Syphilis
Die Syphilis, auch Lues oder "harter Schanker" genannt, ist eine
Geschlechtskrankheit, die unbehandelt alle Organe befallen und zu schwerer
chronischer Erkrankung und Tod führen kann.
Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und findet sich vor allem
bei Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern. Männer sind
häufiger betroffen als Frauen. Die Infektion ist meldepflichtig ohne
Angabe des Namens; nur wer eine Behandlung verweigert, wird namentlich gemeldet.
1995 wurden in Deutschland etwa 1000 Syphilisfälle gemeldet;
man geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch den Nachweis spezifischer Antikörper
gegen den Erreger Treponema pallidum in der Blutflüssigkeit gestellt.
Als Suchtest dient der Treponema-pallidum-Hämagglutinationstest
(TPHA), der ab der zweiten Infektionswoche positiv wird und es auch nach Ausheilung
der Erkrankung noch für viele Jahre bleibt (so genannte Seronarbe). Zur
Bestätigung wird der Erreger auch im Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest
(FTA) nachgewiesen. Ein weiterer Test, der jedoch nicht nur bei einer Luesinfektion
positiv ausfallen kann, ist der Veneral Disease Research Laboratory-Test (VRDL).
Er fällt erst vier bis sechs Wochen nach der Infektion positiv aus. Nach
einer erfolgreichen Behandlung der Syphilis wird der VRDL wieder negativ,
darum eignet er sich gut, um den Erfolg einer Behandlung zu überwachen.
Der Nachweis von Antikörpern des Typs Immunglobulin M (IgM)
beweist eine frische bzw. aktive Infektion, der Nachweis von Immunglobulin
G (IgG) eine schon seit mehreren Wochen bestehende Infektion.
Ein direkter Nachweis der Treponemen ist nur möglich, wenn
frisches Sekret aus einer befallenen Hautläsion oder aus befallenem Gehirnwasser
(Liquor cerebrospinalis) gewonnen und untersucht werden kann. Zu diagnostischen
Zwecken lassen sich die Treponemen in der Kultur nicht züchten.
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Symptome und Beschwerden
Stadium I:
- Hartes, schmerzloses Geschwür, meist im Genital- oder Mundbereich
- Vergrößerte und schmerzlose Lymphknoten in der Nachbarschaft
dieses Geschwürs, meistens in der Leiste
Stadium II:
- Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen
- Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper
- Hautausschläge
- Fleckförmiger Haarausfall
- Knotige, nässende Veränderungen in den Hautfalten im
Genitalbereich
- Weiße Knötchen auf den Schleimhäuten
Stadium III:
- Knötchen an Haut und Schleimhäuten
- Blitzartige Schmerzen in den Beinen, Bewegungsstörungen,
Verlust des Temperatur- und Vibrationsempfindens, Halbseitenlähmungen,
Krampfanfälle
- Psychische Veränderungen und geistige Einbußen
Die verschiedenen Stadien
Typischerweise verläuft die Syphilis in mehrerer Stadien.
Die Krankheitserscheinungen sind äußerst vielgestaltig, praktisch
alle Organe können von den Treponemen befallen werden.
Stadium I
Die Zeit zwischen der Infektion
und den ersten Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt normalerweise
8 bis 21 Tage. Erstes Symptom ist eine schmerzlose Verhärtung an der
Eintrittsstelle der Erreger, die sich nach wenigen Tagen in ein ebenfalls
schmerzloses Geschwür mit hartem Randsaum umwandelt. Dieses Geschwür
nennt man auch Ulcus durum oder Primäraffekt. Es findet sich
meist im Genital- oder Mundbereich, beim Mann häufig an der Eichel oder
im Bereich des Anus, bei der Frau an den kleinen Schamlippen. Ist die Haut
verletzt oder nässend-entzündlich verändert, kann der Erreger
aber auch an jeder anderen Körperstelle auftreten, also auch der Primäraffekt.
In solchen Fällen wird das Geschwür oft nicht als Ulcus durum erkannt.
Der Primäraffekt ist sehr ansteckend, weil die Erreger sich
zunächst vor Ort vermehren. Nach etwa einer Woche schwellen die in der
Nähe des Geschwürs gelegenen Lymphknoten an. Diese Lymphknotenschwellung
ist hart, schmerzlos und gegen die Haut gut verschieblich. Primäraffekt
und geschwollene Lymphknoten werden unter dem Begriff "Primärkomplex"
zusammengefasst. Der Primäraffekt heilt ohne Behandlung innerhalb von
drei bis sechs Wochen ab und hinterlässt eine Narbe.
Stadium II
Etwa acht bis zwölf
Wochen nach der Infektion kommt es durch Streuung der Erreger über die
Blutbahn zu Zeichen einer Allgemeininfektion mit leichtem Fieber, Hals-, Kopf-
und Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellungen sowie zu äußerst vielfältigen
Hautausschlägen. Die Syphilis kann beinahe jede Hautkrankheit nachahmen;
deswegen nennt man sie auch den "Affen unter den Hautkrankheiten". Juckende
und nicht juckende, nässende und trockene Rötungen am ganzen Körper,
masern- oder allergieähnliche Hautausschläge - alles ist möglich.
Nach fünf bis sechs Monaten tritt häufig ein fleckförmiger
Haarausfall auf (Alopecia areolaris).
Besonders typisch sind die so genannten Condylomata lata und die
Plaques muqueuses. Unter Condylomata lata versteht man flachknotig veränderte,
nässende Ausschläge, die vor allem in den Hautfalten der Geschlechtsorgane
und des Anus auftreten. Als Plaques muqueuses bezeichnet man weiße Knötchen
auf der Mundschleimhaut. Die nässenden Hautausschläge und die Plaques
muqueuses enthalten massenhaft Syphiliserreger und sind daher sehr ansteckend,
während durch die trockenen Hautausschläge keine Infektion übertragen
werden kann.
Auch die inneren Organe können betroffen sein, z.
Ulcus durum
Plaza & Janes, S. A., Barcelona
Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
Ulcus durum
Ulcus durum bei der Frau (A) und beim Mann (B): Dieses Geschwür stellt das erste Symptom der Syphilis, das Primärstadium, dar.
Ulcus durum bei der Frau (A) und beim Mann (B): Dieses Geschwür stellt das erste Symptom der Syphilis, das Primärstadium, dar.
Ulcus durum
Ulcus durum bei der Frau (A) und beim Mann (B): Dieses Geschwür stellt das erste Symptom der Syphilis, das Primärstadium, dar.
Ulcus durum
Ulcus durum
Ulcus durum bei der Frau (A) und beim Mann (B): Dieses Geschwür stellt das erste Symptom der Syphilis, das Primärstadium, dar.
Latenzphase
Nach dem Stadium II folgt
die Latenzphase. Darunter versteht man die beschwerdefreie Zeit nach dem Abklingen
der Krankheitszeichen im Stadium II. Die Latenzphase kann ein Jahr oder weniger
andauern, aber auch lebenslang anhalten. Die meisten Patienten, die sich in
der Latenzphase befinden, fühlen sich völlig gesund.
Stadium III
Etwa 5 bis 50 Jahre nach
der Infektion können erneut Krankheitszeichen auftreten, dann liegt das
Stadium III der Erkrankung vor, das auch als Tertiärsyphilis bezeichnet
wird. Bis zu 35 Prozent der Patienten mit einer unbehandelten Syphilis treten
in das Tertiärstadium ein. Heutzutage tritt die Tertiärsyphilis
nur noch sehr selten auf.
Typisch für das Stadium III sind die so genannten Gummen.
Dabei handelt es sich um Granulome. Sie bestehen aus einer Kapsel aus Fresszellen,
Epitheloidzellen und weißen Blutkörperchen, die sich um einen Herd
mit untergegangenem Gewebe (Nekrose) gebildet hat. Die Gummen finden sich
am häufigsten in der Haut, den Schleimhäuten, den Knochen und der
Leber. Sie führen zu Knochenbrüchen, Zerstörung der Nasenscheidewand
oder des Gaumens oder zu einer Leberentzündung. Werden Gummen auf der
Haut antibiotisch behandelt, heilen sie unter Bildung einer Narbe ab.
Die Herz-Kreislauf-Beschwerden, die im Stadium III auftreten können,
sind auf entzündliche Wandveränderungen der Hauptschlagader (Aorta)
zurückzuführen. Die Aorta erweitert sich bis hin zu regelrechten
Aussackungen (Aneurysmen), die platzen, massiv bluten und damit zum Tod führen
können. Auch die Blutgefäße in Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark
entzünden sich (meningovaskuläre Syphilis). Dadurch entsteht eine
Minderdurchblutung, die das Nervensystem schädigt und zu neurologischen
Ausfallserscheinungen führen kann (z.
Befall von Hirn und Rückenmark
Wenn
die Treponemen das zentrale Nervensystem, also Hirn und Rückenmark, befallen,
kommt es zur so genannten Neurolues (früher auch Stadium IV genannt).
Als progressive Paralyse bezeichnet man den Untergang von Hirngewebe infolge
der Krankheit. Typische Symptome der progressiven Paralyse sind Sprachstörungen,
geistiger Verfall und psychische Symptome wie Größenwahn und Halluzinationen.
In früheren Zeiten, als man die Syphilis noch nicht behandeln konnte,
bestand ein großer Teil der Patienten in psychiatrischen Anstalten aus
Syphiliskranken mit Neurolues.
Bei der Zerstörung von Rückenmarkssubstanz durch den
Erreger spricht man von Tabes dorsalis. Typische Symptome einer Tabes dorsalis
sind blitzartig einschießende Schmerzen in den Beinen und im Bauch,
Gangstörungen, Verlust des Temperatur- und Vibrationsempfindens, Blasenentleerungsstörungen,
Impotenz und eine Pupillenstarre.
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Therapie
Konventionelle Medizin
Bei der Behandlung der Syphilis ist Penizillin das Mittel der Wahl.
Nur wenn eine Penizillinallergie vorliegt, wird mit Tetrazyklinen oder Erythromycin
behandelt. Den Patienten wird über 14 bis 21 Tage täglich eine Dosis
Penizillin gespritzt, bei Neurolues erfolgt die Therapie über Penizillininfusionen.
Als Komplikation der Therapie kann sich die so genannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion
entwickeln: Nach der ersten Injektion des Antibiotikums treten Fieber, Schüttelfrost,
Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Hautausschläge auf. Diese Symptome
werden durch freigesetzte Gifte beim Zerfall der Bakterien ausgelöst.
Nach Abschluss der Behandlung sind über zwei bis drei Jahre
regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Fällt die
Antikörperkonzentration im Blut nicht ab, liegt entweder ein Therapieversagen
vor oder der Patient hat sich erneut mit Treponema pallidum infiziert. Um
solche Neuinfektionen zu verhindern und auch um eine Ausbreitung der Krankheit
zu unterbinden, ist es wichtig, dass auch die Sexualpartner von Lues-Patienten
untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Mit dem Gebrauch von Kondomen
und dem Praktizieren von Safersex lässt sich eine Übertragung der
Syphiliserreger weitgehend verhindern.
Komplementäre Medizin
Komplementäre Medizin
Bei Verdacht auf eine Syphiliserkrankung müssen unbedingt
sofort die notwendigen schulmedizinischen Maßnahmen eingeleitet werden.
Komplementär-medizinische Methoden können ggf. unterstützend
eingesetzt werden.
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Ursachen
Die Syphilis wird durch eine Infektion mit dem spiralförmigen
Bakterium Treponema pallidum hervorgerufen. Die Treponemen sterben außerhalb
des Körpers schnell ab, deswegen setzt eine Übertragung den unmittelbaren
Haut- bzw. Schleimhautkontakt voraus. Am häufigsten werden die Bakterien
beim Geschlechtsverkehr übertragen, sehr selten kommen Infektionen bei
Medizinalpersonen oder Laborpersonal vor, die sich über den Kontakt mit
infektiösem Blut anstecken.
Eine infizierte Schwangere kann die Treponemen auf ihr ungeborenes
Kind übertragen, entweder während der Schwangerschaft, weil der
Erreger den Mutterkuchen durchdringen kann, oder während der Geburt.
Kinder mit einer angeborenen Syphilis (Lues connata) leiden unter schweren
Organveränderungen und nicht beeinflussbaren Entwicklungsstörungen.
Links
Informationen des Robert Koch-Instituts über SyphilisInformationen des Robert Koch-Instituts über sexuell übertragbare ErkrankungenInformationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu den Themen Sexualaufklärung und Familienplanung
© 2011, wissenmedia GmbH, Gütersloh / München