Erhöhtes Brustkrebs- und Eierstockkrebsrisiko bei Hashimoto Thyreoiditis (Teil 1)

Prof. Dr. Schulte-Uebbing

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©drubig-photo-Fotolia.com©drubig-photo-Fotolia.comImmer mehr Patient(inn)en, vor allem Frauen, haben Hashimoto Thyreoiditis. Viele leiden unter Leistungsverminderung, Müdigkeit, Depressionen, Gewichtszunahme etc. Viele Patientinnen mit M. Hashimoto haben unerfülltem Kinderwunsch. Viele haben ein Immundefizit. Patientinnen, die an M. Hashimoto leiden, können auch, wohl über Östrogen-Dominanz, Progesteron-Mangel und Insulin-Resistenz, ein erhöhtes Risiko für hormonabhängige Tumore (Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs) haben.

Es gibt noch keine großen Studien, aber immer mehr Expert(inn)en, v. a. gynäkologische Endokrinolog(inn)en berichten über diese Zusammenhänge. Wir sehen in den letzten zwanzig Jahren immer mehr Patientinnen mit Schilddrüsenunterfunktion (erniedrigtem Freiem T4 und / oder erniedrigtes Freies T3) und erhöhten Schilddrüsenantikörpern (erhöhten Anti- TPO- Werten = MAK- Werten und / oder erhöhten TRAK- Werten), die einen ausgeprägten Progesteron-Mangel und eine ausgeprägte Östrogen-Dominanz haben. Viele haben Myome, Endometriose, starke Blutungen, schmerzhafte Periode, Prämenstruelles Syndrom, Brustspannen (Mastopathie). Viele davon haben hormonabhängige, von Östrogenen (mit-) verursachte Tumore.

Morbus Hashimoto mit seiner hormonellen Konstellation (Schilddrüsen-Unterfunktion, erhöhte Schilddrüsen-Antikörper, Progesteron-Mangel, Östrogen-Dominanz, Insulin-Resistenz) ist problematisch, weil dadurch ein erhöhtes Risiko für Myome, Endometriose, starke Blutungen, schmerzhafte Periode, Prämenstruelles Syndrom, Brustspannen (Mastopathie), und östrogen- (mit) verursachte Tumore bestehen kann: Auch für Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Wir halten diese Zusammenhänge hinsichtlich einer effektiven Krebs-Prävention für sehr wichtig.

Diese wichtigen Zusammenhänge sind bisher leider nur wenigen Expert(inn)en bekannt, die sich damit befassen. Vor allem Endokrinolog(inn)en, Onkolog(inn)en und Immunolog(inn)en. Es wird aber noch Jahre dauern, bis alles letztlich Eingang in die internationalen Standards und Leitlinien gefunden haben wird. Wir berücksichtigen aber in der täglichen Routinearbeit diese Zusammenhange - im Rahmen der Prävention und auch der Rezidiv-Prophylaxe.

Man sollte bei allen Patientinnen, zumindest aber bei jenen, die (anamnestisch, familiär oder genetisch) ein höheres Risiko für Myome, Endometriose, Prämenstruelles Syndrom und vor allem für hormonabhängige Tumore (Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs) besitzen, entsprechende Hormon- und Immunanalysen machen: Besteht eine Schilddrüsenunterfunktion und / oder ein Morbus Hashimoto, so können diese Patientinnen unter Umständen ein höheres Risiko für einen hormonabhängigen, d. h. östrogengetriggerten Brust-, Eierstock- oder Gebärmutterkrebs haben. Dieses ggf. erhöhte Risiko kann dann auch sehr häufig mit einem Vitamin D-, Selen- und Progesteron-Mangel einhergehen. Gleicht man Hormone und Immunsystem rechtszeitig genug aus, kann das erhöhte Risiko wieder gesenkt werden.

Laboruntersuchungen 

Zunächst ist das Wichtigste eine gute ausführliche Anamnese (Beschwerden, Symptome, mögliche familiäre Risiken etc.). Dann wird zum Ausschluss/zur Bestätigung eines M. Hashimoto ein individuelles Labor gemacht. Aus unserer Sicht sehr wichtig sind die kompletten Schilddrüsen-Werte (fT3, fT4, TSH, Anti-TPO (MAK), TRAK) und zum Ausschluss / zur Bestätigung einer Östrogen-Dominanz die Östradiol-, Östron- und Progesteron-Serumwerte zu Zyklus-Mitte (14. Zyklustag von 28), die DHEA-, Cortisol-, Homocystein- und Serotonin-Serumspiegel sowie der Glutathion-, der Vitamin D- und Selen-Serumwerte. Leider zahlen die Kassen nur noch einen Bruchteil der notwendigen Werte!

Morgen wird der zweite Teil veröffentlicht. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (11)


06.09.2017 - 19:45 Uhr

Ich bin an nicht hormonellen Brustkrebs im Okt....

von A. Weit

... 2016 erkrankt. Habe Chemo und Bestrahlung abgeschlossen. Leide an Hashimoto, hatte Myome, starke Blutungen und bin fest davon überzeugt, dass ein Zusammenhang mit meiner Brustkrebs Erkrankung besteht. Welche Krankenkasse übernimmt diese Blutuntersuchungen? Ich möchte gesund bleiben! Und nicht auf gut Glück einfach mal sehen oder Vitamine zum Beispiel zu mir nehmen! Haben sie evtl. Kontaktdaten zu Laboren die preiswert diese Werte für mich bestimmen würden? Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen

05.09.2017 - 16:43 Uhr

Sehr guter Kommentar ich wäre froh wenn Ärzte...

von Sylvia S.

... den lesen würden.

29.01.2016 - 23:30 Uhr

Hallo, ich habe da mal eine Frage. Ich leide unter...

von Nadine

... einer Schilddrüsenunterfunktion, außerdem hatte ich Brustkrebs. Warum spinnt mein Kreislauf jeden Tag, wenn ich nur meine Beine hochmache? Ich hatte 2014 die Op und dann ging es auch gleich los mit den Bestrahlungen und der Chemotherapie. Ich freue mich auf Ihre Antwort. LG, Nadine

01.02.2015 - 14:47 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med, Schulte-Uebbing,...

von Martina

... ein wirklich sehr interessanter Artikel, leider etwas zu spät für mich. Anfangsstadium wie oben beschrieben und dann kam noch vor 2 Jahren Brustkrebs dazu. Ich soll mir beide Brüste abnehmen lassen, da der Krebs hormonabhängig ist. Chemo und Bestrahlung hatte ich abgelehnt! Gibt es sonst noch Möglichkeiten um den Krebs zu besiegen und nicht mehr entstehen zu lassen? Gluten und Milchprodukte versuche ich zu vermeiden, Zucker sowieso! Mit freundlichen Grüßen Martina

27.11.2014 - 09:28 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schulte-Uebbing,...

von Maria

... verzeihen Sie, habe eine falsche Taste gedrückt und das Mail an Sie war schon weg. Deshalb hier nochmals abschließend herzlichen Dank! Mit freundlichen Grüßen Maria

20.06.2014 - 20:45 Uhr

sehr interessant der Artikel. Im Jahre 2006...

von BETTINA

... erheilt ich die Diagnose Hashimoto-enz. Ich wurde mit Kortison und Imurek eingestellt. Heute bei 8mg Urbason und 125 g Imurek.Im April 2013 bekamm auch ich die Diagnose Brustkrebs ,östrogenabhängig.

19.06.2014 - 17:34 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof.Dr.med.Schulte-Uebbing,......

von Steffi

... vielen Dank für Ihren Artikel! Vielleicht können Sie mir weiterhelfen? Ich bin 46 und leide seit dem 12 Lebensjahr an Endometriose, seit ca. 6 Jahren wird es mit der Pille (Maxim) behandelt was bis vor einem Jahr gut anschlug, meine multiovaren Zysten verschwanden, die monatlichen Blutungen normalisierten sich, aber nun habe ich, a) Myome in der Gebärmutter, hatte ich bislang nie. b)mal wieder extreme Gewichtszunahme ca. 30 kg in 12 Monaten. c) Eisenmangel war schon als Kind mein Begleiter d) Depressionen, e) etc. erstaunlicherweise (Hashimoto, bei 2 Omas, der Urgroßmutter, Unterfunktion bei meiner Mutter) sind meine Blutwerte o.b., Ultraschall der Schildrüse ergab: kleine, Echoarma, Schildrüse mit Knoten. Blutwerte: 19.6.14 Bsg- 54 (+) Hämoglobin - 12,3 Hämatokrit - 0,38 MCV - 94 Leuko - 7,8 ery - 4,04 RDW 13,9 Glukose - 96 Thrombozyten - 322 TRAK - < 0,3 TSH - 2,04 MCH - 30,4 MCHC - 32,5 AK gegen TPO - 7 ich nehme täglich 1500 - 1700 kcal zu mir. Ich weiß einfach nicht mehr weiter, bitte helfen Sie mir weiter, Danke!

20.03.2014 - 12:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med....

von Renate

... Schulte-Uebbing, 2009 wurde meine Schilddrüse untersucht, Ergebnis: keine Auffälligkeiten, alles im Normbereich. 2011 Diagnose Brustkrebs, G3 triple negative. Chemo-und Strahlentherapie. 2013 Diagnose: Hashimoto Thyreoditis. Kann dies durch die Chemo entstanden sein? Mit freundlichen Grüßen R.

03.03.2014 - 11:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof.Dr.med.Schulte-Uebbing,...

von Roland

... nach Schilddrüsen-Krebs OP 1990(T2c),gut ausgeheilt, sind die Werte 07/2013: FT3=2,8pg/ml; FT4=1,2ng/dl; TSH=0,2uU/ml Medikation mit L-Thyroxin125 nunmehr auf 112,1x1 Tabl. Meine Daten:Sportler, 70J.,88 kg,1,82m groß. 2007 Prostata- Krebs,PT2c, GleasonSc 4+4=8, R1,Bestrahlg.;2008 Hautkrebs-Op (hell) 25-OH-Vitamin D 7/2013 =30,7ug/l,Testosteron 7/2013=6,63ng/ml Was raten Sie mir bitte? Mit freundlichen Grüßen R.

07.11.2013 - 15:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor, ich lebe seit ca....

von Ingrid

... 20 Jahren unter der Hashimoto und bin laut aller meiner behandelnden Ärzte gut mit L-Thyroxin 112,5 eingestellt. Die Wechseljahre habe ich gut überstanden nur seit einiger Zeit werden die Schlafstörungen unter denen ich schon lange leide massiver. Mein Serotoninspiegel ist sehr erniedrigt aber die Einnahme von Mirtazepin war die Hölle, ich war sehr müde und antriebslos und musste auch wegen einer allergischen Reaktion (Herzrasen und Nervosität) schon nach einer Tablette die Therapie absetzen. Gibt es eine Möglichkeit, in und nach den Wechseljahren die Erkrankung, bzw. die Antikörper zu drosseln und welche Hormonwerte wären zu überprüfen? Cortisol war i. O. Progesteron i. O., nur eben Serotonin viel zu niedrig. Gibt es hier eine Alternative in der Behandlung oder ist nur ein antidepressive hilfreich? Was raten Sie mir? Mit freundlichen Grüßen I.

Prof. Dr. Schulte-Uebbing

Antwort vom Autor am 12.11.2013
Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing

Serotonin ist das sogenannte "Glückshormon". Ein Mangel kann häufig mit Depressiven Verstimmungen einhergehen. Es gibt die Möglichkeit, labor- kontrolliert pflanzliche 5-Hydroxy-Tryptophan- Präparate einzunehmen, z.B. aus Griffonia Simplicifolia. Serotonin- Mangel kann indirekt auch durch einen Vitamin D3- Mangel, durch Progesteron- und Magnesium- Mangel und vor allem durch DHEA- Mangel verstärkt werden. DHEA ist das Anti- Stress / Anti- Aging- Hormon der Nebennierenrinde. Vielleicht brauchen Sie Vitamin D3- Öl, vielleicht mehr Progesteron und Magnesium (abends), vielleicht etwas DHEA (morgens).

06.10.2013 - 15:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Schulte-Uebbing, Ich...

von H

... werde seit 20 Jahren für hashimoto behandelt und nehme L-thyroxin (75 und 100 abwechselnd). Vor 6monaten wurde Brustkrebs bei mir festgestellt (g3, T2, R0, V0, L1, tripple negativ, ki67 60%). Ich bun 40 jahre alt und befinde mich zur Zeit in der adjuvanten Chemotherapie. Ich suche jetzt einen Artz, der sich in der Begleitung der weiteren Behandlung sowie in den Nachkontrollen mit Hashimoto und Brustkrebs auskennt und würde gerne wissen, welche zusaetzlichen Werte es auch sinnvoll wäre zu überprüfen. Vor drei Jahren wurde ich wegen Endometriose operiert und ich leide an starken PMS und Mastopathie. Bisher hatte ich diese Symptome/Krankheit nicht mit meiner Schildrüse in Verbindung gebracht. Nun möchte ich sicherstellen, dass bei mir alle Faktoren/Hormonen berücksichtigt werden und ich im Rahmen meiner Genesung und darüber hinaus richtig eingestellt bin. Diese Unterstützung bekomme ich leider nicht von dem behandelten Onkologen. Mit freundlichen Grüßen, S.

Prof. Dr. Schulte-Uebbing

Antwort vom Autor am 08.10.2013
Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing

Sehr verehrte Fr H, M. Hashimoto macht oft Östrogen- Dominanz und Progesteronmangel bzw. -Resistenz. Dadurch kann das Risiko für Endometriose und auch hormonabhängiges Mamma- CA erhöht sein. Diese Zusammenhänge sollten auch bei Ihnen Berücksichtigung finden. Sie brauchen einen Onkologen, der sich mit diesen endokrinologischen Zusammenhängen auskennt. Gut wäre auch, wenn man das Immunsystem untersucht und optimiert. Auch Endokrine Dysruptoren können ursächlich beteiligt sein. Das kann und sollte ggf. auch Berücksichtigung finden. Falls es Ihnen ggf. möglich ist, nach München zu kommen, können wir Ihnen ggf. helfen. mit freundlichen Grüßen Claus SU


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