Sind Zahnimplantate auch für Raucher geeignet?

Dr. Wilde

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© apops - FotoliaFür rauchende Implantatträger gilt besondere Vorsicht (© apops - Fotolia)Grundsätzlich können Zahnimplantate auch bei Rauchern eingesetzt werden. Dennoch weicht die Langzeitprognose dieser Implantate erheblich von den bei Nichtrauchern eingesetzten Zahnimplantaten ab. Warum ist dies so?

Rauchen und das Immunsystem

Nikotin bringt die dünnen Blutgefäße des Zahnfleisches dazu, sich für einen längeren Zeitraum nach dem Konsum einer Zigarette zusammenzuziehen. Versuchen nun Bakterien sich auf der Implantatoberfläche anzusiedeln, kann das körpereigene Immunsystem dies nicht mit aller möglichen Abwehrkraft verhindern, da die zu kleinen Blutgefäße die entsprechenden Abwehrzellen „ausbremsen“. Die körpereigene Immunabwehr ist nicht in der Lage, schnell und intensiv genug gegen diese Bakterien vorzugehen. Dabei entsteht zunächst eine oft unbemerkte, weil schmerzlose, Zahnfleischentzündung um das betroffene Implantat.

Wird in dieser Phase der Bakterienfilm, z.B. durch eine Individualprophylaxe, gründlich entfernt, ist die vollständige Ausheilung des Weichgewebes möglich. Geschieht dies nicht, baut sich erst langsam, dann immer schneller, der Knochen rings um das Zahnimplantat herum ab. Auch dies entwickelt sich völlig schmerzlos und wird oft erst über ein Röntgenbild erkannt. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als „Periimplantitis“, wörtlich übersetzt "Entzündung ums Implantat".

Der negative Einfluss von Rauchen auf den Knochenaufbau

Zusätzlich kommt bei starken Rauchern aber noch ein weiterer negativer Effekt hinzu:
Der menschliche Knochen wird pausenlos ab- und aufgebaut. Hierfür sind zwei Zellarten zuständig. Die Osteoklasten bauen den Knochen ab und die Osteoblasten bauen ihn wieder auf. Im Laufe unseres Lebens wird hierdurch das gesamte Knochengerüst 9mal ausgetauscht.
Die Vorstufe der Osteoklasten entsteht aus sogenannten Monozyten-Makrophagen und diese wiederum entstehen durch eine Fusion hämatopoetischer Vorläuferzellen. Hierauf hat das Rauchen keinen Einfluss.
Die knochenaufbauenden Osteoblasten bilden sich aus der Vorstufe (Präosteoblasten) und diese aus undifferenzierten, mesenchymalen Stammzellen. In diesen Prozess greift das Rauchen ein: Nikotin hemmt die Reifung und räumliche Orientierung dieser Präosteoblasten.

Durch diesen Effekt haben Raucher zu wenig Osteoblasten aber zu viele Osteoklasten. Ein Osteoklast kann die gleiche Menge Knochen abbauen, die 100 Osteblasten in der gleichen Zeit mühsam aufbauen. Aus diesem Grund verläuft eine Periimplantitis bei Rauchern doppelt so schnell und mit doppelt so starkem Knochenabbau wie bei Nichtrauchern.
Aber nicht nur eine Besiedelung der metallischen Implantatoberfläche mit aggressiven Bakterienstämmen ist ein möglicher Auslöser für eine Periimplantitis. Auch eine falsche Zahnkrone auf dem Implantat kann zu einer funktionellen Überlastung des Kieferknochens führen, wobei sich auch hierdurch der Knochen abbaut.

Hoffnung für Raucher

Bis vor ein paar Jahren waren Zahnimplantate anders konstruiert und dadurch viel stressempfindlicher gegen Bakterien und mechanische Belastung. Sehr umfangreiche Statistiken aus dieser Zeit belegen, dass bei starken Rauchern nach 5 Jahren fast 60% der Implantate wieder entfernt werden mussten, weil sie entzündet waren oder sich selbst aus dem Knochen gelöst hatten.

Heutzutage sind Implantate durch Konstruktions- und Designänderungen der äußeren Form, der Verbindungsgeometrie der Aufbauteile und durch eine moderne Materialabstimmung deutlich verbessert. Konusverbindung mit platform-switching und Zirkonoxyd sind Konstruktionsmerkmale und Werkstoffe dieser modernen Zahnimplantate.

Anhand neuester Studien konnte nun nachgewiesen werden, dass bei Rauchern die deutlich weniger als 10 Zigaretten am Tag rauchen, diese Verbesserungen zu gleichwertig guten Ergebnissen wie bei Nichtrauchern geführt haben.

Langfristig sollte ein Raucher mit Zahnimplantaten versuchen, dauerhaft unter 10 Zigaretten pro Tag zu bleiben und bei seiner Ernährung auf ausreichend Vitamin-C achten. Zur Risikoreduzierung ist eine sehr regelmäßige Individualprophylaxe sowie klinische Untersuchung mit Röntgenkontrolle unbedingt zu empfehlen.

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