Farbenblindheit – ist wirklich alles grau?

Claudia Galler

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© IngaIvanova_iStock© IngaIvanova_iStockFarbenblinde Menschen nehmen meist nur Grautöne in verschiedenen Schattierungen und Helligkeitsstufen wahr. Wer dagegen farbfehlsichtig ist, kann beispielsweise die Farben rot und grün schlecht unterscheiden. Über Farbwahrnehmungsstörungen und ihre Ursachen berichtet die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitstipp.

Vollständige Farbenblindheit : Achromatopsie
Achromatopsie wird vererbt, sie tritt bei Frauen und Männern gleichermaßen auf, in Deutschland leben etwa 3000 Betroffene (Achromaten). Sie können Farben nicht wahrnehmen, gleichzeitig sehen sie unscharf. Die Augen sind sehr lichtempfindlich und zittern typischerweise reflexartig (Nystagmus). Die Diagnose wird durch genetische Tests und Untersuchung der Sinneszellen auf der Netzhaut gestellt. Farbenblindheit kann auch erworben werden, z. B. durch eine Gehirnverletzung oder einen Schlaganfall. Dabei kann das Gehirn die Reize der Farb-Sehzellen nicht mehr umwandeln, die Sehschärfe bleibt erhalten, die Lichtempfindlichkeit fehlt.

Dunkle Brillen mit Kantenfiltern verbessern das Sehen am Tag
Achromaten besitzen auf der Augennetzhaut keine Sinneszellen, die das Farbsehen ermöglichen (Zapfen), sondern nur Rezeptoren, die für das Dämmerungssehen zuständig sind (Stäbchen). Dank der Zapfen sieht der Mensch scharf, schnell und bunt, sie befinden sich vor allem im sogenannten gelben Fleck, in der Mitte der Netzhaut. Stäbchen dagegen sind nicht auf Schärfe sondern auf Kontraste von Hell-Dunkel ausgerichtet, sie liegen gehäuft außerhalb des gelben Flecks, im Bereich des unscharfen Sehens. Achromaten nehmen deshalb verschwommene Schwarz-Weiß-Bilder ihrer Umwelt wahr. Sie sind stark lichtempfindlich, so dass sie tagsüber alles weiß-neblig sehen (Tagblindheit). Dunkle Brillen mit Brillenkantenfiltern, die seitlich einfallendes Licht abschirmen, können das Sehen am Tage verbessern. Die Augen zittern typischerweise, da sie sich schnell von links nach rechts bewegen, um den Mangel an Sehzellen im gelben Fleck auszugleichen.

Die Rot-Grün-Schwäche ist eine Farbfehlsichtigkeit, keine Farbenblindheit
Bei einer angeborenen Farbfehlsichtigkeit fehlen je nach Ausprägung eine oder mehrere der drei Zapfenarten auf der Netzhaut. Betroffene einer Rot-Grün-Schwäche besitzen beispielsweise keine Zapfen, die bei Licht aus dem roten und grünen Farbbereich angeregt werden. So nehmen sie rot und grün als grau wahr, die Sehschärfe ist jedoch erhalten. Gerade die Rot-Grün-Schwäche tritt deutlich häufiger bei Männern (8 %) als bei Frauen (0,4 %) auf. Die Diagnose wird anhand von Farb-Seh-Tests gestellt, dazu werden Ishihara-Farbtafeln, Farb-Plättchen (Farnsworth-Test) und ein Spektralfarbenmischgerät (Anomaloskop) genutzt.

Farbleitsysteme, Signale und Ampeln sind keine Hilfe
Weder Farbenblindheit noch Farbfehlsichtigkeit sind heilbar. Oft haben sich die Betroffenen im Laufe ihres Lebens mit ihrer Art der Wahrnehmung arrangiert. Dennoch sind sie unter Umständen im Alltag eingeschränkt und gefährdet. So haben farbliche Textmarkierungen, Farbleitsysteme, Signale und Ampeln für sie nur geringe Aussagekraft. Berufe wie Polizist, Schiffsführer, Busfahrer oder Lokomotivführer, Maler oder Elektriker können Betroffene meist nicht ergreifen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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