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Was ist Bronchiale Hyperreagibilität? Alles über Ursachen, Symptome und Therapie

Claudia Galler

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© fotolia - BillionPhotos.comRegelmäßige Untersuchungen schützen die Bronchien vor Erkrankungen. (© fotolia - BillionPhotos.com)Wer von kalten Getränken, Parfum oder Zugluft Hustenanfälle bekommt, besitzt wahrscheinlich ein überempfindliches Bronchialsystem. Lesen Sie dazu in diesem jameda Gesundheitsspecial alles über Auslöser, Diagnose, Behandlung und Pflege empfindlicher Atemwege.

Wenn die Bronchien leicht reizbar sind

Von bronchialer Hyperreagibilität spricht man, wenn die Bronchien sehr empfindlich auf äußere Reize reagieren. Die Hustenrezeptoren werden leicht aktiviert und die Bronchien verengen sich schnell. Als Hauptsymptom tritt Husten auf, insbesondere

  • Häufiger Hustenreiz
  • Trockener, unproduktiver Husten
  • Hustenattacken
  • Räusperneigung
  • Kloßgefühl im Hals
  • Atemgeräusche (Giemen) bei Anstrengung
  • Atemnot bei Anstrengung

Staub, Duftstoffe und kalte Luft können Probleme bereiten

Während gesunde Atemwege beim Kontakt mit gängigen Umweltreizen relativ unbeeindruckt bleiben, sprechen überempfindliche Bronchien leicht darauf an. Als Auslöser kommen in Frage:

  • Kalte Luft, Zugluft
  • Kalte Speisen und Getränke
  • Staub, Rauch
  • Abgase, Ozon
  • Parfum, Duftstoffe
  • Pollen, Tierhaarallergene
  • Reinigungschemikalien, z. B. Chlor im Schwimmbad, Nagellackentferner
  • Lösungsmittel in Farben, Lacken, Haarspay

Verstärkt werden die Symptome eher bei schwülem oder nasskaltem Wetter, bei Anstrengung sowie in den Abend- und Nachtstunden. Daneben kann auch Stress zur Verkrampfung der Bronchien führen.

Ursachen für ein hyperreagibles Bronchialsystem

Hyperreagible Bronchien sind angeboren oder erworben. So können Kinder mit überempfindlichen Bronchien zur Welt kommen, wenn in ihrer Familie Erkrankungen wie Asthma bronchiale oder Allergien vorliegen. Auch als Frühchen geborene Kinder haben ein empfindliches Bronchialsystem und Babys, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, tragen ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen.

Ursachen für ein erworbenes hyperreagibles Bronchialsystem sind vorangegangene ernste Infekte wie der bakteriell hervorgerufener Keuchhusten oder die RSV-Bronchitis, ausgelöst durch das Respiratorische-Synzytial-Virus.

Empfindliche Bronchien bei Gesunden wie Erkrankten

Ein hyperreagibles Bronchialsystem liegt bei einer Vielzahl von Erkrankungen vor, aber auch Gesunde können überempfindliche Bronchien besitzen. Zu den Erkrankungen gehören

  • Asthma bronchiale
  • allergische Rhinitis
  • Bronchitis
  • Mukoviszidose
  • COPD
  • Sarkodiose
  • Herzinsuffizienz

So wird auf ein hyperreagibles Bronchialsystem getestet

Mit Hilfe des Methacholin-Provokationstest kann man den Grad der Bronchienhyperreagibilität bestimmen. Der Test wird zur Diagnosestellung von Asthma bronchiale herangezogen und kann nur in spezialisierten Praxen und Kliniken für Lungenerkrankungen durchgeführt werden.

Dabei inhaliert der Patient stufenweise ansteigende Dosen von Methacholin, ein Stoff der die Bronchien verengt. Nach jeder Inhalation wird die Lungenfunktion spirometrisch geprüft. Gemessen werden die Einsekundenkapazität (FEV1, Forced Exspriaroty Volume) und der Atemwegswiderstand. Dabei ist FEV1 die größtmögliche Luftmenge, die der Patient in einer Sekunde forciert ausatmen kann.

Der Atemwegswiderstand beschreibt den Strömungswiderstand, den die Luft beim Ein- und Ausatmen in den Atemwegen erfährt. Als positiv gilt der Test, wenn die FEV1 um 20% abnimmt oder sich der Atemwegswiderstand verdoppelt. Damit endet der Test ohne dass weitere Stufen der Provokation durchlaufen werden.

Abhängig von der Dosis an Methacholin, die das positive Testergebnis hervorruft, wird die Empfindlichkeit der Bronchien als hochgradig, mittel- oder geringgradig bezeichnet.

© Photographee.eu - fotoliaStändiges Husten reizt die Lunge, wodurch die Lunge wie in einem Teufelskreis noch mehr hustet. (© Photographee.eu - fotolia)Der Alltag mit überempfindlichen Atemwegen

Überempfindliche Bronchien sind schnell gereizt, überlastet und latent entzündet. Bei betroffenen Babys und Kindern gehen selbst harmlose Erkältungen oft auf die Bronchien über. Bei Bewegung hört man die Kleinen geräuschvoll Atmen, vor allem das Ausatmen klingt pfeifend.

Ständiges Räuspern und Husten belastet die Bronchialschleimhaut, sodass sie sich entzünden können. Das saure Milieu einer Entzündung ruft seinerseits wieder Husten hervor - ein sich verstärkender Kreislauf entsteht.

Für Personen mit überreaktiven Bronchien ist Sport eine besondere Herausforderung, da sie schnell an ihre Grenzen geraten. Körperlich und konditionell sind sie dadurch eher zart gebaut. Werden hyperreagible Atemwege nicht überwacht, behandelt und angemessen gepflegt, können sich auf lange Sicht zahlreiche Erkrankungen entwickeln. D

azu gehören Asthma bronchiale, allergisches Asthma und Cough-variant Asthma, bei dem nur Husten als Symptom auftritt (Husten als Asthma-Äqivalent) sowie auch COPD. Fortschreitende Belastung der Bronchien können zu Herzinsuffizienz, Lungenemphysem, Schlaf-Apnoe, Schlafstörungen und psychischen Problemen führen.

Wann geht man zum Arzt?

Wer dauernd hustet, oft kurzatmig ist oder viel und lange unter Bronchialinfekten leidet, sollte sich von einem Lungenfacharzt untersuchen lassen. Der Arzt hört und klopft die Lunge ab und macht einen Lungenfunktionstest und gegebenenfalls einen Allergietest.

Anhand der Testergebnisse und Symptome des Patienten stellt der Arzt die Diagnose. Nicht immer liegt ein Dauerhusten an einem empfindlichen Bronchialsystem, Asthma oder COPD. Weitere mögliche Auslöser sind:

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD, „Sodbrennen“)
  • chronische Rhinosinusitis
  • Herzinsuffizienz
  • Lungentumore
  • Nebenwirkungen von Medikamenten wie ACE-Hemmern und Beta-Blockern

Kurzatmigkeit kann ein Symptom einer Herzinsuffizienz oder Koronaren Herzkrankheit sein. Wiederkehrende Infekte liegen eventuell an einem gestörten Immunsystem.

Rechtzeitige Behandlung schützt die Bronchien

Patienten mit hyperreaktiven Bronchien sollten Auslöser der Bronchialverkrampfung meiden, um die Bronchien vor ständiger Belastung und Entzündung zu schützen. Bei Atemwegsinfektionen, asthmaähnlichen Hustenanfällen oder Atembeschwerden geht man zum Arzt, um die Bronchien durch eine geeignete Therapie zu entlasten.

Bakterielle Infektionen werden antibiotisch behandelt. Bei Verkrampfung der Bronchien helfen erweiternde Sprays zur Inhalation, gegen die Entzündung werden kortisonhaltige Sprays oder Tabletten eingesetzt. Bei regelmäßigen Kontrollen kann der Lungenfacharzt früh genug erkennen, wenn sich die Lungenfunktion verschlechtert. Auch harmlose Infekte sollte man ernst nehmen und zeitig dem Arzt vorstellen.

Alternativmedizin bei überempfindlichen Bronchien

Die Homöopathie empfiehlt je nach weiteren Symptomen bei überreaktiven Bronchien u. a. Arsenicum album und Dulcamara. Zu trockenem Husten und Hustenattacken passt Drosera. An Schüssler Salzen können Nr. 7 Magnesium phosphoricum bei krampfartigem Husten und Nr. 3 Ferrum phosphoricum als Entzündungsmittel unterstützen.

Schutz vor Auslösern in der Luft

Betroffene sollten mit Auslösern belastete Luft meiden. Wer handwerklich tätig ist oder Hausputz macht, trägt eine Atemschutzmaske gegen den Staub. Auch auf Schutzkleidung am Arbeitsplatz sollte geachtet werden. Man sollte Kosmetik und Waschmittel ohne Duftstoffe verwenden, tabu sind auch Rauchen und Passivrauchen.

Hohe Pollenkonzentrationen sind möglichst zu umgehen, z. B. blühende Felder oder Birken-, Erlen- oder Haselnussbäume zur Blütezeit. Als Urlaubsziele bieten sich entweder das Hochgebirge mit reizarmer, trockener Luft an oder die Ostsee- und Nordseeküste mit feucht-salzigem Reizklima. Es ist individuell verschieden, welches Klima bekömmlicher ist.

© richardschramm - iStockAuch eine vielseitige Ernährung kann die Funktion der Lunge unterstützen. (© richardschramm - iStock)Auf die Ernährung achten

Man sollte ausreichend trinken, um Mund- und Rachenschleimhäute feucht zu halten. Auch Lutschtabletten mit Hyaluronsäure, Emser Salz, Isländisch Moss und Primel lindern Halskratzen und Hustenreiz. Auf dem Speiseplan sollten Lebensmittel stehen, die reich an Antioxidantien sind:

Obst und Gemüse enthalten Flavonoide, Vitamin C und E. Fetter Seefisch ist reich an Omega-3-Fettsäuren. Auch auf eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen wie Zink, Eisen und Selen ist zu achten. Wer wenig Fleisch verzehrt, senkt die Zufuhr an Arachidonsäure und kann so Entzündungsvorgänge im Körper reduzieren.

Was ist mit Inhalationen und Sauna?

Zur Pflege der Bronchialschleimhaut können Inhalationen mit isotonischer Kochsalzlösung bei Verträglichkeit geeignet sein. Verzichten sollte man auf Hausmittel wie Inhalationen mit ätherischen Ölen sowie auf Saunaaufgüsse mit Ätherisch-Öl-Zusatz, wenn die Bronchien darauf reagieren.

Weniger Stress, bessere Atmung

Stress kann die Bronchien verkrampfen und Husten auslösen. In Stress-Situationen wird die Atmung flacher, die Sauerstoffversorgung des Körpers nimmt ab. Zudem verspannt die seelische Anspannung auch die (Atemwegs-)Muskeln. Atemübungen, Meditation, Autogenes Training und Yoga sind hier geeignete Techniken, um sich bewusst von Stress abzuschirmen.

Ausdauersport stärkt die Bronchien

Menschen mit hyperreagiblen Bronchien sollten Ausdauersport betreiben, der den Körper in der aeroben Phase trainiert und keine Spitzenbelastung ausübt. Geeignet sind z. B.

  • Schwimmen
  • Radfahren
  • Wandern
  • Laufen
  • Tanzen

Dabei wird ein moderates Pensum mehrmals die Woche empfohlen. Die Umgebungstemperatur sollte nicht zu kalt sein. Durch das sportliche Training erhöht sich die Atemtiefe und somit die Sauerstoffversorgung. Auch eine bessere Körperhaltung und gestärkte Atemmuskulatur fördern die Gesundheit der Bronchien.

Der Lungenfacharzt kann individuelle Untersuchungen zur Belastungsgrenze durchführen und gegebenenfalls ein bronchienerweiterndes Spray vor Vorbeugung von Belastungsasthma verschreiben.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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