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Depressionen

Therapie

Konventionelle Medizin

Medikamentöse Therapie und psychotherapeutische Maßnahmen ergänzen sich bei der Behandlung.

Medikamentöse Therapie
Zur medikamentösen Behandlung der Depression steht die Arzneimittelgruppe der Antidepressiva zur Verfügung. Es gibt mittlerweile eine große Zahl von Präparaten. Ihre genaue Wirkungsweise ist nicht bekannt, sie beeinflussen wahrscheinlich die Konzentration von bestimmten Überträgerstoffen, die an Nervenendigungen freigesetzt werden (Neurotransmitter). Beeinflusst wird hauptsächlich die Wirkung der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin. Im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka tritt die Wirkung der meisten Antidepressiva nicht kurzfristig ein, die gewünschten Effekte der Medikamente zeigen sich erst nach ein bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme.

Die Präparate wirken antriebssteigernd, heben die Stimmung und vermindern Angstzustände. Zusätzlich haben einige Präparate eine schläfrig machende (sedierende) und beruhigende Wirkung. Ihr Einsatz kann sinnvoll sein, wenn die Erkrankung mit starker Unruhe oder Schlafstörungen verbunden ist. Geht die Erkrankung mit starken Unruhezuständen oder mit Wahngedanken einher (schizoaffektive Psychose), wird die pharmakologische Therapie durch den Einsatz von Beruhigungsmitteln und Neuroleptika ergänzt.

Die Behandlung mit Antidepressiva wird vor allen Dingen bei Depressionen mit ausgeprägter Symptomatik empfohlen, die den Betroffenen stark belastet. Die Medikamente müssen oft auch nach dem Abklingen der akuten Krankheitsphase für einige Monate weiter eingenommen werden, um einen Rückfall zu vermeiden.

Handelt es sich um eine manisch-depressive Erkrankung, wird häufig Lithium verordnet.

Die medikamentöse Therapie sollte nach dem heutigen Erfahrungsstand immer mit einer Psychotherapie kombiniert werden.

Elektrokrampftherapie
In den letzten Jahren wird in den Fachbüchern wieder häufiger ein Verfahren zur Behandlung schwerer Depression empfohlen, das über lange Zeit in die Schusslinie der Kritik geraten war. Gemeint ist die Elektrokrampftherapie (EKT), die auch als Elektroschock bekannt ist. Mit diesem Verfahren wird bei dem Patienten durch einen elektrischen Impuls ein künstlicher epileptischer Anfall (Krampfanfall) ausgelöst. Heute wird bei medikamentös entspannter Muskulatur unter Narkose behandelt. Besonders bei Patienten, die auf die medikamentöse Behandlung nicht ansprechen, wird die Elektrokrampftherapie mit wechselndem Erfolg wieder häufiger durchgeführt.

Schlafentzug
Eine stimmungsaufhellende Wirkung hat auch der Schlafentzug. Die betroffenen Patienten werden für eine Nacht und den ganzen folgenden Tag wachgehalten (totaler Schlafentzug) oder sehr früh in der Nacht geweckt (partieller Schlafentzug). Der Effekt dieser Maßnahme hält nur kurze Zeit an, kann aber als rasche Hilfe bei schweren Depressionen durchaus zur Unterstützung herangezogen werden.

Psychotherapeutische Verfahren
Je nach Schwere der Erkrankung stellen psychotherapeutische Verfahren für Menschen mit einer Depression auch als alleiniges Therapieverfahren eine große Hilfe dar. Bei schweren, akuten Verläufen werden sie mit einer medikamentösen Therapie kombiniert.

Die so genannte interpersonelle Psychotherapie verfolgt das Ziel, die Symptome der Depression zu vermindern. Die Therapieform basiert darauf, dass Depressive oft problematische Beziehungen zu den Menschen in ihrem Umfeld unterhalten. Diese schwierigen Beziehungen zu den Mitmenschen können Folge der Krankheit sein, sie können aber auch ihre Ursache sein. Die interpersonelle Psychotherapie konzentriert sich auf die gegenwärtige Situation, auf das Hier und Jetzt. Sie hilft den Kranken, ihre Beziehungen aktiv und selbstsicher zu gestalten. Dadurch werden ihre depressiven Beschwerden gelindert.

Die kognitive Verhaltenstherapie ist ein Verfahren, das mit bestimmten Übungen oder speziellem Training für den Patienten arbeitet. Der Patient soll lernen, Stimmungsveränderungen zu erkennen, und bestimmte Reaktionsweisen einüben, die es ihm ermöglichen, damit leichter umzugehen. In der Therapie wird versucht, negative Verhaltensmuster zu erkennen und sie durch neue, positive Ansätze und Gedanken zu ersetzen. Dazu kann gehören, dass Patienten wieder lernen, sich zu entspannen. Ebenso werden sie dazu angehalten, Tätigkeiten auszuüben, die ihnen Spaß machen und das Selbstwertgefühl steigern, z.

Die Psychoanalyse und andere tiefenpsychologisch fundierte Verfahren bleiben bei diesem Krankheitsbild häufig ohne befriedigendes Ergebnis. Es gibt aber verschiedene psychoanalytisch orientierte Therapieansätze. Diese Therapieformen beinhalten, im Gegensatz zur klassischen Analyse, auch eine Stützung und Beratung des Patienten durch den Therapeuten.

Komplementäre Medizin

Aus naturheilkundlicher Sicht ist bei schweren Depressionen äußerste Vorsicht geboten. Die Patienten können eine ausgeprägte Selbstmordneigung entwickelt haben, die nur noch nicht zur Tat geführt hat, weil ihnen dazu der Antrieb fehlte. Dieser fehlende Antrieb kann durch aktivierende Therapien nach kurzer Zeit zur Verfügung stehen. Der gleiche Mechanismus ist im Übrigen auch aus der Therapie mit Psychopharmaka bekannt. Aus diesem Grund werden schwere depressive Zustände in psychiatrischen Kliniken behandelt, wo die Patienten rund um die Uhr betreut und beobachtet werden können. Die folgenden Angaben zur komplementären Medizin sind also für leichte Verläufe ohne ausgeprägte Selbstmordneigung gedacht. Homöopathische Mittel und Bach-Blüten können zusätzlich zu antidepressiv wirkenden Psychopharmaka verabreicht werden.

Phytotherapie

Ein naturheilkundliches Verfahren, die Behandlung mit Johanniskrautextrakten, hat sich auch in der konventionellen Medizin zur Behandlung leichter depressiver Störungen durchgesetzt. Ihre Wirksamkeit konnte durch wissenschaftliche Studien belegt werden.

Lichttherapie

Ebenfalls unbestritten ist die positive Wirkung von hellem Weißlicht (Fototherapie) auf depressive Verstimmungen. Besonders in den skandinavischen Ländern mit ihren extrem langen dunklen Wintern wird die Bestrahlung mit Weißlicht zur Behandlung depressiver Störungen durchgeführt.

Homöopathie

Acidum phosphoricum
(Phosphorsäure), gebräuchliche Potenzierung: D3 bis D6, passt bei allgemeiner geistiger und körperlicher Schwäche. Es besteht nervöse Erschöpfung und Reizbarkeit. Das Präparat ist oft bei jungen Menschen angezeigt oder wenn die Depression die Folge einer akuten Erkrankung darstellt. Die Patienten wirken teilnahmslos, sie vergessen vieles und leiden unter hartnäckiger Verzweiflung. Die Symptome verschlechtern sich nachts und in der Kälte. Wärme bessert sie.

Ignatia
(Ignatiusbohne), gebräuchliche Potenzierung: D3 bis D6, ist häufig bei Frauen mit nervösem oder hysterischem Temperament angezeigt. Die Stimmungen können schnell wechseln. Manchmal stehen Schweigsamkeit, Melancholie, Traurigkeit oder Introversion im Vordergrund. Die Depression kann Folge von Kummer und Sorgen sein, die Patientinnen neigen zu unwillkürlichem Seufzen und Schluchzen. Die Beschwerden verschlechtern sich nach Anstrengung und durch Aufregung. Die Symptome können durch Kummer, Schreck und Furcht ausgelöst oder verschlechtert werden.

Aurum metallicum
(Gold), gebräuchliche Potenzierung: D4 bis D6, ist ein Mittel, das ergänzend zur psychiatrischen oder psychologischen Betreuung bei schweren Depressionen eingesetzt werden kann. Eines der Charakteristika des Mittels ist die starke Selbstmordneigung. Die Betroffenen fürchten sich vor Menschen und sind überempfindlich gegen Geräusche. Trotz der Niedergeschlagenheit können sie überaktiv und hastig sein und auf die Umwelt mit Zornesausbrüchen und Ärger reagieren. Die Symptome verschlechtern sich bei kaltem Wetter, durch Auskühlung und in der Nacht. Manche Krankheitsbilder treten nur im Winter auf. Besserung tritt durch Wärme auf.

Traditionelle chinesische Medizin

Die Mittel der traditionellen chinesischen Medizin können unterstützend zu den notwendigen schulmedizinischen Therapien eingesetzt werden. Die Akupunktur kann bei der Behandlung von Depressionen die Symptome lindern.

Ernährungstherapie

Bei manchen Patienten hat sich der Verzicht auf Kaffee günstig ausgewirkt. In kleinen Mengen wirkt Kaffee stimmungshebend, über längere Zeit in großen Mengen getrunken, wie es im Berufsleben oft die Regel ist, kann er das Nervensystem belasten und zu Depressionen und Angstzuständen führen. Weiterhin wird empfohlen, auf raffinierten (weißen) Zucker und zuckerhaltige Nahrungsmittel zu verzichten.

Orthomolekulare Therapie

Durch ihren Bezug zum Nervensystem sind besonders die B-Vitamine wichtig. Sie sollten in Form eines Komplexpräparats regelmäßig zugeführt werden. Die empfohlene Tagesdosis beträgt je 50 Milligramm für die Vitamine B1, B2, B3 und B6. B12 sollte einmal wöchentlich als intramuskuläre Injektion verabreicht werden.

Außerdem sollten zwei bis sechs Gramm Vitamin C, 600 Milligramm Magnesium und 0,5 bis 3 Gramm Phenylalanin pro Tag ergänzt werden. Letzteres ist ein Eiweißbestandteil, der zum Aufbau eines Botenstoffs benötigt wird, der im Körper zu einer Stimmungsaufhellung führt.

Ähnlich wirkt die Zufuhr der Aminosäure Tryptophan in einer Dosierung von 0,5 bis 3 Gramm pro Tag.

Ausleitungsverfahren

Die Humoraltherapie empfiehlt blutiges Schröpfen im Leber-Galle-Bereich und auf der so genannten Depressionszone. Diese Zone liegt im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule. Beim blutigen Schröpfen wird die Haut geritzt, bevor der Schröpfkopf aufgesetzt wird. Durch den Unterdruck wird Blut aus dem Gewebe gesogen.

Ozontherapie

Die so genannte große Eigenbluttherapie, bei der Blut mit einem Ozon-Sauerstoff-Gemisch angereichert wird, hat sich besonders bei Depressionen älterer Patienten bewährt. Die Behandlung sollte in einer Serie von zehn Sitzungen erfolgen. Die wöchentliche Frequenz liegt bei ein bis zwei Terminen. Häufig stellt sich ein spürbarer Erfolg erst etwa ab der siebten Behandlung ein; es ist also sinnvoll, sich am Anfang in Geduld zu üben.

Bach-Blütentherapie

Von den 38 verschiedenen Blütenessenzen nach Bach kommt mindestens die Hälfte bei Depressionen in Frage.

Gentian, der Herbstenzian, passt bei Menschen, die skeptisch, zweifelnd, pessimistisch und leicht entmutigt sind. Sie vermitteln den Eindruck, ihren Pessimismus bisweilen fast zu genießen. Bei unvorhergesehenen Schwierigkeiten wird mit Entmutigung und Enttäuschung reagiert. Die Gründe und Auslöser der Depression sind in der Regel bekannt.

Gorse, der Stechginster, wird Menschen verabreicht, die ohne Hoffnung und völlig verzweifelt sind, z.

Sweet Chestnut, die Edelkastanie, passt bei Zuständen tiefster Verzweiflung. Man kann sich nicht vorstellen, dass jemand anders auf der Welt ein solches Leid zu tragen hätte. Es besteht Hilflosigkeit und Leere, man zieht sich von sozialen Kontakten zurück. Die Betroffenen spüren eine starke innere Spannung und fürchten, ihren Zustand nicht aushalten zu können. Dabei bestehen jedoch keine Gedanken an Selbstmord.

Wild Rose, die Heckenrose, ist indiziert bei Teilnahmslosigkeit, Apathie, Resignation und innerer Kapitulation. Häufig stellt man fest, dass die äußere Situation oder Belastung gar nicht so gravierend ist, wie sie der Patient empfindet. Die Lebensfreude ist völlig verloren gegangen und es werden auch keine Anstrengungen mehr unternommen, an der eigenen Situation etwas zum Besseren zu wenden. Der Patient beklagt sich nicht über den Zustand, da er ihn für normal hält. Die Stimme kann monoton und schwach sein, die Patienten wirken energielos und apathisch.

Willow, die gelbe Weide, wird bei verbitterten Menschen verordnet. Sie empfinden sich als Opfer des Schicksals und hadern ständig mit ihrem Leben. Für die eigene Situation ist man nicht selbst verantwortlich, Schuld sind immer die Umstände oder die anderen. Hilfe von anderen wird selbstverständlich entgegengenommen und sogar eingefordert, während man umgekehrt nicht bereit ist, etwas zurückzugeben. Bei allem wird die negative Seite betont, andere Menschen fühlen sich von der Stimmung mit heruntergezogen. Es können sich auch chronische körperliche Beschwerden entwickeln.

Weitere Mittel, die in Betracht kommen, sind Cerato (Bleiwurz), Elm (Ulme), Honeysuckle (Jelängerjelieber), Hornbeam (Weißbuche), Larch (Lärche), Mustard (Wilder Senf), Olive (Olive), Pine (Schottische Kiefer), Red Chestnut (Rote Kastanie) und Star of Bethlehem (Doldiger Milchstern).

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