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Angriff auf die Lymphknoten: An diesen Symptomen erkennen Sie das gefährliche Hodgkin-Lymphom

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

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© Max Tactic fotoliaDas Hodkin-Lymphom ist ein bösartiger Tumor der die Lymphknoten befällt (© Max Tactic fotolia)Das Hodgkin-Lymphom ist ein bösartiger Tumor, der meistens junge Erwachsene befällt. Lesen Sie hier, woran Sie die Lymphknotenerkrankung erkennen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt. 

Was ist das Hodgkin-Lymphom?

Das Hodgkin-Lymphom, auch Morbus Hodgkin oder Lymphogranulomatose genannt, ist eine gefährliche Krebsart, die Lymphknoten befällt.

Die Lymphknoten sind Teile des lymphatischen Systems, das auch aus Lymphgefäßen, Milz, Thymus, Gaumen- und Rachenmandeln, Wurmfortsatz des Blinddarms, Knochenmark und kleinen Knoten im Dünndarm besteht. Es ist Teil des Abwehrsystems, das uns vor Infektionen schützt. Die Lymphknoten filtern außerdem die Flüssigkeit der Gewebe und zerstören schädliche Stoffe.

Das Hodgkin-Lymphom entsteht, wenn sich bestimmte Zellen unkontrolliert vermehren. Sie verdrängen das gesunde Gewebe und führen zur Vergrößerung der befallenen Lymphknoten. Bösartige Lymphome, die aus anderen Zellen entstehen, heißen „Non-Hodgkin-Lymphome“.

Selten, aber gefährlich

Das Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krankheit: Jedes Jahr erkranken rund zwei bis vier Menschen pro 100.000 Einwohner daran. Es kann in jedem Alter auftreten, am ehesten jedoch im 30. Lebensjahr.

Erwachsene leiden etwa zehnmal häufiger als Kinder und Jugendliche unter dem Hodgkin-Lymphom: Von 100.000 deutschen Kindern und Jugendlichen erkranken im Schnitt 0,7 daran. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen.

Unbehandelt führt das Hodgkin-Lymphom zum Tod. Mit der geeigneten Therapie sind die Chancen allerdings sehr gut: Acht von zehn Betroffene können geheilt werden. Wenn die Therapie in frühen Stadien beginnt, sind es sogar neun von zehn.

Die Lebenserwartung hängt von der Form des Hodgkin-Lymphoms, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Statistisch gesehen sind fünf Jahre nach Ausbruch der Krankheit 56 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer noch am Leben. Das Endstadium erreichen nur wenige Patienten.

© fotoart-wallrafAuch Rauchen gilt als Risikofaktor für Hodkin-Lymphome (© fotoart-wallraf)Ursachen & Risiken

Die Entstehung dieser Krebsart ist bislang ein Rätsel: Warum sich die Zellen unkontrolliert vermehren, wissen Forscher nicht. Aber die Risikofaktoren sind bekannt:

  • Infektion durch den Epstein-Barr-Virus
  • AIDS-Infektion
  • Organtransplantation
  • Rauchen

Eine Vererbung ist möglich, aber nicht wissenschaftlich belegt.

Symptome: Von Brustschmerzen bis Gelbsucht

Die ersten Anzeichen sind schmerzlose, feste Vergrößerungen der Lymphknoten am Hals, hinter dem Brustbein, den Achselhöhlen, am Bauch oder an der Leiste. Mögliche Begleiterscheinungen, auch B-Symptome genannt, sind Fieber über 38°C, Schwitzen in der Nacht und Gewichtsverlust von mehr als 10 Prozent des Körpergewichts in 6 Monaten. Weitere Hinweise sind Leistungsminderung, Müdigkeit, Juckreiz und Lymphknotenschmerz nach Alkoholgenuss, auch Alkoholschmerz genannt.

Fast jedes Organ kann vom Hodgkin-Lymphom betroffen sein und weitere Beschwerden verursachen, wie zum Beispiel Reizhusten oder Atemnot, Durchblutungsstörungen, Gelbsucht, Hormonstörungen, Flüssigkeitsansammlungen im Bauch- und Brustraum, Knochenbrüche, Bewegungsstörungen und Infektionen.

© DragonImages_iStockBei einer Gewebeprobe kann genaustens untersucht werden, ob Krebszellen vorhanden sind (© DragonImages_iStock)So stellt der Arzt die Diagnose

Hält eine ungeklärte Lymphknotenschwellung länger als 4 Wochen an, veranlasst der Arzt die Entnahme einer Gewebeprobe, die unter dem Mikroskop untersucht wird und folgende Informationen enthüllt:

  • Gibt es Krebszellen?
  • Welche Art(en) von Krebszellen liegen vor?

Charakteristisch für die Erkrankung sind die sogenannten Hodgkin-Zellen. Wenn sich mehrere dieser Zellen zusammenschließen, entstehen die ,,Reed-Sternberg-Riesenzellen‘‘, die ebenfalls typisch für Morbus Hodgkin sind.

Weitere Untersuchungen sind oft nötig, wie zum Beispiel Bluttests, Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen, Computertomographie, Magnetresonanztomografie, Positronen-Emissionstomografie oder Knochenmarkpunktion, damit der Arzt die Ausbreitung und das Stadium des Hodgkin-Lymphoms erkennen kann.

Die Positronen-Emissionstomografie ist ein sehr sensibles Verfahren, das die genaue Verteilung der bösartigen Zellen aufdeckt. Der Arzt verabreicht eine radioaktive Substanz, die sich im ganzen Körper verteilt und am Stoffwechsel teilnimmt. Eine spezielle Kamera macht diese Vorgänge sichtbar. Da Tumorzellen einen anderen Stoffwechsel als normale Zellen haben, lassen sie sich durch das veränderte Bildmuster erkennen.

Welche Stadien gibt es?

Die vier Stadien des Hodgkin-Lymphoms werden nach der Ann-Arbor-Klassifikation eingeteilt und sind abhängig von den befallenen Körperregionen.

Beim Stadium I ist nur eine einzelne Lymphknotenregion erkrankt, wobei beim Stadium IV mehrere Organe mit oder ohne Befall von lymphatischem Gewebe betroffen sind.

Stadium I

Befall einer einzigen Lymphknotenregion oder einer anderen Körperstruktur

Stadium II

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells oder Befall anderer Körperstrukturen und einer oder mehrerer Lymphknotenregionen auf einer Zwerchfellsseite

Stadium III

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells oder Befall weitere Strukturen auf beiden Seiten des Zwerchfells

Stadium IV

Befall eines oder mehrerer außerlymphatischer Organe mit oder ohne Lymphknoten

 

Bei Kindern und Jugendlichen ist ein Befall des Knochens mit Substanzzerstörung oder die Erkrankung des Knochenmarks mit dem Stadium IV gleichzusetzen, unabhängig von der Größe oder der Anzahl der befallenen Lymphknotenstationen.

Zusätzlich zur Ann-Arbor-Klassifikation spielen folgende Risikofaktoren eine Rolle bei der Einschätzung der Prognose:

  • ein großer Tumor hinter dem Brustbein, der mindestens ein Drittel des Brustkorbquerdurchmessers einnimmt
  • jede Tumorausbreitung, die über die Lymphknoten, die Milz, den Thymus und die Lymphzellen des Rachens und des Blinddarms hinausgeht
  • hohe Blutsenkungsgeschwindigkeit: höher als 50mm/h ohne B-Symptome und höher als 30 mm/h, wenn es B-Symptome gibt
  • Befall von drei oder mehr Lymphknotenarealen

©fotolia-Photographee.euUm die krankheit zu bekämpfen ist meistens eine Chemotherapie notwendig (©fotolia-Photographee.eu)Chemotherapie meist notwendig

Die Therapie des Hodgkin-Lymphoms richtet sich nach dem Stadium und besteht grundsätzlich aus einer Chemotherapie. Weil eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems den ganzen Körper betrifft, ist es nicht sinnvoll, einzelne Lymphknoten operativ zu entfernen. Manchmal ist auch eine Bestrahlung nötig.

Therapie im frühen Stadium

2 Chemotherapie-Zyklen, anschließend Bestrahlung

Therapie im intermediären Stadium

4 Chemotherapie-Zyklen, anschließend Bestrahlung

Therapie im fortgeschrittenen Stadium

6 - 8 Chemotherapie-Zyklen, anschließend eventuell Bestrahlung

 

Die Chemotherapie besteht aus Zyklen: Die Medikamente, meist Zytostatika, werden in ganz bestimmten Abständen als Infusion verabreicht. Sie verhindern die Zellteilung des Tumors. Ein Zyklus dauert meistens 3 bis 4 Wochen, gefolgt von einer therapiefreien Zeit von ungefähr 2 Wochen.

Die Nebenwirkungen sind unter anderem:

- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfälle
- Schädigung des Knochenmarks, die Infektionen, Blutarmut und Blutungen verursacht
- Entzündungen der Mundschleimhaut
- Nervenschädigungen
- Haarverlust
- Erschöpfung

Was leistet die Bestrahlung?

Für die Bestrahlung wird energiereiche radioaktive Strahlung direkt auf das Tumorgewebe gerichtet. Die Krebszellen werden so geschädigt, dass sie sich nicht mehr teilen können und absterben. Gesunde Zellen leiden zwar auch, aber es ist heute möglich, die Strahlung so zielgerichtet auf befallenes Gewebe zu richten, dass überwiegend Krebszellen zerstört werden.

Die Nebenwirkungen der Bestrahlung sind Hautschädigungen, Müdig­keit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Die häufigste Spätfolge einer Bestrahlung ist die Unterfunktion der Schilddrüse, die bei ungefähr 35 Prozent der Bestrahlten auftritt und mit Schilddrüsenhormonen behandelt wird.

Weitere begleitende Maßnahmen, die die Heilung unterstützen, sind regelmäßiger Sport, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen. Wirksame Hausmittel gegen das Hodgkin-Lymphom gibt es nicht.

Nachsorge

Die Nachsorge ist wichtig, um rechtzeitig das erneute Auftreten der Erkrankung, auch Rezidiv genannt, zu erkennen. Sie besteht aus regelmäßigen Untersuchungen, die insbesondere in den ersten fünf Jahren nach Behandlungsende durchgeführt werden müssen, weil zwei Drittel aller Rezi­dive innerhalb der ersten zweieinhalb Jahre nach der Therapie zu verzeichnen sind.

Deswegen sind im ersten Jahr alle drei Mo­nate, im zweiten bis vierten Jahr alle sechs Monate und ab dem fünften Jahr jährliche Nachsorgetermine sinnvoll, wenn keine Beschwerden auftauchen.

Ungefähr 15 Prozent der Patienten entwickeln einen Zweittumor, oft Brust-, Lungen- oder Dickdarmkrebs oder Non-Hodgkin-Lymphome. Darüber hinaus sind auch Therapiefolge- und Begleiterkrankungen möglich, wie zum Beispiel eine Schädigung des Herzens oder der Lunge oder eine Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit.

Fazit

Das Hodgkin-Lymphom ist selten und betrifft meistens Erwachsene im 30. Lebensjahr. Das typische Merkmal der Erkrankung ist die charakteristische, anhaltende Schwellung grundsätzlich schmerzloser Lymphknoten, die jedoch nach Alkoholkonsum weh tun. Die Heilungschancen sind gut, da das Hodgkin-Lymphom zu den Krebsarten gehört, die am besten therapierbar sind.

Links:

Kompetenznetz Maligne Lymphome
Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
Selbsthilfegruppe Morbus Hodgkin
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin
Deutsche Krebshilfe
Österreichische Krebshilfe
Krebsliga Schweiz
Deutsches Krebsforschungszentrum
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
Deutsche Krebsgesellschaft

Quellen:

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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