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Sehen ohne Brille dank refaktivem Linsentausch

Fehlsichtigkeit mit zunehmendem Alter

Im jungen Alter kann ein normalsichtiges Auge in allen Entfernungen scharf sehen. Diese Fähigkeit geht im Laufe des Lebens langsam verloren. Es ist ein kontinuierlicher und unaufhaltsamer Vorgang. Zuerst kaum bemerkt wird irgendwann bewusst, dass das Lesen zunehmend anstrengend wird. Texte müssen immer weiter weggehalten werden und es kommt die Zeit der Lesebrille. Manche trifft es früher, andere später. Meist geht es auf das 50. Lebensjahr zu, wenn eine Lesebrille unverzichtbar wird.

Einige Menschen lehnen die Lesebrille ab, da sie auf ihr Alter schließen lässt und sie sich eigentlich noch gar nicht so alt fühlen. Andere haben das Problem, dass sie ihre Lesebrille immer wieder verlieren oder einfach nicht zur Hand haben, wenn sie diese brauchen. Es gibt aber auch Berufe oder Tätigkeiten, die sich schwer mit einer Lesebrille vereinbaren lassen. Gerade wenn häufig zwischen Fern- und Nahsicht gewechselt werden muss, ist ein ständiges Auf- und Absetzen lästig. Ist die Umgebung staubig oder die Hände nicht sauber, wird die Brille schmutzig, kann kaputt gehen und die Sicht ist nicht optimal.

© nenetus - FotoliaScharf sehen ohne Brille? (© nenetus - Fotolia)Das menschliche Auge funktioniert wie eine Filmkamera

Um sich vorzustellen, wie ein menschliches Auge funktioniert, hilft der Vergleich mit einem Fotoapparat. Eine Linse stellt das Bild scharf, das dann auf dem Film oder bei Digitalkameras auf der Pixelmatrix abgebildet wird. Beim Auge ist es genauso, nur dass unsere Linse das Bild auf der Netzhaut abbildet.

Die Netzhaut besteht aus vielen Millionen Sinneszellen, die das Bild in Nervenimpulse umwandeln und über den Sehnerven an das Gehirn schicken. Die Linse in unserem Auge ist im jungen Alter elastisch. Durch eine Verformung kann sie ihre Brechkraft ändern. Das ist wichtig, um auf unterschiedliche Entfernungen scharf stellen zu können. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Elastizität der Linse ab und es wird schwieriger, Dinge in der Nähe scharf zu sehen. Es entsteht die Altersweitsichtigkeit.

Bei Weitsichtigkeit ist die Linse zu schwach, bei Kurzsichtigkeit zu stark. Hier kann eine Brille oder Kontaktlinse helfen, indem sie die Fehlsichtigkeit ausgleicht. Eine andere Möglichkeit ist, die natürliche Linse mit der falschen Stärke gegen eine künstliche Linse der richtigen Stärke auszutauschen. Diese Operation wird „refraktiver Linsenaustausch“ genannt. Sie ist identisch zur Operation des Grauen Stars, nur dass die Linse noch nicht getrübt ist.

Brillenunabhängigkeit durch Linsenersatz

Beim „refraktiven Linsenaustausch“ wird operativ eine Kunstlinse in das Auge eingesetzt. Wenn auch auf eine Lesebrille verzichtet werden soll, kann eine Multifokallinse verwendet werden. Sie simuliert den Zustand, bevor eine Lesebrille nötig war. Multifokal bedeutet, dass diese Linse nicht nur einen Brennpunkt für die Ferne, sondern zusätzlich einen Brennpunkt für die Nähe hat. Dieser ermöglicht ein Lesen ohne weitere Lesehilfe. Nach einer Gewöhnungsphase kann damit im Alltag eine große Brillenunabhängigkeit erreicht werden.

Was passiert beim refraktiven Linsentausch?

Bevor der Eingriff vorgenommen werden kann, muss geprüft werden, ob beide Augen gesund und für diese Art von Linse geeignet sind. Die Linse kann schließlich nur ihre Funktion erfüllen, wenn sie perfekt zum Auge passt.

Multifokallinsen werden aus biologisch kompatiblem Acryl hergestellt. Das Material wird von unserem Immunsystem nicht als Fremdkörper erkannt und verhält sich völlig neutral im Auge. Der eigentliche Eingriff dauert pro Auge nur circa zehn Minuten. Vor dem Eingriff wird das Auge mit Augentropfen betäubt. Die Linse wird mit Ultraschall schonend in winzigen Partikeln abgesaugt. Im Anschluss erfolgt die Implantation der Kunstlinse in geeigneter Stärke. Die Linse wird am Platz der natürlichen Linse hinter der Pupille positioniert. Die neue Linse wird daher nicht anders empfunden als die eigene natürliche Linse.

Am besten geeignet sind Multifokallinsen für Menschen über 50 mit dem Wunsch nach größtmöglicher Brillenfreiheit. Bestehende Fehlsichtigkeiten, wie Weit- oder Kurzsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmungen, können während des Linsenaustausches mit korrigiert werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


27.07.2017 - 07:40 Uhr

Kann auch ein Astigmatismus befriedigend...

von Kathrin

... ausgeglichen werden?

01.11.2015 - 17:49 Uhr

Klingt verlockend mit der Multifokallinse. Keine...

von Barbara

... Brille mehr! Nur sagte mir mein Augenarzt, es gäbe nach einiger Zeit große Probleme beim Kontrast sehen, deshalb würde er diese grundsätzlich nicht einsetzen.

Multifokallinsen bieten eine große Brillenunabhängigkeit im Alltag. Leicht reduziertes Kontrastsehen wird i.d.R. nicht bemerkt. Bei sehr schwachen Lichtverhältnissen stoßen Multifokallinsen an ihre Grenzen und eine Lesebrille schafft Erleichterung. Dennoch ermöglichen Multifokallinsen in den meisten Lebenssituationen ein sehr komfortables Sehen in der Ferne und in der Nähe.


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