Hashimoto-Thyreoiditis: eine chronische Schilddrüsenentzündung

Dr. Lunow

von
verfasst am

© MaleWitchi_Stock© MaleWitchi_StockIhren Namen verdankt die Hashimoto-Thyreoiditis dem japanischen Arzt Dr. Hakanu Hashimoto, der sie erstmals 1912 beschrieb. Dabei handelt es sich um eine autoimmunverursachte Schilddrüsenentzündung, bei der der Organismus fälschlicherweise Antikörper gegen die Schilddrüse produziert. So entsteht eine chronische Entzündung dieses Organs.

Auslöser ist neben einer genetischen Disposition typischerweise die Veränderung des Immunsystems durch Stress, seelische Belastungen oder Infekte. Die Entzündung der Schilddrüse beginnt oft langsam, sodass der Patient die Symptome zunächst kaum wahrnimmt. Anfänglich machen sich gelegentlich die Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bemerkbar: Durch die Zerstörung der Schilddrüsenzellen kommt es für einige Zeit zur Überschwemmung des Körpers mit frei gewordenen Schilddrüsenhormonen (sog. "Hashitoxikose"). Typische Symptome sind Schwitzen, Herzrasen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Unruhe oder Gereiztheit.

Setzt sich die Zerstörung der Schilddrüse fort, stellt sich häufig eine Unterfunktion (Hypothyreose) ein, die lebenslang bestehen bleiben kann. Mögliche Symptome sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Leistungsabfall, Depressionen, Gewichtszunahme, Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Übelkeit, trockene Haut, brüchige Nägel, vermindertes Sexualverlangen, Kälteempfindlichkeit, Haarausfall, erhöhte Cholesterinwerte, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen.
Greifen Antikörper die Augen an (endokrine Orbitopathie), treten Symptome auf wie Augentränen, gerötete Augen, Trockenheit der Augen, Blendungsempfindlichkeit oder Fremdkörpergefühl. Es kann zu einer Beeinträchtigung oder dem Verlust des Sehvermögens kommen.

Bei etwa jedem vierten Erkrankten können sich in Verbindung mit der Hashimoto-Thyreoiditis weitere Autoimmunerkrankungen einstellen oder bereits bestehen: z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Zöliakie, Anämie, Vitiligo, Morbus Addison, Diabetes oder rheumatische Erkrankungen wie Lupus erythematodes. Diese Erkrankungen lassen sich meist durch einfache Laboruntersuchungen ausschließen.

Laboruntersuchungen bringen schnell Klarheit
Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sind Schilddrüsen-Hormone und werden durch das Hypophysen-Hormon TSH gesteuert. Sie regulieren vorrangig den Eiweiß-, Fett-, und Kohlenhydratstoffwechsel und wirken damit auf die körperliche Entwicklung, das Knochenwachstum, die Muskulatur, den Cholesterinspiegel sowie den Energiestoffwechsel ein. Zum größten Teil sind sie im Blut an Eiweiße gebunden. Ein kleiner Teil des T3 und des T4 kommt frei im Serum vor.

Laboruntersuchungen nach einer einfachen Blutabnahme sorgen daher schnell für Klarheit. Wichtig für die Diagnostik der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Bestimmung der Schilddrüsenantikörper TPO-, TG- und TR-AK, zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion die Bestimmung von TSH, fT3 und fT4.

Als bildgebendes Verfahren eignet sich eine Ultraschalluntersuchung der Schilddüse. Damit lässt sich die zerstörte Binnenstruktur des Organs ohne Strahlenbelastung darstellen. Typisch sind eine starke Echoarmut und Inhomogenität der Schilddrüse.

Behandlung mit Schilddrüsenhormonen
Bei einer durch die Entzündung entstandenen Unterfunktion der Schilddrüse ist oft eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen notwendig. Die Dosiseinstellung orientiert sich vor allem an den Symptomen der Patienten und nicht nur an den Laborwerten. Nicht immer endet die Hashimoto-Thyreoiditis in einer Unterfunktion der Schilddrüse. Eine Hormontherapie ist in diesem Fall nicht notwendig, wenn regelmäßig Kontrollen der Schilddrüsenfunktion durchgeführt werden.

Aufgrund guter Erfahrungen in unserer Praxisklinik hinsichtlich des Patientenbefindens und Krankheitsverlaufs empfehlen wir zur Minderung der Entzündungsreaktion die tägliche Einnahme von 100-300µg Selen und ggf. auch von 25 mg Zink. Eine ausreichende Zufuhr von Eisen, Vitamin B und Magnesium sollte ebenfalls gesichert sein.

Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis sollten zudem auf ausreichende Ruhe- und Schlafzeiten, die Vermeidung von Stress sowie auf regelmäßige Bewegung achten. Auch eine ausgewogene Ernährung ohne zusätzliche Nahrungsergänzung mit Jod, das die Entzündung verschlimmern kann, ist empfehlenswert.

Die genauen Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis liegen noch im Dunkeln. Wahrscheinlich ist sie nur in einem sehr frühen Stadium heilbar, sodass es bereits bei den ersten Anzeichen einer ärztlichen Abklärung bedarf. In den allermeisten Fällen muss man jedoch von einer lebenslangen Erkrankung ausgehen.

Bei konsequenter Überwachung und Therapie ist aber weder die Lebensqualität noch die Lebenserwartung eingeschränkt. Wir empfehlen in der Einstellungsphase eine Kontrolluntersuchung alle 6-8 Wochen. Je nach Krankheitsintensität kann das Kontrollintervall später auf 6-12 Monate ausgedehnt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
33
Interessante Artikel zum Thema „Hashimoto”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Kommentare zum Artikel (6)


25.08.2014 - 11:55 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, Ich habe seit 15...

von Stefanie

... Jahren Hashimoto und auch nie grosse Probleme gehabt war mit Levothyroxin gut eingestellt .seit ca einem halben Jahr schwanken meine werte,Wechseljahre voll im gange, unheimlich.Der Hausarzt hat mich dann von 150 runter gesetzt auf 75 .nach ca 8 Wochen erneute Blutabnahme und wieder schlechte werte,wieder hoch gesetzt auf 150.letzte Blutwerte beliefen sich auf TSH basal 0,24.seit ca 2 Wochen habe ich einen Dauerkloss im Hals und dauernde Übelkeit dabei .habe morgen einen Termin für SD Sonografie.kann die Übelkeit denn was mit den SD werten zu tun haben.vielen dank im vorraus für ihre Antwort MFG

Dr. Lunow

Antwort vom Autor am 27.08.2014
Dr. med. Reinhold Lunow

Hashimoto-Thyreoiditis kann die Ursache für viele Beschwerden sein. Auch Übelkeit ist möglich. Es ist aber kein typisches Symptom für die Hashimoto-Thyreoiditis. Dr. med. Reinhold Lunow Praxisklinik Bornheim

04.08.2014 - 11:11 Uhr

Kann ein Hashimoto-Thyreoditis mit Akupunktur...

von Kathrin

... geheilt werden?

Dr. Lunow

Antwort vom Autor am 03.12.2014
Dr. med. Reinhold Lunow

Akupunktur kann in Einzelfällen zwar einige Symtome lindern,aber heilen kann sie eine Hashimoto-Thyreoidtis nicht. Dr. Reinhold Lunow

06.05.2014 - 18:02 Uhr

Hallo Dr Lunow, habe hier die Werte meiner 15...

von Ulrike

... jährigen Tochter. Leide selbst an HT und würde gerne wissen ob mann an den Werten erkennen kann ob da auch in der Richtung etwas sein kann. 6.11.2013 GOT (AST)

17.04.2014 - 09:53 Uhr

Hallo und ganz vielen Dank für Ihre Antwort. Nun...

von Katja

... bin ich ganz verunsichert, die ursprünglich Diagnose stellte meine Internistin, bestätigt durch den Internisten/ Nuklearmediziner, der die Szinti durchführt. Am Ende nehme ich seit Jahren Tabletten, die ich gar nicht brauche. Über die SD schreibt er auch: unauffälliges, fast homogenes Speichermuster, 16-18g. Die Schwester dort sagte auch zu mir, das L-T 175 arg viel ist, das würden Pat ohne SD nehmen, da wurde ich schon stutzig. Ich habe Anfang Mai einen Termin bei meiner Internistin zur Auswertung der Szinti, können sie mir einen Tip geben, was sie noch überprüfen soll? Alternativ werde ich mir einen Spezialisten suchen, aber ob es hier in Sachsen einen gibt, ist fraglich. Soll ich die L-T 175 nun überhaupt noch nehmen? Ich danke Ihnen sehr für Ihre Mühe.

16.04.2014 - 13:44 Uhr

fehlt ja die Hälfte von meiner Frage: TPO unter...

von Katja

... 10 lU, Tg unter 0,20ng. Die Empfehlung des Artztes lautet: weiterhin L-T 175, dabei sind doch meine Werte gar nicht so übel, oder? Ich werde immer dicker und die Räusperei immer schlimmer. Bin ich mit L-T 175 wirklich gut eingestellt? Danke fürs Antworten.

Dr. Lunow

Antwort vom Autor am 16.04.2014
Dr. med. Reinhold Lunow

Liebe Katja, ich würde die Diagnose von einem auf Hashimoto Thyreoiditis Spezialisten überprüfen lassen.Die Struktur der Schilddrüse scheint nicht die typischen Veränderungen wie bei Hashimoto aufzuweisen und die Schilddrüsenantikörper sind nicht erhöht. Wenn Sie 14 Tage keine Schilddrüsenhormone genommen haben,liegt mit den von Ihnen angegebenen Werten auch keine Unterfunktion der Schilddrüse vor.dies allerdings nur,wenn Sie wirklich wie ich vermute keine Hashimoto Thyreoiditis haben. Die Gewichtsprobleme können auch an andren Stoffwechselstörungen liegen.Deshalb empfehle ich weitere Laboruntersuchungen. Dr. Reinhold Lunow

15.04.2014 - 16:22 Uhr

Hallo, ich habe heute meine Ergebnisse der Szinti...

von Katja

... bekommen. Vor der Untersuchung nahm ich 10 Tage mein L-T 175 nach Anweisung nicht. Das Ergebnis: Bek. chr. AIT Hashimoto seit 2008. SD normal groß, keine Knoten. Labor: fT4: 9,55 pmol, fT3: 3,75 pmol, TSH: 1,91 mU, TPO


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete und Lexikon-Inhalte

Über Krankheiten und Symptome informieren

Das jameda Lexikon