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Diabetes mellitus Typ I
Spätkomplikationen
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Diabetische Gefäßkrankheiten
Generell können alle Diabetesformen sämtliche Organe des Körpers durch Gefäßveränderungen schädigen. Allerdings stehen beim Diabetes mellitus Typ I die Schäden der kleinen Gefäße (Mikroangiopathien) im Vordergrund.
Dabei handelt es sich um diabetesspezifische Verdickungen der Gefäßinnenwand. Diese Veränderungen führen besonders im Bereich der Nieren, der Augen, der Nerven und der Füße zu längerfristig kaum beherrschbaren Komplikationen. Unter der Makroangiopathie (Befall der großen Gefäße) versteht man eine Form der Arteriosklerose, bei der Gefäßverschlüsse z.
Diabetische Nierenerkrankung
Die Entwicklung der diabetischen Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie, Glomerulosklerose) richtet sich nach der Erkrankungsdauer und der Qualität der Blutzuckereinstellung. Insgesamt leidet fast ein Drittel der insulinpflichtigen Diabetiker 20 bis 25 Jahre nach Erstdiagnose an einer schweren Nierenschädigung. Die Niere kann ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr wahrnehmen, so dass vor allem Schadstoffe aus dem Eiweißabbau im Körper verbleiben und zu Vergiftungserscheinungen führen (Urämie, Nierenversagen). In diesem Stadium können nur die regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) bzw. auf längere Sicht eine Nierentransplantation das Leben des Betroffenen retten.
Diabetische Augenerkrankung
Die diabetische Augenerkrankung (Retinopathie) stellt die häufigste Erblindungsursache in der westlichen Welt dar. Nach 15 Jahren Typ-I-Diabetes finden sich bei 90 Prozent der Betroffenen Veränderungen der Netzhaut. Schlechte diabetische Stoffwechselführung, Bluthochdruck und Rauchen verschlechtern den Verlauf. Die Augenerkrankung zeichnet sich durch die vermehrte Neubildung defekter Gefäße in der Netzhaut aus, die später einbluten können und somit zur Netzhautablösung und zu einem grünen Star (Glaukom) mit Erhöhung des Augeninnendrucks führen. Eine Wiederanheftung der abgelösten Netzhaut kann mit Laserstrahlen (Laserkoagulation) vorgenommen werden.
Diabetische Nervenschädigung
Auch die Nervenschädigung (Neuropathie) beruht auf den Verengungen und Verschlüssen der kleinsten Gefäße, die die Nerven versorgen. Nach zehnjähriger Zuckererkrankung haben etwa 50 Prozent der Patienten eine Neuropathie.
Die Schädigung des unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystems kann sich in Form einer Magenlähmung mit Völlegefühl und Druck im Oberbauch äußern. Auch die Harnblasenentleerung und die Erektionsfähigkeit bei Männern können eingeschränkt sein. Typischerweise können unzureichende Kreislaufregulationen mit niedrigen Blutdruckwerten und verminderter Fähigkeit, die Herzfrequenz zu steigern, auftreten. Die Neuropathie an den Beinen tritt am häufigsten symmetrisch an Unterschenkeln und Füßen auf und führt zu Missempfindungen ("burning feet") und zu verminderter Empfindung für Schmerz und Temperatur. Dadurch wird die Ausbildung von Fuß- und Unterschenkelgeschwüren begünstigt.
Diabetische Fußerkrankungen
Die diabetische Fußerkrankung, der so genannte diabetische Fuß, beruht auf einer Kombination von Schäden der großen und kleinen Blutgefäße im Zusammenspiel mit der Neuropathie und einer erhöhten Infektanfälligkeit.
Beim so genannten neuropathischen Fuß steht das Fußgeschwür (Ulkus) im Vordergrund, das an druckbelasteten Stellen entsteht, oft ausgelöst durch fehlende oder falsche Fußpflege oder zu enge Schuhe. Aufgrund der Nervenschädigung werden keine Schmerzen wahrgenommen, anhaltender Druck führt zum Geschwür (Malum perforans pedis). Es frisst sich tief in den Fuß hinein, neigt zu Infektionen mit Bakterien und Pilzen und greift auch die Fußknochen an. Das Malum perforans ist nur schwer heilbar und kann im schlimmsten Fall zur Amputation führen.
Bei der diabetischen Gangrän dominiert der Gewebeuntergang an Zehenspitzen oder Fersen aufgrund mangelhafter Durchblutung. Ebenso wie das neuropathische Fußgeschwür wird die Gangrän vor allem durch Ruhigstellung des Fußes, Druckentlastung und durch Infektbehandlung bzw. Wundtoilette behandelt. Die abgestorbenen Läsionen müssen operativ entfernt werden.
Um diese Komplikationen möglichst früh erkennen und behandeln zu können, sollten Diabetiker täglich ihre Füße genau auf Druckstellen und kleine Hauteinrisse hin untersuchen. Schon die kleinste Auffälligkeit sollte ärztlich versorgt werden, weil sie dramatische Folgen nach sich ziehen kann. Auf dieses Thema wird auch im Kapitel Diabetes mellitus Typ II eingegangen.

