bestandteile der Muttermilch. Wird vorher komplett abgestillt, muss bis zum Ende des 12. Monats industrielle Säuglingsmilch gegeben werden. Grundsätzlich kann so lange gestillt werden, wie Mutter und Kind es wünschen. Die WHO empfiehlt das Stillen sogar bis zum zweiten Lebensjahr und darüber hinaus.
Leider sieht die Realität in Deutschland anders aus: Zwar werden etwa drei von vier Kindern gestillt, aber nur etwa 22 Prozent der Säuglinge erhalten in den ersten sechs Monaten ausschließlich Muttermilch. Viele Mütter sind verunsichert, ob ihr Kind ausreichend Nahrung bekommt. Dabei zeigt die Erfahrung von Hebammen: Wenn die Babys nach Bedarf (nicht in einem festen Stundenrhythmus!) angelegt werden, stellt sich die Milchproduktion auf die Nachfrage ein. Ein voll gestilltes Kind benötigt auch keine zusätzliche Flüssigkeit. An heißen Sommertagen beispielsweise ändert sich die Milchzusammensetzung so, dass das Baby entsprechend mehr Flüssigkeit zum Durstlöschen erhält.
Noch zu wenig bekannt ist auch, dass für alle Mütter in den ersten zehn Tagen nach der Geburt Anspruch auf Hebammenhilfe besteht, auch wenn sie im Krankenhaus entbunden haben. Hebammen können hilfreiche Tipps bei Stillproblemen geben und sorgen so dafür, dass sich eine harmonische Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind entwickeln kann.


