Eierstockentzündung
Bei einer Eierstockentzündung (Adnexitis) dringen Krankheitserreger
durch Scheide, Gebärmuttermund und Gebärmutterhals in die Gebärmutter
ein und lösen in der Gebärmutter, den Eileitern und den Eierstöcken
Entzündungen aus. Sind die Eileiter von der Entzündung betroffen,
spricht man von einer Salpingitis. Falls die Krankheitskeime die Wand der
infizierten Eileiter durchbrechen oder über die Trichter der Eileiter
in die freie Bauchhöhle gelangen, ist auch das Bauchfell in den Prozess
mit einbezogen.
Da es sich bei der Eierstockentzündung um keinen auf die Eierstöcke
begrenzten Prozess handelt, spricht man inzwischen meist von der "pelvic inflammatory
disease" (PID), also einer entzündlichen Erkrankung des kleinen Beckens.
Die PID ist eine ernst zu nehmende und - sofern eine Bauchfellentzündung
(Peritonitis) hinzukommt - lebensbedrohliche Erkrankung.
Am häufigsten tritt die Eierstockentzündung zwischen
dem 16. und dem 25. Lebensjahr auf. Das Risiko eines 16-jährigen, sexuell
aktiven Mädchens, an einer PID zu erkranken, beträgt 1:8 und ist
damit zehnmal so häufig wie bei einer 25-Jährigen.
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Diagnostik
Neben der körperlichen Untersuchung sind auch Labortests zur
Sicherung der Diagnose angezeigt.
Tastunteruchung und Ultraschall
Bei
der Tastuntersuchung empfindet die Patientin einen Druckschmerz in dem betroffenen
Bereich. Die Bauchdecke ist oft schmerzhaft und gespannt. Auch die Eileiter
und Eierstöcke sind hoch empfindlich und verdickt. Hier muss eine Eileiterschwangerschaft
ausgeschlossen werden, bei der ein ähnlicher Tastbefund erhoben werden
kann. Typisch ist der Portio-Schiebeschmerz, der bei der gynäkologischen
Tastuntersuchung durch das vorsichtige Verschieben des Muttermunds zur Seite
ausgelöst wird.
Die Ultraschalluntersuchung zeigt Flüssigkeitsansammlungen
in den verdickten Eileiterwänden und den Eierstöcken.
Laboruntersuchungen
Die Frau hat
meist einen eitrigen, übel riechenden Ausfluss. Es wird aus dem Muttermund
ein Abstrich für eine bakteriologische Untersuchung entnommen, um den
Keim zu bestimmen und gegebenenfalls seine Antibiotikaempfindlichkeit zu testen.
Die Entzündungsparameter im Blut (Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen,
Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit) sind meist deutlich erhöht.
Ausschluss anderer Erkrankungen
Da
die Beschwerden bei einer Eierstockentzündung oft nicht eindeutig sind,
müssen verschiedene andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu gehören
eine akute Wurmfortsatzentzündung, eine Eileiterschwangerschaft, eine
Verdrehung der Eierstöcke um ihre Achse (Stieldrehung), Harnwegsinfektionen,
Tumoren, Myome und Verwachsungen. Auch können die ziehenden oder krampfartigen
Schmerzen vor einer Menstruationsblutung Anzeichen einer Endometriose sein.
Spiegelung des Beckens
Eine sichere
Diagnose, der Ausschluss der genannten anderen Erkrankungen und die Beurteilung
der Erkrankungsausdehnung sind nur durch einen endoskopischen Eingriff möglich.
Bei dieser Spiegelung des kleinen Beckens (Pelviskopie) werden über winzige
Bauchschnitte eine Optik und, wenn nötig, feine Instrumente bis ins Becken
vorgeschoben. Es wird ein Abstrichpräparat aus dem oberen Teil der Eileiter
zur bakteriologischen Untersuchung entnommen. Zusätzlich können
Verwachsungen gelöst, Eiter abgesaugt und die Bauchhöhle gesäubert
werden.
Wann eine Pelviskopie angezeigt ist, wird allerdings kontrovers
diskutiert. Es ist meist auch möglich, die Erreger durch das Abstrichmaterial
des Muttermunds zu identifizieren. Außerdem sollte eine antibiotische
Therapie sofort eingeleitet werden. Deswegen vertreten viele Fachleute die
Ansicht, dass eine Pelviskopie nur durchgeführt werden sollte, wenn die
Infektion durch die Antibiotikatherapie nicht zurückgeht.
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Komplikationen
Zu Komplikationen kommt es, wenn sich die Eierstockentzündung
auf das kleine Becken ausdehnt und zu Verschlüssen führt. Verklebt
z.
Der Eiter kann sich auch im Eierstock abkapseln und sich zu einem
Eierstockabszess (Ovarialabszess) entwickeln. In diesem Fall muss operiert
werden.
Die Spätfolgen einer Eierstockentzündung sind chronische
Schmerzen, Verwachsungen und Unfruchtbarkeit. Rückfälle werden häufig
beobachtet.
Symptome und Beschwerden
- Unterbauchschmerzen
- Fieber
- Ausfluss aus der Scheide
- Zwischenblutungen
In schweren Fällen zusätzlich:
- Schmerzhafte Blasen- und Darmentleerung
- Erbrechen
- Schmerzausbreitung über den gesamten Bauch mit harter Bauchwand
als Zeichen einer Bauchfellentzündung
- Fruchtbarkeitsstörungen
Die Patientinnen entwickeln meist aus völligem Wohlbefinden
heraus, oft im Anschluss an die Menstruationsblutung, zunehmende Unterleibsschmerzen
und hohes Fieber, das aber auch völlig fehlen kann. Obwohl die Infektion
in aller Regel beide Eierstöcke betrifft, kann die Symptomatik auf einer
Seite ausgeprägter sein und - sofern sie rechtsbetont ist -
den Verdacht auf eine Wurmfortsatzentzündung nahe legen. Häufig
zwingen die Schmerzen zu einer vorgebeugten Haltung beim Gehen. Bei ca. 30
Prozent der Frauen kommt es zu Zwischenblutungen, meist eitrigem Ausfluss
aus der Scheide und bei einigen auch zu Beschwerden beim Wasserlassen, bei
der Darmentleerung und beim Geschlechtsverkehr.
Kommen Übelkeit, Erbrechen und eine deutliche Verschlechterung
des Allgemeinzustands hinzu, ist bereits das Bauchfell gereizt oder sogar
entzündet. In diesen Fällen besteht Lebensgefahr.
Die PID geht nicht selten in eine chronische Form über mit
immer wiederkehrenden Beschwerden, chronischen Unterleibsschmerzen, Beschwerden
beim Geschlechtsverkehr, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und
Unfruchtbarkeit. Diese chronische Form geht oft mit psychosozialen Störungen
einher.
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Therapie
Konventionelle Medizin
Medikamentöse Therapie und Allgemeinmaßnahmen ergänzen
sich bei der Behandlung der Eierstockentzündung.
Medikamentöse Therapie
Bei Diagnose
einer Eierstockentzündung muss sofort mit einer Antibiotikabehandlung
begonnen werden. Die Dauer der Antibiotikatherapie beträgt mindestens
20 Tage. Zusätzlich werden entzündungshemmende und abschwellende
Medikamente verabreicht.
Wird die Infektion diagnostiziert, bevor sie sich auf die Bauchhöhle
ausgebreitet hat, kann die Antibiotikatherapie ambulant erfolgen. Voraussetzung
ist allerdings, dass die Patientin ihre Tabletten strikt nach Vorschrift einnimmt
und sich bei einer Verschlechterung des Zustands sofort zum Arzt begibt.
Begleitende Maßnahmen
Strikte
Bettruhe, Kühlung des Unterbauchs mit Eisbeuteln, leicht verdauliche
Kost und milde Abführmittel, beispielsweise Milchzucker, gehören
zu den unabdingbaren Begleitmaßnahmen in der Phase der akuten Infektion.
Erst wenn die akuten Entzündungszeichen
abgeklungen sind, werden die Eisbeutel durch feuchtwarme Umschläge ersetzt.
In diesem Stadium sollen alle Maßnahmen zum Abbau der entzündlichen
Sekrete und der abgestorbenen Zellen beitragen. So können Verklebungen
und Verwachsungen weitgehend vermieden werden.
Auch die Förderung der Durchblutung der
Organe im kleinen Becken durch Wärmebestrahlungen und Moorpackungen beschleunigt
den Abbau der entzündlichen Sekrete. Dies sollte nur unter strenger Kontrolle
der Temperatur erfolgen. Fieberrückfälle und erneute Schmerzen deuten
darauf hin, dass zu früh mit der Wärmebehandlung begonnen wurde.
Stationäre Therapie
Bei fortgeschrittener
Erkrankung sollte die Behandlung im Krankenhaus durchgeführt werden,
insbesondere, wenn durch Ultraschall eine klare Abgrenzung von einer Wurmfortsatzentzündung
oder einer Eileiterschwangerschaft nicht möglich ist. Außerdem
ist die stationäre Behandlung immer erforderlich, wenn sich der Gesundheitszustand
während der ambulanten Therapie nicht deutlich bessert. Auch bei Anzeichen
eines entzündlichen Übergreifens auf das Bauchfell, beispielsweise
bei einem brettharten Bauch und ausgeprägter Abwehrspannung, ist die
Aufnahme in das Krankenhaus notwendig.
Komplementäre Medizin
Homöopathie
Belladonna
(Tollkirsche), gebräuchliche
Potenzierung: D3 bis D6, bei plötzlichem fieberhaftem Beginn mit wenig
Durst, aber heftigen Schweißausbrüchen.
Aconitum
(Blauer Eisenhut), gebräuchliche
Potenzierung: D3 bis D6, ebenfalls bei stürmischem Beginn, jedoch ohne
Schweiß, aber mit Durst.Belladonna oder Aconitum können mit den
folgenden Mitteln zusammen gegeben werden:
Apis
(Honigbiene), gebräuchliche
Potenzierung: D3 bis D6, bei brennenden, stechenden Schmerzen der Eierstöcke;
die Beschwerden verschlechtern sich durch Wärme in jeder Form.
Bryonia
(Rotbeerige Zaunrübe),
gebräuchliche Potenzierung: D2 bis D6, bei stechenden, scharfen Schmerzen,
die sich bei jeder Bewegung verschlechtern. Auch hier verstärkt Wärme
die heftigen Schmerzen.
Lachesis
(Gift der Buschmeisterschlange),
gebräuchliche Potenzierung: D6 bis D12, bei heftigen Entzündungszeichen,
vornehmlich auf der linken Seite. Selbst die Haut ist überempfindlich
gegen Berührung. Die Beschwerden bessern sich bei Bewegung, sind am Morgen
nach dem Nachtschlaf aber sehr stark.
Phytotherapie
Bei der Behandlung einer Eierstockentzündung sind alle Pflanzen
mit entkrampfender und entzündungshemmender Wirkung empfehlenswert. Insbesondere
haben sich Tees aus Kamille (Matricaria recutita), Raute (Rutae hortensis)
und Schafgarbe (Achillea millefolium) bewährt.
Hydrotherapie
Alle Wärme entziehenden, lokalen Maßnahmen können
versuchsweise zur Schmerzlinderung bei einer akuten Eierstockentzündung
angewendet werden. Hier hat sich besonders die Quarkauflage bewährt.
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Ursachen
Krankheitserreger aus der Scheide (Vagina) werden normalerweise
durch das saure Vaginalsekret und den Schleimpfropf im Muttermund sehr effektiv
daran gehindert, in die Gebärmutter (Uterus) aufzusteigen. Nach Schwangerschaften
oder Eingriffen mit Eröffnung des Gebärmutterhalses (Zervix), z.
Am häufigsten sind Gonokokken (Erreger der Geschlechtskrankheit
Tripper) und Chlamydien für eine PID verantwortlich, weil diese beiden
Erreger auch von saurem Vaginalsekret und intaktem Schleimpfropf im Muttermund
nicht immer aufgehalten werden können. Gonokokken und Chlamydien sind -
einzeln oder kombiniert - für ca. 60 Prozent der Eierstockentzündungen
und der Fälle von PID verantwortlich. Darüber hinaus kommen noch
andere Bakterien wie Kolibakterien, Streptokokken, Staphylokokken und anaerobe
Keime als Verursacher in Frage.
Auch wenn es in der Bauchhöhle zu eitrigen Prozessen kommt,
z.
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