Diabetes mellitus Typ II
Der Diabetes mellitus Typ II wird auch als insulinunabhängiger Diabetes bezeichnet, da bei dieser Störung des Glukosestoffwechsels häufig genügend oder sogar vermehrt Insulin gebildet wird. Dadurch lässt er sich auch vom Typ I unterscheiden, bei dem ein absoluter Insulinmangel vorliegt. Zum Typ II gehören ca. 90 Prozent der Diabetiker. Die Krankheit betrifft alle sozialen Schichten.
Bevorzugt erkranken ältere Menschen zwischen 50 und 70 Jahren mit gleichzeitigem Übergewicht. Darum wurde die Krankheit früher oft auch Altersdiabetes genannt. Inzwischen wird Diabetes II aber auch immer häufiger bei jüngeren Menschen und sogar Kindern diagnostiziert.
Die Erkrankung gehört zu dem so genannten Wohlstandssyndrom, bei dem neben der Zuckerstoffwechselstörung, Übergewichtigkeit, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck zusammen auftreten.
Aufgrund der zunehmenden Überernährung der Menschen in den Industriestaaten steigt die Zahl der Diabetes-II-Erkrankungen dort seit Jahren an.
Mehr anzeigen
Akute Komplikationen
Auch beim behandelten Diabetes mellitus Typ II können ausgeprägte
Unter- oder Überzuckerungen zu lebensgefährlichen Komplikationen
führen.
Unterzuckerung
Bei Zeichen der Unterzuckerung,
die in erster Linie durch Diabetesmedikamente ausgelöst werden, müssen
die Patienten rechtzeitig Traubenzucker einnehmen.
Eine detaillierte Beschreibung der körperlichen Abläufe,
die zu einer Unterzuckerung führen, findet sich im Kapitel "Diabetes
mellitus Typ I".
Hyperosmolares Koma
Das so genannte
hyperosmolare Koma tritt bevorzugt bei Typ-II-Diabetikern auf und ist durch
starke Blutzuckererhöhungen bei relativem Insulinmangel gekennzeichnet.
Ausgelöst wird es vor allem durch gravierende Diätfehler und bei
Unterdosierung der Diabetesmedikamente, aber auch in Situationen mit gesteigertem
Insulinbedarf wie Infektionen und außergewöhnlichen Belastungen.
Im Gegensatz zum Typ-I-Diabetes fällt die Übersäuerung
durch Ketonkörper (Azeton) wesentlich milder aus und die Beschwerden
beginnen langsamer. Zuerst leiden die Patienten unter Appetitlosigkeit, Erbrechen,
Bauchschmerzen, starkem Durst und gehäuftem Harnfluss. Durch die starke
Entwässerung trocknet der Körper aus. Tritt das lebensbedrohliche
Koma ein, besteht ein Kreislaufschock, der Harnfluss hört ganz auf und
das Bewusstsein ist eingetrübt. Die Patienten müssen intensivmedizinisch
behandelt werden.
Mehr anzeigen
Diagnose
Etwa ein Drittel der Krankheitsfälle wird bei ärztlichen Untersuchungen aus anderem Anlass diagnostiziert. Häufig fällt nur zufällig ein erhöhter Blutzuckerspiegel oder Zucker im Harn auf.
Erstdiagnostik
Wenn typische Diabetessymptome vorliegen, genügt oft eine einzelne Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Wenn er über 200 mg/dl liegt, gilt die Diagnose Diabetes mellitus als gesichert. Liegt der Wert unter 200 aber über 100 mg/dl, sind Kontrolluntersuchungen notwendig.
Auch bei verdächtigen Personen mit besonderen Risikofaktoren führt der Arzt solche Kontrolluntersuchungen durch, z.
Neben der Messung der Nüchternglukose, also nach mindestens achtstündigem Fasten, ermöglicht der so genannten orale Glucosetoleranztest (OGTT) eine Absicherung der Diagnose. Dazu trinkt der Patient nach Feststellung des Nüchternblutzuckers 75 Gramm Traubenzucker, der in Wasser gelöst wird. Zwei Stunden später wird der Blutzucker noch einmal bestimmt.
Eine Zuckererkrankung ist anzunehmen, wenn der Nüchternblutzucker im kapillären Vollblut über 110 mg/dl liegt oder der Zweistundenwert nach einem OGTT 200 mg/dl übersteigt. Liegen keine Symptome vor, wird mindestens eine weitere Blutzuckerbestimmung durchgeführt, um den Diabetes mellitus zu beweisen. Bei der so genannten gestörten Glucosetoleranz ist der Nüchternwert normal, doch weist der grenzwertig erhöhte Zweistundenwert (zwischen 140 und 200 mg/dl) auf die mögliche Entwicklung eines Diabetes mellitus hin.
Diagnostik zur Blutzuckereinstellung
Als Basis für unmittelbare Therapieentscheidungen sind regelmäßige Blutzuckerselbstkontrollen durch den Patienten und Kontrollen durch den Arzt erforderlich. Neben diesen punktuellen Informationen gibt es die Möglichkeit, mithilfe des verzuckerten Hämoglobins (glykosyliertes Hämoglobin, HbA1c) einen Überblick über längere Zeitintervalle zu erhalten.
Der HbA1c-Wert („Blutzuckergedächtnis“) gilt als eine der wichtigsten Kenngrößen zu Beurteilung des Erfolgs der medikamentösen Einstellung des Diabetikers. Er gibt den Prozentanteil des verzuckerten Hämoglobins an. Normalerweise liegt der Wert bei vier bis sechs Prozent. Er erlaubt eine Beurteilung des Blutzuckerspiegels der vergangenen acht Wochen.
Zucker im Harn wird nur in Sonderfällen bestimmt, da diese Messung der Blutzuckerkontrolle unterlegen ist und bei Nierenerkrankungen erst verspätet auftreten kann.
Diagnostik möglicher Spätkomplikationen
Da ein langjähriger, hoher Blutzuckerspiegel Arterien und Nerven schädigt, ist bei der Diagnosestellung eines Diabetes mellitus Typ II unbedingt eine Untersuchung der Augen, der Nieren, des äußeren Nervensystems, des Herzens, der Halsschlagadern und der Beinarterien erforderlich. Der Diabetes mellitus Typ II schädigt besonders häufig die großen Blutgefäße (Makroangiopathie). Herzerkrankungen (Herzinfarkt) und Schlaganfälle sind die häufigsten Todesursachen beim Typ-II-Diabetiker. Auch die Beinarterien können von der Arteriosklerose befallen sein und vermehrt Engstellen bilden (arterielle Verschlusskrankheit). Das Laufen kann so schmerzhaft werden, dass nur noch wenige Meter am Stück zurückgelegt werden können. Verengungen der kleinsten Blutgefäße führen zu diabetestypischen Erkrankungen.
Nach der orientierenden Ganzkörperuntersuchung einschließlich genauer Inspektion der Füße auf mögliche Geschwüre ("diabetischer Fuß") prüft der Arzt besonders sorgfältig die am häufigsten in Mitleidenschaft gezogenen Organe. Um die Veränderungen an der Netzhaut der Augen (diabetische Retinopathie) beurteilen zu können, wird eine Augenspiegelung durchgeführt.
Die Niere wird durch Blut- und Urinuntersuchungen auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft. Außerdem wird der Urin auf Eiweiße (Albumine) untersucht, die eine beginnende Nierenfunktionsstörung anzeigen können (diabetische Nephropathie).
Die Bestimmungen der Blutfette und des Bluthochdrucks geben Hinweise auf zusätzliche Risiken, Gefäßverschlüsse zu erleiden. Ferner werden die Fußpulse getastet und die Halsschlagader abgehorcht bzw. mit Ultraschall untersucht, um an diesen Stellen mögliche Gefäßverengungen zu erfassen.
Um mögliche Störungen des Nervensystems (diabetische Neuropathie) zu beurteilen, werden neurologische Untersuchungen durchgeführt. Meist an den Beinen werden Muskelreflexe, Vibrations-, Temperatur- und Schmerzempfinden geprüft, bei Auffälligkeiten wird zusätzlich die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen.
Mehr anzeigen
Schwangerschaftsdiabetes und schwangere Diabetikerinnen
Von Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) spricht man, wenn erstmals während der Schwangerschaft erhöhte Blutzuckerwerte auftreten oder diagnostiziert werden (laut Schätzungen bei etwa fünf Prozent der Schwangeren). Die Zuckerstoffwechselstörung verursacht keine Beschwerden und verschwindet in der Regel nach der Schwangerschaft wieder. Sie wird daher meist nur durch gezielte Suche entdeckt. Beim Auftreten eines Schwangerschaftsdiabetes besteht ein erhöhtes Risiko, später an Diabetes mellitus zu erkranken.
Frauen mit vorbestehendem Diabetes mellitus ohne schwere Spätschäden können durchaus Kinder bekommen. Wichtig ist allerdings, dass bereits vor der Empfängnis eine optimale Stoffwechseleinstellung erreicht wird.
Bei Blutzuckererhöhungen während der Schwangerschaft sind die Risiken für Schwangerschaftskomplikationen und die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts sowie für Fehl- und Frühgeburten erhöht. Die Kinder sind bei der Geburt oft sehr groß und schwer. Sie leiden nach der Geburt oft unter einer gefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie) und anderen Störungen des Stoffwechsels. Ihr Risiko, eine schwere Neugeborenengebsucht zu entwickeln, ist erhöht. Bei unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann es zum vorgeburtlichen Tod des Kindes kommen. In etwa 28 Prozent der vorgeburtlichen Todesfälle wird eine unerkannte Diabeteserkrankung als Ursache vermutet.
Diagnostik
Bei jeder Schwangeren sollte ein Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt werden. Dazu sollte in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche ein oraler Glukosetoleranz-Screening-Test durchgeführt werden. Bei Schwangeren mit besonderem Diabetesrisiko sollte schon im ersten Drittel der Schwangerschaft ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden.
Bei der Screening-Untersuchung wird der Blutzucker eine Stunde nach Einnahme von 50 Gramm Traubenzucker bestimmt. Ist der Wert höher als 140 mg/dl liegt ein Diabetesverdacht vor. Dann muss eine genauere Diagnostik angeschlossen werden.
Weil bei Schwangerschaftsdiabetes nur sehr selten Zucker im Harn auftritt, ist die Messung der Uringlukose unbrauchbar und überholt.
Therapie
Bei nachgewiesenem Schwangerschaftsdiabetes ist wie bei der schwangeren Diabetikerin eine optimale Stoffwechseleinstellung notwendig. Neben diätetischen Maßnahmen ist häufig die Gabe von Insulin am besten in Form der intensivierten Insulintherapie oder der Insulinpumpe erforderlich. Blutzuckersenkende Tabletten kommen nicht in Frage, da sie das ungeborene Kind schädigen können.
Das Ziel sind möglichst normale Blutzuckerwerte, das heißt, vor den Mahlzeiten sollte der Zuckerspiegel unter 90 mg/dl und eine Stunde nach Beginn der Mahlzeiten unter 140 mg/dl liegen. Außerdem muss der HbA1c-Wert, das Langzeitgedächtnis für den Zuckerspiegel, normal sein. Da der Stoffwechsel während einer Schwangerschaft erheblichen Schwankungen unterliegt und die Gefahr einer Unterzuckerung erhöht ist, sind eine besonders intensive Blutzuckerselbstkontrolle und eine Schulung die Voraussetzungen für eine optimierte Insulintherapie.
Mehr anzeigen
Symptome und Beschwerden
- Schleichender Beginn ohne typische Beschwerden
- Übergewichtigkeit
- Symptome der Unterzuckerung wie Heißhunger, Schwitzen, Kopfschmerzen
- Symptome der Überzuckerung wie allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Leistungsminderung, große Harnmengen, gesteigerter Durst, Gewichtsabnahme trotz gesteigerten Appetits
- Allgemeine Symptome wie trockene Haut und Juckreiz, Sehveränderungen oder -störungen, Muskelkrämpfe, Infektanfälligkeit, Neigung zu Hauterkrankungen und Libidoverlust
- Symptome der diabetischen Spätschäden wie Sehverlust, Empfindungsstörungen der Füße oder Beine, Fuß- und Unterschenkelgeschwüre, Herzinfarkt oder Schlaganfall
Der Typ-II-Diabetes verläuft schleichend und häufig über Jahre unbemerkt. Die meisten Patienten sind übergewichtig (ca. 80 Prozent).
Anfangs können Unterzuckerungen auftreten, die sich durch Heißhunger, Schwitzen und Kopfschmerzen bemerkbar machen. Nicht selten stehen Beschwerden der diabetischen Folgeschäden an den Gefäßen am "Anfang". So wird der Diabetes mellitus häufig erst im Rahmen von Gefäßerkrankungen (z.
Typische Krankheitssymptome des gestörten Stoffwechsels werden eher beiläufig, wenn überhaupt, als Zeichen einer Krankheit wahrgenommen. Die Patienten fühlen sich oft müde und in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Hinzu kommt ein Libidoverlust, auch kann sich eine Potenzstörung z.
Diabetes II geht häufig mit Übergewicht einher. Die Patienten haben viel Durst, trinken vermehrt und haben gehäuft Harndrang. Dies kann auch den Nachtschlaf beeinträchtigen. Viele Patienten klagen über trockene, juckende Haut, die zu Hauterkrankungen beispielsweise Pilzinfektionen neigt. Sie sind insgesamt infektanfälliger, banale Infekte wie Husten und Schnupfen und auch Wunden heilen schlechter. Blasenentzündungen häufen sich. Für auftretende Sehstörungen und Muskelkrämpfe sind die Störungen im Wasser- und Mineralienhaushalt verantwortlich.
Mehr anzeigen
Therapie
Konventionelle Medizin
Nichtmedikamentöse Therapie
Beim Diabetes mellitus Typ II ist die beste Therapie eine gesunde Lebensweise mit viel körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung. Durch Erreichen des Normalgewichts können der Zuckerstoffwechsel wesentlich verbessert und Medikamente eingespart werden. Bei der Ernährungsberatung z.
Um das Risiko der Arteriosklerose, des Herzinfarkts oder des Schlaganfalls möglichst gering zu halten, sollte insbesondere der Blutdruck gut überwacht und streng eingestellt werden.
Vorbeugende Maßnahmen sind die regelmäßige körperliche Bewegung, Gewichtsabnahme, Normalisierung des Blutzuckers, Normalisierung des Blutdrucks, Senkung der erhöhten Blutfettwerte und Senkung der Harnsäurewerte. Wenn die Patienten kalorienärmer und gesünder essen, wird der Teufelskreis von zu hohem Blutzucker und gestörter Insulinwirkung durchbrochen. Durch den verminderten Zuckerreiz auf die Insulin bildenden Zellen sinkt die Insulinausschüttung. Die Empfindlichkeit der Muskelzellen auf Insulin verbessert sich und Zucker wird wieder besser verwertet. Dadurch sinkt der zu hohe Blutzucker.
Medikamentöse Therapie mit Tabletten
Nur wenn durch Abbau des Übergewichts und Steigerung der körperlichen Aktivität keine Normalisierung der Blutzuckereinstellung zu erreichen ist, werden dem Patienten Tabletten verordnet. Die Wirksamkeit der Medikamente lässt schon nach relativ kurzer Zeit nach, wenn die diätetischen Voraussetzungen nicht erfüllt werden.
Folgende Wirkstoffe werden bei der Tablettenbehandlung eingesetzt:
Füll- und Quellstoffe
Füll- und Quellstoffe wie Guar führen zur Verzögerung der Verdauung von Kohlenhydraten aus dem Darm. Sie werden mit viel Flüssigkeit vor der Mahlzeit aufgenommen, quellen die Nahrung auf und sorgen dafür, dass Kohlenhydrate nur nach und nach aufgenommen werden. Dadurch lassen sich Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermeiden.
Alpha-Glukosidasehemmer
Die so genannten Alpha-Glukosidasehemmer, z.
Biguanide
Biguanide verstärken die durch Insulin vermittelte Zuckeraufnahme in die Zellen, beispielsweise der Muskulatur, und hemmen die körpereigene Zuckerneubildung (Glukoneogenese). Darüber hinaus verzögern sie die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm. Diese Medikamente sind insbesondere für übergewichtige Diabetiker geeignet, weil sie den Appetit etwas vermindern und so die Gewichtsabnahme erleichtern. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie keine Unterzuckerung auslösen können. Jedoch können Biguanide auch zu gefährlichen Nebenwirkungen führen.
Sulfonylharnstoffe
Sulfonylharnstoffe können zu einer Gewichtszunahme führen und sollten deshalb vorwiegend bei der Behandlung von Diabetikern mit normalem Gewicht oder nach erfolgreicher Gewichtsabnahme zur Anwendung kommen. Die Substanz erhöht die Insulinausschüttung ins Blut. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Körper noch in der Lage ist, Insulin zu produzieren. Wenn die Krankheit fortschreitet und die Insulin produzierenden Zellen zunehmend erschöpft sind, lässt die Wirkung von Sulfonylharnstoffen nach. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Glibenclamid. Bei der Therapie mit Sulfonylharnstoffen besteht die Gefahr einer Unterzuckerung. Daher sind zu Beginn der Behandlung engmaschige Blutzuckerkontrollen erforderlich.
Glinide
Die Glinide bewirken ähnlich wie die Sulfonylharnstoffe eine Insulinfreisetzung aus den noch aktiven Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Die Wirkung ist jedoch rascher und von kürzerer Dauer. Dadurch können sie mahlzeitenbezogen eingenommen und in Abhängigkeit von der Größe der Mahlzeit dosiert werden. Aufgrund der kurzzeitigen Wirkung verursacht die Substanz keine Unterzuckerung.
Glitazone
(Thiazolidindione) Glitazone verbessern die Insulinempfindlichkeit von Leber-, Muskulatur- und Fettzellen und senken so den Blutzuckerspiegel. Sie führen bei vielen Patienten in den ersten Monaten zu einer Gewichtszunahme und zu Wassereinlagerungen. Bei bestehenden Problemen mit der Leber und den Nieren oder bei Herzinsuffizienz und Bluthochdruck sollten sie nicht verwendet werden. Die Wirkstoffe sind noch relativ neu, Langzeitstudien mit ihnen laufen noch.
Kombinationen
In der individuellen Therapie des Typ-II-Diabetikers können Kombinationen der genannten Medikamente von Vorteil sein. Daneben gibt es in Einzelfällen die Möglichkeit, dass in späteren Stadien des Diabetes Tabletten mit kleinen Dosen Insulin kombiniert werden.
Medikamentöse Therapie mit Insulin
Im Verlauf des Typ-II-Diabetes kann es zu einer vollständigen Erschöpfung der Insulin bildenden Zellen kommen, so dass schließlich kein Insulin mehr gebildet wird. In diesem Fall muss auch der Typ-II-Diabetiker Insulin spritzen, um den Blutzucker möglichst im Normbereich zu halten. Je übergewichtiger die Patienten sind, desto vorsichtiger wird mit der Insulintherapie begonnen, weil Insulin appetitanregend wirkt und durch die verbesserte Zuckerverwertung das Körpergewicht weiter steigert ("Insulinmast"). Der Insulinmangel beim Diabetes II wird entweder mit der konventionellen oder der intensivierten Insulintherapie behandelt.
Komplementäre Medizin
Allgemein
Maßnahmen der Komplementärmedizin sollten nur bei einem Diabetes mellitus mit befriedigend eingestellter Stoffwechsellage angewandt werden und sich auf Symptomlinderung und die Vorbeugung von Sekundärerkrankungen beschränken, z.
Ernährungstherapie
Da es sich beim Diabetes mellitus um eine sehr ernst zu nehmende, individuell sehr unterschiedlich verlaufende Stoffwechselerkrankung handelt, bei der die Ernährungstherapie einen hohen Stellenwert hat, sollte sie auch nur von einem Arzt oder von geschultem Personal verordnet werden. Die Therapie muss individuell abgestimmt werden.
Traditionelle chinesische Medizin
Die TCM bietet im Rahmen der Akupunktur verschiedene Nadelungsrezepte an, die allgemein die Bauchspeicheldrüse über ihren Meridian energetisch stärken. Linderung kann geschaffen werden bei Durchblutungsstörungen der Beine; unterstützend wirkt sie sich bei Zuckerausscheidung mit dem Harn, geringen Harnmengen und ausgeprägtem Durstgefühl aus. Das allgemeine Stoffwechselgeschehen kann durch die Nadelung energetisch wirksamer Punkte auf dem Dickdarm-, Leber- und Nierenmeridian positiv beeinflusst werden.
Phytotherapie
Eine pflanzliche Gefäßtherapie mit Ginkgo sowie mit Knoblauchpräparaten ist aussichtsreich, wenn ein Bluthochdruck besteht. Zu den blutzuckersenkenden Pflanzen gehören Bohnen, Habichtskraut, Klette, Eukalyptus und Rosmarin. Bei geschwächter Infektabwehr empfiehlt sich Echinacea angustifolia (Sonnenhut). Es wurden allerdings vereinzelt heftige allergische Reaktionen auf Echinacea beobachtet, so dass Allergiker zunächst eine geringe Dosis als Verträglichkeitstest einnehmen sollten.
Fußreflexzonentherapie
Bei Hypersekretion der Bauchspeicheldrüse können die Reflexzonen der Bauchspeicheldrüse auf den Innenseiten der Fußsohlen auf mittlerer Höhe beruhigend, später bei Hyposekretion tonisierend durch Massage stimuliert werden. Die Fußreflexzonentherapie darf nicht bei absterbendem Gewebe an den Füßen (Gangrän), Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris), Nervenschäden (Neuropathien) der Beine und Fußgeschwüren (Malus perforans) angewendet werden.
Homöopathie
Als Komplexmittel wird Phaseolus Similiaplex aus der Bohnenpflanze empfohlen. Jugendlichen Diabetikern kann Acidum phosphoricum (Phosphorsäure) helfen, wenn die Erkrankung mit Stresszuständen einhergeht. Syzygium jambolanum aus dem Jambolbaum unterstützt die medizinischen Maßnahmen bei häufigem Wasserlassen, Schwäche, Austrocknungssymptomen, Abmagerung und Juckreiz.
Hydrotherapie
Durch Wärme- und Kältereize mit Wasser können Blut- und Lymphzirkulation bei Durchblutungsstörungen infolge des Diabetes mellitus positiv beeinflusst werden. Die Gefäße werden gekräftigt. Außerdem trägt die Hydrotherapie dazu bei, die trockene, schlecht durchblutete Haut elastischer zu machen. Die Haut wird widerstandsfähiger gegen Pilzbefall und andere Infekte. Badezusätze können die Wirkung verbessern. Als häusliche Anwendungen eignen sich Kneipp-Güsse, Wannen- und Teilbäder mit Haferstroh, Wickel, Packungen und Dämpfe.
Hydrotherapie sollte bei offenen Stellen, Fußgeschwüren und Neuropathien nicht angewendet werden, weil Schmerz- und Temperaturempfinden beeinträchtigt sind und es deshalb zu Verbrennungen kommen kann.
Mehr anzeigen
Ursachen
Das Hormon Insulin hat die Aufgabe, die Körperzellen zur Aufnahme von Glukose aus dem Blut anzuregen. Es senkt dadurch den Blutzuckerspiegel.
Am Anfang der Diabetes-II-Erkrankung steht oft eine Insulinüberproduktion. Sie kann die Folge einer dauerhaften Fehlernährung sein, durch die der Blutzuckerspiegel permanent erhöht ist und durch die die Insulinausschüttung permanent angeregt wird.
Durch die jahrelangen großen Anforderungen an die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin bilden, kann es zu einer Erschöpfung dieser Zellen und damit zu einer Verminderung der Insulinausschüttung kommen.
Parallel dazu werden die insulinabhängigen Gewebe, z.
Ein entscheidender Faktor, der die Erkrankung auslöst, ist neben der Überernährung und der Fettsucht auch der Bewegungsmangel. Er vermindert die insulinunabhängige Zuckeraufnahme in die Muskelzellen und steigert damit ebenfalls den Blutzucker und nachfolgend den Insulinspiegel.
Bei den Kranken bestehen die Überzuckerung (Hyperglykämie) und die Erhöhung des Insulinspiegels (Hyperinsulinämie) lange Zeit nebeneinander. Erst wenn die Insulin bildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse nahezu erschöpft sind, stellen sich auch beim Typ-II-Diabetiker deutliche Beschwerden ein. Bis dahin können Hyperinsulinämie und Hyperglykämie aber bereits zahlreiche Organe geschädigt haben.
Die Veranlagung für den Diabetes mellitus Typ II ist wahrscheinlich vererbbar. Kinder von Typ-II-Diabetikern haben ein erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens ebenfalls zu erkranken.
Mehr anzeigen
Links
Deutscher Diabetiker BundBund diabetischer Kinder und JugendlicherDeutsche Diabetes-GesellschaftDeutsche Diabetes-Stiftungwww.diabetesweb.deDiabetesgateDiabetesinfoDeutsche Gesellschaft für Endokrinologie
© 2011, wissenmedia GmbH, Gütersloh / München