Das jameda-Interview: 9 Fragen an Prof. Dr. med. Ricarda Schumann

Prof. Dr. med. Ricarda Schumann praktiziert als Augenärztin in München. (© Schumann)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Prof. Dr. med. Ricarda Schumann interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Augenärztin.

jameda: Frau Prof. Dr. Schumann, was hat Sie motiviert, Augenärztin zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Prof. Dr. Schumann: Ein Großteil meiner Begeisterung für die Augenheilkunde liegt in der außergewöhnlichen Kombination aus operativen und konservativen Behandlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus gibt es gerade in der Augenheilkunde viele neue Technologien und Innovationen.

Weltweite Entwicklungen und Neuerungen, sowohl sinnvoll als auch verantwortungsbewusst meinen Patienten zur Verfügung zu stellen, sehe ich als meine Aufgabe an. Dabei macht es mir besonders viel Freude, meinen eigenen Teil zur Erforschung von Augenerkrankungen beizutragen.

Die Heilung erkrankter Sehzellen der Netzhaut bei der altersbedingten Makuladegeneration oder bei Makulaformen ist nur ein kleiner Teilbereich meiner Forschungsarbeit, die mich aktuell beschäftigt. Menschen zu helfen, das Sehvermögen wiederzuerlangen oder zu verbessern, ist eine der schönsten Aufgaben, wie ich finde, und meine Passion.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Prof. Dr. Schumann: Mein Spezialgebiet umfasst alle Makula-, Glaskörper- und Netzhauterkrankungen. In diesem Bereich gibt es dauerhaft verschiedene neue Entwicklungen zu mikrochirurgischen Operationstechniken, Laserverfahren und Medikamententherapien.

Netzhauterkrankungen zu behandeln, verlangt ein Höchstmaß an Präzision. Eine Herausforderung, die nicht nur mich, sondern auch jeden anderen Netzhautchirurgen antreibt. Darüber hinaus sind auch die Untersuchungstechniken in diesem Bereich für mich immer spannend geblieben. Beispielsweise wurde durch die Einführung neuer bildgebender Technologien, wie der optischen Kohärenztomografie, die Darstellung der Strukturen des Inneren des Auges revolutioniert. Aus diesem Grund sind wir heute in der Lage, Augenerkrankungen nicht nur früher zu erkennen, sondern auch gezielter und individueller zu behandeln.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Prof. Dr. Schumann: Vorbilder gab es zu jedem Zeitpunkt und gibt es noch immer. Dabei denke ich nicht allein an augenärztliche Kolleginnen und Kollegen. Alle Menschen, die ein Vorbild für mich sind, zeichnet Neugierde und positive Begeisterungsfähigkeit aus – unabhängig vom Lebensalter. Deshalb ist mein Lebensmotto, mir die Freude an neuen Herausforderungen und neuen Erlebnissen zu bewahren, und dabei immer ich selbst zu sein. Leben ist Veränderung.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Prof. Dr. Schumann: Die Digitalisierung in der Medizin ist Hilfe und Herausforderung zugleich. Das Jahr 2020 war für uns alle ein besonderes Jahr! Ich bin erstaunt, mit welcher Anpassungsfähigkeit wir den Alltag in der Covid-19-Pandemie meistern. Die Einführung von Online-Terminvergabe und Videosprechstunde erleichtert uns, die Verbindung zu unseren Patienten zu halten. Ich bin mir sicher, dass diese Tools bald nicht mehr aus dem Praxisalltag wegzudenken sind.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Prof. Dr. Schumann: Die größte Herausforderung in der Augenheilkunde sowie in jedem anderen Fachbereich der Medizin besteht aus meiner Sicht darin, jedem einzelnen Patienten das individuell richtige Maß an Zeit zukommen zu lassen. In Deutschland erleben wir Medizin auf hohem Niveau. Der Faktor Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Prof. Dr. Schumann: Was ich besonders gut kann, ist genau zuhören. Das ist aus meiner Sicht Grundlage für gute Medizin. Jeden Patienten mit den eigenen subjektiven Sorgen wahrzunehmen, ist mir dabei besonders wichtig. Jeder Mensch ist individuell. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir in der privaten Praxisklinik Augenzentrum im Brienner Hof dafür nun ausführlich Zeit nehmen kann. Hier kann ich die Medizin leben, die ich gelernt habe: individuell, wissenschaftlich fundiert und auf höchstem technischem Niveau.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Prof. Dr. Schumann: Ich freue mich immer, wenn Patienten über ihre Symptome und die empfohlene Behandlung informiert werden möchten. Aufgeklärte Patienten schätze ich sehr. Nur so kann langfristig ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aufgebaut werden.

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Prof. Dr. Schumann: Tatsächlich gibt es viele. Je länger ich als Ärztin tätig bin, desto häufiger erlebe ich Situationen, die mich auf besondere Weise bewegen.

Ich erinnere mich an einen kleinen Jungen, den ich mitten in der Nacht nach einer schweren Verletzung über mehrere Stunden operiert hatte. Er erlangte sein Augenlicht vollständig zurück und alles verheilte so gut, dass man ihm die schwere Verletzung später nicht mehr ansah. Er malte mir ein Bild als kleines Dankeschön, das ich immer noch aufbewahre.

Ich erinnere mich auch an einen jungen Mann, der gerade in seinem Beruf durchstarten wollte, als er die Diagnose einer seltenen Netzhauterkrankung erhielt, mit der Prognose, frühzeitig zu erblinden. Er schrieb mir aus dem Norden von Deutschland eine Mail voller Verzweiflung und Ratlosigkeit und bat mich um Hilfe. Kurze Zeit später reiste er zu mir nach München, wo ich ihn nochmals ausführlich untersuchte. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in der Untersuchung von seltenen Makula- und Netzerkrankungen konnte ich die Diagnose widerlegen. Die von mir empfohlene Behandlung hatte Erfolg. Heute erfreut er sich wieder bester Sehschärfe. Die Veränderungen der Netzhaut haben sich vollständig zurückgebildet.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Prof. Dr. Schumann: Offen zu sein für Neues, das treibt uns an und macht unser Leben lebenswert. Inspiration ist in jedem einzelnen Tag und hält uns aktiv und gesund!

Zur Person

Prof. Schumann ist im Augenzentrum im Brienner Hof als Augenärztin und Augenchirurgin tätig. Prof. Schumann war langjährig Oberärztin an der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München und gehört zu den weltweit führenden Expertinnen für Makula- und Netzhauterkrankungen.

Zur Praxis

Das private Augenzentrum im Brienner Hof befindet sich in der Innenstadt von München und bietet Ihnen das gesamte Spektrum der Augenheilkunde. Das Team besteht aus Experten der jeweiligen Spezialgebiete und vereint ein hohes technisches Niveau mit einem individuellen Maß an Zeit für jeden Einzelnen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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