Hoffnung für Erdnussallergiker

Dr. Delventhal

von
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© eyewave - Fotolia.com© eyewave - Fotolia.comBei Erdnussallergikern können kleinste Spuren in den Nahrungsmitteln zu lebensgefährlichen allergischen Schockreaktionen führen. In den USA, wo diese Allergie sehr viel häufiger ist als bei uns, sterben jährlich ca. 100 bis 150 Menschen an einem solchen Ereignis.

Erste Versuche einer oralen Desensibilisierung (Zufuhr von allmählich zunehmenden Mengen über die Nahrungsaufnahme) bei Kindern an der Charite verlaufen vielversprechend.

Bei 60% der Teilnehmer konnte eine Erhöhung der Toleranzschwelle erreicht werden und somit die Gefahr einer lebensgefährlichen Schockreaktion gesenkt werden. Unklar ist, ob die erreichte Toleranz durch kontinuierliche Zufuhr des Allergens aufrecht erhalten werden muss und warum sie nicht bei allen Kindern erreicht werden konnte.

Parallel dazu wird durch intensive Forschung einer der führenden Hersteller von Allergenextrakten versucht, ein Impfstoff zu entwickeln.

Die seit 2005 geltende Deklarationspflicht verpflichtet die Lebensmittelhersteller alle Zutaten mit allergener Potenz eindeutig unter den Inhaltsstoffen aufzuführen. Dies gilt allerdings nur für abgepackte Ware. Bei offener Ware ist also immer ein Risiko gegeben. Eine zweite Unsicherheit besteht durch produktionsbedingte Kontaminationen (cross contact), da die Maschinen nach Umstellung auf ein anderes Produkt, nicht immer garantiert spurenfrei gesäubert werden können.

Es ist also weiterhin empfehlenswert, bei bekannter Erdnussallergie extreme Vorsicht walten zu lassen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


10.09.2016 - 22:58 Uhr

Mein Sohn (5) leidet seit er zwei ist an einer...

von A.

... Erdnussallergie. Er hat ein Notfall-Set samt Adrenalin Spritze. Es ist eine Mischform von Asthma und diverse Allergien, die schlimmste ist jedoch die Erdnussallergie samt Spuren. Auch Kontaktallergien lösen bei ihm schwere Reaktion aus, alle 6 Wochen stellen wir ihn an der Frankfurter Uni vor. Dort werden Tests oder Medikamente verschieben. Normale Kinderärzte sind da leider keine Hilfe. In Frankfurt wurde uns bewusst gemacht, was das für unseren Sohn bedeutet. Nun sollen uns diverse Schulungen und Aufklärungen helfen, besser mit der Sache umzugehen. Bald geht es los. Für uns ist es die einzige Möglichkeit, unserem Sohn sein Leben zu erleichtern. Aber man muss wissen, dass es eine Studie ist.

Dr. Delventhal

Antwort vom Autor am 03.10.2016
Dr. med. Gisela Delventhal

Wenn Ihr Sohn so hochgradig sensibiisiert gegen Erdnuss ist müssen Sie wirklich extrem vorsichtig sein und ständig die Notapotheke griffbereit haben. Der Umgang damit sollte sorgfältig geschult werden. An der Charite in Berlin laufen Desensibilisierungsversuche mit aufsteigender Dosis des Allergens, die zumindestens bei einem Teil der Kinder Erfolge gezeigt hat. Am meisten verspreche ich mir aber von"Viaskin peanut" einem neuen Präparat aus Amerika, das schon in der Studienphase 3 ist, und von dem demnächst die Zulassung erwartet wird. Es handelt sich um eine epikutane Desensibilisierung, also durch Pflaster auf der Haut. Es gilt als sensationeller Durchbruch. Das gleiche für Milch ist schon in Vorbereitung. Ich hoffe sehr, dass das Präparat bald auch in Deutschland zur Verfügung steht, sonst könnte man eventuell einen Versuch über die internationale Apotheke machen, um es aus Amerika zu bekommen. Für Ihren Sohn wünsche ich Ihnen alles Gute.

18.06.2012 - 11:59 Uhr

Seit einem Jahr wurde bei unserem Sohn (7 Jahre)...

von L.

... eine hochgradige Erdnussallergie (Stufe 4) festgestellt, außerdem eine erhöhte Haselnussallergie (Stufe 2). Nach dem Verzehr eines Magnum-Eis mit Haselnusspaste und Erdnusssplittern kam es zum anaphylaktischen Schock. Als erstes schwoll sein Hals zu (wir gaben schnell ein Kortison-Zäpfchen) und noch während der 8-Minütigen Autofahrt zum Krankenhaus schwoll sein Kopf an "wie ein Luftballon". Seitdem haben wir furchtbar Angst, dass er "aus Versehen" etwas nusshaltiges oder sogar erdnusshaltiges zu sich nimmt. Da er auch Asthmatiker ist sind wir natürlich noch ängstlicher. Er trägt natürlich überall sein Notfallset mit Adrenalin-Spritze mit sich. Dennoch kann er nie an Veranstaltungen wie Zeltlager oder Ausflügen teilnehmen, da dort keiner die Verantwortung übernehmen kann/will, was unseren Sohn sehr traurig macht. Nun habe ich von den Desensibilisierungs-Versuchen im Jahre 2010 gelesen und möchte unbedingt nachfragen, ob es inzwischen Genaueres hierzu gibt. Meine Fragen: Ist es möglich, dass unser Sohn eine Desensibilisierung durchführt und wenn ja, an wen müssten wir uns dann wenden? Bislang hat uns jeder Arzt erzählt, dass es so etwas wie eine Desensibilisierung bei Erdnüssen nicht gibt und es leider auch so aussieht, dass eine Allergie auf Erdnüsse sich nicht im Laufe des Lebens "verwächst" wie andere Allergien. Können Sie uns über den "aktuellen Stand" aufklären und uns vielleicht helfen? Vielen Dank für die Rückmeldung und herzliche Grüße, L.

Dr. Delventhal

Antwort vom Autor am 19.06.2012
Dr. med. Gisela Delventhal

Nach Rücksprache mit der Firma HAL Allergy habe ich erfahren, dass in Amerika weiter versucht wird, einen Impfstoff für Erdnussallergiker zu entwickeln, dass es aber leider noch Jahre bis zur Anwendungsreife dauern wird. In Deutschland arbeiterrt eine Arbeitsgruppe an der Charite an dem Problem. Die Kontaktdaten sind: Dr. Katharina Blümchen und PD Dr. Kirsten Beyer. Ihre Sorge ist natürlich hochgradig berechtigt, und ich wünsche Ihnen Erfolg! Das ist wirklich ein Reisenproblem für Sie und Ihr Kind. Fragen Sie doch mal in der Allergieabteilung der Charite nach wie weit sie jetzt in der Anwendung in der Praxis mir ihren Desensibilisierungsversuchen sind.


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