Toxoplasmose
Bei der Toxoplasmose handelt es sich um eine in den meisten Fällen
symptomlos verlaufende Infektionskrankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma
gondii verursacht wird. Die Infektion ist weltweit verbreitet, die Mehrzahl
der Menschen macht während ihres Lebens eine Toxoplasmoseinfektion durch.
Die Durchseuchungsrate beim Menschen nimmt mit jedem Lebensjahrzehnt um etwa
zehn Prozent zu, so dass bei etwa 70 Prozent der 60-Jährigen Antikörper
gegen den Toxoplasmoseerreger nachgewiesen werden können.
Diagnostik
Spezifische Antikörper gegen Toxoplasma gondii können
im Blutserum mithilfe des so genannten Sabin-Feldman-Tests (Serofarbtest)
nachgewiesen werden. Die Antikörperkonzentration steigt bereits früh
im Krankheitsprozess stark an, so dass der Test ungefähr zwei Wochen
nach der Infektion positive Ergebnisse liefert. Eine mit dem Test gefundene
niedrige Antikörperkonzentration weist auf eine in der Vergangenheit
durchgemachte Infektion hin, ein hoher Antikörpertitel auf eine akute
Erkrankung.
Bei Verdacht auf eine Neugeboreneninfektion wird ein direkter Nachweis
des Erregers im Blut oder in der Gehirnflüssigkeit durchgeführt.
Vor der Geburt kann die Entwicklung des Fetus mithilfe von Ultraschalluntersuchungen
kontrolliert werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die
Erbsubstanz (DNA) des Erregers im Fruchtwasser oder im Blut des Fetus nachzuweisen.
Komplikationen
Die gefährlichste Komplikation der Toxoplasmose ist die Infektion des ungeborenen Kindes während der Schwangerschaft (pränatale oder konnatale Toxoplasmose). Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft zum ersten Mal mit dem Erreger der Toxoplasmose, tritt dieser in etwa 50 Prozent der Fälle über die Plazenta und die Nabelschnur in den kindlichen Organismus über. Je nachdem, in welchem Schwangerschaftsabschnitt die Infektion auftritt, resultieren daraus mehr oder weniger gravierende gesundheitliche Schädigungen des ungeborenen Kindes.
Infektion in der Frühschwangerschaft
Die eher selten auftretenden Toxoplasmoseinfektionen in der Frühschwangerschaft führen zu schweren gesundheitlichen Schäden des Kindes, teilweise kommt es zu Aborten, Früh- oder Totgeburten.
Die betroffenen Kinder sind bei der Geburt untergewichtig, haben Fieber, Hautausschlag, flohstichartige Hautblutungen (Petechien), geschwollene Lymphknoten, eine vergrößerte Leber und Milz, eine Gelbsucht, einen Wasserkopf oder ein unterentwickeltes Gehirn und Krämpfe. Am häufigsten findet sich eine Entzündung der Netz- und der Aderhaut des Auges (Chorioretinitis), die zur Erblindung führen kann.
Manchmal liegt nur eines dieser Symptome vor, oft treten aber mehrere in Kombination auf. In zwei Dritteln der Fälle finden sich Verkalkungen im Gehirn, bei ungefähr 50 Prozent der betroffenen Kinder seelische und motorische Entwicklungsstörungen. Die Infektion endet innerhalb von Tagen bis Wochen entweder tödlich oder sie kommt zum Stillstand. 27 Prozent der Frühgeborenen und zwölf Prozent der reif geborenen infizierten Kinder versterben an der Infektion.
Spätere Infektion des Fetus
Häufiger ist eine Infektion des ungeborenen Kindes kurz vor oder während der Geburt. Ein großer Teil dieser Kinder wird zunächst ohne oder nur mit leichten Symptomen geboren. Jedoch können sich Monate bis Jahre später Krankheitszeichen einstellen wie geistige Behinderungen, Entwicklungsstörungen oder Augenschädigungen bis hin zur Erblindung.
Mehr anzeigen
Symptome und Beschwerden
- Meist unsymptomatischer Verlauf
Bei symptomatischer Toxoplasmose:
- Schwellung der Halslymphknoten
- Leichtes Fieber
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Stirnkopfschmerzen
- Gelegentlich Durchfall
Bei Personen mit Immunschwäche:
- Hautausschläge
- Leber- und Milzvergrößerung
- Lungen-, Herzmuskel- und Gehirnentzündung
Bei Erstinfektion von Schwangeren:
- Schwere gesundheitliche Schäden des Feten wie Wasserkopf,
Gelbsucht, Erblindung, Unterentwicklung des Gehirns
Die Infektion mit Toxoplasmoseerregern verläuft bei Menschen
mit einem gesunden Immunsystem in der Regel chronisch latent, das heißt
ohne Symptome. Bei etwa einem Prozent der Infizierten kommt es nach einer
Inkubationszeit von etwa zwei bis vier Wochen zu Krankheitserscheinungen,
die in den meisten Fällen als Erkältung fehlinterpretiert werden.
Dann treten bei geringem Fieber leichte Muskel-, Gelenk- und Stirnkopfschmerzen
sowie gelegentlich Durchfall auf. Besonders auffällig ist die Schwellung
der Halslymphknoten. Die Beschwerden bilden sich innerhalb von zwei Wochen
von allein zurück.
Zu einer schweren Erkrankung mit möglicher Todesfolge kommt
es lediglich bei Personen mit einer Immunschwäche. Dazu gehören
beispielsweise AIDS-Patienten oder Krebskranke, deren körpereigene Abwehr
durch die Behandlung mit Zellgiften geschwächt ist. Die Erreger verursachen
große Entzündungsherde in den betroffenen Geweben. Zusätzlich
zu den Allgemeinbeschwerden können sich bei immungeschwächten Menschen
dann Hautausschläge, eine Leber- und Milzvergrößerung, eine
Lungen- oder eine Herzmuskelentzündung entwickeln. Eher selten sind die
Augen von der Infektion betroffen.
Besonders gefürchtet ist die so genannte Hirntoxoplasmose,
die unbehandelt in kurzer Zeit zum Tod führt.
Mehr anzeigen
Therapie
Konventionelle Medizin
Immungesunde, chronische Träger einer Toxoplasmeninfektion
werden nicht behandelt. Eine Behandlung mit Antibiotika wird durchgeführt
bei einer akuten Toxoplasmose mit klinischen Symptomen, bei einer Erstinfektion
während der Schwangerschaft, bei erkrankten Neugeborenen sowie bei immunschwachen
Patienten mit einer akuten Infektion. Bei AIDS-Kranken wird die medikamentöse
Therapie lebenslang fortgeführt, um eventuelle Rückfälle zu
vermeiden.
Bewährt haben sich die Medikamente Pyrimethamin und Sulfadiazin.
Da das Zusammenwirken der Substanzen den Folsäurestoffwechsel hemmt,
muss zusätzlich Folsäure gegeben werden, um einem Mangel an weißen
Blutkörperchen und neurologischen Störungen vorzubeugen. Bei einer
Hirnbeteiligung sind Cortisonpräparate erforderlich.
Vorbeugung
Normalerweise sind keine besonderen Maßnahmen zur Vorbeugung
gegen Toxoplasmose erforderlich.
Um das Risiko während der Schwangerschaft zu verhindern, sollten
sich Schwangere untersuchen lassen. Schwangere, bei denen keine Antikörper
gegen Toxoplasmose festgestellt werden, sollten insbesondere auf den Genuss
von rohem oder unvollständig gegartem Fleisch verzichten.
Im Umgang mit Katzen müssen Schwangere auf strenge Hygiene
achten. Das Katzenklo sollte mindestens alle zwei Tage, besser täglich,
entleert werden, weil die ausgeschiedenen Oozysten ab dem dritten Tag infektiös
werden. Nach dem Entleeren ist die Kiste mit kochendem Wasser zu behandeln
und gründlich zu trocknen. Darüber hinaus sollte die Katze nicht
mit rohem oder nicht durchgebratenem Fleisch gefüttert werden. Nach dem
Umgang mit der Katze oder dem Katzenklo sollte man die Hände mit Seife
waschen.
Bei der Gartenarbeit oder anderem Umgang mit Erde sollte eine schwangere
Frau Handschuhe tragen und die Hände nach Beendigung der Arbeit gründlich
reinigen. Die strikte Einhaltung dieser Maßnahmen hat zu einem deutlichen
Rückgang von Toxoplasmosefällen bei Schwangeren geführt. Auch
für AIDS-Kranke und immunsupprimierte Patienten ist die Beachtung dieser
Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll.
Komplementäre Medizin
Bei einer Erkrankung an Toxoplasmose sind keine naturheilkundlichen
Maßnahmen zur Behandlung möglich.
Mehr anzeigen
Ursachen
Toxoplasma gondii ist ein Einzeller (Protozoon), der als Parasit
in Geweben von Menschen und Tieren lebt. Der Erreger kann vom Tier auf den
Menschen übertragen werden (Zoonose).
Vorkommen
Normalerweise tritt Toxoplasma
gondii als sichelförmige, gebogene Einzelzelle in Erscheinung, die auch
als Trophozoit bezeichnet wird. Wie viele Parasiten verfügt Toxoplasma
gondii über einen komplizierten Entwicklungskreislauf, der mit einem
Wirtswechsel verbunden ist. Endwirt des Parasiten ist immer die Katze, als
Zwischenwirte kommen verschiedene Säugetiere in Betracht wie beispielsweise
die Maus, das Schaf, das Schwein und auch der Mensch.
Die Trophozoiten sterben in trockenem Milieu schnell ab. Die Dauerformen
des Parasiten, die Zysten, sind in gekühltem Fleisch aber mehrere Wochen
lebensfähig und können nur durch Tiefgefrieren auf mindestens -20
Ansteckungsmodus
Menschen und Säugetiere
infizieren sich entweder durch orale Infektion, z.
Ein weiterer Infektionsweg ist die Übertragung der Toxoplasmose
von der Mutter auf das ungeborene Kind (transplazentare Infektion).
Verlauf der Infektion
Nach der Aufnahme
durch den Mund durchdringen die Erreger die Darmwand und erreichen über
die Lymph- und Blutbahnen alle Organe. Dort vermehren sie sich durch ungeschlechtliche
Zweiteilung innerhalb der Zellen und bilden so genannte Pseudozysten. Dabei
handelt es sich um eine Vielzahl von Trophozoiten, die noch von der Zellmembran
der Wirtszelle umgeben sind. Diese Formen der Parasiten, die im Wesentlichen
für das akute Krankheitsstadium der Toxoplasmose verantwortlich sind,
nennt man Tachyzoiten.
Nach der Bildung spezifischer Antikörper durch das Immunsystem
des Wirts verlangsamt sich der Vermehrungsprozess; die Infektion geht in die
chronische Phase über. Die nun als Bradyzoiten bezeichneten Erreger liegen
zu Hunderten versammelt in den Körpergeweben (Zysten), vor allem im Gehirn
und in der Muskulatur. Da das Immunsystem sich ständig mit den Bradyzoiten
auseinander setzt, führt ihre Anwesenheit zu einem Langzeitschutz.
Mehr anzeigen
Links
Informationen des Robert Koch-Instituts über Toxoplasmosewww.schwanger-info.de - Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
© 2011, wissenmedia GmbH, Gütersloh / München