Hashimoto-Thyreoiditis: Alles über Häufigkeit, Anzeichen und Verlauf

Dr. Lunow

von
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© fotolia-100152842-glisic_albinaUm die 50 % der Deutschen leiden an einer Schilddrüsenerkrankung (© fotolia-100152842-glisic_albina)Die Hashimoto-Thyreoiditis wurde bis vor einigen Jahren in den medizinischen Lehrbüchern nur am Rande erwähnt, deshalb kennen viele Ärzte die Erkrankung bisher noch nicht oder nur unzureichend. Das ist ein Problem, denn selbst nachdem die richtige Diagnose gestellt wurde, müssen viele Patienten meist einen langen Leidensweg durchlaufen, bevor sie einen Hashimoto-Experten finden, der ausreichend Erfahrung mit dieser Erkrankung besitzt.
 

Welche Ursachen gibt es für Schilddrüsenerkrankungen?

Aktuelle Statistiken zeigen, dass fast 50 % der deutschen Bevölkerung eine Erkrankung der Schilddrüse haben.

In früheren Jahrzehnten galt besonders Jodmangel als entscheidende Ursache für die Entstehung von Erkrankungen der Schilddrüse. Die häufigsten Erkrankungen waren eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma diffusa) oder Knoten der Schilddrüse (Struma nodosa). Seit 10-15 Jahren ist aber ein Anstieg der Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis, zu verzeichnen.
 

Was genau ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Es handelt sich dabei um eine chronische Entzündung der Schilddrüse, die das Organ im Laufe von Jahren mehr oder minder zerstört und dadurch zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt. Der Name der Erkrankung geht auf den japanischen Chirurgen Dr. Hakaru Hashimoto zurück. Er entdeckte die Erkrankung im Jahre 1912.

Weitere Bezeichnungen für die Erkrankung sind "chronisch lymphozytäre Thyreoiditis" oder "Autoimmun-Thyreoiditis".

Hashimoto-Thyreoiditis ist eigentlich keine Schilddrüsenkrankheit, sondern eine Erkrankung des Immunsystems, die die Schilddrüse mit Autoantikörpern angreift. Sogenannte Autoimmunerkrankungen nahmen in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen der Medizin zu. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist dabei jedoch zur häufigsten Autoimmunerkrankung geworden. Schilddrüsen-Spezialisten schätzen, dass inzwischen über 10 % der deutschen Bevölkerung an dieser Erkrankung leiden.
 

Wer ist betroffen?

Hashimoto-Thyreoiditis kommt zwar häufig bei jungen Frauen vor, die Krankheit kann aber in jedem Lebensalter auftreten.  

Bei einem gesunden Menschen bildet das Immunsystem lediglich Abwehrstoffe gegen fremde Bakterien, Viren oder Tumorzellen. Bei einer Autoimmunerkrankung irrt sich das Immunsystem © Andrzej Wilusz - fotoliaSie leiden vermehrt unter Müdigkeit und Erschöpfung? Lassen Sie beim Arzt abklären, ob Ihre Schilddrüse intakt ist! (© Andrzej Wilusz - fotolia)und sieht deshalb auch körpereigene Zellen als fremd an, gegen die es ebenfalls Antikörper bildet.

Im Falle der Hashimoto-Thyreoiditis werden Antikörper gegen die Schilddrüsenzellen gebildet. Diese Antikörper führen zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse.

Die Entzündung ist nicht schmerzhaft und der Patient nimmt die Erkrankung deshalb in der Regel nicht wahr. Die Schilddrüse kann jedoch durch die chronische Entzündung mehr oder weniger zerstört werden, sodass nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone gebildet werden können - eine Schilddrüsenunterfunktion ist die Folge.
 

Wie äußerst sich eine Schilddrüsenunterfunktion?

Typische Symptome einer Schildrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind z.B.

  • Müdigkeit & Erschöpfung
  • Antriebslosigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Depressionen
  • Infekte
  • Haarausfall
  • Infektanfälligkeit
  • Schlafstörungen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Anstieg des Cholesterins
  • Wassereinlagerungen

Bei der Entstehung von Hashimoto-Thyreoiditis müssen die Ursache und der Auslöser der Erkrankung unterschieden werden. Die Ursache ist eine genetisch bedingte Neigung, also eine Erbanlage. Als Auslöser der Erkrankung bei vorbestehender genetischer Disposition gelten u. a. Infektionen, hormonelle Veränderungen, Stress, Infektionen oder übermäßiger Jodkonsum

Drei von vier Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis wissen nicht, dass sie an dieser Erkrankung leiden. Frauen sind mit einem Verhältnis von 9:1 deutlich häufiger betroffen. Dies ist nicht ungewöhnlich für eine Autoimmunerkrankung. Man vermutet, dass die weiblichen Hormone vom Typ der Östrogene der Grund dafür sind. Östrogene stimulieren das Immunsystem. Progesteron und Testosteron haben dagegen eine eher abschwächende Wirkung.
 

Gibt es Therapiemöglichkeiten?

© Alexander Raths - FotoliaEine Ultraschalluntersuchung gibt oftmals Aufschluss (© Alexander Raths - Fotolia)Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis sollten sich in die Behandlung eines Arztes begeben, der Erfahrungen mit Hormon- und Autoimmunerkrankungen hat. Obwohl die Hashimoto-Thyreoiditis inzwischen so häufig vorkommt, gibt es in Deutschland bisher nur wenige Ärzte, die sich auf die Behandlung dieser Erkrankung spezialisiert haben.

Etwa 25 % der Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis bekommen im Laufe ihres Lebens eine weitere Autoimmunerkrankung. Deshalb ist es wichtig, solche zusätzlichen Erkrankungen auszuschließen. Dies ist meist mit einfachen diagnostischen Methoden wie Laboruntersuchungen oder Ultraschall möglich.

Die meisten Patienten werden mit einer geeigneten, individuell angepassten Therapie beschwerdefrei. Ziel der Therapie ist in erster Linie eine Linderung der Symptome und nicht eine Verbesserung der Laborwerte.
 

Gut zu wissen

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine gut zu behandelnde Erkrankung und sowohl die Lebensqualität als auch die Lebenserwartung entsprechen schließlich denen eines gesunden Menschen.

Nicht selten braucht sowohl der Patient als auch der Arzt sehr viel Geduld. Auf Dauer therapieresistente Fälle kommen aber nur selten vor, deshalb sollten Patienten, die nicht sofort eine Besserung verspüren, nicht den Mut verlieren.

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Kommentare zum Artikel (12)


30.07.2017 - 09:51 Uhr

Guten Tag! Seit nunmehr 7 Jahren lebe ich mit...

von Helen

... den Problemen. Ich wüsste gerne einen sehr, sehr guten Endikronologen im Raum Münster, Rheine, Osnabrueck. Könnten Sie mir bitte mit einer Info helfen?

28.06.2017 - 11:46 Uhr

Ich kann Lina voll und ganz zustimmen. Ich habe...

von Martina

... Hashimoto vor 10 Jahren diagnostiziert bekommen. Gute 6 Jahre ging mit der Einstellung aif zuletzt 125 Lt alles gut. Seit mehr als 3 Jahren passt nichts mehr. Ich habe massive Probleme bekommen die lt. Arztaussagen aber nichts mit der SD zu tun haben sollen. Mein t4 ist an der Obergrenze, t3 dümpelt knapp grad im unteren Drittel. Es wird nur nach Blutwerten geschaut, die sind aber gut. Ich weiß nicht mehr weiter. Gute Ärzte gibt es auch im norddeutschen Raum eher nicht. Hat einer einen Rat für mich ?

15.05.2017 - 14:44 Uhr

Der Artikel ist informativ, aber inzwischen gibt...

von Lina

... es viele weitere Erkenntnisse zu dem Thema, die im Text noch ergänzt werden sollten. Z.B. dass es Hashimoto-Patienten gibt, die keine Antikörper haben (3-10% je nach Quelle), zumindest haben diese Betroffenen nicht jene Antikörper, die der Hausarzt und der Endokrinologe misst. Es gibt immer noch Hausärzte, die diesen simplen Fakt nicht kennen! Und wichtig ist auch, dass die neue Obergrenze für den TSH 2,5 ist, nicht darüber. Und dass man eine Hashimoto nie nur anhand vom TSH-Wert, sondern nur anhand des Gesamtpaketes TSH, fT3, fT4, Antikörper und Schilddrüsensonographie diagnostizieren bzw. ausschließen kann. Auch ich gehöre zu den Betroffenen, bei denen die Standard-Antikörper fehlen. Zudem wurde eine pathologische Sonographie falsch ausgewertet, daher wurde ich fast 15 Jahre fehldiagnostiziert. Wichtig ist auch zu wissen, dass laut neuesten Studien Hashimoto Patienten ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkarzinome haben, weshalb es wichtig ist, alle Betroffenen richtig und zügig zu diagnostizieren. Es wird deshalb auch empfohlen, den TSH-Wert bei Hashimoto um oder unter 1 zu halten. Wichtig ist auch zu wissen, dass bei ca. 16% der Betroffenen die L-Thyroxin-Therapie nicht ausreicht. Siehe die Studie von Prof. K.-M. Derwahl, der herausfinden konnte, dass diese Patienten zusätzliches Trijodthyronin (T3) benötigen, um ein Wohlbefinden zu erreichen. Da die zusätzliche Gabe von T3 zumeist den TSH Wert supprimiert, wird ihnen dieses Medikament zumeist verweigert. Auch weil diese Patienten meist normale freie Werte haben. Man kann jedoch an den Schilddrüsenwerten nur in Ausnahmefällen erkennen, wer von der T3 Gabe profitieren würde und wer nicht. Da es sich um einen Enzymdefekt in den Körperzellen der Betroffenen (Dejodase 2 Mangel) handelt, wäre ein Gentest zum Nachweis nötig, den die Krankenkasse aber nicht zahlt. Daher können diese Betroffenen nur durch versuchsweise zusätzliche Einnahme von T3 (unter ärztlicher Aufsicht schrittweise alle 6-8 Wochen in kleinen, z.B. 2,5mcgr Schritten dazugeben) herausfinden, ob sie zusätzliches T3 benötigen. Außerdem gibt es Patienten, bei denen synthetische Schildrüsenhormone zwar die Blutwerte "normalisieren", aber nicht die körperlichen und psychischen Hypothyreosesymptome beseitigen. Objektive Parameter wären da z.B. eine weiterhin bestehende erniedrigte Aufwachtemperatur, erhöhte Cholesterinwerte und ein weiterhin verlangsamter Achillessehnenreflex. Diese Betroffenen können einen Versuch mit natürlichen Schilddrüsenhormonen starten, jedoch sind nur wenige Ärzte darauf spezialisiert und die Kosten sind selbst zu tragen.

19.04.2017 - 09:30 Uhr

Also ich leide auch an dieser Krankheit und nehme...

von Angela

... nur zu, ohne dass ich viel esse. Kann mir jemand einen guten Arzt in Köln empfehlen?

16.04.2017 - 15:49 Uhr

Hallo suche ein guten Arzt, der sich auskennt ......

von Kama

... War schon bei 3 und jeder stelt mich anders ein und ich habe schon 30 Kilo zugenommen und Depressionen, Schlafstörungen und Dauernüdigkeit und keine Lust auf nix.

13.04.2017 - 15:27 Uhr

Guten Tag! Ich bin auch an einem Kollegen in Köln...

von Kerstin

... interessiert. Lieben Dank!

06.04.2017 - 15:06 Uhr

Guten Tag, würde gerne wissen, ob Sie mir einen...

von Anne

... Arzt in Köln empfehlen können. Danke

05.04.2017 - 18:16 Uhr

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir einen guten...

von Tanja

... Arzt in meiner Nähe empfehlen könnten. Ich wohne in der Nähe von Frankfurt am Main und bin gerne bereit, einige Kilometer zu fahren! Besten Dank im Voraus!

05.04.2017 - 16:16 Uhr

Würde gerne wissen, wo es Ärzte in...

von Andrea N.

... Süddeutschland gibt, die Erfahrung mit dieser Krankheit haben. Vielen Dank

03.04.2017 - 20:31 Uhr

Ich bin seit 11/2014 in Behandlung und es ist noch...

von Christa K.

... keine Besserung eingetreten.Ich nehme Theroxin 100 und Liothyronin. Liothyronin habe ich seit dem letzten Arztbesuch abgesezt (laut Arzt). Aber es verbessert sich nichts. Ich leide unter Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit Schlafstörungen usw. Was kann man noch tun ?

03.04.2017 - 19:37 Uhr

Guten Tag, Können Sie mir bitte einen Kollegen...

von Mara

... in Köln zu Hashimoto empfehlen? Vielen Dank. Viele Grüße

03.04.2017 - 19:35 Uhr

Ich habe schon lange Beschwerden.

von Nhlla F.


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