Diabetes mellitus Typ I
Der Diabetes mellitus, allgemein als "Zuckerkrankheit" bekannt, ist ein Sammelbegriff für Störungen des Glukosestoffwechsels, die unbehandelt mit chronischen Blutzuckererhöhungen einhergehen. Oft ist auch der Zucker im Harn erhöht, daher erklärt sich die Bezeichnung Diabetes mellitus ("honigsüßer Durchfluss").
In Deutschland werden die diagnostizierten Diabetesfälle nicht gemeldet oder registriert. Darum ist die genaue Zahl der Erkrankten nicht bekannt; Schätzungen gehen von etwa vier Millionen aus. Experten vermuten eine hohe Zahl unerkannter Krankheitsfälle und sprechen davon, dass bis zu acht Prozent der Bevölkerung von Diabetes betroffen sein könnten.
Man unterscheidet Erkrankungen, bei denen ein absoluter Insulinmangel vorliegt (Diabetes mellitus Typ I) und Erkrankungen, bei denen noch Insulin produziert wird, aber die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin herabgesetzt ist (Diabetes mellitus Typ II).
Neben diesen besonders häufigen Formen der Erkrankung, gibt es noch einige seltene Sonderformen des Diabetes mellitus und den Schwangerschaftsdiabetes.
Der Diabetes mellitus Typ I tritt oft bereits im Kindes- und Jugendalter auf, in den meisten Fällen zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr. Er bleibt ein Leben lang bestehen. Der Typ-I-Diabetes mellitus macht etwa zehn Prozent aller Diabeteserkrankungen aus. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
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Akute Komplikationen
Auch beim behandelten Diabetes mellitus können ausgeprägte Unter- oder Überzuckerungen zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Dem Diabetiker selbst und seinen Angehörigen sollten die Zuckererkrankung, die möglichen Gefahren und geeignete Gegenmaßnahmen genau bekannt sein.
Ketoazidotisches Koma
Beim so genannten ketoazidotischen Koma diabetikum handelt es sich um einen Zustand, der mit starker Überzuckerung beim Diabetes mellitus Typ I einhergeht. Die Zuckererkrankung kann sich zuerst durch diese Stoffwechselentgleisung bemerkbar machen. Aber auch bei bekannter Diagnose besteht vor allem bei unterlassenen Insulininjektionen oder bei mangelhafter Anpassung in Situationen erhöhten Insulinbedarfs, z.
Durch den Insulinmangel kommt es neben der Überzuckerung zu einer schweren Austrocknung des Körpers und gleichzeitig zur Übersäuerung des Bluts (Azidose). Fett wird verstärkt abgebaut und daraus saure Ketonkörper (Azeton) gebildet.
Die Entwicklung der Ketoazidose (Ketonkörper und Azidose) und der Austrocknung (Exsikkose) können zum Kreislaufzusammenbruch führen. Es kommt zu Erbrechen und heftigen Leibschmerzen, zunehmender Bewusstseinsstörung und schließlich zu Herzrasen und Blutdruckabfall bis zum Schock. Auffällig ist der typisch süßliche Geruch der Atemluft durch den hohen Azetongehalt und eine extrem tiefe Atmung. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich. Die Patienten müssen intensivmedizinisch behandelt werden.
Unterzuckerung
Bei der Unterzuckerung (Hypoglykämie) liegt der Blutzucker definitionsgemäß unter 50 mg/dl. Zeichen der Unterzuckerung treten aber je nach gewohntem Zuckerspiegel oder Geschwindigkeit des Abfalls schon bei höheren oder erst bei niedrigeren Werten auf. Die Hypoglykämie kann auftreten bei Fehleinschätzungen der zu sich genommenen Kohlenhydrate (BE), bei zu langem Abstand zwischen Insulingabe und Nahrungsaufnahme, nach Absetzen von anderen Medikamenten wie Cortison, nach körperlicher Belastung oder nach Alkoholgenuss. Die Patienten bekommen Heißhunger, fühlen sich müde, werden unruhig, zittern und bekommen Schweißausbrüche.
Daneben treten Verhaltensauffälligkeiten auf. Die Patienten fühlen sich oft euphorisch und wirken auf ihre Mitmenschen unzugänglich. Schließlich kommt es zur Schläfrigkeit bis zum Koma und lebensbedrohlichem Zusammenbruch von Atmung und Kreislauf. Die Patienten müssen sofort Zucker, z.
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Diagnose
Blutzuckermessung
Bei ausgeprägter Symptomatik genügt eine Blutzuckermessung irgendwann im Verlauf des Tages zur Diagnosestellung, weil der Wert dann so hoch liegt, wie er bei einem Gesunden niemals erreicht wird (über 200 mg/dl). Liegt der Blutzuckerwert in einem Bereich, den Gesunde nach einer Mahlzeit erreichen können, wird die Blutzuckerbestimmung wiederholt. Die Untersuchung des Blutzuckers im kapillären Vollblut nach mindestens achtstündiger Nüchternheit (z.
Harnuntersuchung
Wenn der Blutzuckerspiegel die Schwelle von 180 mg/dl übersteigt, lässt sich Zucker auch zusätzlich im Urin nachweisen. Dies ist mit einfachen Tests möglich (Urinteststreifen).
Glukosetoleranztest
Wenn die Symptome nicht eindeutig sind und auch die ersten Blutuntersuchungen keine eindeutige Diagnose ermöglichen, kann zur weiteren Klärung ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt werden. Dabei trinkt der Patient morgens nüchtern eine definierte Menge in Wasser gelöste Glukose. Eine und zwei Stunden danach wird Blut abgenommen und untersucht. Anhand der Blutzuckerwerte in diesen Proben kann eine beginnende oder eine vorhandene Diabetes erkannt werden.
HbA1c-Wert
Für die Verlaufskontrolle und die Einschätzung des längerfristigen Blutzuckerspiegels wird der HbA1c-Wert ermittelt („Blutzuckergedächtnis“). Dieser Wert gilt als eine der wichtigsten Kenngrößen zur Beurteilung des Erfolgs der medikamentösen Einstellung des Diabetikers. Er gibt den Prozentanteil einer durch Zucker veränderten Form des roten Blutfarbstoffs an. Normalerweise liegt der Wert bei vier bis sechs Prozent. Er ist direkt vom Blutzuckerspiegel abhängig und erlaubt eine Beurteilung des Blutzuckerwertes der vergangenen acht Wochen.
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Spätkomplikationen
Diabetische Gefäßkrankheiten
Generell können alle Diabetesformen sämtliche Organe des Körpers durch Gefäßveränderungen schädigen. Allerdings stehen beim Diabetes mellitus Typ I die Schäden der kleinen Gefäße (Mikroangiopathien) im Vordergrund.
Dabei handelt es sich um diabetesspezifische Verdickungen der Gefäßinnenwand. Diese Veränderungen führen besonders im Bereich der Nieren, der Augen, der Nerven und der Füße zu längerfristig kaum beherrschbaren Komplikationen. Unter der Makroangiopathie (Befall der großen Gefäße) versteht man eine Form der Arteriosklerose, bei der Gefäßverschlüsse z.
Diabetische Nierenerkrankung
Die Entwicklung der diabetischen Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie, Glomerulosklerose) richtet sich nach der Erkrankungsdauer und der Qualität der Blutzuckereinstellung. Insgesamt leidet fast ein Drittel der insulinpflichtigen Diabetiker 20 bis 25 Jahre nach Erstdiagnose an einer schweren Nierenschädigung. Die Niere kann ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr wahrnehmen, so dass vor allem Schadstoffe aus dem Eiweißabbau im Körper verbleiben und zu Vergiftungserscheinungen führen (Urämie, Nierenversagen). In diesem Stadium können nur die regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) bzw. auf längere Sicht eine Nierentransplantation das Leben des Betroffenen retten.
Diabetische Augenerkrankung
Die diabetische Augenerkrankung (Retinopathie) stellt die häufigste Erblindungsursache in der westlichen Welt dar. Nach 15 Jahren Typ-I-Diabetes finden sich bei 90 Prozent der Betroffenen Veränderungen der Netzhaut. Schlechte diabetische Stoffwechselführung, Bluthochdruck und Rauchen verschlechtern den Verlauf. Die Augenerkrankung zeichnet sich durch die vermehrte Neubildung defekter Gefäße in der Netzhaut aus, die später einbluten können und somit zur Netzhautablösung und zu einem grünen Star (Glaukom) mit Erhöhung des Augeninnendrucks führen. Eine Wiederanheftung der abgelösten Netzhaut kann mit Laserstrahlen (Laserkoagulation) vorgenommen werden.
Diabetische Nervenschädigung
Auch die Nervenschädigung (Neuropathie) beruht auf den Verengungen und Verschlüssen der kleinsten Gefäße, die die Nerven versorgen. Nach zehnjähriger Zuckererkrankung haben etwa 50 Prozent der Patienten eine Neuropathie.
Die Schädigung des unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystems kann sich in Form einer Magenlähmung mit Völlegefühl und Druck im Oberbauch äußern. Auch die Harnblasenentleerung und die Erektionsfähigkeit bei Männern können eingeschränkt sein. Typischerweise können unzureichende Kreislaufregulationen mit niedrigen Blutdruckwerten und verminderter Fähigkeit, die Herzfrequenz zu steigern, auftreten. Die Neuropathie an den Beinen tritt am häufigsten symmetrisch an Unterschenkeln und Füßen auf und führt zu Missempfindungen ("burning feet") und zu verminderter Empfindung für Schmerz und Temperatur. Dadurch wird die Ausbildung von Fuß- und Unterschenkelgeschwüren begünstigt.
Diabetische Fußerkrankungen
Die diabetische Fußerkrankung, der so genannte diabetische Fuß, beruht auf einer Kombination von Schäden der großen und kleinen Blutgefäße im Zusammenspiel mit der Neuropathie und einer erhöhten Infektanfälligkeit.
Beim so genannten neuropathischen Fuß steht das Fußgeschwür (Ulkus) im Vordergrund, das an druckbelasteten Stellen entsteht, oft ausgelöst durch fehlende oder falsche Fußpflege oder zu enge Schuhe. Aufgrund der Nervenschädigung werden keine Schmerzen wahrgenommen, anhaltender Druck führt zum Geschwür (Malum perforans pedis). Es frisst sich tief in den Fuß hinein, neigt zu Infektionen mit Bakterien und Pilzen und greift auch die Fußknochen an. Das Malum perforans ist nur schwer heilbar und kann im schlimmsten Fall zur Amputation führen.
Bei der diabetischen Gangrän dominiert der Gewebeuntergang an Zehenspitzen oder Fersen aufgrund mangelhafter Durchblutung. Ebenso wie das neuropathische Fußgeschwür wird die Gangrän vor allem durch Ruhigstellung des Fußes, Druckentlastung und durch Infektbehandlung bzw. Wundtoilette behandelt. Die abgestorbenen Läsionen müssen operativ entfernt werden.
Um diese Komplikationen möglichst früh erkennen und behandeln zu können, sollten Diabetiker täglich ihre Füße genau auf Druckstellen und kleine Hauteinrisse hin untersuchen. Schon die kleinste Auffälligkeit sollte ärztlich versorgt werden, weil sie dramatische Folgen nach sich ziehen kann. Auf dieses Thema wird auch im Kapitel Diabetes mellitus Typ II eingegangen.
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Symptome und Beschwerden
- Stark gesteigertes Durstgefühl und vermehrtes Trinken
- Stark vermehrte Urinausscheidung
- Gewichtsabnahme
- Appetitlosigkeit
- Müdigkeit und Leistungsminderung
- Juckreiz der Haut
- Entzündungen der Haut
- Potenzstörungen
- Menstruationsstörungen
- Sehstörungen
- Nächtliche Wadenkrämpfe
Die Entwicklung zur Diabeteserkrankung verläuft beim Typ I relativ rasch. Trotzdem können die Beschwerden eine Zeit lang unbemerkt bleiben. Die Patienten leiden meist unter Müdigkeit, Leistungsminderung und Bewegungsunlust. Da zur Ausscheidung der erhöhten Blutzuckermenge viel Wasser notwendig ist, müssen die Patienten häufig und viel Harn lassen (Polyurie), dem Körper wird dabei Wasser entzogen (Exsikkose). Die Erkrankten haben ein stark gesteigertes Durstgefühl und trinken extrem viel (Polydipsie). Die Nachtruhe wird durch den Harndrang und den Durst öfters unterbrochen. Es kommt zu Appetitlosigkeit und das Körpergewicht nimmt ab, weil der Zucker nicht verwertet wird. Ein starker Juckreiz der Haut kann ebenso wie Sehstörungen und nächtliche Wadenkrämpfe durch Störungen des Mineralienhaushalts im Körper hinzukommen. Auch Zeichen der Abwehrschwäche mit Pilzinfektionen der Haut und Schleimhäute sowie Furunkelbildungen (Entzündungen der Haarbälge) begleiten den Typ-I-Diabetes.
Die Patienten erleben häufig eine Einschränkung ihrer sexuellen Potenz oder des Geschlechtstriebs. Bei Frauen kann die Menstruation ausbleiben.
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Therapie
Konventionelle Medizin
Da der Typ-I-Diabetes auf einem absoluten Insulinmangel beruht, muss Insulin zugeführt werden, um den Blutzucker zu senken. Insulin wird in das Unterhautfettgewebe (subkutan) gespritzt. Die Injektion kann der Patient dank moderner Spritzsysteme, die einem Füllfederhalter gleichen und leicht zu handhaben sind (Pen), nach Anleitung selbst vornehmen. Bei kleineren Kindern werden die Eltern in der Spritztechnik geschult.
Das Behandlungsziel ist die Vorbeugung diabetischer Komplikationen durch das Anstreben eines möglichst normalen Zuckerstoffwechsels. Der Blutzuckerwert sollte nüchtern, vor den Mahlzeiten und zwei Stunden nach den Mahlzeiten unter 130 mg/dl liegen, eine Stunde nach den Mahlzeiten darf er auf max. 160 mg/dl ansteigen. Außerdem soll durch eine individuell maßgeschneiderte Insulintherapie eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) vermieden werden.
Konventionelle Insulintherapie
Bei dieser Form der Therapie wird die Gesamttagesdosis Insulin auf zwei Spritzen verteilt und morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Abendessen gespritzt. Manchmal erfolgt eine weitere Injektion vor dem Mittagessen. Die Injektionen müssen immer etwa 30 Minuten vor der Mahlzeit erfolgen und bestehen aus einer Mischung aus kurzwirkenden Insulinen (Normalinsulin) und Verzögerungsinsulinen mit längerer Wirkdauer. Dadurch soll der Blutzucker möglichst konstant gehalten werden. Bei dieser Form der Therapie sind ein regelmäßiger Tagesablauf und vor allem das regelmäßige Einhalten der Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten notwendig, damit es nicht zu gefährlichen Unterzuckerungen (Hypoglykämien) oder schädlichen Überzuckerungen kommt.
Intensivierte konventionelle Insulintherapie
Da die Betroffenen beim Ausbruch ihrer Erkrankung meist sehr jung sind, wird versucht, ihnen durch eine individuell ausgearbeitete Insulintherapie ein nahezu normales Leben mit wenigen Einschränkungen zu ermöglichen. Die wichtigsten Voraussetzungen dazu bilden die intensive Diabetesschulung, die Blutzuckerselbstmessung und die Fähigkeit, die Insulindosis an die aktuelle Situation anzugleichen. Der Blutzucker wird vor jeder Mahlzeit kontrolliert. In außergewöhnlichen Belastungssituationen sollte auch der Urin auf Zucker und Azeton untersucht werden, um eine sich anbahnende Stoffwechselentgleisung sofort erkennen zu können.
Bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie wird nach dem so genannten Basis-Bolus-Prinzip vorgegangen. Als Basistherapie dient die morgendliche und abendliche Injektion von länger wirksamem Insulin, während zu den Mahlzeiten nach Blutzuckerselbstbestimmung die erforderliche Dosis von kurz wirkendem Insulin errechnet und gespritzt wird (Bolus). Die Höhe der einzelnen Dosen richtet sich nach dem gemessenen Blutzuckerwert vor der Mahlzeit, der Größe der Mahlzeit, der Tageszeit und der geplanten körperlichen Aktivität.
Bei dieser Therapie wird der Insulinspiegel Gesunder nachgeahmt, die Stoffwechseleinstellung kann individuell optimiert und dadurch das Risiko von Spätschäden vermindert werden.
Insulinpumpentherapie
Das Kernstück bei dieser Therapie ist eine kleine, programmierbare Pumpe, die kontinuierlich Insulin abgibt. Der Patient ruft zusätzlich zu den Mahlzeiten - abhängig von dem Blutzuckermesswert und der gewünschten Nahrungsmenge - zusätzliche Insulingaben ab. Das Insulin wird in der Regel über einen unter der Haut befestigten, dünnen Kunststoffschlauch zugeführt. Es gibt auch Pumpen, die im Bauchfell implantiert werden können.
Diese Therapieform führt zu einer so ausgeglichenen Stoffwechsellage, wie sie unter Injektionen nicht zu erzielen ist. Sie erfordert eine besonders intensive Schulung und Betreuung der Patienten.
Begleitung jugendlicher Diabetiker
Trotz aller Fortschritte hinsichtlich der Therapie verlangt die Behandlung des Diabetes mellitus ein hohes Maß an Disziplin vom Patienten. Die mehrfach täglichen Blutzuckerselbstkontrollen, die Abschätzung der gewünschten Mahlzeit und die Dosisanpassung des Insulins, die Berücksichtigung besonderer Belastungen und ansonsten banaler Erkrankungen wie einer Grippe erfordern hohe Krankheitseinsicht und ein Ausmaß an geistiger Reife, mit der Kinder oder Jugendliche häufig überfordert sind.
Die Verantwortung für die eigene Zukunft wird vor allem im Verlauf der Pubertät häufig zum Konfliktstoff. Der Jugendliche will hier und jetzt uneingeschränkt leben und sich möglichst nicht von seinen Freunden unterscheiden. Diesem Wunsch steht eine Therapie entgegen, die sich an Zukunftszielen orientiert und deren Einhaltung das Auftreten schwerer Folgeschäden in zehn oder zwanzig Jahren vermeiden soll.
In dieser Zeit kommt es nicht selten zur bewussten Vernachlässigung der sattsam bekannten therapeutischen Erfordernisse. Die Jugendlichen spritzen zu selten oder gar nicht mehr und riskieren dramatische Stoffwechselentgleisungen. Die Reaktionen der Eltern auf diese vermeintliche Unvernunft wird zum Konfliktstoff; zwischen zu viel und zu wenig Fürsorge der Eltern liegt oft nur ein schmaler Grad.
Um Verweigerungsaktionen möglichst zu vermeiden, können sich die Eltern in den Sprechstunden der Diabeteszentren Rat holen. Die jungen Patienten werden optimalerweise bereits bei Diagnosestellung in die angebotenen Betreuungsgruppen für jugendliche Diabetiker eingebunden, wo sie auch psychologische Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung erhalten.
Komplementäre Medizin
Allgemein
Mit den Mitteln der komplementären Medizin kann die eigentliche Erkrankung nicht behandelt werden. Trotzdem kann sie insbesondere zur Vermeidung der Folgeerkrankungen wertvolle Dienste leisten.
Im Kapitel Diabetes mellitus II werden einige Methoden vorgestellt, die als begleitende Therapien zur Insulingabe und anderen schulmedizinischen Maßnahmen geeignet sind.
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Ursachen
Die Ursache für die Zuckererkrankung Jugendlicher liegt in der schnellen Zerstörung der Zellen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Insulin bilden (Betazellen in den Langerhans'schen Inseln). Das Hormon Insulin stimuliert die Körperzellen dazu, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Insulin senkt dadurch den Blutzuckerspiegel.
Meist führen Erkrankungen des körpereigenen Abwehrsystems (Autoimmunerkrankungen) und seltener andere Erkrankungen zur Entzündung und schließlich zur Zerstörung der Bildungsorte für Insulin. Vermutlich kann die Veranlagung für eine Diabeteskrankheit in einzelnen Fällen vererbt werden. Beim Auftreten von Beschwerden sind bereits 80 bis 90 Prozent aller Insulin bildenden Zellen zerstört. Als Auslöser für die Erkrankung werden Virusinfektionen (Masern, Mumps, Grippe) oder andere Belastungen diskutiert.
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