Alterssichtigkeit korrigieren ohne Halos? „Monofokal+“-Linsen!

Neue Behandlungsmethode bei Altersweitsichtigkeit: monofokale Intraokularlinsen. (© Brian Jackson - fotolia)

Was ist die Alterssichtigkeit?

Die Alterssichtigkeit („Presbyopie“) ist für jeden Betroffenen ein lästiger Umstand, oft sogar sehr beeinträchtigend. Der Blick in die Nähe ist nicht mehr problemlos möglich, der Nahabstand rückt immer weiter weg.

Das Schlimme daran: Die Alterssichtigkeit trifft jeden ab spätestens Mitte 40 und sie nimmt im Laufe der Zeit immer weiter zu. Die volle Ausprägung der Alterssichtigkeit und die maximale Lesebrillenstärke wird dann spätestens mit 60 Jahren erreicht. Kommt noch eine Fehlsichtigkeit dazu, gibt es mit der erforderlichen Gleitsichtbrille gehörige Kompromisse.

Der Grund für das Auftreten der Alterssichtigkeit ist hauptsächlich die nachlassende Elastizität der körpereigenen Linse.

Gibt es Möglichkeiten zur Beseitigung der Alterssichtigkeit?

Eine chirurgische Option, die Alterssichtigkeit und die Brille dauerhaft loszuwerden, war bislang z.B. eine „Monovisions“-Lösung. Bei dieser Methode können Einstärkenlinsen (Intraokularlinse, kurz IOL) vor die körpereigene Linse implantiert werden. Dadurch wird ein Auge auf die Ferne, das andere auf die Nähe eingestellt. Weitere chirurgische Möglichkeiten sind die Monovision mittels Augenlasern oder das Einsetzen sogenannter Mehrstärkenlinsen.

Mehrstärkenlinsen lassen sich in hierauf spezialisierten Augen-OP-Zentren wie eine Art Kontaktlinse mittels einer kurzen Operation ins Auge einsetzen oder im Austausch gegen die funktionslos werdende eigene Linse einsetzen. Eine starre und trübe körpereigene Linse (grauer Star) kann ebenfalls durch eine Mehrstärkenlinse ersetzt werden.

Mehrstärkenlinsen als Multifokale Intraokularlinsen (MIOL), meist trifokal oder EDoF-IOL, sind bislang der Goldstandard, um ein Sehen von Fern bis Nah dauerhaft zu ermöglichen. Vereinfacht gesagt, können trifokale Linsen bis in den unmittelbaren Nahabstand, EDoF-IOLs „nur“ bis in den PC-Abstand abbilden. Aber: Je mehr Nähe, desto mehr Kompromisse.

Als wesentlichen Kompromiss hierbei gibt es immer Ringe um Lichtquellen, sogenannte Halos, in unterschiedlicher Ausprägung und einen gewissen Mehrbedarf an Helligkeit beim Lesen.

Was sind "monofokal+"- Intraokularlinsen?

Ein neuartiges Konzept an Intraokularlinsen wurde nun ganz neu entwickelt. Es ist erst seit 2021 auf dem Markt und wird von verschiedenen Herstellern angeboten: sogenannte „monofokal+“-IOLs, die teilweise sogar eine solch weitgehende Tiefenschärfe wie EDoF-IOLs erreichen können.

Das Besondere an diesen Konzepten ist die spezielle Optik dieser Linsen, die sich aus der höheren Optik herleitet, wie sie auch beim Bau von Weltraumteleskopen genutzt wird. Mittels einer ganz speziellen Oberflächengestaltung dieser Optiken werden sogenannte „Aberrationen höherer Ordnung“ genutzt, die sogenannte „Wellenfront“ verändert, um eine erhöhte Tiefenschärfe zu erzeugen. Im Wesentlichen gelingt dies durch eine erhöhte „sphärische Aberration“ dieser Optiken.

Die hohe Kunst des Augenchirurgen besteht nun darin, die jeweiligen Optiken möglichst passend für das entsprechende Patientenauge auszuwählen. Jedes Auge verhält sich hier anders. Zudem kann die Abbildung des menschlichen Auges natürlich nicht so weitgehend fehlerfrei vorausberechnet werden wie bei einem Teleskop oder Mikroskop. Jede Erhöhung der Tiefenschärfe geht auch prinzipiell zu einem gewissen Teil zu Lasten der Kontrastsehschärfe.

Fazit

Zusammenfassend können diese modernen Optiken eine gewisse Tiefenschärfe des Sehens von Ferne bis in den Mittelbereich erzielen und dabei durchaus die Kompromisse von MIOLs, im Wesentlichen die Wahrnehmung von Halos, vermeiden. Damit stellen diese neuartigen „monofokal+“-IOLs einen neuen, wichtigen Baustein im Portfolio des spezialisierten Augenchirurgen dar. Insbesondere die Lebensqualität nach einer OP des grauen Stars („Katarakt“) wird typischerweise mit diesen „monofokal+“-IOLs höher als mit einer herkömmlichen Standardlinse sein.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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