Grippe
Bei der "echten" Grippe oder Influenza handelt es sich um eine akute virale Infektionskrankheit der oberen Atemwege. Im Gegensatz zu dem so genannten grippalen Infekt, einer meist harmlos verlaufenden Erkältungskrankheit, ist die Influenza eine hoch ansteckende, schwere Erkrankung, die auch heute noch viele Todesopfer fordert.
Gefürchtet sind vor allem die großen, weltweiten Seuchenzüge der Grippe (Pandemien), die bisher in Abständen von 11 bis 40 Jahren auftraten. Die schwerste Pandemie war die "Spanische Grippe", die sich 1918 und 1919 über den ganzen Globus ausbreitete. Weltweit fielen dieser Grippewelle nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 25 und 40 Millionen Menschen zum Opfer. Auch in den Jahren 1957/58 (Asiatische Grippe) und 1968/69 (Hongkong-Grippe) kam es zu weltweiten Grippewellen mit sehr vielen Todesfällen.
Daneben kommt es immer wieder zu kleineren Grippeepidemien mit geringeren Erkrankungszahlen, d.
Experten gehen davon aus, dass in Deutschland bei gewöhnlichen Grippewellen mindestens 5000 bis 8000 Menschen sterben. Bei einer starken Influenzaaktivität, wie sie z.
Alle Altersklassen können an einer Influenza erkranken, besonders anfällig für schwere Krankheitsverläufe sind jedoch bei den meisten Influenzaepidemien Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen. Bei den großen Grippewellen des vergangenen Jahrhunderts waren im Unterschied dazu allerdings besonders viele Menschen aus der Altersgruppe zwischen 15 und 40 betroffen.
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Diagnostik
Bei Erkrankungen außerhalb einer Epidemie ist die Diagnose nur schwer zu stellen, weil die Symptome auch bei anderen Erkrankungen der Atemwege auftreten. Während einer Epidemie genügt das typische klinische Bild, um eine Influenza verhältnismäßig sicher zu diagnostizieren. Darüber hinaus kann das Virus durch labormedizinische Methoden nachgewiesen werden. Etwa nach der ersten Krankheitswoche sind Antikörper gegen das Virus im Blut nachweisbar. Bei schweren Erkrankungsfällen und bei Komplikationen sollte immer eine labormedizinische Absicherung der Diagnose erfolgen.
Komplikationen
Aufgrund der Schädigungen der Schleimhäute kommt es häufig zu Komplikationen durch zusätzliche bakterielle Infektionen, vor allem durch Haemophilus influenzae, Staphylo-, Strepto- und Pneumokokken. Der Schweregrad der Komplikationen hängt von dem Gesundheitszustand der Betroffenen ab. Die Bakterien können Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen und Entzündungen des Herzmuskels auslösen. Vor allem bei alten Menschen sind Lungenentzündungen eine häufige Todesursache. Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zieht meist lang anhaltende Kreislaufprobleme nach sich und führt bei Vorerkrankungen des Herzens oder der Lunge nicht selten zum Tod. In allen Altersklassen kann es zu einer Gehirn- oder Hirnhautentzündung kommen.
Symptome und Beschwerden
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber mit Schüttelfrost
- Schweres Krankheitsgefühl
- Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
- Halsschmerzen, Heiserkeit
- Husten, meist kein Schnupfen
- Häufige Komplikationen durch zusätzliche bakterielle Infektionen wie etwa Lungenentzündungen oder Entzündungen des Herzmuskels
Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen kommt es plötzlich zu hohem Fieber mit Schüttelfrost. Zusätzlich treten Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen sowie ein allgemeines, schweres Krankheitsgefühl auf. Auch Halsschmerzen, Heiserkeit und Husten können vorkommen, Schnupfen ist dagegen eher untypisch. Wenn keine Komplikationen auftreten, ist eine leichte Grippe meist nach etwa einer Woche überstanden.
Therapie
Konventionelle Medizin
Bei leichten Fällen wird eine Grippe meistens nur symptomatisch behandelt. Zu den allgemeinen Maßnahmen gehören Bettruhe, kühlende Umschläge und reichlich Flüssigkeit. Fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente können die Beschwerden lindern.
Seit einiger Zeit besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit, die Grippe direkt zu bekämpfen. Dazu werden so genannte Neuraminidasehemmer eingesetzt. Diese Wirkstoffe blockieren das Virusenzym Neuraminidase, das auf der Virusoberfläche sitzt und für die Freisetzung neuer Viren aus den befallenen Zellen benötigt wird. Das Medikament wirkt bei Influenza-A- und -B-Viren. Es sollte möglichst schon am Anfang der Krankheit eingenommen werden.
Neben dieser speziell gegen das Virus gerichteten Therapie werden bei zusätzlichen bakteriellen Infektionen Antibiotika eingesetzt.
Vorbeugung
Eine wirksame Maßnahme zur Vorbeugung gegen Influenzaviren ist die Schutzimpfung. Die Impfung erfolgt mit abgetöteten Viren oder deren Bestandteilen. Der Impfstoff muss in jedem Jahr neu entwickelt werden. Dabei wird versucht, ihn möglichst gut an die aktuell zirkulierenden Viren anzupassen. Gelingt das, schützt die Impfung bis zu 90 Prozent der Menschen, die keine Vorerkrankungen haben. Bei Älteren ist die Schutzrate geringer.
Aber auch in den Fällen, in denen sie eine Erkrankung nicht verhindern kann, schützt die Impfung: Sie trägt wesentlich dazu bei, den Krankheitsverlauf zu mildern, die Komplikationsrate zu senken und Todesfälle zu verhindern.
Der Impfschutz hält bis zu einem Jahr an, danach muss die Impfung mit einem an die letzte Variante des Virus angepassten Impfstoff wiederholt werden. Die Impfung sollte am besten im Herbst erfolgen, damit der Geimpfte für die dann folgende „Grippesaison“ geschützt ist.
Komplementäre Medizin
Biochemie nach Schüssler
Zur unterstützenden Behandlung der Grippe werden die biochemischen Ergänzungsmittel Ferrum phosphoricum D12 und Natrium sulfuricum D6 gegeben. Natrium sulfuricum wird auch vorbeugend eingesetzt.
Orthomolekulare Therapie
Vitamin C wird in einer Dosierung von einem Gramm pro Tag zur Vorbeugung gegeben. Während einer Grippeerkrankung wird die Dosis erheblich gesteigert, z.
Aus dem Bereich der fettlöslichen Vitamine spielt Vitamin A bei der Behandlung der Grippe eine Rolle. Vitamin A regt die Tätigkeit des Abwehrsystems an, indem die Bildung von Antikörpern unterstützt wird. Eine Vorstufe von Vitamin A ist das Betacarotin, das in Pflanzen enthalten ist. Die Empfehlungen für die Gabe von Vitamin A bei Grippe liegen bei bis zu 50 000 IE. Eine derart hohe Dosierung sollte nur unter ärztlicher Überwachung eingenommen werden.
Auch Zink kann sich günstig auf die Dauer und den Verlauf einer Grippeerkrankung auswirken. Zur Vorbeugung werden 25 Milligramm pro Tag eingenommen, zur Behandlung die dreifache Menge. Durch die Einnahme von Zink als Lutschtabletten kann u.
Phytotherapie
In der Pflanzenheilkunde werden Tees eingesetzt, die eine schweißtreibende Wirkung haben. Schwitzkuren können den Verlauf von fieberhaften Infektionskrankheiten kupieren. Die bekanntesten Mittel sind der Holunder (Sambucus nigra) und die Linde (Tilia cordata oder platyphyllos). Vom Holunder werden die Blüten und Beeren verwendet. Er hat neben der schweißtreibenden auch eine leicht abführende und harntreibende Wirkung. Bei der Linde werden die Blüten pharmazeutisch genutzt. Neben Schwitzen bewirken sie eine leichte Beruhigung und eine Anregung der Abwehrkräfte. Beide Mittel können gut als Arzneitees eingesetzt werden, von denen der Patient täglich drei Tassen heiß trinken sollte. Der Sonnenhut (Echinacea purpurea), dessen zur Blütezeit geernteten oberirdischen Teile sowie Wurzeln verwendet werden, führt zu einer starken Stimulierung der Abwehrkräfte. Die Zahl und Aktivität der weißen Blutkörperchen wird erhöht. In hohen Dosen löst das Medikament Fieber aus. In der Regel werden Fertigextrakte eingesetzt.
In der Rekonvaleszenz von schweren Krankheitsverläufen werden von alters her Bitterstoffdrogen verwendet. Sie regen die Verdauungsdrüsen an, steigern somit den Appetit und führen zu einer unspezifischen Kräftigung des Körpers. Eingesetzt werden beispielsweise der Wermut (Artemisia absinthium) und das Tausendgüldenkraut (Centaurium minus).
Anthroposophische Medizin
In der anthroposophischen Medizin werden zur unterstützenden Behandlung der Grippe homöopathische Aufbereitungen von pflanzlichen und mineralischen Substanzen eingesetzt. Dazu gehören Bryonia (Zaunrübe), Cinchona succicirubra (Chinarindenbaum), Eupatorium cannabinum (Wasserhanf), Phosphorus (Phosphor) und Sabadilla (Sabadillsamen).
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Ursachen
Auslöser der "echten" Grippe sind die verschiedenen Arten der Influenza- oder Grippeviren, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Die Ansteckung erfolgt in Epidemiezeiten durch den Kontakt mit infizierten Personen.
Das so genannte Reservoir der Viren - dort überdauern sie die Zeit zwischen den Epidemien - sind bei den Influenza-A-Viren Haus- und Wildtiere; besonders häufig sind sie bei Vögeln, speziell bei Wasservögeln.
Influenza-B-Viren findet man nur bei Menschen. Influenza-C-Viren fand man bisher bei Menschen und Schweinen. Sie sind relativ selten und verursachen nur leichte Krankheiten.
Besonders im asiatischen Raum, wo Menschen und Tiere häufig auf engstem Raum zusammenleben, kann das Virus leicht von Tieren auf Menschen übergreifen.
Besonderheiten der Influenzaviren
Anhand bestimmter Eiweißmoleküle, die in der Hüllmembran (Hämagglutinine und Neuraminidasen) eingelagert sind, unterscheidet man Typ A, B und C des Influenzavirus.
Besonders die Viren der Typen A und B verfügen über die Fähigkeit, die Eiweißmoleküle auf ihrer Oberfläche durch genetische Mutationen nach und nach leicht zu verändern. Diese als Antigendrift bezeichnete Eigenschaft ermöglicht es den Viren, sich immer wieder in neuen Varianten zu präsentieren und damit die Immunabwehr der Wirtsorganismen zu unterlaufen. Folge davon ist, dass eine Grippeimpfung immer nur relativ kurze Zeit Schutz vor einer Infektion bietet und jährlich neue Impfstoffe gegen die Grippeviren entwickelt werden müssen.
Viren der Typen A und B sind daher für das Auftreten von Epidemien und regional begrenzten Ausbrüchen verantwortlich.
Wenn ein Kranker gleichzeitig mit zwei verschiedenen Virusvarianten oder Virussubtypen infiziert ist, kann es zu einem Austausch (Reassortment) von genetischem Material zwischen diesen beiden Virusstämmen kommen. Diesen Vorgang nennt man Antigenshift. Anders als die Antigendrift führt er nicht nur zu leichten Veränderungen an der Virusoberfläche, sondern in einem einzigen Schritt zur Entstehung ganz neuer Virustypen.
Bei einer Doppelinfektion mit Influenzaviren von Menschen und von Geflügel können durch Antigenshift neue menschliche Subtypen entstehen. Das Phänomen wird nur bei Influenza-A-Viren beobachtet. Die weltweiten Grippewellen von 1957 und 1968 waren Folgen einer Antigenshift.
Besonders häufig entstehen neue Influenzasubtypen in Asien. Ein Grund dafür ist, dass dort Enten und Schweine gemeinsam gehalten werden und der Kontakt der Bevölkerung zu den Tieren relativ eng ist. So kann es bei Menschen und Tieren leicht zu Doppelinfektionen kommen, bei denen neue Virustypen entstehen.
Verlauf der Infektion
Die Übertragung der Erreger erfolgt durch Tröpfcheninfektion, die Ansteckungsgefahr ist groß.
Nach der Infektion setzt sich das Virus in den oberen Atemwegen in den Zellen der Schleimhäute fest. Dort geben die Viren eine Substanz (Neuraminidase) ab, die das Sekret der Atemwege verflüssigt. Dadurch können die Viruspartikel sehr viel leichter in die Epithelzellen der Schleimhaut eindringen. Die Viren zwingen die Zellen dazu, neue Viren zu produzieren, die dann wieder andere Zellen befallen. Die dadurch verursachte Entzündung der Schleimhaut schreitet absteigend bis in die Bronchien fort.
Die Viren verbleiben in der Regel in den Bronchien und führen zu einer Flüssigkeitsansammlung sowie zum Absterben der gesamten inneren Epithelschicht (Desquamation) der Bronchialwände. Durch die Schädigungen der Schleimhäute werden die Bronchien anfälliger für Infektionen mit anderen Erregern, so dass es im Verlauf der Influenza häufig zu bakteriellen Superinfektionen kommt.
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Vogelgrippe
Seit 2003 ist es in mehren asiatischen Ländern immer wieder zu Ausbrüchen der Vogelgrippe gekommen, die auch Geflügelpest oder aviäre Influenza genannt wird.
Die Krankheit wird durch ein Influenza-A-Virus verursacht. Um ihre Verbreitung zu stoppen, wurden in den betroffenen Ländern mehr als 100 Millionen Vögel, vor allem Hühner, Enten und Puten, getötet.
Die Vogelgrippe wird so energisch bekämpft, weil befürchtet wird, sie könnte auf Menschen übergehen und dann von Menschen zu Mensch übertragen werden.
Dass Vogelinfluenzaviren bei Menschen zu Erkrankungen führen können, ist seit 1997 bekannt. Im Jahr 2004 wurden mehr als 50 Todesfälle durch solche Infektionen bekannt; alle Erkrankten hatten sich beim Kontakt mit Geflügel infiziert.
Ende 2004 wurde erstmals auch ein Fall beschrieben, der möglicherweise auf einer Übertragung von Mensch zu Mensch beruht.
Experten befürchten, dass sich die Vogelinfluenzaviren so an den Menschen anpassen könnten, dass sie sich in der Bevölkerung verbreiten. Durch diesen Anpassungsvorgang könnte das Virus seine Infektiösität so steigern, dass es eine weltweite Grippeepidemie auslöst. Vermutlich entstand auch die verheerende Grippeepidemie von 1918 auf diese Art.
Falls es bei an Vogelgrippe erkrankten Menschen zusätzlich zu einer Infektion mit Erregern der menschlichen Influenza kommt, droht eine weitere Gefahr: In diesen Kranken könnten dann beide Virusstämme genetisches Material austauschen. Durch diese so genannte Antigenshift würden möglicherweise neue, gefährliche Virustypen entstehen. Solche Viren könnten ebenfalls in der Lage sein, eine weltweite Grippewelle auszulösen (Pandemie).
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Links
Informationen des Robert Koch-Instituts über InfluenzaArbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-InstitutsAntworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur VogelgrippeDeutsche Gesellschaft für Infektiologie
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